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Arbeiterklubs aus Dortmund und Schalke lassen geforderte ‚Malochereinstellung‘ vermissen

Malochermentalität wird auf Schalke gerade mit Füßen getreten. Archiv-Foto: Michael Kamps

Als Anhänger eines der beiden großen Ruhrgebietsvereine in der Fußball-Bundesliga hat man es aktuell wahrlich nicht leicht. Sowohl der FC Schalke 04 (1:4 bei Borussia Mönchengladbach) als auch Borussia Dortmund (1:2 gegen den 1. FC Köln) haben nicht nur ihre Spiele am vergangenen Wochenende verloren, sie zeigten dabei auch beide einmal mehr, warum sich ihre Anhänger mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine am Ende enttäuschende Spielzeit einstellen müssen.

Und so unterschiedlich die Lage in beiden Klubs auch ist, eines haben beide gemeinsam: Den vielbeschworenen ‚Malocherklubs‘ fehlt aktuell einfach zu häufig die richtige Arbeitseinstellung.

Die Gelsenkirchener zeigten in Mönchengladbach, trotz diverser Wiederbelebungsmaßnahmen der Klubführung in der vergangenen Woche, abermals eine über weite Strecken enttäuschende Leistung und blieben einmal mehr sieglos. Die Königsblauen kleben damit weiterhin am Tabellenende der Fußball-Bundesliga fest.

Diverse Spielersuspendierungen und auch Personalwechsel auf der Führungsebene, haben nur in den ersten rund 15 Minuten der Begegnung gegen ‚Gladbach‘ zu einer Leistungssteigerung der Mannschaft geführt. Danach brach die Elf einmal mehr völlig in sich zusammen und unterlag dem Gegner am Ende abermals glatt.

Da fragt man sich als Beobachter inzwischen schon, welche Mittel dem Verein für die kommenden Tage eigentlich noch bleiben. Der Trainer wurde bereits gewechselt, der Kader ‚ausgemistet‘, diverse Brandreden wurden gehalten.

Gebracht hat das Alles bisher zu wenig um endlich den ersten Bundesligasieg seit Januar einzufahren. Mit lediglich drei Zählern auf der Habenseite scheint der Abstieg der Knappen kaum mehr abzuwenden zu sein. Mit neun Spielen ist bereits mehr als ein Viertel der Saison absolviert. Wie man jetzt noch auf die für den Klassenerhalt nötigen 40 Zähler kommen will, ist die entscheidende Frage. Der aktuelle Kurs deutet eher auf unter 20 Punkte in der Endabrechnung hin.

Selbst auf die Unterstützung der Fans können die Gelsenkirchener in diesen Tagen nicht zählen. Die Coronavirus-Pandemie wird in dieser Spielzeit keine nennenswerten Zuschauerzahlen in den Stadien mehr zulassen. Wo da die Energie für eine Trendwende herkommen soll ist die alles entscheidende Frage. Das Konto ist leer, die Mannschaft leblos, es liegt in den Händen eines Trainers ohne Charisma.

Man muss schon ein ausgewiesener Optimist sein um die Zukunft der Schalker positiv zu sehen. Vieles deutet in diesen Tagen auf einen womöglich nie mehr wettzumachenden Niedergang des Klubs hin.

Die Sorgen im benachbarten Dortmund sind im Vergleich zu den Geschehnissen in Gelsenkirchen nicht ganz so dramatisch, jedoch auch nicht unbedingt zu verachten.

Einmal mehr blamierte sich der BVB am vergangenen Samstag in einem Spiel gegen einen vermeintlich ‚Kleinen‘ der Liga. Wenige Tage nach der souveränen Vorstellung in der UEFA Champions League gegen Brügge (3:0), zeigte die Mannschaft der Westfalen im folgenden Bundesligaspiel einmal mehr ihr anderes Gesicht, das einer charakterlosen Truppe mit einem grundlegenden Einstellungsproblem im Ligaalltag.

Das 1:2 gegen Köln war ein weiterer Rückfall in immer wieder überwunden geglaubte Zeiten und wirft den Verein beim Kampf um die Tabellenspitze abermals unnötig weit zurück. Wie oft haben sie in Dortmund schon betont, dass das Team kein grundsätzlichen Charakterproblem habe? Den Beweis dessen, den versemmelt die Mannschaft aber (zu) regelmäßig.

Durch solche Rückfälle wird die Diskussion rund um Trainer Lucien Favre und die ausbleibende Entwicklung bzw. den ausbleibenden Lernprozess des Kaders jedenfalls so rasch nicht enden.

