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Henning Kullak-Ublick, der ‘Bund der Freien Waldorfschulen’, und die Glaubwürdigkeit

An Inquiry into Meaning and Truth 580

 

Die von André Sebastiani, Gastautor der Ruhrbarone, initiierte Petition „Gegen die geplante staatliche Waldorfschule in Hamburg“ macht weiter Schlagzeilen. Nun berichtete auch der Deutschlandfunk. Und Henning Kullak-Ublick, Vorstand des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, hält urplötzlich eine „Waldorf-Schule light“ für möglich, nachdem diese zuvor von Waldorf-Seite entschieden abgelehnt worden war: ist Kullak-Ublick glaubwürdig? Von Andreas Lichte.

Als Kommunikationschef des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ scheint Kullak-Ublick dem selbsternannten Hellseher Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik und der esoterischen Weltanschauung Anthroposophie, nacheifern zu wollen. Rudolf Steiner sagt:

„Das müssen wir uns immer wiederum vor die Seele stellen, dass wir nicht aus Urkunden schöpfen, sondern dass wir schöpfen aus der geistigen Forschung selbst und dass wir dasjenige, was aus der Geistesforschung geschöpft wird, in den Urkunden wieder aufsuchen … Was heute erforscht werden kann ohne eine historische Urkunde, das ist die Quelle für das anthroposophische Erkennen.“1

Es zählt, was der anthroposophische Hellseher sieht, und nicht, was in „Urkunden“ steht, also dokumentiert ist.

Dokumentiert ist, dass der Lehrplan der ersten Waldorfschulen „Rassenkunde“ enthielt, die in der siebten Klasse einzuführen sei, samt der Diskussion des „Gegensatzes von nördlicher und südlicher Volksart“ und dem kulturellen Ausdruck von „fremden Volksseelen“.2

Bei einer Pressekonferenz des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ zu Rudolf Steiners Rassismus erklärte Kullak-Ublick aber im Widerspruch zur oben dokumentierten Geschichte der Waldorfschule:

„Schon bei ihrer Gründung sind die Waldorfschulen mit einem Ansatz angetreten, der im krassest möglichen Gegensatz zu den Beschuldigungen [des Rassismus in der Waldorfschule] steht“.3

Am 6. September 2007 entschied die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM), dass Bücher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben. Und auch hier fühlt sich Kullak-Ublick nicht an Fakten gebunden:

„(…) So erläuterte Henning Kullak-Ublick, Mitglied im Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur der Hörerschaft, die Bundesprüfstelle habe die inkriminierten ‘Stellen für unwesentlich erklärt und … sie eben nicht indiziert. Gerade das hat sie ja nicht getan. Sie wäre dazu verpflichtet gewesen, wenn sie die eben als rassendiskriminierend angesehen hätte.’ Angesichts der Tatsache, dass in der Entscheidung 5505 [der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien] explizit steht, dass das Zwölfergremium zu dem Ergebnis gekommen ist, dass ‘Die Mission einzelner Volksseelen’ in Teilen ‘als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen’ sei, muss sich Kullak-Ublick eine Verdrehung der Fakten vorwerfen lassen. (…)“4

Kommen wir zum aktuellen Beitrag des Deutschlandfunks „Widerstand gegen staatliche Waldorfschule in Hamburg“, der so schliesst:

„Waldorf-Schulen-Sprecher Kullak-Ublick hält sie auf jeden Fall für möglich: die ‘Waldorf-Schule light’.“

Ein spektakulärer Sinneswandel, denn von Waldorfseite war eine „Waldorfpädagogik light“ entschieden abgelehnt worden. So hiess es in der „erziehungsKUNST”, Publikation des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, ursprünglich, Zitat:

„Die Interkulturelle Waldorfschule Hamburg-Wilhelmsburg in städtischer Trägerschaft wird eine Symbiose zwischen dem Initiativkreis der Waldorfschule Wilhelmsburg, der Schulbehörde und dem bestehenden Kollegium in der Fährstraße darstellen. Dieses Resultat heißt weder ‘Waldorfpädagogik light’, noch dass die Waldorfpädagogik zu einem beliebig austauschbaren Methodenbaustein innerhalb der Staatsschulpädagogik wird, wie die Schulinitiative in ihrer Pressemittelung vom 9. August [2012] erklärt.“

Wer den Artikel der erziehungsKUNST „Wilhelmsburg: Waldorfschule in staatlicher Trägerschaft startet“ sucht, in dem diese eindeutige Aussage gemacht wurde, findet ihn nicht mehr. Er wurde nicht etwa gelöscht – was schon unseriös genug wäre – sondern durch einen anderen Artikel ersetzt, teste die automatische Weiterleitung: http://www.erziehungskunst.de/nachrichten/inland/wilhelmsburg-waldorfschule-in-staatlicher-traegerschaft-startet/

Wenn Dokumente plötzlich im Widerspruch zum erwünschten neuen Image stehen, kann man sie auch einfach verschwinden lassen, oder „retuschieren“, ein Vorgang, wie er aus Diktaturen bekannt ist.

Nach dem geschilderten Umgang mit Dokumenten und Fakten mag jeder selber entscheiden, ob er Henning Kullak-Ublick – oder ganz allgemein, den „Bund der Freien Waldorfschulen“ – weiter für glaubwürdig halten möchte.

 

Die Ruhrbarone über die „staatliche Waldorfschule“ in Hamburg:

Erste deutsche staatliche Waldorfschule: Wirbt Christian Füller, taz, für die ‘Sekte’ Anthroposophie?

