B474n noch nicht im Bundesverkehrswegeplan 2015 – Projekt ‚NewPark‘ in Datteln unter Druck

Es gibt Themen, die begleiten einen durch das halbe Leben. Schon zu meinen Grundschulzeiten, in den späten 1970er-Jahren, musste ich als Schüler die geplante B474n, die angedachte Verlängerung vom Ende der A45 in Dortmund-Mengede, über Datteln bis hinein ins Münsterland, in eine Landkarte einzeichnen.

Auch jetzt, über 30 Jahre später, gibt es die Trasse in der Realität aber noch immer nicht.

Inzwischen soll sie nicht nur als dringend benötigte Ortsumgehung für Waltrop dienen, sondern eigentlich auch als große Zuliefererstraße für das im Bau befindliche Kraftwerk ‚Datteln 4‘ und den in Datteln ebenfalls seit langem geplanten ‚NewPark‘, einem riesigen neuen Industriegebiet.

Das Problem: Die Planungen wurden in den vergangenen Jahren bereits x-mal geändert, der Zeitplan immer wieder verschoben, juristische Entscheidungen standen und stehen aus.

Bereits im Jahr 2008 gab es an meinem Wohnort Waltrop eine Bürgerbefragung, in der sich damals knapp 80% der teilnehmenden Bürger, für den Bau der Straße aussprachen. Passiert ist auch seither wenig bis nichts.

Mit Interesse nahm ich daher in der Vorwoche den Bericht eines Bekannten zur Kenntnis, der an einem geplanten Schnittpunkt der zukünftigen Straßentrasse der B474n mit einer bestehenden Hauptverkehrsstraße in Waltrop-Oberwiese, eine 10 bis 15 Personen große ‚Kommission‘ mit Klemmbrettern und Aktenordnern stehen sah, welche sich dort vor Ort wohl irgendwie um die baldige Realisierung der B474n zu kümmern schien.

Heute Morgen war dann in der Lokalzeitung die überraschende Auflösung des kleinen Rätsels zu lesen, welche mich völlig überraschte. Man stellte offenbar in der Vorwoche irgendwann fest:

‚Die B 474n steht noch gar nicht im Bundesverkehrswegeplan 2015‘

Ein Hammer!

Dadurch gerät der geplante ‚NewPark‘ in Datteln nun aber mal mächtig unter (Zeit-)Druck!

Es scheint mir fast unglaublich, dass die Planungen für das neue, riesige Industriegelände in Datteln in der Planung schon so weit fortschreiten konnten, ohne dass man dem Ausbau der dringend benötigten Versorgungsstraße dabei gleichzeitig eine hohe Priorität zugeordnet hätte!

Dattelns Bürgermeister Wolfgang Werner reagierte offenbar ‚geschockt‘ auf die Nachricht. Das kann ich verstehen! Nicht verstehen kann ich aber, dass sich seitens der bereits bestehenden Betreibergesellschaft und der Landesregierung bisher noch niemand für das Thema wirklich interessiert zu haben schien!?!  Zeit war dafür doch eigentlich mehr als genug…

Bereits Ende des vergangenen Jahres war der ‚NewPark‘, auch hier bei den Ruhrbaronen, ganz oben auf der Tagesordnung:  http://www.ruhrbarone.de/newpark-ist-ein-rot-gruenes-projekt/

Es wurde damals u.a. bereits konkret über eine Landesbürgschaft diskutiert.

Als Bürger fragt man sich da: Wie kann man so viel Geld in ein Projekt lenken wollen, dabei aber die Grundlagen der Planung (die benötigte Zuliefererstraße) scheinbar ‚vergessen‘?

Großer Zeitdruck entsteht für die Beteiligten nun auch, weil die Option der Betreiber GmbH die Fläche für den geplanten ‚NewPark‘ günstig (3 Euro/qm) vom bisherigen Eigentümer RWE kaufen zu können, lt. RWE am Jahresende 2012 definitiv ausläuft.

Danach will man seitens RWE die Fläche wohl einer ‚anderweitigen Nutzung‘ zuführen.

Man darf auf das hektische Geschehen in den nächsten Wochen, soll das Projekt ‚NewPark‘ Datteln noch irgendwann Realität werden, wirklich gespannt sein! Zumal das gigantisch große Areal ohne eine 100%ige Landesbürgschaft von der NewPark GmbH bekanntlich gar nicht zu kaufen ist.

Solche Zustände hätte ich persönlich vor einigen Jahren noch für schlicht unmöglich gehalten. Inzwischen darf man sich aber anscheinend über gar nichts mehr wundern….

