Mainzer Fantage: Diffamierung der Fans stärkt immer nur die falschen

Der Sommer war lang, der Sommer war schlecht (und es ist mir herzlich egal, was die Klimaforschung “statistisch” dazu zu sagen hat) und er war ernüchternd: In vorher ungekanntem Ausmaß entdeckte die Politik Fußballgewalt als populistische Profilierungsmöglichkeit. Die Innenminister überboten sich gegenseitig in immer absurderen Forderungen – bis hin zum Verbot von Stehplätzen. Die Mainzer Fantage vom 06.-13. September waren da der mehr als nur willkommener Anlass, endlich mal wieder in einem anderen Kontext über Fußball, Fans und Ultras zu sprechen. In beeindruckender Art und Weise hat die Mainzer Fanszene eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die vorerst ihresgleichen sucht und sicherlich auch ein Anstoß sein kann, es ihr gleich zu tun. Denn – so viel sei vorab gesagt: Davon braucht Fußballdeutschland viel, viel mehr. Von unserem Gastautor Andrej Reisin/Publikative

Eine Woche lang organisieren verschiedene Mainzer Fan- bzw. Ultragruppen ein breiteres Spektrum an Diskussionsveranstaltungen, Filmvorführungen, Workshops und anderen Aktivitäten rund um die Mainzer Fanszene, den Verein, das alte und das neue Stadion. Ganz bewusst wird dabei der Weg der Öffnung nach Außen (also an das interessierte Publikum) und gleichzeitig in die Stadt hinein (zum Beispiel mit einer Veranstaltung in einem Innenstadt-Kino) gewählt, um eben nicht nur den eigenen Klüngel an Kurvenfans und Ultras anzusprechen, sondern eben auch den “ganz bewusst den Ottonormalfan”, wie es von Seiten der Veranstalter heißt. Bereits im Vorfeld stieß dieser Weg auf positive Resonanz: Sowohl der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling als auch den langjährigen Mainzer Profifußballer Marco Rose, der derzeit Trainer bei Lok Leipzig ist, wurden als Schirmherren gewonnen. Ebenso positiv ist, dass auch der Verein Mainz 05 die Fantage aktiv unterstützt und Räumlichkeiten und andere Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Am Samstag Abend lautete das Thema einer der zahlreichen Diskussionsrunden dann „Sogenannte Fans verbreiten Angst und Schrecken? – Fußballfans in der öffentlichen Wahrnehmung“. Mehr als 300 Besucher strömten zu dieser Veranstaltung, die im Umlauf des neuen Mainzer Stadions einen sehr passenden und stimmungsvollen Rahmen gefunden hatte. Auf dem Podium saßen der 

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NPD in Dortmund: „Ein kläglicher Haufen“

Ein kläglicher Haufen von 8-10 NPD-Mitgliedern protestierte am Montag Abend vor der Asylbewerber-Notunterkunft in Dortmund Derne. Protest? Eher der schief gegangene Versuch einer Kundgebung. „Nationale Volksfront“ wollte man doch so gerne sein – eine Gruppe nicht größer als der Westerhuder Seniorinnen-Kegelclub ist am Ende dabei herausgekommen. Von unserer Gastautorin Ulrike Märkel.

Und was soll man dann noch gegen 200 Demonstranten ausrichten, die mit Trillerpfeifen und Hupen bewaffnet den Lautsprecherwagen der NPD locker übertönten. Neben „Bunt statt braun“, den Falken, der evangelischen Kirche und den Linken, den Grünen und der SPD waren auch viele Bürger gekommen, um deutlich zu machen, dass die Flüchtlinge –die vor allem aus Krisen- und Kriegsgebieten Zuflucht in Dortmund suchen und oftmals von Kriegserlebnissen traumatisiert sind – bei uns willkommen sind.