Esoterik an Waldorfschulen – Bildung dank „Bildekräften“: Lest Rudolf Steiner! – Dr. Jana Husmann über die Waldorfschule als esoterische Weltanschauungsschule

Waldorfschule in staatlicher Trägerschaft – offener Brief an Senator Ties Rabe, Hamburg – Infos zum anthroposophischen Hintergrund der Waldorfpädagogik

 

Die Ruhrbarone über Waldorfpädagogik und Anthroposophie – eine Auswahl:

Waldorfschule: Versteinerte Erziehung – Übersichtsdarstellung der Waldorfpädagogik und Anthroposophie von André Sebastiani

3 Jahre Rudolf Steiner ist „zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“ – die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) entschied, dass Bücher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben

Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’ Anthroposophie im Geschichtsunterricht der Waldorfschule

Anthroposophie und Nationalsozialismus: „Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft“ über die anthroposophische Zusammenarbeit mit nationalsozialistischen Organisationen

Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein – Interview mit dem Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, der eine „Waldorf-Schule-Light“ für nicht möglich hält



1 Rudolf Steiner, „Das Lukas-Evangelium“, GA 114, S. 22 u. S. 20 – zitiert nach:

Jan Badewien, „Faszination Akasha-Chronik. Eine kritische Einführung in die Geisteswelt der Anthroposophie“, Vortragsmanuskript der Tagung: „Anthroposophie – kritische Reflexionen“, Humboldt-Universität Berlin, 21.07.2006

2 Peter Staudenmaier, „‘…out of the frying pan and into the fire’: Rassismus und Geschichtsmetaphysik – Rezension von Peter Staudenmaier“, waldorfblog, 22. Dezember 2012:

„Martins might have mentioned, for example, Steiner’s instructions to the first generation of Waldorf teachers to include ‘knowledge of races’ and ‘the different races and their various characteristics’ in the elementary years at the original Waldorf school (Steiner, ‘Discussions with Teachers’, 23), or Steiner’s recommendation that Waldorf faculty teach children about ‘the worst Oriental peoples’ and their ‘Mongolian-Mohammedan terror’ which had supposedly threatened Europe for centuries (Steiner, ‘Pädagogisches Seminar’, ‘Erziehungskunst’, February 1933, 241-53).

These were not isolated comments; the first Waldorf schools did in fact incorporate ‘Rassenkunde’ or ‘racial studies’ within their curriculum, determining that ‘racial studies’ were to be introduced in the seventh grade, along with discussion of ‘the contrast between Northern and Southern ethnic types’ and the cultural impact of ‘foreign national souls’ (Caroline von Heydebrand, ‘Vom Lehrplan der Freien Waldorfschule’, Verlag der Freien Waldorfschule, 1931, 25, 41, 47). As Ida Oberman points out, ‘Racial theory has a place in the Waldorf curriculum as designed by Rudolf Steiner.’ (Oberman, ‘The Waldorf Movement in Education from European Cradle to American Crucible’, 1919-2008, 132)“

3 Sebastian Christ, „‘Kein Rassismus im Werk Rudolf Steiners’“, stern.de, 16. November 2007

4 Gunnar Schedel, „Bundesprüfstelle an der Nase herumgeführt“, Humanistischer Pressedienst, 21.11.2008 · Nr. 5805

 

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26 Kommentare zu “Henning Kullak-Ublick, der ‘Bund der Freien Waldorfschulen’, und die Glaubwürdigkeit

  • #1
    Dada

    Ja nee is klar. Da hat sich mal wieder jemand dezidiert mit dem Thema beschäftigt. Ironie Off.

    Steiners Aussagen müssen im zeitlichen Kontext gesehen werden. Aber so weit kann hier ja keiner denken…

    Waldorfschüler – alles Rassisten? Ja sicher!

  • #2
    Andreas Lichte

    @ Dada #1

    Falls Sie sich – zum ersten Mal in Ihrem Leben? – mit dem Thema Rudolf Steiners Rassismus beschäftigen wollen:

    „(…) Historiker wie Peter Staudenmaier und Helmut Zander stellen die Rassenlehre Rudolf Steiners als ZENTRAL für die Anthroposophie heraus. Steiners esoterische Evolutionslehre – die „Menschheitsentwickelung“ – ist Beweggrund und Ziel der Anthroposophie, Zitat Staudenmaier:

    „Ausgehend von Blavatskys4 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer ‘höheren’ Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht IM MITTELPUNKT von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”5

    Zum Vergleich Helmut Zanders zusammenfassende Darstellung von Rudolf Steiners Rassenlehre, Zitat Zander:

    „Steiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als ‘degenerierte Menschenrasse’ im ‘Hinsterben’ (GA 105,106.107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewußtseinsentwicklung, als ‘degenerierte’, ‘zurückgebliebene’ Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weiße Rasse ‘das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet’ (GA 107,288 [1909]). Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vorträgen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, ‘popularisierter’ Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weiße war nun ‘die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse’ (GA 349,67 [1923]).“6

    „Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von ‘degenerierten’, ‘zurückgebliebenen’ oder ‘zukünftigen’ Rassen keine ‘Unfälle’, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“7 (…)“

    Quelle: Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’

  • #3
    Henning Kullak-Ublick

    Herr Lichte, ich kann Sie beruhigen: „Waldorfschule light“ stammt nicht von mir, sondern ist eine Interpretation meiner Aussage, dass sich in Wilhelmsburg nicht zwei starre Systeme, sondern reale Pädagogen begegnen – und bevor man das Ergebnis etikettiere, solle man doch erst einmal abwarten, was die zusammen rauskriegen.

