Ambulanz für Medienabhängige – Geschäftsmodell Pathologisierung

Mein neuer Nachbar ist ganz groß in den Medien rausgekommen. Die Ambulanz für Medienabhängige in der Bochumer Landesklinik leistet einen großen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen für Psychologen.

Psychische Krankheiten sind kein Spaß. Es ist wichtig, dass es ein dichtes Netz an Betreuungseinrichtungen gibt und den Betroffenen geholfen wird. Es wäre allerdings auch nicht schlecht, wenn Psychologen und Psychotherapeuten wie Dr. Bert te Wildt, der Leiter der gestern eröffneten Ambulanz für Medienabhängige, sich mehr mit der Hilfe für Kranke als mit der Erfindung neuer Krankheitsbilder beschäftigen würden, aus denen sich dann interessante Geschäftsmodelle entwickeln lassen.

Gestern eröffnete  in Bochum eine Ambulanz für Medienabhängige. Ein angeblich sehr großes Problem: Menschen spielen World of Warcraft oder hängen lange auf Facebook rum. Denen muss natürlich geholfen werden, denn ein Verhalten, das von der Norm abweicht, kann nicht einfach nur ein Verhalten sein, das von der Norm abweicht sondern es muss krank sein. Dem Vorschub leistet die Definition der Weltgesundheitsorganisation was denn Gesundheit  ist:  „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ In anderen Worten: Wir sind fast immer alle krank.  Eine Krankheit zu erfinden ist lukrativ, auch die angebliche Krankheit noch gar nicht anerkannt ist. Der Landschaftsverband finanziert die Medienambulanz , es gibt  Stellen, Aufmerksamkeit in den Medien, die Chance Ratgeber zu schreiben, Vorträge zu halten und vielleicht einmal einen Lehrstuhl zu ergattern. Die Pathologisierung, das beständige Ausmachen neuer Krankheiten, die Diskreditierung der verschiedensten Verhaltensweisen, ist ein großes Geschäft. Und auch der Unterstützung der Politik können sich die engagierten Mediziner sicher sein: Es wird Forschungsmittel geben und bald werden die ersten Politiker mehr Kontrollen fordern. Wir werden noch viel von Medienabhängigen hören – und sehr viel zahlen dürfen.

 

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21 Kommentare

  1. #1 | freizeitexperte sagt am 2. Oktober 2012 um 11:39 Uhr

    Mehr als die paar Zeilen verdient das Thema schon, denke ich.
    Es ist klar, dass ungewöhnliche Hobbies schnell als krank oder gefährlich abgestempelt werden. Das darf aber nicht zur Schlussfolgerung verleiten, dass auch tatsächlich krankes Verhalten (Sucht) einfach ignoriert werden kann.
    Gerade wenn ein Argument die Kosten sind die anfallen:
    Rauchen, ungesunde Ernährung, ständiges Sitzen vor dem PC usw. führen, und das lässt sich auch nicht wegdisktutieren (leider wie ich sagen möchte, denn ich bin selbst davon betroffen) zu körperlich manifestierten Krankheitsbildern. Und deren Behandlung kostet.
    Professionelle Hilfe für diejenigen, die krankhaftes Verhalten bei sich bemerken und sich therapieren lassen wollen, sollte also zur Verfügung stehen. Als jemand der zur ersten Generation der digital natives gehört, kann ich sagen dass mir und vielen Gleichaltrigen ein etwas ernsterer Umgang mit dem Thema gut getan hätte.

  2. #2 | Torti sagt am 2. Oktober 2012 um 12:44 Uhr

    @Freizeitexperte
    Du hast irgendwie nix verstanden. Die Freiheit sich mit Dingen zu beschäftigen die einen meinetwegen vereinsamen, Sachen zu essen die ungesund sind, zu rauchen sind keine Krankheit.

    Die Freiheit etwas zu tun und die Verantwortung für sein Handeln zu tragen, mit Übergewicht, Lungenkrebs oder Vereinsamung sind keine Sucht und keine Krankheit.

