AKW Fukushima außer Kontrolle: Kernschmelze droht

In Japan hat der Tag nach dem Erdbeben begonnen. Nach den Erdbeben, besser gesagt. Denn seit dem schweren Beben mit der Stärke 8,9, das die zehn Meter hohe Tsunami-Welle ausgelöst hat, ist Nippons Erde nicht mehr zur Ruhe gekommen. Einige Nachbeben – oder eigenständige Erdbeben, da sind sich die Seismologen nicht ganz einig – haben dabei Magnituden-Werte zwischen 5 und 6 erreicht. Das Ausmaß der Katastrophe ist zur Stunde noch nicht absehbar. Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf „über 1000“ hochgesetzt worden. Sie besagt nicht viel. Auch die entstandenen Schäden sind zur Stunde unübersehbar, zumal die Erde – wie gesagt – nicht aufgehört hat zu beben. 

Hierzulande findet die Situation im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi große Beachtung. Zu Recht. Deshalb haben auch die Ruhrbarone sehr frühzeitig über den japanischen Atomalarm informiert. Im Laufe des Nachmittags (MEZ) wurde klar, dass das AKW Fukushima außer Kontrolle geraten ist. Kurz vor 23 Uhr MEZ hat die japanische Regierung bekannt gegeben, dass sie die Evakuierungszone um das AKW deutlich ausgedehnt hat, dass sie „ein wenig“ Druck aus der Reaktorkammer gelassen hat, sprich: (kontrolliert?) Radioaktivität freigesetzt hat. Eine Stunde später soll der Druck wieder doppelt so hoch wie normal sein. 

Nicht nur der Druck im AKW ist stark angestiegen, sondern auch die Radioaktivität. Die Kühlsysteme des Kraftwerks sind wegen des Erdbebens ausgefallen, die für diesen Fall durch Dieselmotoren vorgesehene Kühlung angetrieben konnte ebenfalls nicht bewerkstelligt werden, so dass als letzte Möglichkeit nur blieb, auf Batterien zurückzugreifen. Da die dringend notwendige Kühlung jedoch sehr energieintensiv ist, kann sie nur für einige Stunden batteriebetrieben werden. Gegen Mitternacht sollen Agenturberichten zufolge die Brennstäbe im Block 1 des AKW Fukushima um etwa zwei Meter aus dem Kühlwasser ragen. 

Ungekühlte nukleare Kettenreaktion. Im Kontrollraum des AKWs ist die Radioaktivität auf das 1000fache des üblichen Werts angestiegen. Alles deutet darauf hin, dass eine (partielle) Kernschmelze zur Stunde stattfindet. Der GAU, der größte anzunehmende Unfall. Das erste Mal hatte er sich 1979 im amerikanischen Harrisburg ereignet. US-Spezialisten sollen jetzt dabei sein, den Japanern zu helfen, den Meiler wieder kühlen zu können. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Es muss Strom an die Anlage gebracht werden, das AKW muss gekühlt werden. 

Uns bleibt nur zu hoffen. Ein Kühlsystem muss installiert werden und stabil laufen! Das AKW hat sich mit dem Beben automatisch abgeschaltet; doch die Kettenreaktion setzt sich freilich fort. Wird nicht gekühlt, ist nicht genug Kühlwasser da, schmelzen die Brennstäbe. Dieser Prozess scheint eingesetzt zu haben. Er ist noch zu stoppen. Sollte dies nicht gelingen, wäre das Schlimmste zu befürchten. Sogar eine Explosion in der Reaktorkammer könnte nicht ausgeschlossen werden. Der Super-GAU – wie in Tschernobyl 1986. 

Zur Stunde besteht diese Gefahr. Im Laufe des Freitags hat sich auch hierzulande die sog. „Nuklearangst“ breit gemacht. Die deutschen Behörden sind “alert”. Gut so. Sollten in Fukushima tatsächlich größere Mengen an Radioaktivität in die Atmosphäre austreten, werden auch die Medien die Bewegung der nuklearen Wolke detailliert verfolgen. Ob sie sich auf den Weg ausgerechnet nach Deutschland machen wird? Unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Im Fall des Falles wäre noch eine Woche Zeit. 

Peinlich wäre es, würden wir uns beim Blick auf die Katastrophe(n) in Japan auf unsere „Nuklearängste“ konzentrieren. Die Japaner sind zur Stunde dabei, ihre verwüsteten Städte, ihre verschlammte Außenwelt zu betrachten. Im Viertelstundentakt gibt es kräftige Erdstöße. Wo sind die Menschen, die in den wie vom Erdboden verschwundenen Zügen oder Schiffen saßen? Ihre Angehörigen werden befürchten, dass sie tot sind, es aber nicht glauben wollen. Die Menschen in Japan haben heute noch nicht so recht Platz für Nuklearängste. Dabei wären sie der Situation völlig angemessen. Jetzt wird auch noch gemeldet, dass auch in Fukushima 2 – elf Kilometer entfernt von Fukushima 1 – drei Reaktoren außer Kontrolle geraten sind.

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38 Kommentare

  1. #1 | Dieter Carstensen sagt am 12. März 2011 um 06:04 Uhr

    Lieber Werner Jurga, Dein Kommentar ist analytisch treffend formuliert.

    Der GAU ist nur noch eine Frage von Stunden, denke ich, da es unmöglich sein wird, die Stromversorgung der AKW’s in der Tsunami gebeutelten Erdbebenregion rechtzeitig wieder her zu stellen, dass dazu nötige schwere Gerät kann über zerstörte und überflutete Strassen nicht mehr rechtzeitig ankommen, das sagt die Vernunft.

    Ob auch die BRD ein paar „Strahlen“ abbekommen wird erscheint mir wie Dir dabei in der Tat nebensächlich, wenn man sich das Ausmass der Katastrophe, auch ohne AKW GAU für die japanische Bevölkerung, ihr Leid und ihre Not in den Medien anschaut.

    Es wäre fürchterlich, wenn Japan, das einzige Land dieser Welt, über dem jemals Atombomben abgeworfen wurden, nun eine selbst verursachte atomare Katastrophe erleiden müsste. Insgesamt ist mittlerweile in fünf Kernkraftreaktoren, nach aktuellen Meldiungen die Kühlung ausgefallen, für mich stellt nicht mehr die Frage, ob es zum GAU kommt, sondern wann.