  • #4
    Arnold Voss

    @ Dada

    Doch, so weit kann hier jeder denken. Nur ändert das nichts an der Tatsache, dass Steiner heute noch die Grundlage der Waldorf-Philosophie und -Pädagogik ist.

  • #5
    Andreas Lichte

    @ Henning Kullak-Ublick

    Wann ist eine Waldorfschule eine Waldorfschule? Und wann wird „Waldorfschule“ zu einem „Etikettenschwindel“?

    Im Artikel von SpiegelOnline „Ein bisschen Regelschule, ein bisschen Waldorf“ heisst es, Zitat:

    „Der Bund der freien Waldorfschulen unterstützt die Hamburger Pläne. Ihr Sprecher Henning Kullak-Ublick sagte, die staatliche Trägerschaft könne den Wilhelmsburgern finanzielle Probleme ersparen. Es sei aber auch wichtig, dass sich die Hamburger Schulaufsicht nicht zu sehr in die inhaltliche Arbeit einmische. „Wir sind neugierig, ob das Kollegium so autonom bleibt, dass wir das unterstützen können“, sagte Kullak-Ublick. Wenn nicht, sei das Ganze nur „Etikettenschwindel“.“

    Waldorfpädagogik ist kein „beliebig austauschbaren Methodenbaustein“, wie es im verschwundenen Artikel der erziehungsKUNST „Wilhelmsburg: Waldorfschule in staatlicher Trägerschaft startet“ richtig heisst.

    Zur Konkretisierung ein Beispiel: Natürlich könnte man „Epochenunterricht“ – Unterricht in Epochen von mehreren Wochen pro Fach – in beliebigen Schulformen als Unterrichtsform wählen, dazu braucht man keine Waldorfschule.

    Waldorfpädagogik ist die umfassende – „ganzheitliche“ – Umsetzung der pädagogischen Vorgaben Rudolf Steiners, die untrennbar mit der Anthroposophie verbunden sind. Einzelne Aspekte zu isolieren ist nicht sinnvoll.

    Allerdings gibt es ein Charakteristikum, das wesenhaft für die Waldorfpädagogik ist: die besondere Rolle des Klassenlehrers als wichtigste Bezugsperson der Schüler, als „geliebte Autorität“.

    Würde der „Bund der Freien Waldorfschulen“ weiter die „staatliche Waldorfschule“ unterstützen, wenn die Rolle des Klassenlehrers in Frage gestellt würde? Wenn der „Hauptunterricht“ gemeinsam von einem Waldorflehrer und einem Regelschullehrer durchgeführt würde?

  • #6
    Andreas Lichte

    @ Henning Kullak-Ublick #3

    Henning Kullak-Ublick, Bund der Freien Waldorfschulen, im Interview mit Axel Schröder, Deutschlandfunk, bisher unveröffentlichter O-Ton:

    Axel Schröder: „Kann es denn so was geben in Wilhelmsburg – wenn diese beiden Schulformen sozusagen zueinanderfinden, die bestehende und die Waldorf-Schule – dass es am Ende so etwas gibt wie eine »Waldorf-Schule light«?“

    Henning Kullak-Ublick: „Was jetzt in Deutschland passiert, das ist tatsächlich ein Novum, und da sind wir alle sehr gespannt, was dabei herauskommt.

    Theoretisch ist auch eine »Waldorfschule Light« denkbar, wie Sie das jetzt nennen, ob es dann noch von uns als Waldorfschule anerkannt werden kann, oder als Waldorf-Versuchsschule, das – denk ich mal – das sollten wir einfach mal abwarten, wie da die Verhandlungen laufen.“

  • #7
    Henning Kullak-Ublick

    Ja, das war die Frage nach „Waldorf light“ und meine Antwort dazu. Ich hätte mir diese Formulierung nicht ausgedacht und halte sie auch für so abstrakt, dass sie eigentlich gar nichts aussagt, aber wie schon gesagt: Warten wir doch erst einmal ab, was die beteiligten Pädagogen bei ihren Gesprächen als das Profil dieser Schule entwickeln. Welchen Status sie dann von der Hamburger Schulbehörde und vom Bund der Freien Waldorfschulen zugesprochen bekommt, wird sich daraus ergeben. Meine aus SpiegelOnline zitierte Aussage, ich könne mir eine Waldorfschule ohne ein hohes Maß an Autonomie des Kollegiums nicht vorstellen, steht dazu ja nicht im Widerspruch – ich kann mir ein zivilgesellschaftlich organisiertes Schulwesen generell nicht ohne ein hohes Maß an Autonomie vorstellen. Zentralistische Strukturen sind mir – besonders im Bildungswesen – grundsätzlich suspekt.
    Noch ein Wort zur Rolle des/der KlassenlehrerIn in den ersten Schuljahren: Was Steiner die „geliebte Autorität“ nannte, interpretiere ich als Gegenentwurf zu einer quasi „institutionalisierten“ Autorität, die sich nicht über ihre pädagogische Kompetenz, sondern über ihren beamtenrechtlichen oder sonstigen Status definiert. Für mich (selbst 27 Jahre lang Klassenlehrer) war das in ertser Linie eine Aufforderung zur Zuverlässigkeit, Authentizität, zum Interesse an jedem einzelnen Kind sowie zur fortlaufenden Arbeit an meiner pädagogischen, sozialen und Fachkompetenz – kurz: zur Selbsterziehung. Es geht nicht um die Liebe, die man als Lehrer empfängt, sondern um die Möglichkeit für die Kinder, in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Zuversicht lernen zu können. Dabei helfen heute mehr denn je feste Bezugspersonen. Natürlich kann ich mir das auch sehr gut im Team vorstellen, allerdings ohne jetzt daraus wieder ein neues Dogma abzuleiten.
    Mit einem letzten Satz möchte ich mich aus diesem Strang wieder ausklinken: Ganz gleich, wie die Wilhelmsburger Schule einmal heißen wird: Die dort arbeitenden LehrerInnen machen schon jetzt einen bewundernswerten Job und ich wünsche ihnen für ihre Arbeit alles Gute!