  3. #3 | Nansy sagt am 2. Oktober 2012 um 12:53 Uhr

    Das hier angesprochene Problem ist die inflationäre Ausweitung des Suchtbegriffs UND das damit verbundene Geschäftsmodell. Gingen die Sucht- und Abhängigkeitsdefinitionen der WHO über Jahrzehnte von stoffgebundenen Suchtmitteln (Medikamente, illegale Drogen u.s.w.) aus, so begann Mitte der 1980er-Jahre eine Diskussion über neue, stoffungebundene Süchte (beispielsweise Spielsucht, Arbeitssucht, Online-Sucht, Sex-Sucht u.s.w.). Gewarnt werden muß in diesem Zusammenhang vor dem „inflationären“ Gebrauch des Suchtbegriffs und dem damit verknüpften Gedanken, dass es nichts gibt, was nicht süchtig machen kann, und kaum jemanden gibt, der nicht in irgendeiner Weise abhängig ist (sehr im Sinne der WHO mit ihrem fast schon religösen Gesundheitsanspruch). Wie heißt es so schön in dem Artikel: „ein Verhalten, das von der Norm abweicht, kann nicht einfach nur ein Verhalten sein, das von der Norm abweicht sondern es muss krank sein.“
    Hinter der Ausweitung des Suchtbegriffs steht aber immer auch der Wissenschaftsbetrieb. Wie kann man als Mediziner oder Wissenschaftler neue Betätigungsfelder finden, die bis jetzt vernachlässigt wurden, und wenn man sie gefunden hat, dann wird es auch „Forschungsmittel geben und bald werden die ersten Politiker mehr Kontrollen fordern.“

  4. #4 | Jan Sören K sagt am 2. Oktober 2012 um 13:19 Uhr

    Wenn „Medienabhängigkeit“ denn als „Krankheit“ zertifiziert wird kann man auch im Nachhinein bei vielen die Diagnose stellen – auch bei schon lange verstorbenen: Wer täglich übermäßig Zeitung liest, Bücher in Massen aufsaugt oder stundenlang redet oder zuhört muss auch als medienabhängig gelten.

    De facto werden also Schüler in der Schule vom Unterricht in die Medienabhängigkeit gezwungen!

    Daraus kann also nur ein Schluss gezogen werden: Schafft die Schule ab. Verbietet Bücher. Vernichtet das Internet. Stoppt die Auslieferung von Zeitungen. Unterbrecht dauerhaft die Ausstrahlung des Fernsehprogramms. Unterbindet Gespräche.
    Aber verbietet nicht das Denken. Ich will weiterlachen über den Unfug, den manche mit ernsthaften Problemen treiben.

  5. #5 | Arnold Voss sagt am 2. Oktober 2012 um 13:21 Uhr

    Sucht macht Spaß und Spaß macht Sucht. Deswegen ist die Sucht ein fester Bestandteil des Lebens und kein Leiden. Im Gegensatz zum Krebs zum Beispiel.

    Wer an seiner Sucht leidet bezahlt nur für den Spaß, den sie ihm bereitet hat, denn auch Spaß gibt es im Leben nicht umsonst. Auf jeden Fall nicht, wenn man davon regelmäßig eine Überdosis braucht.

    Das ist ja das Problem mit der Freiheit. Viele wollen sie aber nur wenige sind bereit oder in der Lage den Preis dafür zu zahlen.

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 2. Oktober 2012 um 13:22 Uhr

    @Sören: Allein die ganzen Karl-May-Junkies früherer Jahrzehnte! Ein Großonkel von mir war voll auf Karl May und hatte alle Bücher von ihm.

  7. #7 | Arnold Voss sagt am 2. Oktober 2012 um 13:26 Uhr

    Ich habe sogar alle gelesen. Damals. Als ich diese fürchterliche Lesesucht hatte.Nach Schundliteratur. War aber nicht so teuer weil ich sie mir alle in der Stadtteilbücherei (gab es damals noch) ausgeliehen hatte.

  8. #8 | freizeitexperte sagt am 2. Oktober 2012 um 13:35 Uhr

    Es geht mir vor allem um 3 Punkte:
    1. „Wir werden noch viel von Medienabhängigen hören – und sehr viel zahlen dürfen.“
    Hier fehlt nurnoch der Hinweis auf die böse Pharmaindustrie. Den letzten Satz hätte man wohl besser weggelassen.
    2. Es handelt sich um ein TherapieANGEBOT.
    3. Mir ist klar, dass es keine Zustimmung finden wird, aber:
    Man kann mit seinem Körper anstellen was man will, aber man sollte dabei (und das war mir in einer Suchtsituation nicht möglich) kritisch darüber nachdenken können, ob man nicht durch mangelnde Wertschätzung des eigenen Lebens und der eigenen Gesundheit die Freiheit anderer tangiert, indem man an ihre Bedürfnisse denselben Maßstab wie an die eigenen anlegt.