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„Es wird ungemütlicher hier in Deutschland für uns Juden“

Es wird ungemütlicher in Deutschland für Juden. Das liegt vor allem an dem deutschen Judenhass, es liegt aber auch an einigen jungen Muslimen mit und ohne Migrationshintergrund und ihrem sehr eigenen, und leider sehr gefährlichem Antisemitismus. Und es liegt an den Beschwichtigern, Relativierern und Kleinrednern in den jeweils eigenen Gemeinschaften, die lieber Dinge unter den Teppich kehren. Von unserer Gastautorin Ramona Ambs/Publikative.

Ich bin Jüdin. Meine Haarfarbe ist schwarz, meine Muttersprache deutsch. Ich komme einigen Leuten spanisch vor. Aber das ist nur äußerlich. Ich verstehe kein Wort spanisch. Ich verstehe ein bisschen englisch, ein bisschen fränzösisch, ein bißchen hebräisch, ein bisschen dänisch und ein bisschen türkisch. „Yahudiler domuz“ zum Beispiel. Wenn ich das höre, weiß ich, dass es besser ist, dass ich den Leuten spanisch vorkomme und nicht etwa jüdisch.

Yahudiler domuz“ – das hör ich ab und an. Auf Straßen, in Cafes oder Clubs. Und wenn man das hört, dann ist man fast froh, nicht alles zu verstehen. Wobei diese Freude dann auch nur kurz währt, denn mittlerweile hört man`s eh auch variantenreich auf Deutsch. „Du Jude“ ist ein absolut gängiges Schimpfwort. Auch ohne das rosa Tier mit dem Ringelschwänzchen.

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Ein Oberbürgermeister hat eine Frage und ein Huhn sitzt auf ungelegten Eiern.

 

Gewalttätige Reisekader während der Verwüstung der Dortmunder Innenstadt. Ein erschütterndes Dokument einer Orgie der Wut!

Dr. Dierk Borstel schreibt auf Wunsch des Dortmunder Oberbürgermeisters Sierau eine Stellungnahme, denn der hatte da mal eine Frage: Braucht es ein Antifacamp in Dorstfeld?Von unserer Gastautorin Ulrike Märkel.

Die Antwort dient, und das ist sehr praktisch, als Rechtfertigung der eigenen Entscheidung, das Antifacamp in Dortmund nicht zu genehmigen. Die Begründung liefert Borstels Text: „…zur antifaschistischen Szene gehören jedoch auch gewaltbereite „Reisekader“…“. Durch die stete Wiederholung einer Behauptung wird sie bekanntlich nicht wahrer und eine Vermutung ist noch lange keine belegbare fundierte Aussage. Genau diese unwissenschaftliche Herangehensweise an das Thema erstaunt, da Dr. Borstel seine wissenschaftliche Kompetenz bereits gezeigt hat, als er im Auftrag der Stadt Dortmund für die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie 2009 und 2012 eine Studie plus Update erstellt hat. Zweifellos kann man als „Nebenprodukt einer Tätigkeit“ als Wissenschaftler eine Stellungnahme verfassen, die dem Auftraggeber so richtig aus dem Herzen spricht. Das ist nicht verboten. Aber braucht es sie?

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Freude über Hass nach Angriff auf Rabbiner

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Rabbiner in Berlin herrscht in der “islamkritischen” Sekte im Netz Begeisterung vor. Man habe doch schon immer vor den judenfeindlichen Migranten gewarnt, tönt es nun. Viele Linke tun sich derweil mit der Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in der Migranten-Community schwer – und große islamische Verbände schweigen bislang. Von unserem Gastautor Patrick Gensing / Publikative

Viele Linke interessieren sich kaum für den Antisemitismus in der Migranten-Communiy. Jüngst berichteten wir über den Al-Kuds-Marsch in Berlin, in dem Beitrag bezeichnete der Autor die “junge Welt” als nationalbolschewistisch, worüber sich die meisten Kommentatoren mokierten. Die antisemitischen Inhalte der Demonstration spielen hingegen kaum eine Rolle. So lange deutsche Linke gemeinsam gegen Nazis auftreten, zeigt man sich entschlossen, bei Rassismus oder Antisemitismus in der Migranten-Community tut man sich bedeutend schwerer.