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12 Kommentare

  1. #1 | Walter Stach sagt am 22. Oktober 2012 um 12:27 Uhr

    Robin,

    1. was will den Bernd Overwien mit seinem Kommentar heute in der Waltroper Zeitung bewirken?
    Der Rat der Stadt Waltrop, der sich bekanntlich einmütig gegen den „New-Park“ auf Waltroper Stadtgebiet ausgesprochen hat, kann nicht den geringsten Anlaß sehen, jetzt sein NEIN, wie von BO „gefordert -oder habe ich mißverstanden-noch einmal zu überdenken. Das Gegenteil ist angesichts des Sacherhaltes zur Erschließungsstraße B474 n der Fall.
    (Da der Bauer-Verlag in Marl und mit ihm seine Zeitungen seit mehr als 1o Jahren vehemente Verfechter des New-Parkes sind, kann allerdings der Kommentar von BO niemanden überraschen. Gibt es auch bei Journalistgen „Phantom-Schmerzen“?).

    2.
    Es könnte einen besonderen Grund geben, warum die Landesregierung mit der Bewilligung einer Landesbürgerschaft für die New-Park-Gesellschaft zögert, um damit deren mittels Kredit zu finanierenden Kaufpreis, der an RWE zu zahlen wäre, abzusichern.

    2.1 Zunächst stellt sich bei jeder Forderung nach einer Kreditabsicherung per Bürgerschaft die Frage, warum dem potentiellen Kreditgeber der Kreditnehmer ohne bürgerschaftliche Absicherung nicht kreditwürdig erscheint.

    2.2.

    Und Hannelore Kraft wird sich die Übernahme einer Bürgerschaft für ein solch fragwürdiges,unsicheres Projekt wie den New-Park angesichs der Probleme ihres Amtkollegen Beck mit der Finanzierung eines vergleichbaren obskures Projektes -Freizeitzentrum Nürburgring-noch sorgfältiger überlegen als ohnehin geboten.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Oktober 2012 um 12:54 Uhr

    @Walter: Das mit dem Kommentar in der Zeitung habe ich so auch nicht verstanden.
    Mich erschreckt die Tatsache, dass es, genau wie im Vorjahr, gegen Ende des Jahres nun erneut eine Drucksituation geben wird. Wozu ist das nötig?
    Oder soll durch den erzeugten Handlungsdruck etwas kaschiert werden? Das Ganze erinnert mich inzwischen irgendwie an ‚Täglich grüßt das Murmeltier’…
    Die Anwohner an der ‚Leveringhäuser Straße‘ tun mir leid. Seit einer gefühlten Ewigkeit warten die auf eine Ortsumgehung….

  3. #3 | Walter Stach sagt am 22. Oktober 2012 um 18:36 Uhr

    Robin „Ortsumgehung…..“ ja, dafür habe ich mich seit X Jahren eingesetzt, und zwar als zweispurige Straße -relativ preiswert und relativ geringer Verbrauch von Waldflächen bzw.landwirtschaftlich genutzten Flächen. Auch dagegen gab es und gibt es Widerstand. Auch dagegen argumentieren Verkehrsplaner, die der Meinung sind, daß eine Ortsumgehung, egal wie dimensioniert, nicht zu einer nennenswerten verkehrlichen Entlastung von Münsterstr./Wilhelmstr./Leveringh.-Str.führen und damit zu einer Verbesserung der Wohn-/Lebensqualität der Menschen, die an diesen Straßen wohnen.

    Ich war und ich bin stets gegen das gewesen, was jetzt Gegenstand der Diskussion und der Planung ist, nämlich gegen den Bau einer vierspurigen,autobahnänlichen Erschließungsstraße für den sog.New-Park in den Rieselfeldern Datteln-Waltrop. Das geplante Industriegebiet wird in jedem Falle den Verkehr durch Waltrop erheblich erhöhen -LKW und PKW-Verkehr, und zwar auf allen Nord-Südverbindungen vom New-Park zur Autobahn A 2und umgekehrt. Und die vierspurige, autobahnähnliche Anbindung der B 474n an die Autobahn kostet erheblich mehr Geld als eine zweispurige Straße und vernichtet erheblich mehr landwirtschaftlich genutzte Fläche bzw. Waldfläche.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 22. Oktober 2012 um 19:02 Uhr

