Die Stadt Waltrop präsentiert sich an diesem Wochenende auch ganz offiziell rückständig

Das ‚Mittelalterlich Gaudium‘ in Waltrop. Foto(s): Patzwaldt

Böse Zungen behaupten ja ohnehin schon seit Jahren, dass die Stadt Waltrop (im Kreis Recklinghausen) irgendwie rückständig sei. An diesem Wochenende ist sie das ausnahmsweise einmal völlig unbestritten.

Seit Donnerstag findet im Waltroper Moselbachpark, der seit Jahren an jedem letzten Augustwochenende im Jahr das traditionelle ‚Parkfest‘ mit seinen gut 60.000 Besuchern beheimatet hat, bevor dieses durch die Corona-Pandemie unsanft ausgebremst wurde, nämlich erstmals das ‚Mittelalterlich Gaudium‘ statt.

Die Veranstaltung,  die ihre Heimat zuletzt über Jahre hinweg in Dortmund hatte, nach einem Streit der Veranstalter mit der dortigen Verwaltung jetzt aber in das wenige Kilometer entfernte Pleite-Städtchen umgezogen ist, sorgt mit ihrer ungewöhnlichen Ausstrahlung dafür, dass Waltrop sich für seine Rückständigkeit und den vielen Unrat im Stadtbild zumindest für wenige Tage nicht mehr schämen muss!

Hunderte in ‚Lumpen‘ gewandete Menschen, die größtenteils in selbstgebastelten Sandalen, welche sie von den schier unzähligen Schlaglöchern in den Straßen zu ihren Füßen ablenken, oder gar barfuß durch die Stadt spazieren . Das passt ja auch wirklich perfekt zu Waltrop, das schon seit Jahren zu den Städten mit den höchsten Pro-Kopf-Verschuldungen in ganz NRW zählt!

Und vielleicht bietet das laufende Gaudium den Leuten vor Ort zudem ja auch die Möglichkeit, sich an den sich abzeichnenden weiteren Abstieg schon einmal mit einem Kaltgetränk in der Hand und einem milden Lächeln im Gesicht frühzeitig und sanft zu gewöhnen. 😉 Kein Wunder also, dass das vom örtlichen Stadtmarketing freudig neu herbeigerufene Volksfest für den Kreis Recklinghausen dem Vernehmen nach von der Bevölkerung vor Ort bisher auch recht gut angenommen wurde bzw. wird.

Mit rund 20.000 erwarteten Zuschauern, ist das Mittelalter-Fest, das nach dem Willen der Planer nicht nur einmalig an diesem neuen Ort organisiert werden soll, ab sofort die zweitgrößte Veranstaltung im Jahr in der Stadt der Schiffshebewerke, die ansonsten in Sachen Veranstaltungen traditionell nicht gerade viel zu bieten hat(te).

Wer von euch also an diesem Wochenende noch etwas Zeit übrig hat, und im östlichen Ruhrgebiet oder aber im Münsterland lebt, die Rückständigkeit unserer Region mit einem Augenzwinkern zelebrieren mag, für den ist der Moselbachpark in Waltrop (bei freiem Eintritt) ja vielleicht einen Besuch wert.

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5 Kommentare

  1. #1 | Walter Stach sagt am 27. Mai 2022 um 16:39 Uhr

    Robin,
    „Pleitestadt, …sich schämenen muß, ….sich abzeichnender weiterer Abstieg…“

    Wie passt zu diesen Einsichten deinerseits, dass in Waltrop – trotz aller Anstrengungen der Stadt, aller Bemühung von Grundstückseigentümern und Investoren- die Nachfrage nach hochwertigen (!!) Grundstücken -unbebauten wie bebauten – durch „Auswärtige“ nach wie vor von Jahr zu Jahr weiterhin wächst?

    Robin,
    das nur so „nebenbei“ durch jemanden wie mich angemerkt, der trotz aller berechtigten Kritik gegenüber dem auch für mich oftmals vergebens gewünschtem Tuns bzw. Nichttuns in der bzw. durch die Bürgergesellschaft und seitens der Stadt weiterhin gerne in Waltrop lebt.

    Das sog. Mittelalterfest im Stadtpark`?
    Es scheint, daß das Spektakel bei vielen Waltropern und offenkundig bei noch mehr Menschen auch der Nachbarschaft im Ruhrgebiet, im südlichen Münsterland „gut ankommt“ bzw. anzukommen scheint. Ob es zudem dem hiesigen Einzelhandel und der hiesigen Gastronomie etwas bringt? Zu wünschen ist es ihnen nach Pleiten, Pech und Pannen infolge der Corona-Pandemie.

    Da mich jedoch derartiges „Gedöns“ ganz und gar nicht interessiert, hoffe ich lediglich darauf, daß dessen Nebenwirkungen mir das Wochenende nicht allzu sehr vermiesen werden.

    Robn,
    ansonsten….
    Viele Menschen sehnen sich offenkundig danach, kurzzeitige Ablenkungen zu finden von all ihren Sorgen wegen des Krieges in der Ukraine, wegen der nach wie vor nicht überwundenen Corona-Pandemie und wegen ihrer von mir so wahrgenommenen wachsenden Besorgnis wegen der Inflation. Und , so scheint es jedenfalls, kommt auch das sog. Mittelalterfest in Waltrop gerade recht.

    Auf die von mir bevorzugte Ablenkung von den umschriebenen Alltagssorgen freue ich mich schon heute, nämlich auf das Champ.lig Endspiel am Samstag Real-Liverpool. Ich bin sehr gespannt. Hoffentlich gibt es dazu dann einen kommentierenden Beitrag durch Dich hier bei den Ruhrbaronen.

    In diesem Sinne beste Grüße und ein schönes Wochenende von einem „Lokalpatrioten“ wie mich an einen Waltroper wie Dich, dessen Interesse „am Wohl und Wehe seiner Stadt“ nicht zu leugnen ist und sich ja immer wieder hier bei den Ruhrbaronen in den n Beiträgen zu bzw. über Waltrop manifestiert.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 27. Mai 2022 um 16:44 Uhr

    Auch dir ein schönes Wochenende, Walter! Ich fahre am morgigen Samstag übrigens nach Nordkirchen und schaue mir dort die ‚Alltagsmenschen‘ am Schloss an. Bericht dann hier am Sonntag, wenn alles klappt… Grüße!

  3. #3 | 'Alltagsmenschen' in Nordkirchen sorgen für viele fröhliche Gesichter | Ruhrbarone sagt am 29. Mai 2022 um 11:43 Uhr

    […] gepflegte Parkanlage bietet Besuchern aus dem Ruhrgebiet ja auch einen willkommenen Kontrast zu der häufig geschundenen Umgebung, in der diese ihren Alltag verbringen müssen. Da tut ein Ausflug in die vermeintlich ‚heile […]

  4. #4 | Waltroper Parkfest 2022 - Eine Pleite mit Ansage? | Ruhrbarone sagt am 14. Juli 2022 um 12:30 Uhr

    […] mal Waltrop, genoss die Tatsache, dass im vergleichsweise verschlafenen 30.000-Einwohner Städtchen endlich mal etwas los […]

  5. #5 | Waltrop – Meine Schlafstadt im Grünen | Ruhrbarone sagt am 22. August 2022 um 20:42 Uhr

    […] Mit dieser Feststellung bin ich sicherlich hier nicht alleine. Als jemand, der seit 1973 in Waltrop (Kreis Recklinghausen) lebt, hat man im Laufe der Jahre diesbezüglich schon viel erlebt. Das […]

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