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BVB: Was bewirken die Maßnahmen des Clubs bei den Ultras?

BVBAm gestrigen Freitag hat der BVB bekanntgegeben, dass er drei großen Fangruppen (Desperados, The Unity und Jubos) die Auswärtsdauerkarten in nächster Zeit entziehen will. Zudem sind Stadionverbote für bis zu ca. 30 Personen geplant, die nach den Derbykrawallen eindeutig zu identifizieren waren.

Die ersten Reaktionen darauf waren sehr unterschiedlich, gingen von ‚völlig gerechtfertigt‘, über ‚zu undifferenziert‘, von ‚wirkungslos‘ und ‚ungerecht‘ bis hin zu ‚konsequent‘ und ‚hart‘.

Dies war sowohl in der Medienlandschaft als auch bei den Fans so der Fall.

Ich sehe mich anhand der nun ausgesprochenen Strafe in meiner Meinung bestätigt, dass dem Verein im Kampf gegen Fanausschreitungen eigentlich die Hände weitestgehend gebunden sind. Die Strafe wirkt auf den ersten Blick in der Tat hart und konsequent. Wer jedoch gestern Nachmittag durch die diversen Foren geschaut hat, der konnte bereits lesen, wie Fans sich darüber unterhielten, wie die Strafe zu umgehen sei, wie man trotzdem noch an Karten für Auswärtsspiele kommen könnte, und wie sie verärgert darüber sprachen, dass es eigentlich zu viele ‚unschuldige‘ Fans beträfe, die sich noch nie etwas zu Schulden haben kommen lassen.

Und da zeigt sich dann tatsächlich auch gleich das Dilemma des Ganzen: Diese Strafe trifft in der Tat wohl auch viele Unschuldige, erschwert ihnen ungerechtfertigter Weise das ihnen so wichtige Fan-Leben. Zudem dürfte die Aktion die Stimmung unter den BVB-Fans insgesamt massiv beeinträchtigen. Bereits heute in Wolfsburg wird sich zeigen welchen Einfluss die angekündigten Konsequenzen für die Unterstützung der Mannschaft haben werden.

Zudem wird der Entzug der Auswärtsdauerkarten gewaltbereite Fans letztendlich in ihrem Treiben nicht aufhalten. Sie werden sich auch zukünftig Eintrittskarten für Gastspiele des BVB besorgen, und sie werden auch zukünftig dort für Krawall sorgen, wenn sie dies ernsthaft vorhaben.

So leicht lassen sich Krawallschläger eben dann wohl doch nicht konsequent aussperren. Im Gegenteil, die gestrige Maßnahme trifft vermutlich viel zu viele Unbeteiligte an den jüngsten Krawallen. Der BVB hat so zwar Entschlossenheit bewiesen, hat quasi Wort gehalten, was ein hartes Durchgreifen betrifft, ob die Beschlüsse aber die gewünschte Wirkung haben werden, daran ist zumindest zu zweifeln.

Hoffentlich hat der Verein sich nicht am Ende lediglich ein kräftiges Eigentor zugefügt.

Die nächsten Spiele werden es mit Blick auf die dort gebotene Fanunterstützung im Schwarzgelben Lager rasch zeigen…

Passend zum Thema:

http://www.ruhrbarone.de/der-bvb-ergreift-nach-derbykrawallen-erste-massnahmen/

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13 Kommentare zu “BVB: Was bewirken die Maßnahmen des Clubs bei den Ultras?

  • #1
    to

    Entscheidend ist: Es gibt eine Reaktion. Eine deutliche. Die sagt: Freunde, so nicht! Und „Sippenhaft“ könnte in diesem Fall auch so verstanden werden, dass alle, die so etwas im Block neben sich zulassen und keine Zivilcourage zeigen, sich davon nicht distanzieren und solche Straftaten decken, zu Mittätern werden. Es geht nicht um Pyro, sondern um den lebensgefährdenden Umgang mit Pyro – eine neue Qualität.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Die Krawalle und Pyros beim Niedersachsenderby gestern zeigen doch überdeutlich, dass in der gesamten Ultraszene der div. Profi- und Amateurligen keine Kritik- und Wandlungsfähigkeit und auch keine Reue mehr erwartet werden *darf*. Aggressionslust und Derby-Traditionsmissbrauch zur übersteigerten Ego-Präsentation überlagern weiterhin Vernunft und Nachdenken, auch bei den angeblich „unschuldigen“ Mitläufern. Wieviel Spiele muss denn noch nach all den Jahren abgewartet werden, um zu dieser für Alle sichtbaren Erkenntnis zu gelangen?