    @Walter: Da ich den NewPark ja, wie hier auch schon häufiger geäußert, für in dieser Form überflüssig halte, und auch Datteln 4 in seiner jetzigen Form ablehne (Übrigens genau wie du, in erster Linie aufgrund des Standortes und nicht so sehr wegen der Art der Energiegewinnung), sehe ich auch wenig Sinn in einem autobahnähnlichen Bau der 474N.
    Aber gebaut werden soll diese Straße jetzt endlich. Sie ist dringend erforderlich.
    Jeder der, so wie ich, schon mal einige Zeit tagtäglich im Feierabendrückstau aus Dortmund in Richtung Waltrop/Datteln/Olfen gestanden hat, wird das auch so sehen.
    Im Übrigen sollte man ja auch bedenken, dass die Planung zur 474n schon seit über dreißig Jahren läuft, die für Datteln 4 und den NewPark aber erst kürzer.
    Die Straße wurde also auch schon früher für sinnvoll gehalten.
    Über den Umfang und die Streckenführung der Trasse kann man streiten, was ja auch schon seit Jahrzehnten gemacht wird.
    Als eine Art ‚Denkmal‘ steht da ja auch schon seit Jahren der Brückenkopf über den Kanal, welcher still vor sich hin verrottet.
    Nur gebaut werden sollte die Straße jetzt langsam mal. Gerne auch in einer kleineren Variante als aktuell geplant. Ich möchte die Straße aber noch zu meinen Lebzeiten einmal befahren können. 😉

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 24. Oktober 2012 um 14:54 Uhr

    In der hiesigen Lokalzeitung mach man heute ordentlich ‚Werbung‘ für das Projekt. Irgendwie hat man dabei aber komplett außer Acht gelassen, dass der NewPark aber doch auch eine Zubringerstraße braucht, wenn er denn wie angepriesen funktionieren soll. 😉

    https://www.waltroper-zeitung.de/lokales/waltrop/Prognos-legt-Freitag-Analyse-vor;art1010,866083

  6. #6 | Robin Patzwaldt sagt am 30. Oktober 2012 um 11:39 Uhr

    Genau wie vor einem Jahr. Jetzt kommt Hektik auf, es wird Druck aufgebaut:

    https://www.derwesten.de/staedte/unser-vest/entscheidung-fuer-newpark-faellt-voraussichtlich-im-november-id7241474.html

    Alles sehr komisch…

  7. #7 | Lucky sagt am 17. November 2012 um 21:31 Uhr

    Szenario: Es ist unbedingt erforderlich – äh alternativlos- große Teile der Haard in eine Industriezone umzuwandeln.
    Ohne diese wirklich erforderliche Maßnahme wird die Region keine – wirklich überhaupt keine- Zukunftschance mehr haben.
    Immerhin geht es um tausende Arbeitsplätze, glaubt man zu wissen, bzw. sagen die sich meistens irrenden Experten irgendwelcher Beratungsunternehmen. !!!
    Alle Politiker sind dafür. Die Räte haben ihre Unterstützung zugesagt. Experten versichern die Notwendigkeit.
    Da hilft nur eins: Natur plattmachen . . . a b h o l z e n !!!
    Oh je, es regiert der Wahnsinn. Und wir sind mittendrin.

  8. #9 | Robin Patzwaldt sagt am 30. November 2012 um 08:16 Uhr

    Ich sag‘ ja, es wird zum Jahresende in Sachen NewPark dann wieder auf Hektik gemacht. Dabei gab es doch wirklich Zeit genug die Dinge in Ruhe abzuklären…. So lief das ja zuletzt auch schon Ende 2011. Das Ergebnis war bekanntlich, dass eine Entscheidung vertagt wurde. Die Kaufoption wurde noch einmal um ein Jahr verlängert. Jetzt läuft sie wieder aus. Und schon wieder das gleiche Theater:

    https://www.derwesten.de/staedte/unser-vest/die-region-draengt-auf-eine-entscheidung-id7343283.html

  9. #10 | Herbert wellmann sagt am 19. Juli 2013 um 09:37 Uhr

    Was passiert denn jetzt mich der B474n ? Der morgendliche Verkehr hier in waltrop ist ja nicht mehr zum aushalten, dazu die Abgase an den Ampeln durch den stop and go Verkehr – irgendwann muß man da doch mal planfestgestellt haben um das Projekt zu starten.

  10. #12 | Waltrop – Meine Schlafstadt im Grünen | Ruhrbarone sagt am 22. August 2022 um 16:48 Uhr

    […] 4‘, ‚newPark‘ und ‚B474n‘ beschäftigen die Region im nördlichen Ruhrgebiet ja allesamt schon länger. Alle drei nehmen immer mal wieder ihre Pausen in den öffentlichen Debatten, tauchen dann aber in […]

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