Ballett: Feine Jade in Dortmund

Der Tanz geht los
Der Tanz geht los

Warum steht etwas über Ballett in Dortmund ausgerechnet bei den Ruhrbaronen? Nun, weil wir da waren und es war klasse. Eine wirklich tolle Erfahrung. Und wir meinen: jeder sollte hingehen.

Es geht um das Stück „Feine Jade“. Edwaard Liang und Xin Peng Wang haben die Nummer choreografiert. Beide kommen aus China – bzw. Taiwan. Beide sind Weltstars des Balletts. Und wenn man ihr Stück sieht, weiß man auch warum.

Ich versuch mal, die getanzte Geschichte auf einen kurzen Punkt zu bringen – so wie ich sie verstanden habe.

Jade wird in den Bergen gefunden, ist aber eigentlich nicht mehr als ein dreckiger Stein. Dann wird die Jade in die Täler gebracht, in die Städte. Hier werden die Steine geputzt, gepflegt, geschliffen. Aus den dreckigen Klumpen werden die kostbarsten Steine der Welt. Seelenträger sogar – meinen die Chinesen.

Verdammt schön anzusehen.
Verdammt schön anzusehen.

Und wie den Steinen, so ergeht es den Menschen. Sie kommen auf die Welt, fast besinnungslos. Sie werden geputzt, gepflegt, geschliffen. Dann kommen die Wechselfälle des Lebens. Entscheidungen, Fehler, Freunde. Am Ende vielleicht sogar Liebe. Vielleicht aber auch Hass.

Und das alles wird getanzt.

Mich hat die Nummer mitgenommen. Warum genau, kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Meine Gedanken sind geflossen. Ich habe über Beziehungen nachgedacht, über Liebe, über das Miteinander. Ich habe über Risiken nachgedacht und über Verantwortungen. Und irgendwann habe ich mir gedacht, das Leben ist, wie das Leben eben so ist. Jeder erlebt es anders, jeder erlebt es eigen. Man macht seine Fehler. Aus manchen lernt man, aus anderen eben nicht. Die Bewegungen der Tänzer haben mich bewegt. In meinem Inneren. Wow. Das geht. Ist wohl sowas wie Poesie. Das ganze nennt sich abstraktes Ballett. Und soll die Zuseher zum Nachdenken animieren. Bei mir hat es geklappt.

Hier das, was die Theatermacher zum Stück sagen:

Probeneinblicke zu „Feine Jade“ (Fine Jade / 琦) – Ballett Dortmund from Theater Dortmund on Vimeo.

Die Musik zum Tanz stammt unter anderem von Philip Glass: sein 1. Violinkonzert aus dem Jahr 1987. Die Musik ist richtig genial. Ich hatte so was zuvor noch nicht gehört. Philip Glass hat früher so genannte Minimalmusik gemacht. Das heißt, möglichst wenige Töne sollen im Kopf des Hörers eigene Musik entstehen lassen. Bei seinem ersten Konzert in einer New Yorker Garage waren sechzehn Leute da. Nach zwei Stunden waren es noch neun oder so. Der Rest ist abgehauen. Dann hat Glass die Garage abgeschlossen und die restlichen sieben Stunden Konzert durchgezogen. Hört sich grausam an. War sicher auch grausam. Aber eben auch genial.

Und die Musik zum Ballett jetzt ist geil. Glass macht keine klassische Minimalmusik mehr. Sondern einfach nur Klassik. In seine Stücke hat er aber die Erfahrungen aus seiner Minimal-Phase eingebaut. Und es klappt. Die Musik entsteht im Kopf. Wird komplexer und anregender. Dazu die Tänzer, die einfach nur gut sind. Wow.

Hier kann man mal in die Musik reinhören.

Ich bin beeindruckt, dass so eine Klasse-Veranstaltung im Ruhrgebiet möglich ist. Ich bin überrascht, dass es den Dortmundern gelungen ist, mit Edwaard Liang und Xin Peng Wang gleich zwei Weltstars des Tanzes ins Revier zu holen. Glückwunsch!!

Ich geh‘ da noch mal rein.

Feine Jade hatte gestern Premiere.
Karten gibt es hier: Klack

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8 Kommentare

  1. #1 | discipulussenecae sagt am 17. März 2013 um 15:35 Uhr

    Den beflissenen Bildungsbürger freut es natürlich ganz besonders, daß endlich einmal auch die sogenannte und oft verfemte ‚Hochkultur‘ ihren Weg in die Ruhrbarone gefunden hat; bisher gabe es ja mehr Hinweise auf Konzerte eher unbekanter Bands, die zumeist in Köln (!) stattfinden.

    Ich hatte leider bisher noch keine Zeit, aber ein Besuch der Aufführung steht auf meiner Liste ganz oben, denn Dortmund hat wirklich ein weit über die Region hinaus strahlendes Ballettensemble!