  • #8
    Andreas Lichte

    @ Henning Kullak-Ublick #7

    „Geliebte Autorität“ habe ich anders gelernt, am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ – anders erlebt, in der „Rudolf Steiner Schule Berlin“ Dahlem – und wird von Rudolf Steiner anders beschrieben, zum Beispiel so:

    „Gibt es nicht Menschen, welche, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben, wie segnend unter ihre Mitmenschen treten, rein durch ihre Anwesenheit? Wir wissen es ja, es kann irgendeine Gruppe von Versammelten sein – ein solcher Mensch tritt herein, und nicht so sehr, was er spricht, sondern einzig und allein, daß er da ist, wie er spricht, wie der Tonfall seiner Stimme und seiner Gebärde ist, das wirkt wie Gnade ausgießend auf seine Umgebung. Solche Menschen können uns lehren, wenn wir zurückblicken in ihre frühere Kindheit, wodurch sie in dieser Weise wie Gnade gebend, wie Segen spendend geworden sind: sie sind es dadurch geworden,

    daß sie als Kind die Möglichkeit gehabt haben, durch das fast religiöse Verhältnis zu der geliebten Autorität, verehren zu können, in Ehrfurcht aufschauen zu können.

    Niemand kann in seinem Alter segnen, der nicht in seinem Kindesalter in Hochschätzung vereh­rend aufgeschaut hat zu einer geliebten Autorität. Ich möchte das symbolisch so ausdrücken: Derjenige, der da will im späteren Lebensal­ter die Hand zum Begnaden, zum Segnen ausbreiten, der muß sie im kindlichen Alter zum Gebete richtig innerlich gefaltet haben. So wirkt das Falten der Hände, symbolisch gesprochen, zu dem Segnen der Hände von dem Kindesalter hinüber in das späteste Lebensalter.“

    Rudolf Steiner, „Anthroposophische Menschenkunde und Pädagogik„, G304a, DIE WALDORFSCHUL-PÄDAGOGIK, Ilkley,10. August 1923, Seite 103

  • #9
    Hubert Kögler

    ich betrachte mich selbst als gepägt von Anthroposophie. In meinem Leben habe ich unabhängig davon auch Begriffe wie Neger und Schlitzauge gebraucht. Kann ich daher als Rassist bezeichnet werden? Müsste man fairerweise nicht mehr von mir wissen, bevor man das behauptet?
    Nicht Zander und Staudenmeier haben etwas aufgedeckt, sondern Anthroposophen, spät genug, haben über Rasissmus bei Steiner geforscht. Die anthroposophische Gesellschaft in Holland hat das veröffentlicht und zitiert, ich denke es sind 12 Stellen, die in Steiners gewaltigem Werk aus heutiger Sicht als rassisstisch problematisch bezeichnet werden müssen. Es muss jedoch auch auf hunderte von Stellen hingewiesen werden, in denen Steiner von der zunehmenden Überwindung des Rassengedankens und von der Wichtigkeit der individuellen Entwicklung, gleich wo, schreibt. Ist das Weglassen (retouchieren) dieser Tatsachen journalistisch akzeptabel?
    Wenn ich mein bewusstes Erleben mit meinen Eltern und Großeltern betrachte, kann ich nur zustimmen, wie Steiner Recht hatte. Wir sind heute typischerweise weniger rassich, volks-, region-, lokal-, familienbezogenbezogen. Aber das heißt doch nicht, dass meine Eltern, Großeltern und ihre Zeitgenossen verurteilt werden müssen.
    Fühlen sich Ruhrbarone überlegen?

  • #10
    Andreas Lichte Artikelautor

    @ Hubert Kögler #9

    bitte wenden Sie sich direkt an Laura Krautkrämer, Medienstelle Anthroposophie, Info3. Der anthroposophische Verlag Info3 hat das Buch von Ansgar Martins, „Rassismus und Geschichtsmetaphysik: Esoterischer Darwinismus und Freiheitsphilosophie bei Rudolf Steiner“ veröffentlicht, eine kritische Auseinandersetzung mit Rudolf Steiners Rassismus. Laura Krautkrämer wurde bereits von mir per e-mail informiert, siehe unten:

    Von: Andreas Lichte
    Datum: 1. März 2013 16:54:36 MEZ
    An: Medienstelle Anthroposophie / Laura Krautkrämer
    Betreff: Re: anthroposophischer Kommentar

    Sehr geehrte Frau Krautkrämer,

    (…) Sie sollen diesen: http://www.ruhrbarone.de/henning-kullak-ublick-der-bund-der-freien-waldorfschulen-und-die-glaubwuerdigkeit/comment-page-1/#comment-411338 Anthroposophen – „Hubert Kögler“ – zur Vernunft bringen.

    „Hubert Kögler“s Kommentar ist eine Ansammlung von verschiedenen Falschdarstellungen zu Rudolf Steiners Rassimus, die von anthroposophischer Seite in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden.