    Das „Katastrophenmanagement“ der Regierung ist katastrophal. Zunächst nur Evakuierung in nur 3 km Umkreis, jetzt in 10 km und dann?

    In grossen Teilen Japans ist jegliche, vor allem auch kommunikative, Infrastruktur zusammengebrochen, über die wirkliche Zahl der Opfer wird man erst in Wochen erfahren.

    Mich haben die Fernsehbilder der brennenden Städte, der Verwüstung durch den Tsunami und das Leid der Menschen wirklich erschüttert.

    Dein Kommentar bringt es mal wieder auf den Punkt.

    Angesichts des Ausmasses dieser Tragödie, fand ich es gestern mehr als peinlich, als unser Aussenminister in den Medien bekannt gab: „Deutsche Opfer nicht bekannt“

    Ja und? Wird eine Katastrophe für die BRD erst zu einer richtigen Katastrophe, wenn es auch deutsche Opfer gibt?

    So weit ich weiss, gibt es nur EINE Menschheit auf dieser Erde.

    M.f.G.

    Dieter

  2. #2 | Helmut Junge sagt am 12. März 2011 um 08:33 Uhr

    Hat schon mal einer daran gedacht, daß während wir hier über globale Auswirkungen der scheinbar schon stattfindenden Kernschmelze debattieren, dort, direkt am Reaktor, Männer und Frauen verzweifelt darum kämpfen, diesen Prozeß doch noch abzuwenden?
    Diese Menschen setzen sich selber der allergrößten Gefahr aus und müssen doch dabei noch einen klaren Kopf behalten, damit sie ihren Job dort überhaupt ausführen können.
    Wieviel Zeit bleibt denen, wenn der Reaktor hoch geht?
    Und wieviel Strahlung werden sie bis dahin abgekreigt haben?
    Fest steht jedenfalls, daß wir alle von deren Arbeit abhängig sind.
    Werden wir es ihnen danken?

  3. #3 | Werner Jurga sagt am 12. März 2011 um 09:10 Uhr

    In Fukushima 1 ist eine parteille Kernschmelze im Gange:
    https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-03/erdbeben-japan-akws

    Meldungen über eine Explosion im Reaktorblock 1 sind widersprüchlich.

  4. #4 | Tim sagt am 12. März 2011 um 09:22 Uhr

    Kein Zweifel: Japan hat es voll erwischt! Erdbeben,Tsunami und schließlich wahrscheinlich auch noch der atomare Super-GAU. Alles hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt. Zu verhindern wäre allerdings nur der GAU gewesen,hätten nicht besserwisserische Politiker und Wissenschaftler immer wieder behauptet, die Atom-Technologie sei „beherrschbar“!

    Bei aller grausamen Folgen für die Menschen, darf unsägliches Leid aber nicht dazu führen,eine weiterhin notwendige Diskussion über die Atom-Technologie zu unterdrücken! Das eingeschränkte, altmodische Denken in Bezug auf Energie-Technologien des letzten Jahrtausends muss endlich der dringlichen (Weiter)Entwicklung neuer, umweltschonender Technologien weichen. Dies dient nicht nur der Ökonomie sondern auch, und in erster Linie, dem Menschen und seiner Umwelt!

    Fragt sich nur,was noch alles passieren muss, damit bei den Entscheidern das Umdenken einsetzt. Die Menschheit neigt leider nun mal dazu, sich selbst zerstören zu wollen.

  5. #5 | Frank (frontmotor) sagt am 12. März 2011 um 09:24 Uhr

    Es war gestern schon absehbar, und wir haben das im Post von Stefan diskutiert, was kommen würde: Die Hochdruckkernschmelze ist durch das Dampfablassen etwas verzögert worden. Aber die Radioaktivität der nicht mehr kontrollierbaren Kernschmelze zerbröselt irgendwann die Reaktorhülle. Und das scheint inzwischen eingetreten zu sein. Jetzt ist auch die Wasserstoffreaktion nicht mehr weit.

    Das ist der SuperGAU.

    10km Evakuierungsradius sind viel zu werden. Man sollte Tokyo evakuieren.

  6. #6 | Dieter Carstensen sagt am 12. März 2011 um 09:35 Uhr

    #2 Lieber Helmut Junge,

    die Frage habe ich mir auch gestellt. Die Menschen die in dem Reaktor noch durchhalten, wohl wissend, dass sie schwere Strahlungsschäden davon tragen werden, mit schweren gesundheitlichen Folgen, um das Schlimmste für die Bevölkerung zu verhindern, haben meine Bewunderung und meine tiefste Anteilnnahme.

    Danke, dass Sie an diese mutigen, tapferen Frauen und Männer erinnern, in Ihrem Beitrag!

    Wer es ihnen danken wird, weiss ich nicht, aber sie hätten jeden Dank verdient, so sehe ich das. Vor allem ihre Familien, weil diese Frauen und Männer mit Sicherheit dem Tode geweiht sind, so oder so.

    Die Gedanken an diese Schicksale machen mich traurig, ich hoffe, dass wenigstens die Angehörigen dieser „zivilen Helden“ Wiedergutmachung erfahren, aber ob die Menschen das dann machen werden?

    Helden sind schnell vergessen, leider!

    M.f.G.

  7. #7 | Andreas Lichte sagt am 12. März 2011 um 09:45 Uhr

    Video von der Explosion im AKW:

    https://www.twitvid.com/LICNU

    Explosion en direct a la centrale de Fukushima #séisme #nucléaire

  8. #8 | Bert sagt am 12. März 2011 um 10:10 Uhr

    Es gibt derzeit ein widerliches Ausschlachten für die eigenen politischen Interessen, am Tag zwei nach dem Erdbeben ist das deutsche Medien- und Politpack nur noch an den japanischen Atomkraftwerken interessiert. Keiner berichtet über die Lage im Land oder das Leid der Opfer.

    Die schwierige Lage in Japan wurde sogar als Vorteil für die heute in BW stattfindende Demonstration gegen die Kernkraft gewertet.

    Aus Respekt vor den Opfern in Japan würde ich diese Demo absagen.

    Einfach nur zum Kotzen !!! (Sorry)

  9. #9 | Werner Jurga sagt am 12. März 2011 um 10:43 Uhr

    @ Bert (# 8): So empfinde ich auch.