Dies dürfte mehrere Gründe haben, hier einige stichwortartig angerissen: Zum Einen die eigene Ideologie, die ein idealisiertes Bild von Migranten zeichnet, denen man nicht unterstellen möchte, ebenfalls menschenfeindliche Einstellungen mit sich rumzuschleppen, da sie doch selbst davon betroffen seien. Zum Zweiten sind antisemitische Organisationen im antiimperialistischen Kampf zu Bündnispartnern geworden und zum Dritten ist da noch die aggressive islamfeindliche Internet-Sekte, die über jeden dokumentierten Angriff auf Juden aus der Migranten-Community geradezu jubelt, um den eigenen Rassismus zu legitimieren.

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Unstatistik des Monats: Dick macht doof und depressiv

In Kooperation mit dem RWI-Essen veröffentlich wir einmal monatlich vorab die Unstatistik des Monats. Heute geht es um die angeblichen dummen Dicken.

Die Unstatistik des Monats August sind Meldungen in deutschen Medien zu ursächlichen  Zusammenhängen von Essgewohnheiten, Depressionen, Intelligenz, Körpergewicht und Schulbesuch. So meldete die „Apotheken-Umschau“ Anfang des Monats, der übermäßige Konsum von Fast-Food löse Depressionen aus. Dabei fasste sie eine spanische Studie zusammen, die zwischen dem Verzehr von Industriebackwaren und Fast food auf der einen und der Häufigkeit von Depressionen auf der anderen Seite einen positiven Zusammenhang festgestellt hatte. Besonders gefährdet seien Singles, die mehr als 45 Stunden die Woche arbeiteten, ansonsten aber wenig aktiv seien und sich insgesamt ungesund ernährten. Einige Tageszeitungen ergänzten das Ende des Monats mit Meldungen wie „Dick macht dumm“ (Focus online), basierend wiederum auf einer Beobachtungsstudie, die einen negativen Zusammenhang zwischen Übergewicht und den Ergebnissen von Intelligenztest aufzeigt. Und dick wiederum wird man

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Ich bliebe lieber in Unna … … wenn es etwas gäbe, was mich hier hielte!

Unna Bild: Rainer Knäpper, Lizenz: artlibre

In Ulla Hahns Roman „Aufbruch“ wird die Geschichte der Hilla Palm erzählt. Sie kommt aus Dondorf bei Düsseldorf, und fängt bald an, in Köln zu studieren. Hilla liebt Dondorf. ihr liegt die Familie am Herzen, der Rhein, die Natur und die Erinnerungen, die dieses Dorf für sie enthalten.  Nach einem Semester Pendelei geht Hilla schließlich mit Sack und Pack nach Köln, weil sie das Hin-und-herfahren krank macht, das Leben in zwei Welten sie emotional überfordert. Von unserer Gastautorin Anna Mayr.

Ich gehe, weil der Auszug und Aufbruch aus meiner Heimatstadt zu meiner Vorstellung vom Großwerden gehört, seit ich mit Ernsthaftigkeit über das nachdenke, was man so salopp „Zukunft“ zu nennen pflegt. Dem Erwachsenwerden habe ich abgeschworen, ich glaube nicht mehr daran, dass es Erwachsene gibt. Aber groß, groß kann man werden. Man kann große Erfahrungen machen und große Dinge tun, große Menschen kennen lernen und große Überlegungen anstellen. Unna ist mir nicht groß genug, in Unna war ich immer nur klein. Groß werden möchte ich an einem anderen Ort.

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Neue Selbständige in der Kreativwirtschaft – Zwischen Freiheit und Zwang

Gestern hielt Rainer Midlaszewski auf der Libertären Medienmesse in Bochum ein Referat unter dem Titel  „Zwischen Freiheit und Zwang – Neue Selbständige in der Kreativwirtschaft“. Grundlage des Referats war ein gleichnamiger Text den Rainer 2008 gemeinsam mit Ulrike Schulz in dem Magazin Grundrisse veröffentlichte. Wir bedanken uns  dafür, den Artikel nun auch auf diesem Blog veröffentlichen zu dürfen.  