    „Hubert Kögler“s Kommentar spiegelt also die „sektenhafte“ Abwehr von Kritik, wie sie von vielen Anthroposophen bekannt ist (…)

  • Pingback: Henning Kullak-Ublick, der ‘Bund der Freien Waldorfschulen’, und die Glaubwürdigkeit | Ruhrbarone | Antroposofie in de media

  • #12
    André Sebastiani

    @ Henning Kullak-Ublick #7

    Sie schreiben:

    „Meine aus SpiegelOnline zitierte Aussage, ich könne mir eine Waldorfschule ohne ein hohes Maß an Autonomie des Kollegiums nicht vorstellen, steht dazu ja nicht im Widerspruch – ich kann mir ein zivilgesellschaftlich organisiertes Schulwesen generell nicht ohne ein hohes Maß an Autonomie vorstellen. Zentralistische Strukturen sind mir – besonders im Bildungswesen – grundsätzlich suspekt.“

    Stellt der Bund der Freien Waldorfschulen nicht selbst eine „zentralistische Struktur“ dar?

    Der Bund der Freien Waldorfschulen hält die Namensrechte und darf bestimmen, welche Schule in freier Trägerschaft sich „Waldorfschule“ nennen darf und welche nicht. Dabei achtet der Bund der Freien Waldorfschulen streng darauf, dass das, was in den Schulen passiert im Einklang mit den engen Vorgaben der Waldorfpädagogik steht, die Rudolf Steiner entworfen hat. Das steht jedoch in krassem Widerspruch zu Autonomie der Kollegien, von der Sie reden.

    Von daher zeichnen Sie in meinen Augen ein schiefes Bild, wenn Sie von zentralistischen Strukturen auf Seiten der Staatsschule und Autonomie auf Seiten der Waldorfschulen sprechen.

    Unterrichtsautonomie ist ein wesentliches Prinzip an staatlichen Schulen. Über die Lehrpläne werden zwar Lernziele und Unterrichtsinhalte vorgegeben, wie ich diese erreiche steht mir als Lehrer aber frei.

    Staatliche Schulen haben im Rahmen des Bildungsauftrags (der auch für Waldorfschulen gilt) und der Lehrpläne ein hohes Maß an Autonomie. Es gibt hier in Bremen Schulen mit den unterschiedlichsten Profilen. Es gibt Schulen mit einem Sport-, Kunst oder Musik-Schwerpunkt. Andere Schulen arbeiten bilingual. Auch im Hinblick auf die Unterrichtsmethoden gibt es große Freiheiten. An vielen Grundschulen und manchen weiterführenden Schulen wird nach dem Prinzip des offenen Unterrichts gearbeitet. Es gibt Wochenpläne, Unterrichtsprojekte, Stations- oder Werkstattarbeit, usw. Andere arbeiten eher „konservativ“.

    Lehrer an staatlichen Schulen können erheblich flexibler und autonomer agieren. Die starren methodischen und inhaltlichen Vorgaben der Waldorfpädagogik machen die Waldorfschulen und ihre Lehrer unfrei.

  • Pingback: ‘Waldorfpädagogik ist gefährliche Esoterik’ – André Sebastiani im Interview mit der taz über die geplante ‘staatliche Waldorfschule’ | Ruhrbarone

  • #14
    Andreas Lichte Artikelautor

    Ansgar Martins, waldorfblog, behauptet, dass 99% der Waldorflehrer den Scharlatan und Rassisten Rudolf Steiner unterstützen:

    „(…) Hier zeigt sich dann auch, wie weit Ullrichs Behauptung zutrifft, ‘dass 90 Prozent der Waldorf-Pädagogen … fest in der Anthroposophie Rudolf Steiners verhaftet’ seien. Auch wenn ‘nur’ ein Drittel der Waldorflehrer zu den ‘praktizierenden’ Anthroposophen gehört, scheint nicht nur für 90, sondern eher 99% eine “Waldorfschule ohne Steiner” kein anstrebenswertes Ziel zu sein. (…)“

  • #15
    Andreas Lichte

    Der Historiker Prof. Helmut Zander über die – „desaströse“ – kommentierte Neuauflage von Rudolf Steiner, „Geisteswissenschaftliche Menschenkunde“:

    „(…) Den politischen Höhepunkt dieser Auseinandersetzung markiert eine Stellungnahme der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Sie kam 2007 zu dem Ergebnis, dass es Vorstellungen Steiners gebe, die «als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen» seien. Eine Indizierung entsprechender Bände der Steinerschen Schriften konnten Anthroposophen nur mit der Zusage abwenden, dass spätestens innerhalb eines Jahres eine Überarbeitung dieser Bände vorliegen werde. Damit nahmen sie es aber nicht so genau, es dauerte vier Jahre, bis ein erster Band, die «Geisteswissenschaftliche Menschenkunde» von 1908/09, neu erschien.

    Das Ergebnis ist desaströs. In einem knappen Hinweis distanziert man sich von Interpretationen der Aussagen Steiners, «insofern sie heute in irgendeiner diskriminierenden Art verstanden [. . .] werden sollten», während Steiner mit wenigen Aussagen, die die rassistischen Formulierungen relativieren, freigekauft wird. Aber kein Wort über Steiners Fortschrittsdenken, das seine Rassentheorien bedingt, kein Wort über die «Weissen», die er lebenslang zur kulturellen Avantgarde überhöhte, keines zu den «passiven Negerseelen» in dem Band. (…)“

    Quelle: Helmut Zander, „Rudolf Steiners Rassentheorien – Was tun mit einem unannehmbaren Erbe?“, Neue Zürcher Zeitung, 18. April 2013, http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/was-tun-mit-einem-unannehmbaren-erbe-1.18066165

    Siehe zum Indizierungsverfahren der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) gegen Rudolf Steiner:

    „3 Jahre Rudolf Steiner ist ‘zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen’“

    http://www.ruhrbarone.de/3-jahre-rudolf-steiner-ist-zum-rassenhass-anreizend-bzw-als-rassen-diskriminierend-anzusehen/

  • #16
    Wissenschaftsrat der GWUP an Senator Ties Rabe

    Gegen die geplante staatliche Waldorfschule in Hamburg

    Offener Brief an den Hamburger Schulsenator Ties Rabe

    Sehr geehrter Herr Senator Rabe,

    mit Unverständnis und großer Sorge haben wir Ihre Entscheidung zur Kenntnis genommen, im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg ein Waldorfkonzept in die bestehende Schule an der Fährstraße zu integrieren. Wir halten diese Entscheidung für ein völlig falsches Signal für den Wissenschafts- und Bildungsstandort Hamburg, die für Deutschland ein Präzedenzfall wäre, und fordern Sie dringend auf, diese Entscheidung zurückzunehmen.