  • #3
    Tolleranz

    Die Maßnahme ist reiner Aktionismus und wird nichts bewirken. Trotzdem musste der BVB wohl so handeln.
    Daß für einige Stadiongänger nicht die Unterstützung des Teams und das Spiel an sich, sondern die Profilierung und das Rauslassen des Frusts, der sich unter der Woche angesammelt hat, im Mittelpunkt stehen ist Fakt.
    Die daraus resultierenden Probleme für den Rest der Fans und fürs Geschäft, sind aber eben durch _solche_ Maßnahmen nicht in den Griff zu bekommen. Genauso wenig übrigens wird eine „kurveninterne“ Lösung ohne weiteres möglich sein (wie sie allerorten, auch von vielen Ultras, herbeigewünscht wird). „Zivilcourage“ (was ich in diesem Zusammenhang für ein etwas zu starkes Wort halte) im Stadion zu zeigen, erweist sich nämlich in der Praxis als schwerlich umsetzbar – zumindest ich habe bis jetzt nur Situationen erlebt, in denen die „Täter“ nicht gesprächsbereit waren und die herbeigerufene Polizei die Sache nur noch schlimmer gemacht hat (siehe diverse Berichte über Verletzte im Stadion; gerade von den verletzten „Unbeteiligten“ sind viele erst durch die Polizeieinsätze verletzt worden).
    Vom heimischen Sofa oder der VIP-Tribüne aus ist gut Reden schwingen…

  • #4
    Tolleranz

    Nachtrag: Kommunikation und Kooperation sind meines Erachtens die Mittel der Wahl. Dazu muss allerdings Gesprächsbereitschaft vorhanden sei und das Ergebnis der Diskussion darf nicht durch Beschlüsse des DFB/DFL vorweggenommen werden.
    Die Fangruppierungen haben den Anspruch, sich nicht „verbieten“ zu lassen. Was völlig nachvollziehbar ist.
    Anders als über die Einsicht des einzelnen Fans in die Notwendigkeit gewisser Übereinkünfte (die dementsprechend nachvollziehbar und akzeptabel sein müssen), wird das Problem nicht zu lösen sein. In England beispielsweise haben sich auch nur die Schauplätze der Vergehen verlagert (aus dem Stadion, aus dem man sich schlußendlich hat vertreiben lassen, in die Wohnviertel).

  • #5
    Walter Stach

    Robin, es ist doch „einfach Scheiße“, daß wir hier wie so oft immer aus neuen aktuellen Anlässen über die sog.Ultras disktutieren.

    Als BVB – Fan belastet mich ca. eine Studne nach dem Spiel immer noch die Niederlage in Wolfsburg.
    Und dabei natürlich zunächst das Ergebnis, aber noch mehr belastet mich die absolut indiskutabler Leistung des Schiedsrichters zu Lasten des BVB, die ich skandalös fand.
    Aber das scheint ja alles nur noch nebensächlich zu sein. Hauptsache, die Ultras schaffen es immer wieder, die „Hauptsache“ in einer Diskussion über den BVB zu bilden;einfach Sch…..-sh.oben-.