  10. #10 | Arnold Voß sagt am 12. März 2011 um 10:53 Uhr

    @ Bert @ Werner

    Ein Kernkraftwerk steht kurz davor, hoch zu gehen, und die Kernkraft g e g n e r sollen auf eine schon lange geplante Demonstration verzichten? Sie müssen sich hier obendrein noch als Pack beschimpfen lassen? Weil sie den Opfern in Japan nicht genügend Respekt zollen? Seltsame Logik.

  11. #11 | Arnold Voss sagt am 12. März 2011 um 11:05 Uhr

    @ Werner Jurga

    Kannst du dich noch an unsere Diskussion hier über die Atomenergie und eine radikale Veränderung der Energieproduktion erinnern? Ist nur ein dutzend Tage her. Da ging es um das neue Klimaschutzgesetz in NRW. Wo du mir was von neuer Religion erzählt hast?

    Kannst du dich noch erinnern das ich geschrieben habe, dass wir uns bislang, was die Atomenergie betrifft, einfach nur „vor Glück beschissen haben“?Und dass ich keine Kassandra sein wollte?

    Ich hoffe wie alle hier, dass es doch noch mal irgendwie nicht ganz so schlimm ausgeht. Aber wenn man weiß, dass die Nachrichten in solchen Situationen in der Regel untertrieben sind, speziell die die aus dem Kraftwerk selbst kommen, dann kann mal bei den jetzt schon vorliegenden Informationen leider nur vom Schlimmsten ausgehen.

  12. #12 | Frank (frontmotor) sagt am 12. März 2011 um 11:13 Uhr

    @Bert : Wenn Sie Politik nur simulieren wollen, und nur so tun wollen, als würde in Deutschland demokratisch Politik gemacht, dann redet man so wie sie. Wenn Sie nicht mehr wissen, wie Sie für Atomenergie argumentieren wollen, dann empfehle ich Ihnen, entweder mal in sich zu gehen oder zu schweigen. Uns den Mund zu verbieten, weil wir im Moment mal wieder bestätigt werden, ist das Allerletzte.

  13. #13 | Werner Jurga sagt am 12. März 2011 um 11:13 Uhr

    @ Arnold Voss:
    Ja, ich erinnere mich an die Diskussion. Sie ging nicht um Atomkraft. Abgesehen von Deiner Bemerkung, dass wir uns bislang einfach nur “vor Glück beschissen haben”, der ich gewiss nicht widersprochen hatte. Ich verstehe nicht so recht, warum Du hier gegen mich argumentierst. Sei´s drum. Ich teile jedenfalls Deine Einschätzung, dass die gegenwärtige Darstellung der Nachrichtenlage das Ausmaß der Katastrophe und die aktuten Gefahren untertreibt.

  14. #14 | Stefan Laurin sagt am 12. März 2011 um 11:28 Uhr

    Das Bundesumweltministerium hat einen permanenten Krisenstab eingerichtet.

  15. #15 | Bert sagt am 12. März 2011 um 11:34 Uhr

    Es sieht nicht gut aus:

    „[11.13 Uhr] Die japanische Regierung hat den Evakuierungsradius um die beschädigten Kernkraftwerke Fukushima Eins und Zwei von 10 auf 20 Kilometer ausgeweitet. “

    @#12 | Frank (frontmotor):

    „Mit zigtausenden Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet werden wir am 12. März eine große Menschenkette gegen die Atompolitik der Regierung bilden – vom Risikoreaktor Neckarwestheim nach Stuttgart. Zum richtigen Zeitpunkt: Zwei Wochen später wird im „Ländle“ gewählt. “

    Zum „richtigen“ Zeitpunkt ? So eine Meldung ist absolut unerträglich.

    Mittlerweile würde ich mich sogar einer solchen Demo anschliessen, aber am heutigen Tag ist das einfach nur daneben.

  16. #16 | Olaf Mertens sagt am 12. März 2011 um 11:36 Uhr

    Was soll das, Bert? Bei allem was man im Moment noch nicht weiß – Fukushima ist eindeutig ein Fall von falsch eingeschätzten Risiken im Vorfeld der Katastrophe. Alle Vorsichtsmaßnahmen, in dem Fall Notstromaggregate für die Kühlung, haben versagt. Alle, denen ich gestern abend so gerne recht gegeben hätte als sie sagten „bleibt mal ruhig, es wird nicht passieren, die Ernstfallprogramme werden die Probleme in den Griff bekommen“, haben leider nicht recht behalten. Der Zusammenhang zu den Risiken von Atomkraft im Allgemeinen liegt auf der Hand. Den Schutt von zusammengefallenen Häusern kann man wegräumen. Mit der Strahlung wird das so nicht gehen. Das „Pack“ verbitte ich mir!

  17. #17 | MIR sagt am 12. März 2011 um 12:00 Uhr

    Die japanische Regierung und die Bevolkerung hat sich für die ATomenergie entschieden. An die vierundfünfzig AKW existieren nach einer stern-infografik auf dieser Insel, einem Land mit hoher Erdbebenrisiko. Sie tragen jetzt die Konsequenzen. Ich kann keine große Sympathie zeigen, nur Empathi für die unmittelbar betroffenen. Wenn nicht jetzt, wann soll man denn sonst von der mittelbaren Gefahr sprechen, demonstrieren. In Deutschland wird über eine verlängerung der AKW Zeiten diskutiert. Auf der Webseite des Bundesumweltministeriums tut sich gerade nicht viel.

  18. #18 | Arnold Voss sagt am 12. März 2011 um 12:29 Uhr

    @ Bert

    Ich kann ihre Empörung nicht ganz verstehen. Atomenergie ist zur Zeit ein weltbewegendes Thema. War es übrigens im Rahmen der sich zuspitzenden Klimadebatte der letzen Jahre schon vor dem sich gerade wohlmöglich anbahnenden Supergau.

    Natürlich nutzen in diesem Falle die Gegner dieser Energieform solche fürchterlichen Katastrophen (hoffen wir, dass es bei einer Beinahe-Katstrophe bleibt) für ihre Durchsetzungsmacht. Es ist ihre einzige Chance in demokratischen Massengesellschaften neue Mehrheiten zu gewinnen, denn das kollektive Gedächtnis der Menschheit ist leider eher kurzfristig programmiert.

