Die Schönheit des verborgenen Ruhrgebiets

Ich fixiere das Motiv im Sucher der digitalen Spiegelreflexkamera. Blind huschen meine Finger über die Tasten und Regler der Kamera. Meine Sinne sind hellwach. Konzentriert registriere ich jede Regung meiner Umgebung. Es ist still. Nur das Pfeifen von Wind und aufprallende Wassertropfen sind zu hören. In der Luft liegt die leise Spannung des Verbotenen. Das Klicken des Auslösers meiner Kamera tönt durch die Halle. Von unserem Gastautor Daniel D.

Im Hintergrund formen die Hochöfen des Thyssen Werks in Bruckhausen wie Berge die Silhouette des Horizonts und Schlote speien unablässig weißen Dampf in den Himmel. So oder so ähnlich muss das Ruhrgebiet unserer Eltern und Urgroßeltern ausgesehen haben. So sieht es heute aus: Ich stehe inmitten einer hoch aufragenden Fabrikruine. Rot von rostigem Eisen und Backsteinen, grau von Staub und Beton, mit dem durchschimmernden Grün der hereinwuchernden Wildnis. Jeder meiner Schritte laviert mich vorbei an zerbrochenen Glas, Dreck und zehnmetertiefen Abgründen. Die meisten Maschinen im Inneren der Anlage wurden entfernt und mit ihnen auch die sichernden Geländer. Jeder unbedachte Schritt kann jetzt tödlich enden. Die Verbotsschilder, die das

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Rechtsextremismus als soziale Bewegung: Feindbild Stadt

Nazi-Demo in Dortmund

Anti-städtische Einstellungen sind kein Alleinstellungsmerkmal für überzeugte Rechtsextremisten. Heimatfilme gleichen sich zumeist erschreckend: Die ehrlichen und unverdorbenen Dörfler setzen sich tugendhaft und gewitzt, aber stets fair, gegen Eindringlinge aus der Stadt zur Wehr. Die NPD nennt sowas einen ” erd- und bluthaften Widerstand”.  Teil II der Serie “Rechtsextremismus als soziale Bewegung”. Von unserem Gastautor Patrick Gensing/Publikative

Die Stadt dient Rechtsextremen als ein zentrales Feindbild, das Land wird hingegen stets idealisiert – hier findet sich  die Volksgemeinschaft im Kleinen. In NPD-Papieren ist gerne von Kulturlandschaften und familiären Bauernbetriebe die Rede. Und der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel schrieb über die “multi-ethischen” Metropolen:

Schon im 20. Jahrhundert haben Nationalisten bei Wahlen auf dem Land stets ihre besten Ergebnisse erzielt, weil Menschen, die in intakte Sozial-, Kultur- und Traditionsverhältnisse hineingeboren werden, immer eine Ader für das Natürliche und Gewachsene, also das Nationale, haben. […] Die Globalisten wollen den identitätskastrierten, wurzellosen und

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Der neue Fernseher

Ich habe gestern mit meinem Vater telefoniert. Eigentlich nichts Weltbewegendes und alle Kinder oder zumindest die meisten tun sowas und manche vielleicht sogar regelmäßig und da ist ja auch nichts Schlimmes bei eigentlich, bis vielleicht auf die Tatsache, dass Telefonate mit Eltern immer schwierig sind. Weil so ein Telefonat immer die Tendenz einer Zeitschleife hat, in der wir als inzwischen erwachsene Kinder, also ich bin inzwischen 38, plötzlich wieder 12 Jahre alt sind, oder so ähnlich. Von unserem Gastautor Daniel Kasselmann.

