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Auf der Suche nach den glücklichen Zustellern von Amazon

Ein Amazon-Lager. Quelle: Wikipedia, Foto: Álvaro Ibáñez, Lizenz: CC BY 2.0

Klar, es ist nur eine Werbung von Amazon, die mir da heute in der Facebook-Timeline wiederholt angezeigt wurde. Und doch hat sie mich vorhin ein wenig wütend gemacht, hat sie mit der vielfach traurigen Realität eines Amazon-Zustellers in der Vorweihnachtszeit wohl nicht so schrecklich viel zu tun.

Da beschreibt uns Autorin ‚Irmgard‘ in ihrem ‚Blog-Beitrag‘ den Alltag von Amazon-Zusteller Alejandro, der offenkundig für das Unternehmen in München tätig ist:

„„… Eigentlich unterscheidet sich meine Arbeit in der Weihnachtszeit gar nicht so sehr von den übrigen Tagen. Der Ablauf ist derselbe, auch die Anzahl der Pakete, die ich ausliefere“, sagt Alejandro: „Insgesamt gibt es natürlich viel mehr Bestellungen und deshalb auch mehr Kollegen. Und die Freude der Kunden ist in der Weihnachtszeit besonders zu spüren. …. Alejandro gefällt sein Job: „Ich bin sehr froh, hier zu arbeiten. Der Umgang ist immer respektvoll und man kann alles offen ansprechen.“ … Alejandro arbeitet in der Regel zwischen Montag und Samstag vier Tage am Stück. Danach hat er mehrere Tage frei….““

Als Stammkunde von Amazon kann ich diese Schilderung von der anderen Seite der Haustür so nicht wirklich nachvollziehen.

Die Zusteller von Amazon, die hier bei mir am Wohnort im Ruhrgebiet tätig sind, die unterscheiden sich jedenfalls offenkundig in ihrem Auftreten und ihrer Einstellung doch sehr von der hier stolz vorgestellten Welt des jungen Wahl-Müncheners.

Hier zu uns kommt eigentlich nahezu täglich ein anderer Zusteller des Onlinehändlers. Wobei, so wirklich treffen tut man die Zusteller als Kunde in der Regel aktuell ja gar nicht. Häufig werden die Waren schlicht kommentarlos vor die Haustür oder in den Briefkasten gelegt, ohne dass zuvor überhaupt geklingelt worden wäre. Die Herrschaften haben es, besonders in der Vorweihnachtszeit, halt extrem eilig.

Das kommentarlose Ablegen der Pakete hindert viele von ihnen nicht daran beim Onlinetracking die Zustellart ‚Das Paket wurde einem Hausbewohner übergeben‘ o.ä. anzukreuzen, obwohl das so gar nicht der Fall war. Vor einiger Zeit ist mir so schon einmal eine Sendung verlorengegangen, was eine nervige Diskussion mit Amazon nach sich zog.

Auch ich habe insbesondere im Umfeld des ‚Black Friday‘ zuletzt deutlich mehr online bestellt als sonst schon. Gelächelt haben im Zuge der dazugehörigen Zustellungen zum Monatsbeginn aber weder der fast täglich wechselnde Amazon-Paketbote noch ich. Bei Zustellzeiten bis in den späten Abend ist das ja auch kein Wunder.

Die Hochzeit des Konsums in diesen Tagen ist eben, entgegen der Schilderung des Onlineversandhandels, in viel zu vielen Fällen weder für den Kunden noch für die einfachen Mitarbeiter des Handels wirklich vergnügungssteuerpflichtig.

Das liegt ja auch ein Stück weit auch in der Natur der Sache. Sich in den Innenstädten der Region zu tummeln ist in diesen Tagen ja auch nicht das reine Vergnügen für Kunden und die Verkäufer/innen in den Geschäften.

Höchstens rund um die Glühweinstände auf den in vielen Städten dazugehörigen Weihnachtsmärkten sieht man aktuell einmal ein paar glückliche Gesichter. 😉

Also, Amazon, lasst mal die Kirche im Dorf. Verkauft uns bitte nicht für dumm, wenn ihr hier von euren angeblich so glücklichen Zustellern sprecht.

Mit der Realität hat das, wie die große Mehrheit der Kunden weiss, jedenfalls herzlich wenig zu tun. Also, spart euch und uns bitte solch Kopfschütteln auslösende Werbebeiträge. Das dient so weder eurem Image noch verbessert das in der Realität die Arbeitsbedingungen eurer hart arbeitenden und, aus der Sicht vieler, vielfach deutlich unterbezahlten Mitarbeiter.

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Ein Kommentar zu “Auf der Suche nach den glücklichen Zustellern von Amazon

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    Thomas

    Ich habe letztens Amazon-Werbung im Kino gesehen, hab mir auch gedacht, in der Wirklichkeit sind die Zusteller bestimmt nicht so glücklich wie in der Werbung.

    Aber das ist doch bei ziemlich jeder Werbung die es gibt so. Da macht die Amazon-Werbung keine Ausnahme, würde mich auch wundern.

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