    Für die Medien sind solche Zustände welteiter Erregung wiederum die Chance Absatz- und Umsatzzahlen zu erhöhen und für alle Ideologen über sie irrationale Ängste zu schüren und ihre Glaubenssätze zu verbreiten.

    Trotzdem bleibt bei jeder Katstrophe ein rationaler Kern, aus dem es auf zugegeben bittere Weise zu lernen gilt. In diesem Falle z.B. schon zum jetztigen Zeitpunkt, dass es selbst in einem Hochtechnologieland mit den wahrscheinlich erdbebensichersten Atomkraftwerken der Welt, keine absolute Sicherheit gibt und geben kann.

    Ich hoffe, dass das bei der zukünftigen Diskussion über die Atomernergie als Brückentechnologie auf dem Wege zur emmissionsarmen bis emmissionsfreien Energieproduktion endlich genügend berücksichtigt wird.

    Ansonsten ist ihr Demonstrationsverbot für Kernkraftgegner wegen der aktuellen Katastrophe ähnlich der Aufforderung an Pazifisten, während eines Krieges nicht auf die Straße zu gehen und bitte aus Rücksicht auf die Opfer bis Kriegsende die Klappe zu halten.

  19. #19 | Dieter Carstensen sagt am 12. März 2011 um 12:30 Uhr

    Wie ich um 6.04 h schrieb: Es wird gewaltig BUMM machen in Japan.

    Zwar bin ich kein Hellseher, aber es gibt logische Abläufe, die man nicht stoppen kann, auch „Domino-Effekt“ genannt und die kann man sehr wohl vorausschauend analysieren.

    Was man in Japan versucht hat, ist eine panikartige Massenflucht zu verhindern, wie es jeder Krisenstab dieser Welt tun würde. Auf verstopften Strassen und in Panik wären viel mehr Menschen um’s Leben gekommen, als vielleicht so.

    So konnte man noch viele Menschen in Sicherheit bringen. Es ist die kalte Logik der Katastrophenschutzpläne, ich habe an einigen Katastrophenschutzübungen in meinem Leben teil genommen.

    Zuerst werden die „gesellschaftlich wichtigsten Personen“, wie Politiker, Ordnungs-und Rettungskräfte evakuiert, um nach der Katastrophe halbwegs so etwas wie eine Art „Ordnung“ aufrecht zu erhalten.

    In jedem Fall wird die Bevölkerung so lange wie möglich über das wahre Ausmass der Katastrophe im Unklaren gelassen, um eine Massenpanik zu verhindern. Das ist die übliche Vorgehensweise in allen Katastrophen“schutz“plänen weltweit.

    Wie das Ganze in Duetschland laufen würde, dazu hier eine Quelle „Katastrophenschutz in Deutschland“ https://www.suite101.de/content/katastrophenschutz-in-deutschland-a58150
    die eigentlich alles aus sagt.

    Ich gehe davon aus, jetzt um 12.20h MEZ, dass es in Japan längst zur Kernschmelze gekommen ist, Kernkraftwerke EXPLODIEREN nicht mal so eben nebenbei, und die Explosion war in jedem Fernsehsender deutlich zu sehen, aber die japanische Regierung versucht nun mit allen Mitteln eine Massenpanik zu verhindern.

    Im Rahmen der NOTSTANDSGESETZE, die auch Japan hat, ist jetzt keine freie Berichterstattung der Medien mehr möglich, wer das glaubt, muss verblödet sein.

    Für mich steht es de facto fest, in Japan ist es zum atomaren Supergau gekommen und ich weiss, leider, die Meldungen der nächsten Tage und Wochen werden mir recht geben.

    Vom recht haben habe ich aber nichts, nicht bei diesem Thema und der unübersehbaren Zahl der zu erwartenden Opfer. Da hätte ich viel lieber unrecht.

    Aber leider bin ich mir meiner Analyse sicher, der SuperGAU ist längst eingetreten, mit unabsehbaren Folgen!

  20. #20 | Bürokratenfeind sagt am 12. März 2011 um 12:45 Uhr

    @Mir
    So empfinde ich es auch.
    Unabhängig vom unsäglichen menschlichen Leid, das unfähige Politiker und die gemeingefährlichen Lobbyisten der Atomindustrie zu verantworten haben. Sollte es zu zum GAU kommen, wird es auch ein GAU für die japanische Wirtschaft. Da kommt noch einiges auf die Menschen zu.

  21. #21 | Arnold Voss sagt am 12. März 2011 um 13:01 Uhr

    @ Werner

    Ich habe nicht gegen dich argumentiert. Das ist dein Missverständnis. Aber wir haben bei der von mir erwähnten Comment-Session sehr wohl über Atomernergie diskutiert und zwar im Rahmen des Klimawandels. Ich habe gesagt, dass sich diese Diskussion erheblich verändern wird, wenn das nächste Atomkraftwerk hochgeht, weil dann die Rolle dieser Energieform als Brückentechnologie in ihrer ganzen Gefahr auf einmal wieder ins Weltbewusstsein rückt.

    Es ging dabei speziell um meine Bezeichnung der anstehenden radikalen Umwandlung unserer Eergieproduktion und unserer Menge und Art des Energieverbrauchs als Jahrtausendprojekt, was du als Religionslyrik abgetan hast. Wenn du aber die Expertenmeinungen liest, dann ist im Falle Japans jetzt schon von jahrhundertelangen! radiokativen Folgen für die Bevölkerung die Rede.

    Die Atomlobby zehrt davon, dass die Gefahren ihres Produkts unsichtbar und schleichend sind. Das unser menschliches Gehirn auf diese Gefahren nicht mit den gleichen dauerhaften Alarmfunktionen reagiert wie auf unmittelbar sinnlich und vor allem schmerzhaft erfahrbare Katastrophen. Das wir nicht wirklich weit in die Zukunft fühlen ja nicht mal denken können. Wir müssen es aber lernen. Und das tun wir leider nur in solchen Momenten wie jetzt.

