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Bilanz: Christuskirche erfolgreicher als Ruhrtriennale

Christuskirchen-Mastermind Thomas Wessel Foto Ayla Wessel

In wenigen Wochen beginnt die Ruhrtriennale und schon jetzt macht Intendantin Stefanie Carp das, was sie am schlechtesten kann: Interviews geben, die nicht über dummlinke Allgemeinplätze wie „Demokratie stört den Kapitalismus“ hinauskommen und nur eine eher dürftige Bilanz vorlegen konnte. 27.000 Tickets hat die Ruhrtriennale während der Saison des Antisemitismus-Skandals im vergangenen Jahr verkauft. Damit wurde jedes Ticket bei gut 13 Millionen Subventionen vom Steuerzahler mit gut 500 Euro bezuschusst.  Das man da als Intendantin etwas gegen den Kapitalismus und dem ihm innewohnenden Leistungsgedanken hat, ist  gut nachvollziehbar. Dass es anders geht, hat die Christuskirche in Bochum mit ihrem anspruchsvollen Konzertprogramm gezeigt. Aus der heute vorgelegten Bilanz geht hervor, dass zu den 69 Kulturveranstaltungen, 33.325 Besucher kamen. Es gab eine öffentliche Förderung in Höhe von 8.500 Euro durch die Stadt Bochum, das entspricht 0,25 Cent je Kulturbesuch.

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14 Kommentare zu “Bilanz: Christuskirche erfolgreicher als Ruhrtriennale

  • #1
    Helmut Junge

    Wenn eine kleine Kirchengemeinde mit Eigeninitiative mehr Menschen dazu bringt, Eintritt zu bezahlen, als eine Landesweit beworbene, hoch bezuschußte Veranstaltung, dann finde ich das bewundertswert. Nachdenklich macht mich allerdings, wieso hochbezahlte Kräfte mit dazu noch so viel Fördermitteln, da nicht mithalten können. Sind die völlig unfähig? Die Antwort lautet…

  • #2
  • #3
    thomas weigle

    Vielleicht gibt es Gott ja wirklich. Wenn ja, hat er offenbar eine gut arbeitende Niederlassung in Bochum.
    Es ist erstaunlich, was die Bochumer Gemeinde auf die Beine gestellt hat, ohne dass sie mit beiden Händen tief in den öffentlichen Fördertopf gegriffen hat. Staunenswert!!

  • #4
    Christian

    Die Christuskirche stellt seit Jahren wirklich ein tolles Programm auf, von daher gönne ich ihr den Erfolg von ganzem Herzen und freue mich für sie.
    Von Zahlen sollte dieser Blog aber vielleicht lieber die Finger lassen.
    – Hier wird eine komplette Jahresbilanz mit einem Zeitraum von 6 – 8 Wochen verglichen.
    – Und die kostenlosen Veranstaltungen der Ruhrtriennale, mit rund 60.000 Besuchern, fehlen hier auch
    Und ehrlich gesagt werden hier auch Äpfel mit Birnen verglichen:
    – Eine Konzertlocation, die hauptsächliche Musiker bucht , mit einem Festival, das selbst Aufführungen produziert und an diversen, technisch nicht fertig ausgestatteten Orten zeigt.
    – Popkultur mit Hochkultur
    Das wirkt doch alles insgesamt etwas zu persönlich hier. Schöner wäre es gewesen, eihfach die Zahlen der Christuskirche zu veröffentlichen, sich für sie zu freuen und sich diesen unsinnigen Vergleich zu sparen.

  • #5
    Thomas Wessel

    @ Christian | Äpfel mit Birnen zu vergleichen, ist schon ok. Man sieht Dinge, die sich ähneln und andere, die es nicht tun:

    _ Popkultur hier, Hochkultur bei der RT? Gegenbeispiel: Wir arbeiten seit 15 Jahren mit Chorwerk Ruhr zusammen, während die RT – siehe Young Fathers – auch popkulturell landen möchte.

    _ Tourbetrieb hier vs Eigen-Produktion dort? Gegenfrage: Wie hoch ist der Anteil an originären Produktionen im Programm der RT? Gemessen am Anteil der Eigenproduktionen bei uns (zB die Reihe urban urtyp)?

    _ Jahresbilanz hier vs 6-8 Wochen dort? Gegenbeispiel: Bochum Total hat 4 Tage gedauert. Und?

    _ „Technisch nicht fertig ausgestattete Orte“: Die RT hat sowohl technisch bestens ausgestattete Orte wie solche, an denen sie Zeugs rankarren muss. Bei uns ist es so: Wir müssen jeden Abend dazu mieten.

    Unterm Strich: geht es nie darum, Kultur gegen Kultur auszuspielen, sondern über Support nachzudenken und über dessen Effizienz. Und dann bleibt nichts anderes, man muss Äpfel mit Birnen vergleichen und mit Nüssen und Fahrrädern usw.