  9. #9 | Nansy sagt am 2. Oktober 2012 um 14:37 Uhr

    @Freizeitexperte:

    Das finde ich jetzt interessant. Wie begründest Du deine Aussage, dass man durch mangelnde Wertschätzung des eigenen Lebens und der eigenen Gesundheit die Freiheit anderer tangiert, indem man an ihre Bedürfnisse denselben Maßstab wie an die eigenen anlegt? Daraus werde ich nicht schlau….

  10. #10 | teekay sagt am 2. Oktober 2012 um 15:23 Uhr

    Nehmen wir einmal an es gaebe Bedarf fuer ‚Medienabhaengige‘. Wie kommen die denn mit der Ambulanz in Kontakt? Die sitzen doch den ganzen Tag vor’m Rechner, haben keine sozialen Kontakte und sprechen hoechstens mit dem Pizza-Boten in der stereotypischen Wahrnehmung…in Wirklichkeit ist das doch eher eine Anlaufstelle fuer ueberbesorgte Eltern oder uebereifrige Medienschaffende. Aber die Aufmerksamkeit der Medien ist der Ambulanz sicher-und die merken die Ironie wahrscheinlich gar nicht, wenn Kamerateams auf ‚medieabhaengige‘ Ego-Shooter-Spieler in langen Ledermaenteln warten…

  11. #11 | Helmut Junge sagt am 2. Oktober 2012 um 15:47 Uhr

    @Freizeitexperte,
    Stimmt, die Therapien sind freiwillig, und wer geheilt werden möchte, dem wünsche ich auch viel Erfolg.
    Doch vermutlich werden wir niemals etwas über eine etwaige Erfolgsquote, auf langjähriger Basis erfahren.
    Viele psychische Krankheiten können gar nicht geheilt werden, andere verheilen auch nach einiger Zeit ohne Therapie, natürlich auch mit Therapie.
    Immer aber muß der Patient stark mitarbeiten. Wenn nun Eltern denken, sie könnten ihren Sohn dort therapieren „lassen“, wird das nichts.

  12. #12 | freizeitexperte sagt am 2. Oktober 2012 um 17:29 Uhr

    Sollen wir lieber so tun, als gäbe es diese Fälle nicht? Mein bester Freund aus der Schulzeit sitzt fast nur bei sich in der Bude und legt auch sonst ein Verhalten an den Tag, das man bei alten Leuten als wunderlich bezeichnen würde. Und: er nimmt keine stofflichen Suchtmittel, sondern sitzt „nur“ vor dem PC. Sicherlich kein Einzelfall. Und nein, diese Menschen schreibe ich nur ungern ab indem ich sage: Seine freie Entscheidung. Denn er ist eben nicht (mehr) frei, sich für etwas anderes zu entscheiden.
    Nicht ganz so eindeutige Fälle kennt wohl jeder (z.B. Überhand nehmende Facebooknutzung). Und nicht nur von Eltern, sondern auch von Freunden, erwarte ich, dass der betroffenen Person geholfen wird.

    @Nansy: Ich glaube derjenige, der hier nix versteht (was du mir freundlicherweise als erstes vorgehalten hast), bist wohl eher du, als ich.
    Wenn die eigene Unversehrtheit nicht mehr wertvoll ist, wird die von anderen als nächstes darunter leiden.

  13. #13 | Nansy sagt am 2. Oktober 2012 um 17:51 Uhr

    @Freizeitexperte: Ich wüßte nicht, dass ich Dir Verständnislosigkeit vorgeworfen hätte.
    Aber einerlei, die eigene Unversehrtheit wird wohl von jedem anders definiert. Und was der eine schon als Raubbau an der „eigenen Unversehrtheit“ empfindet, wird vom anderen als „normales“ Verhalten angesehen. Gerade in unserer Zeit ist die Diskussion darüber entbrannt, was noch gesund oder normal ist. Wer definiert die Norm und auf welcher Grundlage?
    Aber selbst derjenige, dessen Verhalten von der „Norm“ abweicht, wird nicht gleich andere darunter leiden lassen.