  22. #22 | Helmut Junge sagt am 12. März 2011 um 13:55 Uhr

    @all,
    Wenn jetzt jemand für (für) Atomkraft demonstrieren würde, dann fände ich das Pervers.
    Aber dagegen demonstrieren? Was spräche jetzt und hier dagegen?
    Wer sich durch Atomenergie bedroht fühlt, soll das jetzt nicht zeigen dürfen, weil in Japan heute genau das geschieht, was sonst nur in schlimmsten Alpträumen vorkommt?
    Schaden tut es doch niemanden, das zu zeigen.
    Nützen vermutlich auch nicht, weil diejenigen, die genau wissen wollen, was da im Vorfeld falsch gelaufen ist, vermutlich erst in ein paar Wochen mitdemonstrieren.
    Aber die, die jetzt nicht auf die Straße gehen, so wie ich, können leider nur hilflos zusehen. Helfen können die auch nicht. Gucken ist nicht helfen, da mache ich mir nichts vor, und ihr solltet Euch da auch nichts vor machen.
    Ich aber werde erst, wenn ich die Hintergründe verstehe, gezielt auf die Fehlerquellen hinweisen. Das mache ich dann hier im Netz, wenn ich darf, und ich werde dann auch in der realen Welt auf der Straße meine Meinung äußern, damit ich da Leute wie sie hier im Netz kaum zu erreichen sind, überzeugen kann.
    Daß ich schon seit langen den Kaffee auf hab, was diesen Wahnsinn betrifft, hab ich viel zu lange verdrängt!

  23. #23 | Rudi Gems sagt am 12. März 2011 um 14:28 Uhr

    Ein paar radioaktive Stoffe, werden schon nach wenigen Jahren, unter die Nachweisbarkeitsmarke fallen. Andere die z.Zt. noch die Gegend um Tschernobyl belasten, werden dafür einige Hundert Jahre brauchen. Wieder Andere, wie radioaktives Jod, wird Millionen von Jahren dafür brauchen.

    Das größte Problem ist aber das Plutoniumoxyd. Das wird in die Luft gehen, und sich innerhalb von ca. 48 Stunden, über die ganze Erde verteilen. Das Problem ist, das Plutonium, bei der chemischen Elementenliste, genau unter dem Eisen liegt. Daher verwechselt der menschliche Körper, Plutonium, mit Eisen. Dieses Eisen, ist aber für das Blut, lebenswichtig, deshalb lagert die Lunge, bevorzugt, dieses Plutonium in den Körper ein.

    Es gibt keine Grenze, ab wann Plutonium ungiftig ist. Selbst 1 PPM, (Parts per Million), sind absolut tödlich. Da bei einer Reaktorkatastrophe, Tonnen von Plutonium, frei werden, und sich in Plutoniumoxyd verwandeln, kann sich jeder ausmalen, was noch auf uns zukommt?

    Grüße, Rudi Gems

  24. #24 | der, der auszog sagt am 12. März 2011 um 15:15 Uhr

    Manchmal wünschte ich mir, dass der Mensch auch in einer globalen Welt noch in der Lage wäre, inne zu halten, um sich in Demut zu üben. Demut gegenüber den unzähligen Opfern in Japan, die zur Zeit von einer Fülle von Tragödien (und nicht nur Atomgau!) heimgesucht werden und in deren Angesicht es derzeit eigentlich scheißegal sein sollte, welche Atomstromdebatten in Europa geführt werden müssen und welche nicht.

    Sorry, aber die Diskussion, die momentan in den Medien geführt wird – auch in diesem Threat der Ruhrbarone – erinnert mich ganz stark an eine Gruppe Schaulustiger, die sich nach einem Verkehrsunfall auf einer Brücke zusammenfinden, um sich aus einem sicherem Abstand das Chaos anzuschauen und um mit Stammtischparolen das Unbegreifliche zu kommentieren.

    Japan ist weit weg, wahrscheinlich schon zu weit für den Nullachtfufzehndeutschen, der alles besser weiß und unmittelbar zu jedem und allem seinen persönlichen Senf abgeben muss…

    Und allen, die mir jetzt mit einem „aber“ kommen wollen: Seid ihr auch schon mal auf die Idee gekommen, darüber zu diskutieren, wie man Japan in der derzeitigen Situation helfen könnte? Mit einer Pro- bzw. Antiatomstrompolarisierung vermutlich am allerwenigsten.

  25. #25 | Werner Jurga sagt am 12. März 2011 um 15:18 Uhr

    @ Arnold (# 21)

    Was die Atomlobby betrifft, musst Du mir nichts erzählen. Ich bin geboren und aufgewachsen in Mülheim / Ruhr. 1977, im „deutschen Herbst“ hatte die IG Metall dort großflächig plakatiert: „Terror gegen Atomkraft ist Terror gegen Arbeitsplätze“. Auch über die Mitgliedschaft hinaus war der Einfluss der KWU auf die Mülheimer SPD – sagen wir so – nicht ganz unbeträchtlich.
    Dass die Atomkraft in vielerlei Hinsicht Folgen für Jahrtausende hat, steht außer Frage. Ich hatte Anstoß daran genommen, dass Du den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern als „Jahrtausendprojekt“ bezeichnet hattest. Obgleich mich „kulturell“ mit der Umweltbewegung nicht allzu viel verbindet, bin ich entschieden dafür, so schnell wie möglich auch aus Kohle und Öl, und schließlich auch aus Gas auszusteigen. Das muss in diesem Jahrhundert über die Bühne gehen, kein „Jahrtausendprojekt“.
    Ich bin nach wie vor nicht von der „Klimaschädlichkeit“ des CO2 überzeugt. Wenn ich meine, wichtige politische Forderungen beruhen auf einem falschen Argument, würde es m.E. eher den Gegnern nützen, hielte man mit derlei Bedenken zurück.
    Ich bin nicht mehr so sicher, dass die globale Erwärmung keinerlei anthropogenen Anteil hat. Vor zehn Tagen hat eine, wie ich finde, in ihrer Argumentation überzeugende UNEP-Studie
    https://www.fr-online.de/wissenschaft/klimawandel/russ-fuer-arktis-schlimmer-als-co2/-/1473244/7606290/-/view/asFirstTeaser/-/index.html
    mir in dieser Hinsicht zu denken gegeben. Die Forderung „Kein Diesel ohne Filter“ scheint mir bedeutender zu sein als vieles Andere, was derzeit in Deutschland in diesem Rahmen diskutiert wird.
    Aber auch dies steht in diesen Tagen der japanischen Tragödie nicht oben auf der Agenda.

