Das grüne Denken war das Gegenteil linker Utopien

Blick von der Leunabrücke auf den Industriepark Höchst Foto: EvaK Lizenz: CC BY-SA 2.5


Konzerne und Kleinbetriebe gehen pleite, Läden machen dicht, Infrastruktur verfällt, die Bürger werden ärmer, der Staat hält sich mit Schuldenmachen über Wasser. Vor einem halben Jahrhundert wurde der Weg in die Deindustrialisierung eingeschlagen, die wir heute sehen. Viele begrüßten ihn damals als Erlösung von allen Umweltübeln. Von unserem Gastautor Michael Miersch

Die Flüsse waren Abwasserkanäle, die Luft verpestet, der Müll häufte sich zu Bergen, Wälder kümmerten und Wildtiere verschwanden. Jahrhundertelang hatten die Menschen ignoriert, welche negativen Folgen der wirtschaftliche Fortschritt für die Natur und sogar für ihre eigene Gesundheit hatte. Als Millionen Europäer und Nordamerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg zu Wohlstand kamen, bemerkten sie es. Nun hatten sie Essen im Überfluss, Autos, hygienische Wohnungen, Fernsehgeräte

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Das transgenerationelle Erbe von Schuld und Scham

1995 war der Köln-Düsseldorfer PAKH – „Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust“– gegründet worden. Er versteht sich als ein psychotherapeutisch orientierter Arbeitskreis über die Folgen der Shoah und kollektiver Traumata. Nun hat das Kernteam dieses Arbeitskreises, bestehend aus fünf PsychoanalytikerInnen, darunter zwei mit jüdischen Wurzeln, ein anspruchsvolles Buch über ihre Arbeit zum transgenerationellen Erbe der Shoah vorgelegt. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

Die Kölner Psychoanalytikerin Beata Hammerich steuert einen biografisch sehr aufrichtigen Beitrag bei. Er ist mit “Die Macht der Angst und Scham“ überschrieben. Der Untertitel „Aus dem Versteck in die Öffentlichkeit“ verweist auf die seelische Mühe, die mit dem Schritt vom verdrängten innerfamiliären Schrecken und der „Bewältigungsstrategie“ des an die Öffentlichkeit-Tretens verbunden war.

Die Autorin erlebte bei der Ankunft in einem Hotel einen großen Schrecken, den sie zwar als der Situation „unangemessen“ einzuordnen vermochte, der aber dennoch unerträgliche Gefühle von Angst beinhaltete. Auslöser war, dass sie ein zwar prächtiges Zimmer erhielt, welches jedoch abgetrennt von den anderen Kollegen lag. Sie erlebte urplötzlich Gefühle absoluter Panik. Sie musste die Gefühle aushalten und professionell reflektieren.

An dieser Stelle führt sie nun zum Verständnis und als Deutung ihre familiäre Biografie ein: Ihre Mutter hatte den Holocaust als Kind einer jüdischen Familie in der Slowakei erlebt und überlebt. Sie wurde getauft, um ihre Überlebensmöglichkeit als Jüdin zu erhöhen. Und ihre Mutter erzog auch ihre

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Gedanken zur Eröffnungsrede der Rektorin Fioretti beim Rundgang an der Kunstakademie Düsseldorf

Protest gegen Antisemitenshow in der Kunstakademien Düsseldorf Foto: Schroeder

Dass die Rektorin der Kunstakademie Prof. Fioretti ihre Rede bei der Eröffnung des Rundgangs für eine Selbstdarstellung als unnachgiebige Verfechterin der Meinungsfreiheit und Opfer einer angeblichen Diffamierungskampagne ausnutzt, war zu erwarten. Von unserem Gastautor Roman Salyutov, dem Vorsitzenden des Jüdischen Forums CDU NRW unter Mitwirkung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Ihr Verhalten, indem sie die Veranstaltung mit der Terrorverherrlicherin und Gewaltunterstützerin Basma al-Sharif gegen mehrfache und eindringliche Warnungen aus der Zivilgesellschaft, Antisemitismusforschung wie auch der überparteilichen politischen Landschaft mit Arroganz durchgesetzt hat, lässt den

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„Das Echo des Holocaust“

Stefan Hensel Foto: Senatskanzlei Hamburg Lizenz: CC BY-SA 4.0


Der Rücktritt des Antisemitismusbeauftragten Hamburgs und ein Blick zurück in die 1990er Jahre Von unserem Gastautor Roland Kaufhold.

Irgendwann, nach zahlreichen mahnenden Briefen an die zuständigen Hamburger Behörden, war es dem Hamburger Antisemitismusbeauftragter Stefan Hensel zu viel: Im Oktober 2025 teilte er mit, dass er sein Amt aufgeben werde.

Zuvor war der teils antizionistisch konnotierte Gegenwind gegen Stefan Hensel, der als junger Mann mehrere Jahre in Israel gelebt hatte, auch von der

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Tonga ist mehr als ein Klimasymbol

Tonga Foto: David Broad Lizenz: CC BY 3.0

Warum Deutschlands Pazifikpolitik sich vom Untergangsnarrativ lösen muss. Von unserem Gastautor Sebastian Mohr.

