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Evonik-Börsengang, Steag und die Dortmunder Stadtwerke

In Dortmund | Am 22 Februar 2013 | Von Stefan Laurin

steagDie Entscheidung für den Evonik-Börsengang im April könnte  für die Dortmunder Stadtwerke eine schlechte Nachricht sein. Geht es um das Thema Steag, gibt es nur noch wenig Verhandlungsspielraum.

Im April wird nach einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) Evonik an die Börse gehen. Damit haben alle Hoffnungen von Seiten der Politik, das Unternehmen werde seine Steag-Beteiligung länger als ursprünglich geplant halten, einen Dämpfer bekommen. Wahrscheinlich wird  Evonik nun darauf bestehen, dass das Stadtwerke-Konsortium wie vereinbart bis spätestens Anfang 2016 seine 49 Prozent an der Steag übernehmen werden. der Preis: um die 650 Millionen Euro. Geld, dass die Stadtwerke nicht haben und dass sie sich auf dem Kapitalmarkt besorgen müssen.

Die  Stadtwerke Essen, Bochum, Duisburg, Dinslaken, Oberhausen halten zusammen  64 Prozent an dem 51 Prozent  Anteil des Stadtwerke-Konsortiums an der Steag. Dortmund ist über DSW21 und DEW21 sind zusammen mit 36 Prozent dabei. Die Dortmunder Stadttöchtern werden damit zusammen eine doppelt so hohe Last schultern müssen als die Tochterunternehmen der anderen Revier-Kommunen.

Schon hat SPD-Chef Drabig in diesem Blog angeregt, das Land solle die Stadtwerke finanziell beim Kauf der restlichen Anteile unterstützen. In Kreisen der Landesregierung löste dieser Vorschlag keine Begeisterung aus. Auch der Haushalt der Landesregierung ist heillos überschuldet. Die Lust auf weitere finanziellen Abenteuer ist eher gering ausgeprägt.

Die Steag-Beteiligung erweist sich einmal mehr als eines der größten Risiken für die Stadtwerke im Ruhrgebiet – und durch seine große Beteiligung ist Dortmund von diesen Risiken gleich doppelt betroffen


4 Kommentare zu »Evonik-Börsengang, Steag und die Dortmunder Stadtwerke«

  1. #1 | Erdgeruch sagt am 22. Februar 2013 um 10:13

    Wie ich Herrn Drabig verstanden habe, fordert er eine Landesbürgschaft, um – analog zu den Eurohilfen – die Kreditzinsen zu senken. Eine Bürgschaft der Kommunen wäre zwar theoretisch möglich, aber technisch schwieriger. Alle Kommunen und Räte müssten mitziehen, die beiden Bezirksregierungen mitspielen und die Banken mitmachen. Viele Spieler, viel mehr Risiko. Insofern ist sein Vorschlag nicht von der Hand zu weisen, zumal politisch geschickt, denn die Landesregierung, die den Deal doch massiv vorangetrieben hat – sogar mit einer Lex STEAG -, kann sich ja wohl kaum öffentlich hinstellen und das ganze Geschäft als zu risikoreich zu erklären, ohne sich selbst zu belasten.

    Das Verhalten von Evonik hängt sicher vom Mehrheitseigentümer, der RAG-Stiftung, ab. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die dort verantwortenden Vertreter der Parteien, außer sicher der FDP, sich als Vernichter von Arbeitsplätzen darstellen lassen wollen, zumal hier auch die IGBCE sicher Druck macht. Diese kontrolliert zudem stark bei der Immobilientochter Vivawest mit (Ich zähle da sogar die Mehrheit im Aufsichtsrat), die ja auch versilbert werden soll und weitaus mehr Wert und Bedeutung hat als die STEAG. Das erklärt auch sicher das merkwürdige Papier von Evonik und der IGBCE zur STEAG.

    Die Risikofrage scheint mir sicher weiterhin unklar. Die Intransparenz befördert sicher alle Spekulationen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es den Kommunen bei der Suche nach Kreditgebern für die zweite Tranche hilft. Möglicherweise bestehen hier sogar Interessen die Kredite möglichst zu verteuern, um maximal Geld zu verdienen. Vielleicht will sich auch jemand doch einkaufen und will den Preis senken. Ich würde jedenfalls in diesem Spiel niemanden leichtfertig trauen.

  2. #2 | Pottblog sagt am 22. Februar 2013 um 12:59

    Links anne Ruhr (22.02.2013)…

    Dortmund: Evonik-Börsengang, Steag und die Dortmunder Stadtwerke (Ruhrbarone) – Duisburg: Bei Rockerkontrollen: Polizei erwischt Wohnungseinbrecher (RP-Online) – Herne: Streik trifft wohl den Rhein-Herne Kanal (WAZ.de) – Ausl……

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 22. Februar 2013 um 14:11

    @Erdgeruch: Evonik geht an die Börse – das Unternehmen muss dann Ergebnisse liefern. Die Steag-Beteiligung bringt dem Unternehmen nach Schätzungen 20-25 Millionen Euro Rendite im Jahr – und wie lange das die Steag zahlen kann, ist unsicher. Der Verkauf, das Ziehen der Put-Option bringt ca. 600 Millionen Cash, die die Evonik in zukunftssichere Geschäfte investieren kann. Und Börsengang heißt ja auch, dass die RAG-Stiftung irgendwann die Mehrheit nicht mehr hat, aber dafür das Geld aus dem Börsengang, mit dem sie die Ewigkeitskosten des Bergbaus finanzieren muss.

  4. #4 | Erdgeruch sagt am 22. Februar 2013 um 16:33

    Ich denke eben nicht, dass ein Börsengang so schnell zu einer Minderheitsposition des Mehrheitseigners führen wird, zumal ja jetzt auch nur an ausgewählte institutionelle Anleger verkauft werden soll. Schließlich haben derzeit alle Stiftungen erhebliche Anlageschwierigkeiten. Da wird wahrscheinlich schlicht kühl gerechnet. Ich denke auch, dass hier vor allem der Fond getrieben hat, der zudem seine Sperrminoritiät verliert, was der Stiftung sicherlich gefällt.

    Ich denke schon, dass sich das STEAG-Geschäft für Evonik nur durch Verkauf rechnet, sehe aber eben die Mehrheitsfindung im Aufsichtsrat noch nicht so ganz. Der menschliche Faktor spielt da eine größere Rolle. Da wäre ich nicht so voreilig in der Beurteilung.

    Aber wir werden sehen, denn niemand wird viel dazu öffentlich sagen.

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