    @ Arnold, @ Helmut, @ Olaf

    Mein affirmativer Kommentar zu Bert (# 9) bezog sich auf seine Kritik, im Zusammenhang mit den Ereignissen in Japan Angst vor einem Fallout über Deutschland zu äußern, oder gar eine gewisse Freude, dass nun eine Demo oder eine Landtagswahl bessere Voraussetzungen stünde. Bei sowas dreht sich auch mir der Magen um.
    Ich bin nicht dafür, eine Anti-AKW-Demo abzusagen, und – glaubt´s mir oder lasst es: Berts „Politpack“ hatte ich in der Hektik einfach überlesen. Ich empfinde das, was ich empfinde: entsetzliche Hilflosigkeit gegenüber den Opfern in Japan und eine gewisse Aversion (wohin mit dieser Hilflosigkeit) gegenüber denjenigen, die jetzt nach den „Auswirkungen für Deutschland“ fragen.

  26. #26 | Helmut Junge sagt am 12. März 2011 um 16:01 Uhr

    @Werner,
    „Ich empfinde das, was ich empfinde: entsetzliche Hilflosigkeit gegenüber den Opfern in Japan und eine gewisse Aversion (wohin mit dieser Hilflosigkeit) gegenüber denjenigen, die jetzt nach den „Auswirkungen für Deutschland“ fragen.“
    Das ist Dein Recht.
    Aber andere empfinden vielleicht anders.
    Es mag merkwürdig klingen, aber bei mir ist es eher so, daß mein Kopf sowohl Mitleid, als auch Wut empfindet. Allerdings ohnmächtige Wut.
    Es sind Sicherheitsversprechungen gemacht worden, die aber in der Praxis nicht eingehalten wurden. Ich kann diese Wut nicht richtig artikulieren, weil ich keine Details weiß. Und weil keine Demo der Welt dazu führen wird, daß spontan alle AKWs abgeschaltet werden, halte ich auch solche Pauschalforderungen für wirkungslos. Ich selbst bin so oder so nicht spontan. Aber, auch wenn es immer heißt, daß jetzt die Zeit der Trauer ist, und später dann die Schuldigen ermittelt werden können, bin ich da anderer Meinung. Ich verfolge jetzt schon die zugänglichen Informationen auf Hinweise zur Schuldfrage.
    Das ordne ich nicht der Trauer unter!
    Andere wiederum müssen auf die Straße, um ihre Betroffenheit auszudrücken.
    Dafür habe ich Verständnis.
    Einige Leute denken aber jetzt schon parteipolitisch, und wollen Vorteile aus der Situation für sich, oder ihre Partei ziehen.
    Das fällt zwar unter alltägliche Perversität, sieht aber aus wie Betroffenheit, und läßt sich kaum von ihr unterscheiden. Die Mehrzahl wird auch wirklich betroffen sein. Ich werde das auch nicht in Frage stellen.

  27. #27 | Mir sagt am 12. März 2011 um 16:39 Uhr

    Eine jetzige Diskussion über Atomstreit ist nicht moralisch verwerflich. Es ist verwerflich von der japanischen Regierung wiedersprüchliche Infos in die WElt zu senden und es ist verwerflich von deutschen Politikern die Diskussion in Keim ersticken zu wollen. Bei allem Unglück in Japan, wenn dort auch noch giftige Stoffe austreten betrifft das nicht nur die ostasiatische Länder, sondern auch andere. Keiner hat die Natur in seiner Gewalt. Wer garantiert denn daß die Winde nicht doch nach Europa ziehen, das die Meere verseucht werden. Wie soll man denn auch helfen, wenn zuwenig Infos verteilt werden. Welche Regierung schickt denn Helfer in ein versuchtes Land.
    Ich war bei Tschernobyl ein junger Mensch und hatte Angst, jetzt habe ich eine Familie und die Angst ist wieder da. Natürlich bin ich von der Gefahr betroffen, ob mittelbar oder unmittelbar. Natürlich gilt mein Mitgefühl den betroffenen Menschen.
    Im übrigen als Rot-Grün damals die Zeitlaufänderung der AKWs durchgesetzt hat, war damals schon vorhersehbar, daß diese von der nächsten Regierung gekippt werden kann, was dann ja auch geschehen ist. Die Atomenergie hat wohl bei jeder Regierung Einfluß. Das muß jetzt mal Schluß sein.

  28. #28 | Dieter Carstensen sagt am 12. März 2011 um 17:38 Uhr

    Die deutschen AKW sind so sicher wie die deutsche Rente …

  29. #29 | Olaf Mertens sagt am 12. März 2011 um 18:29 Uhr

    Ich glaube, Werner, das ist nicht nur ein Gefühl der Hilflosigkeit – wir sind hilflos gegenüber dieser Katastrophe. Deswegen sitzen wir ja alle mit offenen Mündern vor der Kiste… Ehrlich gesagt kann ich mir selber gar keine richtige Meinung bilden, ob man ausgerechnet heute gegen Atomkraft demonstrieren musste – bei einem für heute angesetzten Rosenmontagszug wäre das leichter zu beantworten. Ist es vielleicht eine Gemüts-/Mentalitätsfage ob man das heute tut? Der Anti-AKW-Demo aber, wie Bert zu unterstellen, sie schlachte das Leid der Japaner aus, finde ich einfach ziemlich daneben, weil ich annehme, dass die Leute, die heute da hin sind sich genauso hilflos fühlen. Und wenn man nett über seine Mitmenschen denken möchte, könnte man vielleicht sogar eine Art hilflose Solidaritätsbekundung darin sehen – immerhin sind ja heute deutlich mehr Leute auf die Straße gegangen als vorher angenommen (in der ersten Meldung die ich gelesen hab war von 60.000 statt der erwarteten 40.000 die Rede – das spräche ja eine deutliche Sprache…).
    Dieters Satz „Angesichts des Ausmasses dieser Tragödie, fand ich es gestern mehr als peinlich, als unser Aussenminister in den Medien bekannt gab: “Deutsche Opfer nicht bekannt”“ möchte ich hier auch noch mal widersprechen – hätte nie gedacht, dass ich den Guido mal in Schutz nehme – das ist einfach Teil der Stellenbeschreibung eines Außenministers, Maßnahmen für Deutsche im Ausland und deren Angehörige zu koordinieren. Und Letztere erwarten aus seinem Munde zu hören, was er über den Verbleib Ersterer weiß. Da hat er mal seinen Job gemacht…

  30. #30 | Bert sagt am 12. März 2011 um 18:29 Uhr

    Nochmal abschliessend, das „Politpack“ hatte ich in meiner Wut so runtergeschrieben, Sorry !

