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Bochum: Punker von Nazis überfallen

S-Bahn-Bahnhof Langendreer Foto: Marku1988 Lizenz: GNU

Fünf Nazis griffen gestern Mittag an der S-Bahn Haltestelle Langendreer eine Gruppe von fünf  Punkerinnen und einem Punk an. Zwei der punks sind schwer verletzt.

Gestern Mittag kam es im Bereich der S-Bahn Haltestelle Langendreer zu einem blutigen Überfall: Fünf Nazis überfielen eine Gruppe von sechs Punks, darunter fünf Punkerinnen. Dabei wurde einer Punkerin die Nase gebrochen, der Punk wurde am Rückenverletzt. Weitere Mitglieder der Punker-Gruppe wurden leicht verletzt.

Nach diesem Blog vorliegenden Aussagen wurden die Punker von den durch eindeutige Symbole als Nazis identifizierbaren Skinhead Gruppe nach dem Verlassen der S1 angepöbelt und angegriffen. Unter den Tätern soll sich der Gelsenkirchener Neonazi Dennis B. befinden. Die Nazis sollen dabei Waffen wie Todschläger verwendet haben. Umherstehende Passanten riefen nicht die Polizei. Die hat allerdings mittlerweile von dem Überfall Kenntnis und die Ermittlungen aufgenommen.

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19 Kommentare zu “Bochum: Punker von Nazis überfallen

  • #1
    Unwissender

    Die Skinhead-Hohlbirnen werden ja wohl nicht auch für den Hack verantwortlich sein, die wissen ja nicht mal wie man einen Computer anschaltet.

  • #2
    Achim

    „Umherstehende Passanten riefen nicht die Polizei. Die hat allerdings mittlerweile von dem Überfall Kenntnis und die Ermittlungen aufgenommen.“

    Ob die Polizei wohl gegen mehr als 5 Straftäter ermittelt?

    Achim

  • #3
    Eva

    @ Achim: Das sind dann wohl die in der Psychologie bekannten „Non-helping-Bystander“. Es erwartet wohl kaum einer, dass sie sich todesmutig zwischen die Schläger und ihre Opfer stellen, doch die Polizei zu rufen, wäre ja wohl das Mindeste gewesen. So ist es eine unterlassene Hilfeleistung, eine strafbare Handlung. Leider wird das fast nie geahndet.
    Und mit Grüßen an die Nazi-Hohlbirnen: Schlägereien sind an sich schon total daneben, doch sich mit 5 Kerlen auf 5 Mädels zu stürzen, ist einfach nur armselig.

  • #4
    M.

    Der liebe Dennis aus Gelsenkirchen hat auch einen Youtube Account und versucht dort mit selbstgedrehten Videos, Menschen von seiner freakigen Weltanschauung zu überzeugen.

    http://www.youtube.com/user/xxKameradxxDennisxx/videos?flow=grid&view=0
    Ein besonderer Leckerbissen ist das Video mit seiner Meinung zu Pussy Riot.

    Vielleicht trifft ja jemand den Dennis mal auf der Straße….

    Gute Besserung an die vom Übergriff betroffenen!

  • #5
    Puck

    Die Zeugen riefen nicht die Polizei… der alte Kitty-Genovese-Effekt, nehme ich an. Je mehr Leute drumrumstehen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, daß einer die Polizei anruft. Kann man ja auch prima rationalisieren: Warum haben die anderen nicht angerufen, die hatten es bestimmt nicht so eilig wie ich und haben viel mehr gesehen, eigentlich habe ich gar nicht richtig mit gekriegt, was da abgelaufen ist…

    @Unwissender
    Ob die Nazis begnadete Hacker sind sei dahin gestellt – einen Computer einschalten und benutzen können die schon. Muß man sich nur mal die Kommentare auf anderen Medien ansehen, da werden explizit rassistische und faschistische Statements abgelassen. Besonders auffallend ist das bei Online-Foren, in denen man sich mit festem Namen bzw. Nick anmelden muß um sich zu verbreiten, wie z. B. Spiegel-Online. Da gibt es die immer gleichen Foristen, die sich zu allen möglichen Themen äußern, einmal den naheliegenden Threads wie 2. WK, Entwicklungshilfe in Afrika, Antisemitismus, aber auch Kindesmißbrauch, WM in Südafrika und EU-Politik, also einmal quer durch den Garten, um ihre Ideologie unters Volk zu bringen. Da entsteht durchaus der Eindruck, daß ganz gezielt Propaganda verbreitet werden soll, vorzugsweise in Medien, die eigentlich eher als „links“ gelten. (Und wenn nicht alles täuscht, sind da auch eine Menge Frauen drunter!)