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Als Holm Friebe und Sascha Lobo 2006 das Buch „Wir nennen es Arbeit“ veröffentlichten, wirbelte ihre Rede von der „digitalen Bohème“ in der Diskussion um die Bedeutung der neuen selbständigen Arbeitsverhältnisse durchaus Staub auf.

Ihre provozierende These, dass es im Zeitalter immaterieller Produktion, jenseits der Festanstellung ein Reich der Freiheit und Coolness zu entdecken gibt, bleibt trotz vieler richtiger Beobachtungen mehr als fragwürdig. Das liegt nicht nur an der Selbst- und Marktverliebtheit ihres Vortrags, sondern auch an der Ignoranz gegenüber ganz anderen Erfahrungswelten, Untersuchungen und Interpretationen zum Thema freiberuflicher Erwerbstätigkeit.

Der nachfolgende Text ist eine Collage von Fundstücken aus wissenschaftlichen, politischen, essayistischen und ganz persönlichen Texten.

Vielleicht wirken einige Zitate so freigestellt etwas bruchstückhaft. Vielleicht verschiebt sich manchmal durch die Montage des einen mit dem anderen etwas die Bedeutung. Das ist beabsichtigt aber nie respektlos gemeint gegenüber dem ursprünglichen Kontext dem die Schnipsel entnommen sind. Die kleinen Zwischenüberschriften vergaben wir.

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NHL: Droht erneut ein ‚Streik‘ in der National Hockey League?

Eishockeyfreunde treibt derzeit weltweit eine Frage um: Wird die, eigentlich am 12. Oktober beginnende, neue NHL-Saison erneut ‚streikbedingt‘ nur verkürzt stattfinden, oder fällt sie sogar ganz aus? Von unserem Gastautor Robin Patzwaldt.

Ein Streik im Profisport? Klingt vielleicht zunächst merkwürdig, aber so ungewöhnlich wie es vielen Laien womöglich zunächst erscheinen mag ist das Ganze leider gar nicht. In der Geschichte der National Hockey League (NHL) kam das zuletzt leider sogar schon häufiger mal vor.

Hintergrund der Geschichte ist der Rahmentarifvertrag (CBA) zwischen Ligaleitung und der Spielergewerkschaft NHLPA.

Dieser muss alle paar Jahre neu ausgehandelt werden, ganz ähnlich dem auch bei uns üblichen Gerangel um Tarifverträge in der ‚normalen‘ Arbeitswelt.

Das CBA (Collective Bargaining Agreement) regelt inzwischen viele Details rund um die NHL. Angefangen von der Entlohnung, der Aufteilung der Gewinne unter den Teams, oder auch die Abstellung von Spielern

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„Konsequente Kulturverhinderung“ – Keine Dortmunder Theaternacht 2012

Die Theaternacht ist gecancelt. Es sollte die elfte und letzte werden, bevor sie 2013 mit der Museumsnacht zur Kulturnacht verschmölze. Ein geplanter „würdiger Abschied“, der nun nicht statt findet. Ihr Initiator und langjähriger Veranstalter Horst Hanke-Lindemann, auch Leiter des freien Theaters Fletch Bizzel, von Geierabend und RuhrHOCHdeutsch, gibt Dortmunds Stadtdirektor Jörg Stüdemann die Schuld. Was ist dran an den Vorwürfen? Von unserer Gastautorin  Isabelle Reiff. 

Im Leben geht es zu wie im allerschönsten Theaterstück, erst recht in der Politik: Ein Missverständnis jagt das nächste. Jede noch so deutliche Information wird per stiller Post geradezu in ihr Gegenteil verkehrt. Nur lachen am Ende die wenigsten. Und applaudieren tut auch keiner.

Alles begann mit einer Pressekonferenz im August. Jörg Stüdemann war gerade in Urlaub gefahren, Dortmunds Rat immer noch aufgelöst. Der Sommer 2012 hatte bisher nichts von dem gehalten, was versprochen und erhofft. An seinem Stammsitz Fletch Bizzel sprach dessen Leiter Horst Hanke-Lindemann einleitende Worte. Sie begannen damit, dass Dortmund als „siebtgrößte Stadt der Republik mit seiner

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