  31. #31 | Olaf Mertens sagt am 12. März 2011 um 18:35 Uhr

    …sind wohl alle ein wenig aufgeregt heute 🙁

  32. #32 | Dieter Carstensen sagt am 12. März 2011 um 18:52 Uhr

    @29 Lieber Olaf,

    Deinen Einwand, was Guidolein anbetrifft, halte ich durchaus für berechtigt.

    Inhaltlich zumindest.

    Moralisch und aus meiner persönlichen Sicht heraus finde ich es peinlich, wenn immer wieder unsere Aussenminister, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, als erstes darüber reden, ob und wie viele Deutsche unter den Opfern waren.

    Da sollte man genau hinhören, um den Zynismus unserer Politnomenklatura nicht zu überhören:

    Erst kommt immer in dden Statements die Fesstellung, man habe ja auch Mitgefühl mit dem jeweils betroffenen Land und schwenkt dann sofort darauf um, dass keine oder nur ein paar Deutsche Opfer wurden.

    Ich empfinde dass als zynisch und als nicht angemessen, vielleicht denke ich zu sehr in moralischen und ethischen Kategorien, mag sein.

    Aber ohne diese Grundlagen meines Denkens möchte ich nicht leben müssen, sonst wäre ich wohl gezwungen, Politiker zu werden …

    Keine schöne Perspektive, finde ich.

    M.f.G.

    DC

  33. #33 | Olaf Mertens sagt am 12. März 2011 um 20:23 Uhr

    Lieber Carsten,
    ohne Dir zu nahe treten zu wollen, aber im vorliegenden Fall liegt das daran, dass Du hier nicht zwischen Amt und Person unterscheidest.
    Wenn mein Schwesterchen jetzt in Japan weilen würde (und nicht selber anrufen könnte), wäre das erste was mich interessieren würde, ob sie noch lebt. Und die ersten von denen ich mir Information erhoffen würde, wären die Jungs und Mädels vom auswärtigen Amt.
    Das Westerwelle ein Zyniker ist hat er in anderer Funktion mit seinem Satz von der „spätrömischen Dekadenz“ schon unter Beweis gestellt, finde ich jedenfalls.
    Klingt mir so als wären wir uns was Moral und Ethik angeht möglicherweise ziemlich einig. Nur in dem Fall, der Bekanntgabe, dass nichts über Deutsche unter den Opfern bekannt ist, trifft Dein Vorwurf wie gesagt i.m.A. nicht ins Schwarze.

    freundliche Grüße zurück!
    Olaf

  34. #34 | Rechner sagt am 14. März 2011 um 09:44 Uhr

    Fruchtbar dass jetzt wieder in Deutschland die politische Prominenz versucht aus dem Leid in Japan etwas für sich heraus zu holen, damit hätte man doch eigentlich mehr als nur drei Tage warten können. Ich wünsche mir da schon ein bisschen mehr Anstand.Die Menschen dort haben schreckliche Ereignis erlebt und selbst wenn man die AKWs da mal außer acht lässt und wir denken mal wieder in unseren kleinen Kreisen.

  35. #35 | Michael sagt am 14. März 2011 um 15:23 Uhr

    Hallo zusammen.
    Ich suche heute schon seit längerem ein paar Antworten. Ich habe das Gefühl, hier ein kompetentes „forum“ gefunden zu haben. Vielleicht könnt ihr mir ja ein paar Fragen beantworten.

    1.) Aus welchem Grund ist die Schmelze nicht mehr aufzuhalten? Warum kann man die Kraftwerke nicht abschalten? Wie schaltet man AKWs ab, wenn kein Schaden vorher entstanden ist?

    2.) Warum wird nicht mit allen Möglichkeiten versucht, die Pumpen wieder in Gang zu bringen? Ich kann mir das bei dem möglichen Ausmaß nicht vorstellen, dass da nicht schleunigst neue Pumpen installiert sein können?

    3.) Wenn die Pumpen der Kühlung ausgefallen sind, wie „pumpen“ die dann Meerwasser zur Kühlung in die Reaktoren?

    4.) Warum kann nicht weiterhin für Stomversorgung gesorgt werden? Notstromgeneratoren etc.? Nach zwei Tagen sollte da wohl was machbar sein. Krankenhäuser etc. sind sicherlich auch mit Strom versorgt?

    5.) Warum wird keine externe Hilfe in Anspruch genommen? Wird lieber nach dem Motto gearbeitet, „wenigstens selbst versucht, aber nicht geschafft?“

    6.) Wie wird man in Zukunft erfahren, was genau in den Reaktoren passiert ist? Wie viel Strahlung oder verseuchtes Material nach außen gedrungen ist oder im Boden versickert ist?

    7.) Meine allergrößte Hochachtung von den Personen, die wissen das sie zum Tode verurteilt sind, weil Sie jetzt noch alles mögliche versuchen, den Super-GAU zu vermeinden und in den AKWs arbeiten.

    8.) Warum ist eigentlich die Berichterstattung zum Thema „Ölpest im Golf von Mexico 2010“ erstummt? Welche Nachwirkungen sind entstanden? Wie ist die Sachlage. Darüber könnte ich mich massiv aufregen, dass sobald die Bevölkerung von einem Thema die Nase voll hat und was anderes passiert ist, nichts mehr über andere schlimme Dinge berichtet wird. Siehe aktuell Lage in Lybien (Bürgerkrieg). Dem Gadaffi kommt Japan super gelgen im Moment. Der metzelt sein Volk nieder und keiner bekommt was mit.

    Wahrscheinlich habt ihr gemerkt, dass ich mich in der ganzen Thematik noch nicht wirklich aus kenne. Ich bin noch nicht der älteste, aber bin sehr interessiert.

    Grüße
    Michael

  36. #36 | Tim sagt am 14. März 2011 um 16:55 Uhr

    @Michael

    Ich antworte mal, obwohl ich nicht der Fachmann bin, mich Deine Fragen aber selbst auch beschäftigt haben und ich mir die Infos angehört bzw. angelesen habe:

    1) AKW werden abgeschaltet, was aber nicht heisst, dass damit gleich der Prozess des Reaktors unmittelbar stoppt. Du musst Dir das so vorstellen, dass eine Restwärme des Herdes noch abstrahlt, wenn man den Schalter auf Null gestellt hat. So ist es auch mit dem Vorgang im Reaktor.