Eigentlich wollte ich nur kurz nachfragen, ob es für ein anvisiertes Familientreffen  bereits einen Termin gäbe. Weil solche Termine in unserer Familie immer kurzfristig bis gar nicht kommuniziert werden, oder erst, wenn sie dann schon in der Vergangenheit liegen und das ist ja nun wirklich arg knapp. Aber als ich nach einer Stunde auflegte und mir den Schaum vom Mund wischte, hatten wir gerade mal fünf Minuten über diesen Termin gesprochen. Weil ich vorher gar nicht dazu kam, das Thema zur Sprache zu bringen, sondern in die Falle aller Söhne und Töchter dieses Universums tappte, meinem Vater zur Eröffnung des Gesprächs eine einfache Frage zu stellen, die normalerweise in den Bereich gepflegter Konversation gehört, aber in dieser Konstellation die Steilvorlage für die Monologe der abgekauten Ohren ist. Ich fragte meinen Vater, wie es ihnen geht, mehr nicht. Ich meine, dass sie sich gerade einen neuen Fernseher gekauft hatten, hätte ich zumindest erahnen können, weil in unserem letzten dreistündigen Gespräch davon die Rede war, dass ihr alter Nordmende-Farbfernseher aus dem Zeitalter des kalten Krieges, tatsächlich bereits nach läppischen 30 Jahren seinen Geist aufgegeben hatte und kein Hersteller-Garantieversprechen mehr weiter half, weil die Firma Nordmende bereits Jahre vorher ebenfalls ihren Geist aufgegeben hatte. Ich erinnere mich noch, dass ich versuchte, meinen Vater davon zu überzeugen, dass es doch eigentlich schön sei, dass das Produkt die Lebensdauer seiner Produktionsfirma um fast eine Generation überdauert hätte, aber das ließ er nicht gelten, denn das Gerät war damals der

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Terror-Trio? Rechtsextremismus als soziale Bewegung

Nazi-Demo in Dortmund

In den meisten Medien ist im Zusammenhang mit dem NSU von einem Terror-Trio die Rede. Damit wird ausgeblendet, dass ein Unterstützernetzwerk existiert – und die Ideologie der Terroristen gesellschaftlich teilweise anschlussfähig ist. Von unserem Gastautor Patrick Gensing/Publikative.org

“Wir haben eine große Botschaft. Wir haben wieder etwas, was die Jugend zum Kampf animiert. Es ist der große Idealismus. Und fragt euch doch einmal: Welche Kraft ist denn mächtiger? Erinnert euch an die Bilder der jungen Palästinenserinnen, junge Mütter, die sich den Sprengstoffgürtel umschnallen, um für ihr Volk, ihre Nation in den Tod zu gehen. Das ist es.” (Roland Wuttke, bayerischer NPD-Funktionär auf einer Demonstration im Oktober 2004)

DIE UNSTERBLICHEN wollen, dass ihre eigenen Kinder und mit ihnen alle Deutschen in allen künftigen Generationen Anteil an diesem Erbe haben können und es nicht nur verwalten (wie es auch jeder fremde Einwanderer könnte), sondern weiterentwickeln. Nur so haben die Ideen, die Taten, die Opfer und auch die vielen Toten unserer Ahnen einen Sinn für alle Zukunft. Um diese Zukunft geht es uns. Solange sie besteht, sind wir unsterblich. Und weil DIE UNSTERBLICHEN dazu ihr Volk brauchen, wehren sie sich gegen diejenigen, die es abschaffen wollen. (werde-unsterblich.info)

In der Berichterstattung über Rechtsextremismus wird zumeist von der rechten oder rechtsextremen „Szene“ gesprochen beziehungsweise geschrieben. Dies verharmlost die Komplexität und Schlagkraft des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland deutlich. Szene – dieser Begriff impliziert eine

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Radikales Rauchverbot: „Die SPD erwiese sich einen Bärendienst, den Plänen der Grünen zuzustimmen.“

An der SPD-Basis  wächst der Widerstand gegen die Pläne der rot-grünen Landesregierung ein radikales Rauchverbot in der Gastronomie einzuführen. Der Protest organisiert sich auf Facebook.

Der SPD Ortsverein Solingen Mitte hat nun einen Aufruf verfasst, der sich gegen die Pläne der Landesregierung wendet, in NRW ein radikales Rauchverbot in allen Kneipen einzuführen und hat die Facebookgruppe Sozialdemokraten gegen totale Rauchverbote gegründet. Hier der Gastbeitrag der SPD Solingen Mitte:

Der Ortsverein Mitte der SPD Solingen und die Jusos Solingen lehnen die von den GRÜNEN im Landtag NRW geforderte Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes in der vorliegenden Form ab.

 Für sie ist der status quo des Gesetzes vom 1. Januar 2008 ausreichend. Besonders wenden sie sich gegen das Verbot von Raucherräumen in Gaststätten und der Errichtung von Raucherclubs. Weiterhin treten sie für die Möglichkeit, in Einrichtungen der Pflege, der Behindertenhilfe sowie der Wohnungslosen-/Gefährdetenhilfe unter Berücksichtigung des Nichtraucherschutzes rauchen zu können, ein.