  • #6
    Christian

    @Thomas Wessel
    Chorwerk Ruhr, schönes Beispiel, seit Jahren Teil der Ruhrtriennale 😀
    Aber naja, in meinem Augen bleibt die Sache mit den Nüssen und Fahrrädern unsinnig und eben doch genau das, was Sie nicht möchten:
    Ein Ausspielen von Kultur gegen Kultur oder noch genauer, eine allseits bekannte Fehde seitens dieses Blogs und scheinbar auch der Christuskirche gegen die Ruhrtriennale.
    Schade.

  • #7
    Nina

    @6 Christian: Erfolgreiche Kulturmacher wie die Christuskirche und andere zeigen doch nur eines-dass es auch anders geht. Jenseits von zig Steuer-Millionen. Das ist viel Geld und da muss eine Oma oder eine Geringverdienerin lange für stricken.
    Das ist der eine Punkt und zwar ein gravierender, wie ich finde. Immer wieder wird gesagt, Kultur dürfe sich nicht an Gewinnen oder Monitärem messen lassen etc. Die RT habe eine Strahlkraft, mache Werbung für die Region, bringe sie international ins Gespräch etc. Davon habe die Region etwas. Nun ja. Spürbar merke ich davon nichts. Aber Geld kann man spüren bzw. die Dinge, die man damit machen kann. Mit fast 14 Millionen Steuergeldern kann man eine Menge Sinnvolles für das Ruhrgebiet tun. Aber an dem Punkt hört es wohl mit Carps sozialkritischem Blick auf, da spielt sie doch lieber mit fremder Steuerzahler Millionen weiter. Dabei tönt sie doch so moralisch erhaben. Zum Ruhrgebiet sagt sie, Zitat: "Es gibt einen Teil der Bevölkerung, der an der Kultur- und Wissensgesellschaft teilnimmt, aber offenbar gar nicht unbedingt in der Region lebt, sondern an- und abreist. Daneben gibt es viele Menschen, die hier dauerhaft in einer erschütternd verlorenen, prekären Situation leben. Das sind Leute, denen ich in der Straßenbahn begegne und die das Wort "Ruhrtriennale" sicher noch nie gehört haben. So krass wie im Ruhrgebiet habe ich den Klassenunterschied fast nirgendwo sonst erfahren."
    Der andere Punkt, die "Fehde", ich erinnere mich gut daran, dass es da um Antisemitismus geht. Kann man natürlich in Namen der Kunst unter den Teppich kehren. Siehe aktuelles Interview von Carp im coolibri. In Bezug auf die Geschehnisse in 2018 sagt sie "Das war halt eine Kampagne und in Kampagnen geht es nicht um objektive Darstellung."

  • #8
    Thomas Wessel

    @ Christian | Sie fahren zwei Argumentationen, die sich widersprechen. Erst sagen Sie, es stünden sich „Hochkultur“ und „Popkultur“ gegenüber. Jetzt sagen Sie, man dürfe Kultur niemals gegen Kultur und also „Hochkultur“ niemals gegen (i.e. implizit) „Niedrigkultur“ ausspielen.

    Ihre erste Argumentation soll ungleiche Subventionierung legitimieren, Ihre zweite lässt nur den Schluss zu, dass alles, was Kultur ist, das Gleiche kriegen soll oder alles nichts.

    Beide Argumentationen sind falsch, klar. Es kann gute Gründe geben dafür, dieses mehr und jenes weniger zu fördern und manches gar nicht, nur muss man diese Gründe benennen. Wenden Sie Ihre beiden Argumente einfach mal auf die Sportförderung an.

  • #9
    Christian

    Das ist eine falsche Auslegung meiner Argumentation.
    Ich sage Hochkultur lässt sich selten ohne Förderung realisieren, Popkultur (nicht Niedrigkultur, wie sie es nennen, sondern eben populäre Kultur) schafft das besser.
    Deshalb muss man sie nicht gegeneinander ausspielen. Mit Ausspielen meine ich haltlose Artikel veröffentlichen, um Institutionen oder Personen zu diskreditieren.

  • #10
    Christian

    @Nina von Antisemitismus lese ich in diesem Artikel nichts. Hier geht es auch nicht um Frau Carp, sondern um die Ruhrtriennale.
    Und klar kann man mit öffentlichen Geldern auch Geringverdiener fördern, das ist nur ein ganz anderer Topf und hat mit Kulturförderung nichts zu tun. Oder möchten Sie die ganz abschaffen?