    2) Pumpen in das Unglücksgebiet zu transportieren, sollte zur Zeit etwas schwierig sein, da ja die Infrastruktur zerstört ist. Ob es im AKW selbst Ersatzteile gibt, weiss ich nicht.

    3) Das Meerwasser wird nicht direkt in den Reaktor gepumpt, sondern soll das Reaktor-Gehääuse umfluten und so indirekt für eine Abkühlung sorgen. Zumindest habe ich das so bisher immer verstanden. Wie die das vor Ort technisch anstellen, weiss ich leider auch nicht…

    4) Die haben in dem Kraftwerk Batterien mit einer Laufzeit von ca. 4 h gehabt. Deshalb nennt man sowas wohl „Notstrom-Batterien“, weil offensichtlich niemand davon ausging, dass ein Stromausfall von mehr als 4 h möglich sein könnte. Einer der (dummen) Irrtümer… Stell‘ Dir mal vor: In einem deutschen AKW sollen die Batterien nur für 2 h reichen!!!

    5) Die Hilfe wird in Anspruch genommen, aber gerade wurde im Radio gemeldet, die japanische Regierung bittet darum, keine weiteren Hilfskräfte ins Land zu schicken, weil die schlicht nicht an den Ort gebracht werden können, wo sie helfen könnten! (Infrastruktur!) Ansonsten ist es sicher, wie so oft: Die Arroganz mancher Wissenschaftler, eh alles besser zu wissen, verhindert manchmal eben auch Hilfen von Fachleuten, die mehr Ahnung haben könnten! Das ist aber meine persönliche Meinung!

    6) Gute Frage! DAS wissen die ja jetzt nicht einmal, wo die schlimmsten Dinge im Gange sind und sie haben ja auch schon zugegeben, dass sie zur Zeit einfach nichts machen können, außer den Reaktor zu kühlen kühlen kühlen… Das ist ja das Horror-Szenario! In Tschernobyl hat man den „Beton-Sarg“ über den Reaktor gesetzt. Und in den nächsten 100 Jahren sollte man da möglichst nicht hin und „nachschauen“! Meine Güte, das ist alles so makaber, verzeiht mir den Zynismus!

    7) Stimme Dir da voll und ganz zu und finde das unendlich schrecklich!!!!!!! Diese Leute sterben, während die Verantwortlichen, die Betreiber in ihren Büros sitzen und delegieren und auf ihren Riesen-Gewinnen sitzen!!!

    8) Es gibt zum Thema „Ölpest im Golf von Mexiko“ immer wieder Sendungen im TV. Leider laufen die oft nachts oder sind in Magazinen eingebunden wie z.B. dem auslandsjournal des ZDF. Schau mal in die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen, bei YouTube oder google mal. Du findest sicher gute Reportagen dazu 🙂

    Hoffe, ich konnte Dir ein bisschen helfen, auch wenn ich kein wissenschaftlicher Experte auf diesem Gebiet bin, aber wer ist das schon wirklich??? 😉 Ich habe da zu niemandem mehr Vertrauen… 😈

  37. #37 | Tim sagt am 14. März 2011 um 17:09 Uhr

    @Rechner und alle, die meinen, es sei nun unmoralisch, über die Zukunft der Kernenergie in Deutschland zu diskutieren, während Menschen in Japan sterben!

    Sind wir in Deutschland nicht mehr in der Lage, mehrere Themen gleichzeitig behandeln zu können?

    Es ist wahrlich schrecklich, was über Japan hereingebrochen ist: Erdbeben 9.0, Tsunami im Nordosten, Vulkan-Ausbruch im Süden und dann noch die Atom-Katastrophe!

    Letzteres scheint die Menschen jetzt gerade intensiver zu beschäftigen, als das vorangegangene Unglück. Das liegt daran, dass die Menschen ANGST bekommen haben, ein kleiner Fehler in einem Atomkraftwerk könne hier ebensolche Dimensionen erreichen. Und ich finde diese Angst durchaus nachvollziehbar!

    Würden jene politischen Seiten, die schon von jeher gegen die Atomenergie argumentieren, jetzt nicht auf diese Furcht reagieren, würden sie sich ja völlig unglaubwürdig machen! Die Natur-Ereignisse in Japan sind, so schlimm sich das auch lesen mag, regional. Das vom Menschen geschaffene Atom-Unglück aber, kann weltweite Auswirkungen haben und ist zudem ein immenser Schlag in das Vertrauen in eine Technik, die generell als „sicher“ galt!

    Es hat nichts mit Moral oder Anstand zu tun, so meine Meinung, wenn wir uns schnellstmöglich mit einem Problem beschäftigen, dass uns auch hier in Deutschland ereilen kann…jede Stunde…jede Minute…jede Sekunde! Da darf es keine Ruhe geben und auch keine Verzögerung, über die künftige Nutzung dieser Energieform zu diskutieren!

    Auch ich habe eine SCHEISSANGST, dass so etwas in unserem Land passieren kann! Ich will das nicht und ich erwarte von unserer Regierung, dass sie uns schützt, dass sie neue, sicherere Wege der Energiebeschaffung findet und dass sie Konsequenzen zieht! Nicht morgen, nicht übermorgen, sondern sofort! Da ist zur Zeit ein extrem großes Problem, das eigentlich absehbar und nur eine Frage der Zeit war. Jetzt ist Handeln angesagt und nicht der Zeitpunkt eines erhobenen Zeigefingers, der auf Moral und Anstand gegenüber den Toten des Natur-Unglücks in Japan zeigt! Daran kann ich zur Zeit nichts ändern…leider…aber daran, dass ein Atom-Unglück auch hier in Deutschland passieren könnte, daran können wir unmittelbar arbeiten!

    Kannst Du meine Gedanken dazu verstehen?

  38. #38 | Michael sagt am 15. März 2011 um 08:16 Uhr

    @Tim: Vielen herzlichen Dank für deine umfangreiche Antwort.
    Hat mir den Horizont wieder etwas erweitert. Schön das du dir die Zeit genommen hast. Danke.

    Ebenfalls stimme ich deinem Post zum Thema „Ausstieg“ absolut zu! Perfekt formuliert.

    Noch eine (hoffentlich) ruhige Woche wünsche ich.

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