  14. #14 | Michael Lemken sagt am 2. Oktober 2012 um 20:48 Uhr

    Ach ja, zur Lesesucht.
    Ich denke, es wird Zeit, dass sich die Computerspieler mal besser organisieren. Das wäre eigentlich ein schönes Thema für die Piraten…

  15. #15 | Puck sagt am 2. Oktober 2012 um 21:53 Uhr

    @Jan Sören K #4

    Wie recht Sie haben! Sie haben mir die Augen geöffnet. Allein in den letzen 5 Wochen habe ich 4 (in Worten: vier) Bücher gelesen, davon 2 mit mehr als 500 Seiten. Erschwerend kommt hinzu, daß drei der Bücher in englisch waren – ich lese angelsächsische Literatur gern im Original, weil das eine amüsante Art ist, in dieser schönen Fremdsprache fit zu bleiben. Ich hatte also auch noch Spaß daran! Wo doch jeder weiß, daß Lernen Fron sein muß, die mit herunter gezogenen Mundwinkeln durchgezogen werden muß… weil, wenns Spaß macht, läuft man GEfahr, daß man es immer wieder tut, ohne darüber nachzudenken, daß andere das eigene Verhalten vielleicht irgendwie komisch finden könnten.

    Ich schätze, ich sollte mich mal dringend in der neuen Beratungsstelle in Bochum melden.

  16. #16 | Michael sagt am 3. Oktober 2012 um 02:15 Uhr

    Es gibt nach meiner Einschätzung keine Internet-Sucht. Bei Interesse mal hier reinschauen: https://www.youtube.com/watch?v=OqKvutdUvck&feature=plcp

  17. #17 | Jan Sören K sagt am 3. Oktober 2012 um 02:17 Uhr

    @ Puck #15
    Ja, genau so soll es sein.
    Wenn mit diesem Artikel und den Kommentaren hier nur eine Person vor ihrem Leiden an ihrer Medienabhängigkeit bewahrt oder ihr durch einen Anstoß Hilfe geboten werden kann ist zumindest dieser Person schon geholfen.
    Übrigens hat meine Selbstreflexion ergeben: Ich sollte mich gleich aus vielfachem Grund an diese Institution wenden. Also schmeißt hier nicht einer die Scheiben vom Glashaus ein, sondern versucht, die Scheiben des Glashauses ganz zu lassen (sonst wird’s ja kalt).

    @ Stefan +6
    Ja, auch wenn die Karl-May-Leser eben nur ein sehr kleiner Teil sind (trotz der zahlenmäßigen Größe). Man denke auch an die vielen Mönche des Mittelalters, die (Popular)Philosophen des 19. und 21. Jahrhunderts, die Volksempfänger-Hörer, die Betriebsanleitungsleser und so viele andere…

    und @all:
    Bevor der Vorwurf aufkommt, dass ich mit dieser im Artikel benannten Einrichtung eine Verbindung hätte: Das wäre mir neu. Ich weiß bislang nichts von einer solchen Verbinung (kann natürlich sein, dass der Autor mir eine Verbindung vermittelt – aber ich denke, er wird sich den Platz auch nicht wegnehmen lassen wollen).

  18. #18 | Helmut Junge sagt am 3. Oktober 2012 um 10:39 Uhr

    @Michael (16)
    schöner informativer Link. Danke.

    @freizeitexperte (12),
    solchen Urteilen Dritter wie „Denn er ist eben nicht (mehr) frei, sich für etwas anderes zu entscheiden“, traue ich überhaupt nicht.
    Denn es ist allgemein bekannt, dass Psychotherapien nur denen helfen können, die sich helfen lassen wollen.
    Nochmal, mit Zwang von außen geht da gar nichts.
    Dein Schulfreund kann für sein, aus Deiner Sicht „wunderliches“ Verhalten, auch Gründe haben, die er Dir nicht mitteilen will.