Sie fordern die Mitglieder der SPD-Fraktion im Landtag NRW auf, dem Gesetz zur Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes von 2012 nicht zuzustimmen und bitten alle Gliederungen der SPD in NRW sich gegen eine solche Verabschiedung auszusprechen.

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Und was machen Sie so?

ICE Foto: Sebastian Terfloth Lizenz: CC 2.5 US

Die schlimmste Frage im Umgang mit Fremden. Von unserer Gastautorin  Anne Winterhager.

Ich treffe Sancho im ICE zwischen Frankfurt und Düsseldorf.

Ein normaler Typ, Anfang 40, in dunkelblauem Hemd. Sein Gesicht südländisch, leicht vernarbt und freundlich. Wie immer bei Fremden im Zug rätsel ich vor mich hin, wo er aussteigen wird (irgendwo im Grünen?) und was er macht (vielleicht Versicherungen?). Ich setze mich zu ihm in den Vierer.

Bald kommen wir ins Gespräch. Wie immer ist es durch den kleinen grauen Hund bedingt, der auf dem Boden neben mir liegt, gestreckt wie ein Türvorleger, vor sich hinpennt und dabei mit dem Schwanz wedelt.

„Niedlicher Hund. Wie heißt der?“ fragt Sancho,

„Karl“ sage ich.

„Karl-Gustav“ lacht Sancho.

„Ich bin Sancho. Und du“?

„Hallo Sancho, ich bin Anne“

Ich klinge wie die erste Lektion einer Fremdsprachen-CD.

Wir unterhalten uns über alles: Das Wetter, Tagespolitik, große und kleine Hunde – und die Tatsache dass ALLE Hunde in Sanchos Heimat Südamerika

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Die Folgen antiautoritärer Erziehung im Supermarkt

Von unserem Gastautor Daniel Kasselmann.

Liebe unbekannte Mutter mit dem Peace-Tattoo,

wir haben uns gestern im ALDI nicht wirklich gut kennengelernt. Deswegen möchte ich die Situation gerne noch mal erläutern. Ich sitze hier in meiner Zelle und kann nicht schlafen. Es ist meine erste Nacht in Untersuchungshaft. Weil ich eigentlich Pazifist bin. Zu unserem Kennenlernvorgang:

  1. Wir standen in der Schlange an der Supermarktkasse. Dein Balg hatte nichts Besseres zu tun, als Euren Einkaufswagen andauernd in die Hacken des Herren vor Euch in der Schlange zu rammen.
  2. Der Herr hat Dein Balg ausgeschimpft.
  3. Daraufhin hast du Dein Balg auf den Arm genommen, um es zu trösten. Du sagtest: „Gib Mama ein Küsschen.“ Und Dein Balg sagte daraufhin ziemlich laut: „Du kriegst heute kein Küsschen von mir, du hattest heute morgen schon Papas Puller im Mund.“
  4. Alle Leute in der Schlange haben reagiert und ich kann total gut nachvollziehen, dass Dir das irgendwie vielleicht sogar ein bisschen peinlich war. Immerhin sind sogar die Überwachungskameras rot geworden.
  5. Du hast Dein Blag wieder auf den Boden gestellt. Hätte ich auch gemacht, bevor noch weitere Details meines Intimlebens im Aldi bekannt werden.
  6. Dein Blag hat weitergemacht, den Herrn vor Euch in der Schlange mit dem Einkaufswagen zu malträtieren. Daraufhin hat er Dich gebeten, es ihm zu verbieten.
  7. Daraufhin sagtest Du wörtlich: „Ich verbiete meinem Kind nichts. Denn unser Kind wird von uns  antiautoritär erzogen“.
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„Gegen linke Solidarität mit der iranischen Atomwaffenlobby“

Haskala Bayern, ein Zusammenschluss linker Gruppen kritisiert den Aufruf des Münchner „Aktionsbündnisses gegen die Nato-Sicherheitskonferenz“, der die Gefahr ignoriert, die Irans Aufrüstung für Israel bedeutet.  

Wir kritisieren aufs Schärfste den Aufruf des Münchner „Aktionsbündnisses gegen die Nato-Sicherheitskonferenz“ und fordern alle UnterzeichnerInnen aus der Linkspartei auf, ihre Unterschrift sofort zurück zu ziehen.