  • #11
    Nina

    @10 Christian: Du hast das Thema von 2018 reingebracht in Deinem Kommentar, die "Fehde", ich habe das aufgenommen. Und in der Tat halte ich Carp für absolut untauglich nach diesen Vorfällen im letzten Jahr. Wer derart naiv mit einem Wisch Antisemitismus vom Tisch fegt und ihn mit Kritik an einem Staat verwechselt, ist meiner Ansicht nach nicht tauglich für eine derartige Leitungsposition.
    Ich möchte, dass Relationen bedacht werden. Und sicher gibt es Möglichkeiten, die Steuergelder sinnvoller zu verwenden und Grundlagen zu schaffen, damit Mehrheiten etwas davon haben.

  • #12
    Thomas Wessel

    @ Christian #9 | Okay, aber daraus kann man jetzt nur eines folgern: dass die hochsubventionierte Kultur keinesfalls in die Bereiche übergreifen soll, die auf eigenen Beinen laufen können. Weil die „Hochkultur“ sonst von Staats wegen ausgespielt würde gegen andere Kultur.

    Und just hier – @Nina – verschränken sich die beiden Themen:

    Die RT will sich – warum eigentlich? – auch popkulturell positionieren und bucht – warum nur? – bekeennende BDS-Bands: Massive Attack 2013, da war BDS hier kein größeres Thema, und dann, als BDS Thema war, Young Fathers obendrauf.

    Ein Versehen? Keine Ahnung, Frau Carp legte es dann nur beharrlich darauf an, BDS – von ihr mit staatlichem (Geld-) Segen auf die vornehmste Bühne von NRW gehoben – als die popkulturelle Variante des Antisemitismus zu etablieren. Hätte sie das mit Alain Platel oder anderen „hochkulturellen“ BDS-Fritzen versucht, es hätte niemanden interessiert, es hätte keinen Beschluss des Landtags, des Bundestags, der Ruhrstädte gegeben.

    Und so kommt man – @Christian – zum Anfang zurück: Hätte die „Hochkultur“ doch nur die Finger gelassen vom Pop …

  • #13
    Helmut Junge

    Es gibt Formen von Kultur, die ohne Förderung schlicht untergehen würden. Und das wäre für unsere Gesellschaft schädlich. Deshalb muß es Kulturförderungen geben.
    Wenn dieser Kommentar meinem Kommentar (1) widersprechen sollte, würde ich mich korrigieren müssen.
    Es ist eben schwierig Kulturen zu vergleichen. Manche Künstler sind eben teurer als andere Künstler.
    Sogar wenn sie aus dem gleichen Bereich kommen. Was ich aber genau weiß ist, daß 7000 Eintrittskarten, die weniger verkauft wurden als in dem Jahr davor, kein Grund für überschwengliches Lob zugunsten des Veranstalters (Veranstalterin) sind. Und eintrittsfreie Angebote sollten eigentlich zur Erhöhung der Besucherzahl führen. Bliebe die Frage, ob Carp derart gute Künstler gewonnen hat, daß sich 7000 weniger Karten durch höhere Qualität der Darbietung trotzdem rechtfertigen würden. Aber dazu kann ich nun wirklich nichts sagen. Eigentlich wäre das auch ein Widerspruch. Wenn ich ehrlich bin, kann ich nur über den Antisemitismus der Frau Carp ein Urteil fällen. Und das spricht eben nicht gerade für Carp.

  • #14
    Wolfram Obermanns

    Wenn die Intendentur überzeugend den Eindruck vermittelt, mit einer bestens vernetzten geistigen Tieffliegerin besetzt zu sein, hat sie und die Einrichtung, der sie vorsteht, ein Problem mit der Außenwirkung.
    Konkret fällt Carp durch eine ideologisch gefestigte sozialistische Haltung, die sie bei Margot Honecker gelernt haben könnte, durch latenten Antisemitismus und hirnlose Rede auf. Die Vorstellung hier könne Innovation und kompetente Bespielung des kulturellen Erbes statt Verwaltung der Besitzstände geschehen, setzt einen Corpsgeist voraus, den nicht viele mitbringen.
    Kunst ist immer auch Anarchie. Das was sich Kunst nennt, aber keine anarchischen Elemente in sich trägt, ist Kunsthandwerk. Linientreue und Kunst sind kaum vereinbar. Schmalspur Ideologie und Kunst sind unvereinbar. Die Kombination, linientreue Schmalspurideologie, gebiert rekursive Schleifen der Selbstbeweihräucherung, die jeder Kritik mit Unverständnis begegnet und stattdessen die Kritiker noch nicht auf dem Stand der gebotenen Erleuchtung wähnt.
    Natürlich ist die RT groß und etabliert genug um dennoch aus Versehen Kunst geschehen zu lassen.
    Aber das hat nichts mit der Intendanz zu tun. Zur Zeit ist es leicht, die RT zu überbieten. Das schafft sogar die Laientruppe in der Christuskirche, einfach weil sie frei ist, im hier und heute lebt und etwas erschaffen möchte, statt rotbraune Wahnwelten "Gott sei Dank" längst vergangener Zeiten zu konservieren.

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