  2. #2 | Claudia Bender sagt am 17. März 2013 um 21:56 Uhr

    Liebe/r discipulussenecae,
    2013 ist das Verhältnis der Konzerttipps hier auf den Ruhrbaronen Köln – Ruhrgebiet 15 : 33.

    Zudem verstehe ich nicht, inwiefern die Konzerte der „unbekannten“ Bands konträr zum Ballettabend im Theater Dortmund und anderen, wie Sie es nennen „hochkulturellen“ Veranstaltungen stehen sollen.
    Es gibt hier jeden Tag einen musikalischen Veranstaltungstipp, der i.d.R. ein einmaliges Konzert ist, aber schauen Sie doch einfach mal häufiger auf die Spielpläne der Theater, da gibts fast jeden Tag tolle Veranstaltungen für (Nicht-)Bildungsbürger.
    Zudem weise ich auch gerne auf die Texte über Inszenierungen der Oper und des Schauspiels Dortmund hin, die es bei den Ruhrbaronen zu lesen gibt. Viel Vergnügen:
    https://www.ruhrbarone.de/oper-dortmund-noch-einmal-nozze/

    https://www.ruhrbarone.de/theater-dortmund-das-live-code-experiment/

    https://www.ruhrbarone.de/mehr-konfetti-war-nie-kay-voges-inszeniert-in-dortmund-das-fest/

  3. #3 | Ulrike Märkel sagt am 18. März 2013 um 08:12 Uhr

    An dieser Stelle muss ich einmal loswerden, wie sehr mich die Musiktipps von Claudia Bender erfreuen. Auch wenn ich nicht zu jedem Konzert nach Köln anreise, ist allein schon der Link auf eine gute Band eine Erweiterung meines Musikhorizontes und meiner I-Tunes-Bibliothek. Kurz gesagt: Danke!

    Das Gegeneinandersetzen von „Hochkultur“ und „Subkultur“ hat doch noch nie funktioniert. Beides braucht und befruchtet sich gegenseitig – vor allem aber sind die Grenzen schon lange fliessend, wie nicht zuletzt Kay Voges (Schauspielhaus Dortmund) ebenso wie Xin Pen Wang (Ballett Dortmund) in ihren modernen Inszenierungen, die auch „subkulturelles“ Publikum anziehen, zeigen.

  4. #4 | Arnold Voss sagt am 18. März 2013 um 12:06 Uhr

    Köln würde für mich sowieso zum Ruhrgebiet gehören, wenn nicht Düsseldorf dazwischen läge. 🙂

  5. #5 | Claudia Bender sagt am 18. März 2013 um 17:21 Uhr

    Liebe Ulrike,
    vielen Dank für dein Lob, das freut mich sehr!
    Oft entscheidet bei der Auswahl der Konzerttipps natürlich mein eigener Musikgeschmack, manchmal ist die Auswahl (auch in Köln) aber auch so mau, daß ich mich dann wiederum für das kleinere „Übel“ entscheiden muss, auch wenn ich persönlich mit der Musik gar nichts anfangen kann. Zudem fahre ich (mittlerweile) auch fast gar nicht mehr zu Konzerten nach Köln, besonders unter der Woche ist das mit dem ÖPNV einfach blöde.
    Generell gilt für die Konzerttipps hier aber: Ruhrgebiet vor Köln, nur wenn nichts ist, dann ist halt nichts – was natürlich nicht ausschließt, daß ich auch mal was übersehe, aber für Hinweise bin ich auch jederzeit dankbar.

    @Arnold: !!! 😉

  6. #6 | discipulussenecae sagt am 18. März 2013 um 20:02 Uhr

    So verbohrt habe ich das doch gar nicht gemeint und dachte, als ‚beflissener Bildungsbürger‘ genug Selbstironie signalisiert zu haben.

    Trotzdem finde ich, daß die sog. klassische Musik bei den Ruhrbaronen ziemlich unterrepräsentiert ist, obwohl es doch vor Ort genügend hervorragende Spielstätten und Orchester gibt. Die Ankündigungen für Köln habe ich dabei gar nicht gezählt, der Hinweis war nur die Wiedergabe meines Gesamteindruckes.

    Die ‚Hochkultur‘ habe ich zudem in Anführungszeichen gesetzt, um mich von der beiderseitigen Polemik im Streit um das Bochumer Musikzentrum abzugrenzen.

    Und auch wenn jetzt als ganz verbissen erscheinen mag: Köln kann gar nicht zum Ruhrgebiet gehören, weil dort kein Bier getrunken wird …

  7. #7 | Claudia Bender sagt am 18. März 2013 um 21:11 Uhr

    Vielleicht kann Stefan Laurin ja demnächst auch mal auf ein Konzert der Dortmunder Philharmoniker hinweisen.. 🙂

  8. #8 | discipulussenecae sagt am 18. März 2013 um 21:48 Uhr

    Das wäre doch was. Ich würde mich freuen!

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