    Es gibt gewisse Anzeichen, die „Kameraden“ zu erkennen: Sie beschweren sich überdurchschnittlich oft darüber, daß sie ständig „zensiert“ würden, lamentieren über die „gleichgeschalteten Mainstream-Medien“, die die Wahrheit systematisch verschleiern und beklagen sich wortreich über das „Diktat der PC“. Das ist nicht ungeschickt gemacht, zumindest mit Punkt 1 und 2 dürften sie auch bei vielen Linken gelegentliches Kopfnicken auslösen (bei Pkt. 3 nur wenn es um „Kritik an Israel“ geht), mit denen sie nebenbei auch diesen ausgeprägten reflexgesteuerten Anti-Amerikanismus gemein haben, letzeres allerdings ideologisch anders grundiert, was aber auf den ersten Blick womöglich nicht so auffällt.

    Die arbeiten zweigleisig: Die Schläger sollen Angst verbreiten, die Schreiber versuchen, sich ins Bewußtsein einzuhaken.

  • #6
    Menog Kanimof

    Keinem nützt es wirklich, einem anderen Menschen körperliches Leid zuzufügen. Das behaupte ich. Das gilt für alle Seiten, rechts, links, oben, unten und so weiter. Ich habe das nie verstanden, wozu das gut sein soll… es macht mich einfach traurig.

    Ich wünschte, wir könnten einfach Menschen sein und uns gegenseitig akzeptieren, so wie wir sind. Auch wenn es utopisch ist, das bleibt mein Wunsch.

    Zum Kommentar von Puck:
    Auch ich habe wenig Verständnis dafür, sollten einige Menschen tatsächlich diese vermutlich heftigen Szenen mitbekommen haben, dass keiner den Mut hatte, einzugreifen oder die Situation zu entschärfen. Jedoch weiß ich darüber so gut wie garnichts und kann dies nicht abschließend beurteilen.

    Zum Punkt, einen „Kameraden“ zu erkennen muss ich doch entschieden anmerken, dass ich keinesfalls einer dieser „Kameraden“ bin, sehrwohl aber die gleichgeschalteten Medien, sowie das Diktat der PC kritisiere!
    Durch z.B. politische Arbeit bei Occupy oder ähnlichen Gruppen (es gibt wohl wenig Vergleichbares) ist es möglich, sich ein umfassenderes Bild (vollständig wird es niemals) der verschiedensten Meinungen, Begründungen, Ansichten, sowie Gefühle, Bedürfnisse, Bitten/Forderungen verschiedenster Leute zu machen.
    Da wir Menschen sind und uns für Menschen (klar auch für Tiere, Umwelt etc.) einsetzen, setzt dies eine gewisse Offenheit, ein sich gegenseitig respektieren, zuhören, kritisch nachfragen etc. voraus.

    Einige Menschen durfte ich kennenlernen, die vielleicht recht ungewöhnliche, jedoch durchaus sachlich begründete Meinungen mit einbrachten, was meiner Ansicht nach eine Bereicherung für alle Teilnehmenden war.

    Alles Gute den hier Betroffenen.

  • Pingback: Links anne Ruhr (06.12.2012) » Pottblog

  • #8
    Puck

    @Menog Kanimof

    Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie verdrehen bewußt die Tatsachen, oder Sie wissen tatsächlich nicht, was „gleichgeschaltet“ meint.

    Die einzige politische Meinung, die in unseren Medien nicht geduldet wird, sind explizit faschistische Inhalte, und selbst da sind die Hürden für ein Verbot hoch, wie diverse Publikationen vom ganz rechten Rand beweisen.
    Die Frage sei also erlaubt, was die selbst ernannten Kämpfer gegen die „Gleichschaltung“ so schmerzlich vermissen.

    Es ist sehr schön, daß Sie gegenseitigen Respekt so hoch einschätzen, wenn auch nicht ganz so hoch, daß sie Begriffe vermeiden möchten, die andere vielleicht als respektlos empfinden (was man gemeinhin unter PC versteht).
    Es ist auch immer gut, anderen Ansichten zu lauschen.
    Toleranz ist eine feine Sache.

    Prinzipienlosigkeit allerdings nicht.

    Es gibt so ein paar Dinge zwischen Himmel und Erde, über die es eben keine zwei Meinungen gibt und die man durchaus n i c h t „auch mal anders sehen“ kann.
    s. o.