Man erkennt, beide großen Revierklubs haben den Status als klassische ‚Malochervereine‘ inzwischen weitestgehend eingebüßt. Das ist Ende 2020 für einen Liebhaber dieser typischen Ruhrgebiets-Mentalität einfach traurig mitzuerleben…

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9 Kommentare zu “Arbeiterklubs aus Dortmund und Schalke lassen geforderte ‚Malochereinstellung‘ vermissen

  • #1
    Ruhr Reisen

    Inzwischen? Seit Jahrzehnten nicht mehr. Warum auch – Malocher sind in GE und D0 ausgestorben. Was das Außenbild prägt, sind Zuwanderung von Billigarbeitskräften und Aufbau von Logistikunternehmen mit Riesenlagerhallen- währendessen sich die Schalker längst zu fein sind, noch in der Heimatstadt ihres Vereins zu wohnen. Da nimmt man die Fahrerei von Düsseldorf für die paar Cent von der Nettogage doch gern in Kauf. Was das allerdings für die Stadt bedeutet, wenn auch noch der einzige Lichtblick wegbricht…im Zweifelsfall dann noch mehr Arbeitslose und Elend.

  • #2
    Yilmaz

    Köln hat ein super Spiel gemacht und verdient gewonnen.

    Dass der BVB keine größeren Titelambitionen hat, hat die Führung durch das Festhalten an Favre nun schon mehrfach bewiesen. Aber Watzke und Co sind vermutlich immer noch überrascht, dass nichts zählbares rauskommt.

    Bei der Schalker Mannschaftsaufstellung bekomme ich einen Knoten in die Zunge, viele Söldner dabei ohne Identifikation mit dem Verein. Auf die eigene Jugend zu setzen wird auch bei anderen Vereinen der richtige Weg zukünftig sein. Nebeneffekt, die deutschen U Mannschaften bekommen praxiserprobte Spieler.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Ruhr Reisen: Natürlich ist das mit dem Arbeiterklub seit langem schon mehr Fassade als Realität. Und doch schätzen die Menschen hier kämpfende, engagierte Spieler noch immer deutlich mehr als die von Yilmaz ins Spiel gebrachten Söldner. In diesen Punkten haben beide Vereine zuletzt viele unnötige Fehler gemacht. Schalke hat inzwischen offenbar komplett seine Seele verloren, der BVB ist zum Durchlauferhitzer für Jungtalente aus aller Welt mutiert. Ist ja kein Wunder, dass es vielen Fans immer schwerer wird sich mit den Klubs zu identifizieren.

  • #4
    thomas weigle

    Die könnten ja mal wieder morgens um sechse Lauftraining am Zechentor zu Schichtbeginn vorbei machen- wie um 69/70 unter Riegel-Rudi…..ach so, gibt ja keine Zechen mehr.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ich würde den Spielern diesbezüglich gar keine großen Vorwürfe machen, Thomas. Die Kaderplaner sind dafür aus meiner Sicht hauptverantwortlich. Die müssten doch wissen und beachten, was die Identität des jeweiligen Vereins ist, was die Fans vor Ort als Haupttugenden ihrer Spieler sehen wollen….

  • #6
    thomas weigle

    @ Robin Entlässt du damit nicht die Spieler aus jeder Verantwortung? Müssten die sich nicht auch mal leise fragen: "Passe ich zu dem Verein, bzw passt der Verein zu mir?"

  • #7
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thomas: Klar. Grundsätzlich natürlich schon. Aber kann ich das zum Beispiel von einem 17-jährigen Ausländer letztendlich wirklich erwarten, der von dem Verein vielleich vorher kaum etwas gehört bzw. gewusst hat? Hauptverantwortlich ist aus meiner Sicht der Kaderplander des jeweiligen Klubs.

  • #8
    thomas weigle

    Nein,@Robin, von einem 17jährigen verlange ich dies auch nicht. Der braucht Berater. Aber von gestandenen Twenties darf man das schon verlangen, sind ja keine heurigen Hasen mehr.

  • #9
    Ruhr Reisen

    #3
    Also das ist ja schon fast sympathisch: Sie glauben tasächlich noch daran, dass Profi-Fußball noch etwas mit den Fans, womöglich mit Seele zu tun hat? Außer, dass sie Eintrittgelder zahlen? Das ist vorbei. Es geht nur noch ums Millionen-Milliardengeschäft einer ausgewählten Kaste. Das birgt die Chance, dass sie sich selbst überflüssig machen. Und diese Auswüchse die ersten Zeichen dafür sind, dass es bröckelt. Eine komplette Erneuerung wird allerdings Jahre dauern.

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