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Bochum: Von Blödheit und Kreide

GJ_Kreide

Die Grüne Jugend hat im April mit Kreidezeichnungen gegen eine NPD-Veranstaltung auf dem Husemannplatz protestiert. Aus ein paar Sprüchen hat sich eine Lokalposse entwickelt.

Am 30. April machte die NPD auf dem Husemannplatz in Bochum eine Veranstaltung. Keine 20 Mann brachte die Versagertruppe um Parteichef Claus Cremer zusammen. Sie wurden ausgebuht und ausgepfiffen.

Am Abend vorher hatte die Grüne Jugend mit Kreide auf dem Platz ein paar Sprüche gegen Nazis geschrieben. “Nie wieder Deutschland”, “Bunt statt braun” und “Scheiß NPD”. Dabei ließen sie sich von der Polizei erwischen und erhielten Platzverweise. Die Polizei bestellte die städtische Straßenreinigung, die entfernte die Kreidesprüche.  CDU-Ratsherr Dirk Schmidt fragte dann im Rat nach, wer die Kosten für den Einsatz der Straßenreinigung zu tragen hätte. Die an der Aktion beteiligten Junggrünen erhielten nun zusammen eine Rechnung von 267 Euro bekamen. Sie hatten sich ja von der Polizei erwischen lassen, ihre Namen waren bekannt.

Soweit so gut: Der froschfarbene Nachwuchs ist so blöd, sich beim Anbringen von Parolen erwischen zu lassen, die  Bochumer Polizei hat nichts besseres zu tun, als ihre Personalien aufzunehmen und die Straßenreinigung macht die auch noch weg, anstatt mal endlich im Stadtpark die Mülleimer zu leeren.

Doch die ganze Sache geht weiter: Dirk Schmidt lobt zwar das Engagement der Junggrünen gegen Nazis, hält aber Parolen wie Nie wieder Deutschland für linksradikal. Jusos und Grüne sind sauer auf Schmidt, weil er fragte, wer die Reinigung des Husemannplatzes zahlt.

Herr, wirf Hirn vom Himmel! Wer sich beim schreiben von Parolen mit Kreide von der Polizei erwischen lässt, verdient schon für diese Dämlichkeit eine Strafe. Dirk Schmidt sollte die Grüne Jugend nicht wegen Sprüchen  wie “Nie wieder Deutschland” für linksradikal halten. Junge Grüne und junge Sozis toben sich nun einmal aus, bevor der politische Ernst des Lebens beginnt. Nur zehn Jahre später koalieren sie dann mit wem immer es geht – auch mit der CDU und sind dafür, noch das blödeste Verbot durchzusetzen. Schmidt verwechselt hier Pose mit Politik.

Nun zur Stadt: Die Straßenreinigung gehört der Stadt, der Chef ist ein Sozialdemokrat, Bochum wir rot-grün regiert, die Verwaltungschefin, Ottilie Scholz ist in der SPD. Warum lassen die den Unfug zu? Es gab nicht den geringsten Grund, die Kreidezeichnungen zu entfernen. Was wäre denn passiert, wenn die Straßenreinigung gesagt hätte: “Nö, machen wir nicht. Wir haben genug mit den seit Jahren überquellenden Papierkörben im Stadtpark zu tun und beim nächsten Regen ist sowieso alles weg”?

Hier haben sich alle blamiert: Die Grüne Jugend, die Genossenversorgungsanstalt USB, die Polizei, die Stadt und Dirk Schmidt.

 

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7 Kommentare zu “Bochum: Von Blödheit und Kreide

  • #1
    JR

    Äh… Kreide? Da musste man sich mit der Reinigung aber ziemlich beeilen, bevor der nächste Regen das Zeug wegwaschen konnte.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @JR: Wenn es nicht um die überquellenden Papierkörbe im Stadtpark geht sind die fix hier…

  • #3
    JR

    Na ja, im Stadtpark sind die Wege auch so schlecht, dass man mit der Müllkarre nicht weiterkommt. Kann ich schon verstehen.
    Falls die Grünen sowas nochmal machen, sollte die Stadt das vielleicht hernach mit pflasterfarbener Kreide übermalen. So kann man den Irrsinn noch steigern, und teurer ist das Übermalen bestimmt auch.

  • #4
    Klaus Lohmann

    Wir haben doch noch Glück. Was wäre gewesen, wenn sich die Grünen beschwert hätten, die Kreide sei keine "Biokreide" aus reinem Sedimentgestein gewesen und gehöre mitsamt Bioessigwasser als Spülmittel in den Sondermüll????

  • #5
    Robin Patzwaldt

    Mich erinnert die Geschichte hier ein wenig an ein ähnliches Erlebnis hier bei mir in Waltrop. Da hat vor der Kommunalwahl 2014, wenn ich mich recht erinnere, die Grüne Jugend eine größere Feier/Konzert in der örtlichen Stadthalle gefeiert. Im Nachgang waren dann am nächsten Morgen ganz viele Schriftzüge mit einem gängigen Wahlslogan der Grünen auf dem Pflaster der benachbarten Fußgängerzone zu finden. Die Offiziellen der Partei war es nicht, wie man damals umgehend behauptete, es wären dann wohl ihnen unbekannte Sympathisanten gewesen, meinte man. Die Stadt wollte dann trotzdem wohl gerne die Grünen in die Verantwortung nehmen, ähnlich wie hier. Negative Presse in der konservativen Lokalzeitung für die Grünen kurz vor der Wahl inklusive. Doch bevor die Sache wirklich ernst wurde, haben einige Grüne das Pflaster dann freiwillig mit Schrubber und Seife kurzerhand selber gereinigt. Sie blieben dabei aber bei ihrer Darstellung, dass sie es gar nicht wahren, was ich persönlich ihnen auch glaubte. (Ich kenne die Leute ja noch aus meiner Zeit dort persönlich.) So ging die Geschichte dann damals aber jedenfalls recht glimpflich und ohne weitere Kosten für irgendjemanden zu Ende. Hätte man hier vielleicht auch so machen können, zumal die Verursacher hier ja wohl ganz konkret bekannt waren….. Wäre zumindest jetzt mein Gedanke zu dem Thema.

  • #6
    Urlauber

    „Nie wieder Deutschland“ – Sprüche müssen aber auch nicht wirklich sein. Dafür find ich die Anfrage im Rat schon in Ordnung. Und wer sich "austoben" möchte, muss dafür dann auch mal die Konsequenzen tragen…

  • #7
    thomas weigle

    Tja @Stefan Laurin, die Stadtreinigung in Bochum weiß halt noch Prioritäten zu setzen. Geistige Umweltverschmutzung ist viel gefährlicher als die reale im Stadtpark, sehr viel gefährlicher.

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