    Wir können auch nicht jeden, dessen Verhalten wir nicht verstehen, in eine Zwangstherapie schicken.
    Wenn das so wäre, müßte ich als begeisterter frühkindlicher Vielleser, der immer mal auf Menschen getroffen ist, die kein Verständnis für meine Lesesucht hatten, schon viele Therapien hinter mir haben.
    Auch meine Bloggerei hier bei den Ruhrbaronen ist vor ca 1 Woche bei einer Feier von Freunden als merkwürdiges, unverständliches Verhalten eingestuft worden.
    Die würden das nämlich nie machen, weil das „nichts bringt“ und haben auch kein Verständnis dafür, dass ich das tue.
    Dabei ist es doch so, dass einige von ihnen, die ihr Leben lang Sport betrieben haben, mittlerweile die Knochen verschlissen haben, invalid geworden sind, während ich noch alles in Ordnung habe. Ich habe angekündigt, dass ich jetzt mit dem Training beginne, und ihnen im nächsten Herbst davonlaufen werde.
    Wer also ruiniert sich eigentlich selbst?
    Wenn ich Deine Meinung „Und nicht nur von Eltern, sondern auch von Freunden, erwarte ich, dass der betroffenen Person geholfen wird“ übernehmen würde, müßte ich fordern dass übermäßiger Sport als Gefahr eingestuft wird, und diese Sportler in eine Therapie zur Entwöhnung geschickt werden müssen. Denn sagen lassen sich diese Sportlertypen schon mal gar nichts, obwohl sie alle ältere Sportler mit Bandscheibenschäden, künstlich Gelenken usw. kennen.

  19. #19 | Puck sagt am 3. Oktober 2012 um 20:06 Uhr

    @Helmut Junge #18

    Tatsächlich besteht eine zunehmende Tendenz, jedes wie auch immer abweichende Verhalten als Krankheit zu betrachten.

    Inzwischen werden Medikamente verschrieben, wenn jemand traurig ist, weil ein nahestehender Mensch verstorben ist. Anstatt einfach zu sagen: Es ist normal, gelegentlich traurig zu sein!

    Ich muß dann immer an Erich Fromm denken. In „Die Furcht vor der Freiheit“ merkt er leicht ironisch an, daß es vielleicht keine so schlechte Idee wäre, nicht die Depressiven zu behandeln (die hätten meistens Grund), sondern eher diejenigen, die immer gut drauf sind.

  20. #20 | Helmut Junge sagt am 4. Oktober 2012 um 10:39 Uhr

    @Puck (19),
    mir ist die Antwort an @freizeitexperte bestimmt nicht leicht gefallen, weiß ich doch, welche Sorgen sich Angehörige und Freunde machen können, und wie sehr sie den Versprechungen von Heilern und Ärzten hoffnungsvoll vertrauen.
    Da zu sagen, geht alles nicht, ist schon brutal. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich so oder so zuletzt.
    Aber ehrliche Psychologen sagen selbst, dass sie nur unterstützen können, was der Patient selber will.
    Zudem schätze ich persönlich die Grenzen der Psychologie viel enger ein, als es die Vertreter dieser Zunft tun. Da bin ich in frühen Jahren durch die Lektüre von Karl Jaspers ziemlich voreingenommen. Und das was der kritisiert hat, spukt in dieser Wissenschaft heute noch herum.
    Erich Fromm habe ich leider viel zu spät in meinem Leben gelesen. Der war, als ich jung war, leider gar nicht „in“.
    Ja, ich denke auch, dass Trauer und Freude zum Leben gehören. Ich habe an mir selbst schon oft bemerkt, dass nach einem euphorischem Moment meist die Stimmung in die andere Richtung geht, so, als wenn die Natur ausgleichen wollte.
    Wahrscheinlich ist das wichtig. Danach wäre es also gar nicht gesund, immer fröhlich zu sein. Dann hätte Fromm mal wieder Recht.

  21. #21 | Sherry Turkle: Mehr Zeit, alleine zu sein. | Ruhrbarone sagt am 15. Oktober 2012 um 20:33 Uhr

    […] an die Wand gemalt und bei näherer Betrachtung geht es dann doch meistens darum, das irgendein Wichtigtuer  an Staatsknete will, die irgendein anderer Wichtigtuer bereit stellt. Wie anders ist es, wenn man […]

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