    Die Waldorfpädagogik wurde durch den Esoteriker und Okkultisten Rudolf Steiner begründet und ist Teil seiner esoterischen, anthroposophischen Lehre. Sie enthält ein Sammelsurium von anti-aufklärerischen, pseudowissenschaftlichen und rassistischen Ideen. Dazu zählen beispielsweise eine esoterische Entwicklungslehre („Jahrsiebte“) und eine willkürliche Einteilung der Charaktere der Schüler und Schülerinnen in vier Grundtypen („Temperamente“). Der Waldorf-Klassenlehrer soll nach Steiner Künstler, Priester und höchste Autorität sein. Er soll das Temperament und das angebliche „Karma“ seiner Schüler, das von ihren „früheren Leben“ geprägt ist, durch „Hellsicht“ erkennen und sein pädagogisches Handeln danach ausrichten. Diese esoterischen Konzepte durchdringen alle Fächer, auch den musisch-künstlerischen Bereich. Sie sind ein zentraler Teil der Waldorflehrerausbildung und kommen bis heute im Unterricht zur Anwendung.

    Unsere Gesellschaft benötigt zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen hervorragend ausgebildeten Nachwuchs. Dafür brauchen wir einen Unterricht, der sich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Fachdidaktiken orientiert, nicht an den hellsichtigen Schauungen Rudolf Steiners. Einen Unterricht, in dem die Vielfalt der geistes- und naturwissenschaftlichen Erkenntnismethoden vermittelt wird. Einen Unterricht, der Kinder Freude und Staunen über eine Welt lehrt, die man untersuchen, erforschen und verstehen kann. Einen Unterricht, in dem die Kinder aber auch ermutigt werden, sich selbst, ihre Lehrer und das bisher Erforschte zu hinterfragen, zu testen und ihre Weltsicht gegebenenfalls zu korrigieren und zu erweitern. Das gilt auch für den musisch-künstlerischen Bereich. Mit der Waldorfpädagogik, die mit der Anthroposophie Rudolf Steiners untrennbar verbunden ist, sind diese Erfordernisse einer modernen Gesellschaft in keiner Weise vereinbar. Die Waldorfpädagogik versteht sich als geschlossenes Konstrukt, daher ist es nach unserer Ansicht nicht möglich, einzelne „positiv“ erscheinende Komponenten davon herauszupicken, ohne die schädlichen Komponenten zwangsläufig mit einzukaufen. Lapidar ausgedrückt: Ein bisschen Waldorf geht ebenso wenig wie ein bisschen schwanger.

    Wir fordern daher nachdrücklich, vom geplanten Schulversuch, der auf Kosten der Kinder geht, Abstand zu nehmen und statt esoterischer Lehren ohne Wenn und Aber eine aufgeklärte, moderne und wissenschaftliche Weltsicht ins Zentrum der Schulbildung zu stellen.

    Erläuterungen finden Sie im Anhang dieses Schreibens.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. habil. Rainer Wolf

    Vertreter des Wissenschaftsrats im Vorstand der GWUP

    Unterzeichner:

    Prof. Dr. Michael Bach
    Dr. Mark Benecke
    Prof. Dr. Dr. Ulrich Berger
    Prof. Dr. Peter Brugger
    Prof. Dr. Christoph Daxelmüller
    Prof. Dr. Edzard Ernst
    Dr. Krista Federspiel
    Prof. Dr. Dittmar Graf
    Prof. Dr. Wolfgang Hell
    Prof. Dr. Martin Hermann
    Prof. Dr. Dieter Herrmann
    Wolfgang Hund
    Prof. Dr. Bernulf Kanitscheider
    Prof. Dr. Johannes Köbberling
    Prof. Dr. Walter Krämer
    Prof. Dr. Peter Kröling
    Prof. Dr. Martin Lambeck
    Prof. Dr. Heinz Oberhummer
    Dr. Rainer Rosenzweig
    Prof. Dr. Dr. Gerhard Vollmer
    Dr. habil. Rainer Wolf
    Prof. Dr. Hartmut Zinser.

    Die Unterzeichner sind Mitglieder des Wissenschaftsrates der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.

  • #17
    Andreas Lichte

    … einmal mehr sind die sehr “originellen” Auslegungen der Wirklichkeit von Henning Kullak-Ublick zu bewundern, diesmal in der taz:

    “DER RECHTE RAND

    WARUM EIN WALDORF-GESCHÄFTSFÜHRER GEHEN SOLL

    Schule unter Schock

    taz, 25.09.2014, von ANDREAS SPEIT

    Diese Nähe ist unerwünscht: Ein “Mitarbeiter der Schulverwaltung” hat vergangenen Donnerstag die Freie Waldorfschule Rendsburg verlassen müssen – wegen Kontakten zur “Reichsbürger-Bewegung”. Der Mann habe gegenüber dem Schulträger seine Beziehungen zu den als verfassungsfeindlich eingestuften Vereinen “nicht überzeugend” ausräumen können, sagt Thomas Felmy, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen (LAG).