  • #6
    Robin Patzwaldt

    @Walter: Ich habe den Text heute Mittag (bereits ca. 2 Stunden vor dem Spiel in WOB) eingestellt. Da war meine Laune auch noch besser. 😉
    Zum Inhalt deines Kommentars: Auch ich würde hier zukünftig lieber wieder öfter über Fußball diskutieren. So ist das nicht… In der Vergangenheit habe ich aber häufiger den Eindruck gehabt, dass immer dann wenige Kommentare zu meinen Fußball-Beiträgen hier kamen, wenn es tatsächlich um tagesaktuellen Sport ging. Sobald sich aber Sport und Politik in den Beiträgen miteinander verbanden entstanden hier häufig intensive Diskussionen. Daraufhin habe ich in den letzten Wochen die reinen Sport-Texte hier wieder etwas reduziert. Davon ab war bzw. ist das Thema Pyrotechnik und Randale seit dem Derby halt tatsächlich sehr dominant. Es kommen sicherlich aber auch bald wieder Tage, wo wir wieder mehr über die Spiele sprechen bzw. schreiben können und werden. Aber ausgerechnet heute Abend ist mir jetzt auch nicht so sehr danach. 😉 Mehr als die dämliche Niederlage ärgert mich momentan noch die Verletzung von Neven Subotic. Wenn das wirklich ein Kreuzbandriss ist, so wie befürchtet wird, dann ist das arg bitter…

  • #7
    Tolleranz

    Für die „reinen“ Sportartikel komme zumindest ich nicht hier her.
    Dafür gibt es doch kicker, Fanportale etc.
    z.B. der Weidenfeller-Artikel von heute. mir völlig egal. finde den Typen unsympathisch, aber was tut das zur Sache? schreibe ich also nix zu.
    my 2 cents

  • #8
    Walter Stach

    -7-Tolleranz:
    „….“dafür gibt es doch Kicker…..“, ja, die gibt es, aber eben auch die Ruhrbaronen.
    Und die Ruhrbaronen gänzlich ohne Berichte/Kommentare in Sachen BVB,SO 4, VFL BO -, fußballerisch, gesellschaftspoltisch -? Das geht nicht.

  • #9
    Tolleranz

    Ich meine, daß man zum „fußballerischen“ überall, z.B. beim kicker, das gleiche lesen kann. ein feld, das sich zu beackern kaum lohnt, da es, wie man an den ausbleibenden kommentaren sieht, auch kaum einen leser dieses blogs interessiert.
    ich mag mich täuschen und/oder man mag trotzdem solche artikel verfassen, werde mich dazu nicht mehr äußern und gut ist. nur meine meinung eben.

  • #10
    Klaus Lohmann

    „BVB: Was bewirken die Maßnahmen des Clubs bei den Ultras?“

    Nichts, garnichts:
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/frustrierte-bvb-fans-demolieren-zug-und-greifen-polizei-an-id8651846.html

  • #11
    Andi

    Aus dem von Klaus Lohmann in #10 verlinkten Artikel:

    „Wenige Minuten später beobachteten Bundespolizisten, wie sich mehrere Personen auf dem Bahnsteig der Gleise 11 und 16 prügelten. Die Beamten gingen dazwischen und nahmen einen 26-jährigen BVB-Anhänger vorläufig fest. Das bemerkte eine Gruppe von etwa 40 anderen Fans. Nach Angaben der Bundespolizei stürmten die Männer die Treppe zum Gleis hoch, um den festgenommenen 26-Jährigen zu befreien. Sie drängten die Polizisten zur Seite, die den Festnahme-Ort absperrten, und griffen deren Kollegen auf dem Bahnsteig mit Fußtritten, Faustschlägen und Flaschenwürfen an.“

    Ich wüßte ja zu gerne, was diese „BVB-Anhänger“ vom hier neulich besprochenen Aufruf der Dortmunder und Schalker Fanprojekte halten, in dem gefordert wurde, Rivalitäten „kreativ, witzig und von gegenseitigem Respekt getragen“ auszuleben.

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  • #13
    Klaus Lohmann

    Nur kurz: *Dass* es sich bei den Polizeiprüglern wirklich um die Ultras handelte, denen Watzke vorher noch die fast schon unmenschliche „Sippenhaft-Sanktion“ des ADK-Entzugs auferlegt hatte, wurde übrigens heute von der Bundespolizei bestätigt:

    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/derby-chaoten-randalierten-erneut-id8662332.html

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