Laut aktueller Unterstützerliste sind das teilweise die bekannten de facto-UnterstützerInnen der Regimes in Syrien und Iran: Eva Bulling-Schröter MdB DIE LINKE, Sevim Dagdelen, MdB DIE LINKE,Nicole Gohlke MdB DIE LINKE,Heike Hänsel MdB DIE LINKE und Inge Höger MdB DIE LINKE.

Ebenso fordern wir die unterstützenden LINKE-Gliederungen und autonomen Linken auf, ihre Unterstützung zurückzuziehen.

Das Aktionsbündnis behauptet, kein Land werde von Iran bedroht und Ahmadinedschad Aufrufe, Israel von der Landkarte zu tilgen, seien

nachweislich falsch. Auch sei es nach ihrem Dafürhalten angesichts „der Jahrzehnte langen Boykottmaßnahmen und Kriegsdrohungen von Seiten der westlichen Großmächte“ verständlich, „wenn die Regierung in Teheran [im Bau von Nuklearsprengköpfen] die einzige Abschreckungsmöglichkeit gegen einen möglichen Krieg“ sähe. Die iranische Atombombe mitsamt ihren Raketen-Trägersystemen wird von

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Dortmund-Neuwahl: Piraten fordern eine Chance für freie Wahlen!

Hans Immanuel Herbers Foto: Privat

Wie die Wahlpläne in Dortmund unsere Demokratie gefährden. Von unserem Gastautor Hans Immanuel Herbers von der Piratenpartei in NRW.

Alles sieht danach aus, als werde in der zweitgrößten Stadt unseres Landes aus einer lokalen Posse ein politischer Skandal erster Ordnung – wenn der Landtag nicht eingreift.

Die Posse ist vieldiskutiert: Der Oberbürgermeister belügt die Wähler, der neugewählte Rat beschließt deshalb die Wiederholung der Wahl und eine wackere Schar Sozialdemokraten zieht dagegen durch alle Instanzen unseres Rechtswesens. Nun ist damit zu rechnen, dass in Dortmund irgendwann zwischen Ende 2012 und Mitte 2013 erneut an die Wahlurnen gerufen werden muß. So weit, so gut oder so traurig oder was immer man kommentierend dazu noch sagen mag. Aber verglichen mit dem, was nun bevor steht, ist all das eine harmlose lokale Affäre.

Was als „Wiederholungswahl” verharmlosend daherkommt stellt sich bei näherer Betrachtung als ein einmaliger Skandal in der bundesdeutschen Wahlgeschichte heraus. Beschreiben wir einmal nüchtern die Bedingungen dieser Wahl:

Es soll keine neuen Kandidaturen geben dürfen. Wer die Partei gewechselt hat darf nicht wieder antreten. Wer verzichtet hat natürlich auch nicht. Parteien oder Wählergruppen, deren Rechtsträger sich aufgelöst hat, sind ebenso raus. Es soll eben eine „Wiederholung” der Wahl von August 2009 sein.

So ganz aber wollen die Parteien auf Änderungen nicht verzichten. Kandidaten, die ausfallen, sollen durch neue ersetzt werden dürfen – neue Wählergruppen oder Parteien aber werden an der Kandidatur gehindert. All dies sieht die vom Innenminister erlassene „Kommunalwahlordnung” vor.

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Pulp. Emo. Wut. Fiction.

Eine magersüchtig-flachbrüstige Buchhandelsauszubildende mit Kleopatranase und Glasbausteinbrille steht vor mir und grinst mich mit ihren schiefen Zähnen an. Von unserem Gastautor Daniel Kasselmann.

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„Guten Tag, kann ich ihnen helfen?“ kräht die mickrige Buchhandelszombine mich mit schätzungsweise 200 Dezibel an.

Kann sie nicht. Es sei denn, sie hätte den Titel: „Suizid und Suizidhilfe“, „Freitod, die beste Lösung“ oder „Selbstmorderfolg – Ein ultimativer Ratgeber“ im Regal stehen. Hat sie aber nicht. Und buchmäßig ist mir derzeit ansonsten gar nicht zu helfen; ich stehe hier in der riesigen Mayerschen Buchhandlung an der Kö. Flagship-Store nennt man das auf Neudeutsch. 

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