    Auffällig ist, dass der Träger wie auch die Schule mit rund 350 Kindern nur von “Mitarbeiter” und “Verwaltung” sprechen. Suspendiert hat der Vorstand am 18. September aber den Geschäftsführer. Die Bezeichnung sei nicht weggelassen worden, um die Bedeutung des Betroffenen – und damit des Vorgangs – herunterzuspielen, erklärt Henning Kullak-Ublick, Sprecher des Bundes der Freien Waldorfschulen, auf taz-Anfrage (…)”

    weiter: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=na&dig=2014%2F09%2F25%2Fa0087&cHash=750f36df62e8769d3c2b9251b38834db

    zu “Rechtsextrem und Waldorfschule” siehe auch:

    http://www.ruhrbarone.de/die-waldorfschule-und-andreas-molau-aussteiger-aus-der-rechtsextremen-szene/44988

    “Die Waldorfschule und Andreas Molau, Aussteiger aus der rechtsextremen Szene”

  • #18
    Andreas Lichte

    „Rudolf Steiners ‘Töne wie aus einer undichten Gummizelle!’

    (…)

    Durstewitz: „Haben Sie etwas dagegen, mit der Waldorfschule in Verbindung gebracht zu werden?“

    Rowohlt: „Alles. Wegen der ewigen Verwechselung habe ich mich mal mit den Schriften Rudolf Steiners beschäftigt. Da fand ich eine schöne Textstelle: ‘Der Blonde, Blauäugige ist dem Dunkelhaarigen, Braunäugigen intellektuell überlegen, weil bei Letzterem zuviel Geisteskraft in die Pigmentierung fließt’. Das wäre geeignet gewesen für ein Quellenverzeichnis von Hitlers ‘Mein Kampf’. Töne wie aus einer undichten Gummizelle!“3

    Was hat Harry Rowohlt da nur gelesen? Das, Zitat Rudolf Steiner:

    „(…) Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss durch eine geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man kann also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Masse, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. (…) Denn es ist tatsächlich so, dass, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer. (…)“4

    Wie gut, dass es die „Geisteswissenschaft“ (= „Anthroposophie“) gibt, die die Menschheit vor der völligen Verdummung rettet! Und noch besser, dass Rudolf Steiners „Hirnforschung“ auch noch letzte Klarheit in der „Rassenfrage“ schafft, Zitat Rudolf Steiner:

    (…)“

    zum vollständigen Artikel (dort auch Quellenangaben):

    http://www.schiebener.net/wordpress/?p=29992

  • #19
  • #20
  • #21
    Andreas Lichte

    „Gerne würde ich Henning Kullak-Ublick (der bei uns im September eine Lesung hatte) sagen, wie sehr sich doch die wahre Waldorf Welt von seinen kleinen Geschichten unterscheidet.“

    Kommentar von „mina“, 13. März 2015

  • #22
    Andreas Lichte

    Henning Kullak-Ublick fabuliert einen Rudolf Steiner, den es in Realität nie gab.

    Nun bekommt Kullak-Ublick als Erzählvorlage eine mehrbändige Sammlung von Märchen und Mythen über Rudolf Steiner:

    „Christian Clements ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners (SKA)’: ‘Des Steiners neue Kleider’

    (…)

    Was Clement nun als ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners (SKA)’ abliefert, ist der Versuch, der Öffentlichkeit eine rein anthroposophische Sicht auf Rudolf Steiner als unabhängige Wissenschaft zu verkaufen.

    Wie weit Clement in seiner anthroposophischen Heiligsprechung Rudolf Steiners geht, mit welchen letzten Mitteln er versucht, Steiner als „eigenständig“ darzustellen, überrascht dann aber doch, Peter Staudenmaier:

    „Ein besonders bedauerliches Beispiel illustriert die Unzulänglichkeiten in Clements Herangehensweise. In seiner Diskussion von Steines Aneignung der fiktionalen Figur des ‘Hüters der Schwelle’ schreibt Clement, dass ‘Kritiker’ der Anthroposophie die ‘Anklage’ erhoben hätten, dass Steiner diese Figur aus einem Roman des neunzehnten Jahrhunderts von Edward Bulwer-Lytton übernommen habe. Aber dies hat nichts mit Kritik zu tun, noch viel weniger mit Anklagen; es ist eine einfache Angabe der Quelle Steiners. Es ist zugleich ein sinnvolles Beispiel für Anleihen des Okkultismus aus der fiktionalen Literatur.

    Clement leugnet rundweg all dies, indem er offensichtlich den historischen Kontext ignoriert. Das ist ein sehr seltsamer Standpunkt, da Steiner offen andere Elemente aus Bulwer-Lyttons fiktionaler Literatur auslieh, so wie den Begriff ‘Vril’, und da der fragliche Roman viele unverhohlen okkulte Bestandteile enthält und ein schönes Beispiel des Viktorianischen Revivals von Themen der Rosenkreuzer ist.“16

    Bulwer-Lyttons „Vril“ wird von Steiner als „Lebenskraft“ übernommen, wie auch die „in geringer Höhe über dem Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier“17 in Rudolf Steiners rassistischem Science-Fiction-Trash „Aus der Akasha-Chronik“.“

    zum vollständigen Artikel beim Ratgeber-News-Blog (mit Quellenangaben): https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2015/04/14/christian-clements-kritische-ausgabe-der-schriften-rudolf-steiners-ska-des-steiners-neue-kleider/