Wenn Außenminister Wadephul Mitte dieser Woche in Tonga eintrifft, begleitet die deutsche Berichterstattung ihn erwartungsgemäß mit dramatischer Tonalität. Beispielhaft dafür ist der Bericht des Deutschlandfunk-Journalisten Steffen Wurzel vom Montag, der in klassischer Südsee-

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Missbrauch des Holocaust-Gedenkens

KZ Auschwitz Foto: Deutsches Bundesarchiv Lizenz: CC BY-SA 3.0 de


Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag gab es auch in Mainz eine Gedenkveranstaltung zur Verfolgung queerer Menschen im Nationalsozialismus. Eine der Rednerinnen war die Psychotherapeutin Sabine Maur. In ihrer Rede verknüpfte sie heutige Psychotherapie für Transpersonen im Rahmen einer Geschlechtsangleichung mit dem NS, um sie zu diskreditieren. Von unserem Gastautor Till Randolf Amelung.

Seit einigen Jahren bringen sich auch queere Akteure in Veranstaltungen rund um den Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ein. Angesichts des Umstands, dass als Homosexuelle Verfolgte in der Aufarbeitung der NS-

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Von Äther zu Dunkler Materie

Diese Darstellung zeigt eine Momentaufnahme aus einer kosmologischen Simulation eines Lyman-Alpha-Blobs, ähnlich LAB-1. Die Simulation verfolgt die Entwicklung von Gas und Dunkler Materie mit einem der neuesten Modelle zur Galaxienentstehung, das auf dem NASA-Supercomputer Pleiades läuft. Bild: J.Geach/D.Narayanan/R.Crain Lizenz: CC BY 4.0


Wie alte Ideen über den „Stoff des Universums“ in der modernen Physik weiterleben, eine Herleitung von unserem Gastautor Christopher-Ariel Merkel.

Es klingt fast mystisch: Ein unsichtbares Medium, das das gesamte Universum erfüllt, Licht trägt und Gravitation überträgt – der Äther. Jahrhunderte später sprechen wir wieder von etwas Unsichtbarem, das alles zusammenhält: der Dunklen Materie. Beide Begriffe stammen aus völlig verschiedenen Epochen der Wissenschaft, und doch teilen sie überraschend viele Gemeinsamkeiten – physikalisch, philosophisch

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Rojava fällt – Europas Sicherheit fällt mit

Sercan Celik Foto: Privat


Europa steht vor einem selbstverschuldeten Desaster. Während in Nordostsyrien – in Rojava – ein demokratisches Projekt zerbricht, zerbricht zugleich das moralische Fundament europäischer Außenpolitik. Was dort geschieht, ist kein ferner regionaler Konflikt. Es ist der Anfang einer Kettenreaktion, deren Auswirkungen wir hier spüren werden: politisch, gesellschaftlich, sicherheitspolitisch. Wer das ignoriert, handelt fahrlässig. Unser Gastautor Sercan Celik  ist Vorsitzende der SPD in Kierspe.

Seit Jahren kämpfen die Kurden und andere Minderheiten in Rojava an vorderster Front gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS). Sie haben Städte verteidigt, Massaker verhindert, den IS territorial zerschlagen – nicht aus abstraktem Idealismus, sondern weil sie wussten: Wenn wir hier verlieren, verliert die Welt. Und genau das haben sie getan: Sie haben für unsere Sicherheit gekämpft. Für unsere Demokratie. Für Europa.

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„Es war eine monströse Attacke…“

Nir Oz nach dem Terrorangriff der Hamas Foto: zeev stein Pikiwiki Israel Lizenz: CC BY 2.5

Knapp zwei Jahre lang, 482 Tage lang, war der 81-jährige Kibbuznik Gadi Moses aus Nir Oz in Hamas-Geiselhaft – und resignierte doch nie. Im Januar 2025 kam er frei, zusammen mit Agam Berger (20) – eine der fünf jungen überlebenden Späherinnen, die vom Stützpunkt Nahal Oz entführt wurden – sowie Arbel Yehud aus Nir Oz. Arbels Bruder war in Nir Oz ermordet worden. Ihr Vater sprach uns im Oktober 2025, als wir im Kibbuz arbeiteten, bei einem Mittagessen im Speisesaal an, um davon zu erzählen. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

Auch Gadi Moses Lebenspartnerin Efrat Katz (69) wurde am 7.10. entführt. Sie wurde gemeinsam mit ihrer Tochter und zwei Enkelkindern in ein Auto gezerrt und nach Gaza verschleppt. Sie starb durch israelischen Beschuss im Chaos nach dem Überfall. Auch Gadi Moses gleichfalls in Nir Oz lebende – geschiedene – Ehefrau wurde entführt. Sie wurde nach 49 Tagen

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„Die iranische Gesellschaft steht allein – doch ihre Wut ist unauslöschlich“

Streik im Basar von Teheran Foto: Msdroriginal Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die aktuellen Demonstrationen und Streiks begannen am 28. Dezember 2025 in Teheran. Auslöser waren die drastische Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, starke Schwankungen des Wechselkurses, die Instabilität der Märkte sowie der anhaltende Wertverlust der nationalen Währung. Ausgangspunkt der Proteste bildeten der Große Basar von Teheran und die umliegenden Handelszentren. Von unseren Gastautor Kazem Moussavi

Innerhalb weniger Tage entwickelte sich daraus die größte Protestwelle seit den landesweiten Erhebungen von 2022 nach der staatlichen Tötung von Mahsa Amini.

Mindestens 65 große und kleine Städte in verschiedenen Provinzen Irans sind derzeit betroffen. Die Proteste tragen offen politisch systemkritische Züge und richten sich faktisch gegen den Fortbestand der Islamischen Republik.

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