  • #9
    Nansy

    @Puck

    Zitat: „Es gibt so ein paar Dinge zwischen Himmel und Erde, über die es eben keine zwei Meinungen gibt und die man durchaus n i c h t “auch mal anders sehen” kann.“

    Ist das nun einfach mal so hergesagt, oder tatsächlich deine Meinung? Oder gibt es jetzt schon „wieder“ die Verpflichtung, einer Meinung sein zu müssen? Bei allem Verständnis in der Sache, aber solche Sätze finde ich beunruhigend!

  • #10
    Wolfram Obermanns

    Da die Opfer(?) des Überfalls bis heute keine Anzeige oder einen Strafverfolgungsantrag gestellt haben, drängt sich langsam die Frage auf, ob da nicht einfach ein paar Leute besoffen vor eine Laterne gelaufen sind und nur eine schicke Ausrede brauchten.

    Diese Unterlassung besorgt auch das Geschäft des braunen Abschaums.

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Wolfram Obermanns: Ganz so einfach ist es nicht: Ermittelt die Polizei haben die Anwälte der Nazis Zugriff auf die Adressen der Opfer und Zeugen. Und die Polizei ist im Zweifel nicht in der Lage, sie zu schützen. Die Gerichte übrigens auch nicht: Sonst wäre ein Todschläger wie Sven Kahlin noch in Untersuchungshaft.

  • #12
  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Ben: Aber es gibt nicht die Möglichkeit anonymer Zeugenschaft. Der mangelnder Schutz ist ein Problem.

  • #14
    Ben

    Das ist richtig.

    Aber wenn die Opfer wenigstens eine anonyme Anzeige aufgeben würden, hätte die Polizei vielleicht schon mal etwas mehr in der Hand als jetzt. Denn wie die Ruhrnachrichten schreiben, ist bei der Polizei bisher gar nichts eingegangen. Nicht einmal eine anonyme Anzeige:

    http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/bochum/Die-Opfer-der-mutmasslichen-Nazis-schweigen-weiter;art932,1846909

    Spätestens ab dem Punkt, wo totales Schweigen herrscht, kann man auch nicht mehr mit der Angst kommen – außer sie ist verbunden mit totaler Paranoia. Es gibt hunderte Möglichkeiten, sich irgendwie anonym mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Und sei, dass man ein schriftliches Gedächtnisprotokoll über das Bündnis gegen Rechts als Mittelsmann an die Polizei weitergibt. Selbst das würde die Polizei weiterbringen als dieses komplette Schweigen.

  • #15
  • #16
    Ben

    @Arnold Voss:

    Sorry, aber wenn man damit verhindern kann, dass man sich zum Erfüllungsgehilfen der Rechten macht, dann sollte man auch als Punk mal über seinen Schatten springen.

    Wenn sich der Vorfall tatsächlich so ereignet hat und das Schweigen weiterhin nicht gebrochen wird, ist das ein klarer Punktsieg für die Rechten. Und wird vermutlich ähnlich gelagerten Taten Vorschub leisten.

    Aber natürlich hast Du schon Recht: Wie will man morgen noch mit Überzeugung „acab“ rufen können, wenn man heute der Polizei bei der Aufklärung eines Verbrechens hilft…

  • #17
    Arnold Voss

    Viele Punks haben leider ein sehr geschlossenes Welt- und damit auch Feindbild, Ben. Aber damit stehen sie bekanntlich nicht allein.

  • #18
    Wolfram Obermanns

    @Stefan Laurin
    Mit Kahlin haben Sie natürlich einen wunden Punkt angesprochen (eine Sache die grundsätzlich den Umgang mit gewaltätigen Wiederholungstätern betrifft).
    Lässig formuliert ist darauf zu antworten: ein Freiheitskampf ist nie so leicht.

    Aber wenn sich schon die Betroffenen nicht in eigener Sache einsetzen, warum sollen es dann zufällige Zeugen?

  • #19
    Puck

    @Nansy

    Ja, das meine ich tatsächlich ernst. Aus meinem Kommentar ging doch ziemlich klar hervor, an was ich dabei gedacht habe, oder nicht?

    Oder wollen sie mir jetzt sagen, es gäbe zwei Meinungen zu Hitler, zum Holocaust, zum 2. Weltkrieg? So in der Art: Kann man auch mal anders sehen … Hatte auch seine guten Seiten … muß man auch mal tolerant sein ???

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