  • #23
    EinRealist

    Sehr geehrter Herr Licht, ich glaube sie habe einiges noch nicht gänzlich verstanden.
    Waldorfschulen haben ein hohes Maß an Autonomie, nur weil ein verband die Rechte an der Marke „Waldorfschule“ und „Rudolf-Steiner-Schule“ hat, ist das noch lange keine Dinkatur.
    Der BdFW und auch Herr Henning Kullak-Ublick sind keinesfalls hundert Jahre alte Steiner-Jünger, die jeden Unsinn, der Steiner mal aus dem Mund oder aus der Feder gerutscht ist, hochpreisen und fabrizieren. Sie betrachten Steiner mit einem Augenmwerk auf seinen Thesen und wenden es zeitgemäß an. Steiner hatte viele sehr, sehr kluge, moderne pädagogische Ansätze, denen die Staatsschule bis heute schuldig geblieben ist. Trotz all dem war er nicht perfekt und hatte auch die eine oder andere Ansicht, die aus heutiger einfach nur Sicht rassistisch oder einfach nur unsinnig ist. Der BdFW geht mit Steiner und seinen Werken in sehr moderner und teils aucj kritischer Weise um und das ist, finde ich zumindest, sehr lobenswert.

    Waldorfschule ist eben schon etwas "Bestimmtes", hinter dem begriff verstecken sich schon klare Eigenschaften.
    Und dass über diesem Markennamen eine Dachorganisation steht, die dessen Rechte schützt, ist auch gut so, es ist eigentlichn schon eine Notwendigkeit, allein um die Qualität der Waldorfschulen aufrechtzuerhalten. Stellen sie sich doch einmal vor, der Name würde nicht geschützt, dann könnte sich ja jede Deppenschule, die mit Waldorf nicht das geringste zu tun hat, Waldorfschule nennen und der Name würde seiner eigenen Bedeutung beraubt.

  • #24
    Andreas Lichte

    … eine Waldorfschule OHNE Steiner wäre einen Versuch wert.

    Den Rassisten Rudolf Steiner braucht wirklich NIEMAND.

    Und Steiners "Pädagogik" ist …:

    Prof. Hopmann: "Wir leben in einer freien Gesellschaft. Also hat jede/r das Recht, jeden Unfug zu glauben. Nur sollten sich Eltern, die ihr Kind einer Waldorfschule anvertrauen, darüber im klaren sein, dass sie dann einer Pädagogik vertrauen, die ein heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze über Drüsen, Zahnentwicklung, astrologischen Einflüsse und ähnliches ist, das von der modernen Kinderpsychologie und der aktuellen Lehr-Lern-Forschung durchweg als durch nichts begründbarer Unsinn abgelehnt wird. Entschiedene Waldorfianer wird das nicht anfechten: Wie alle Sekten sind sie gegen widersprechende Wissenschaft immun …"

    Auszug aus dem Interview mit dem Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Stefan T. Hopmann „Man kann nicht nur ein ‘bisschen’ Waldorf sein“ – mehr hier:

    http://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/30117

  • #25
    Andreas Lichte

    Zu wenig "Sekte" in der "staatlichen Waldorfschule" Hamburg , um das Etikett "Waldorfschule" tragen zu dürfen ?

    "(…) Die Situation stört den Bund der Freien Waldorfschulen so sehr, dass der Dachverband nun Druck auf die Schule ausübt: "Wenn die anfänglichen Zusagen nicht umgesetzt werden, müssen wir uns überlegen, die Nutzungserlaubnis für den Begriff ‚Waldorfpädagogik‘ zurückzuziehen", sagte Sprecher Henning Kullak-Ublick. (…)"

    Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/hamburg-wilhelmsburg-ganztagsschule-wagt-waldorf-experiment-a-1075105.html

  • #26
    Andreas Lichte

    Werbung für die Waldorfschule nicht nur von Henning Kullak-Ublick, sondern auch von:

    "Prof. Jost Schieren, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft

    Der Waldorf-Werber

    .

    BERLIN. (hpd) Jost Schieren ist Professor für Waldorfpädagogik an der anthroposophischen "Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft", Leiter des "Fachbereichs Bildungswissenschaft", und verantwortlich für die (Waldorf-) Lehrerbildung.

    Dem "Waldorfblog" gab Jost Schieren ein ausführliches Interview, in dem er immer wieder das buzzword "Freiheit" verwendet – in einer einzigen Antwort erstaunliche 7 mal:

    • "Die Anthroposophie ist im Kern auf das Ideal des freien Menschen ausgerichtet."
    • "Freiheitsentwicklung als Teil des Weltgeschehens"
    • "Freiheitsentfaltung unseres Menschseins"
    • "Position der Freiheit"
    • "Begriff der Freiheit"
    • "Entwicklungsraum der Freiheit"
    • "freien Persönlichkeitsentwicklung"

    Für Schieren macht einfach alles frei, was Anthroposophie ist. Wie die Waldorfpädagogik, die auf der Anthroposophie Rudolf Steiners (1861 – 1925) basiert.

    Über einen Vortrag Rudolf Steiners sagt Kurt Tucholsky: "Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt – und er hantierte mit Riesenbegriffen."

    "Freiheit": mit diesem Riesenbegriff macht Jost Schieren Werbung für die Waldorfpädagogik

    .

    Reinkarnation macht frei

    Beim Werber Jost Schieren ist "Reinkarnation" normal, wird zu einer weiteren "Sichtweise auf den Menschen", die – Verkaufsargument! – von "Fremdbestimmung" befreit:

    (…)" weiter: http://hpd.de/artikel/waldorf-werber-12931

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