iSPD: Welche Funktionen ich mir wünsche

Cool: Bald kann ich mir ein SPD-App auf mein iPhone laden. Für das erste Update habe ich sogar schon ein paar Ideen.

SperrMe: Schnell Seiten melden, die man gesperrt haben will.

Jobless: Ein Button, der mir bei jedem neuen Umfragetief zeigt, welche SPD-Abgeordneten ihre Mandate verlieren werden.

Members: Wie viele Mitglieder verlassen gerade die SPD?

Juhuu: Automatische Jubelmeldungen bei neuen Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden.

Müntomat: Ich kann aus zehn Worten durch das Schütteln des iPhones neue Sätze bilden: Helm ,offen, festschnallen, kämpfen,  entschieden, nicht, Sauerland, Wahl, gut und Glückauf.

Raus: Der online Parteiaustritt – sicher, schnell und unbürokratisch.

Lach: Eingehende SPD-Wahlergebnissen meldet das iPhone durch lautes Lachen. 

Hannelore-Kraft-Tag (2): Eine Bewerbung?

Hannelore-Kraft-Tag bei den Ruhrbaronen. Erst die Bioverschönerung (klick) auf dem Zenit der Macht. Jetzt noch ein seltsamer Beitrag der SPD-Kandidatin in der "Welt": In einer "Polemik" hat sich die erfolgsarme Landesvorsitzende an Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (UvdL) abgearbeitet. Dabei sitzt die doch in Berlin. Vielleicht ja deshalb. Es gibt Gerüchte, dass Kraft 2010 doch nicht gegen Rüttgers antreten wird (soll, will). Spekuliert die Ex-Landesministerin mit einem Ministerium in Berlin? Wie ihre Vorgänger Müntefering, Clement, Steinbrück? Eine kleine Textanalyse.

1) Talkin Heads
"Niemand" sei so oft in Talkshows wie Frau von der Leyen, das ist die argumentative Klammer von HK. Das würden die Statistiken belegen. Aber: Gibt es Statistiken über Talkshowbesuche? Und was ist mit Norbert Röttgen oder Wolfgang Bosbach, mit Sky du Mont, Uschi Glas oder Karl Lagerfeld? Das Problem an den UvdL-Auftritten ist nicht das wie oft, sondern das wie. Klingt leicht neidisch.

2) Kurzarbeit
HK zeichnet ein Bild von der Wirtschaftskrise, man möchte hoffen, sie meint das nicht ernst: Millionen Kurzarbeiter, so HK, hätten morgens ihren Kindern zu erklären, warum sie nicht zur Arbeit fahren. Ist das so? "Du, Miro, der Papi fährt erst morgen wieder ins Werk!" – "Oooch, echt, bist du jetzt ein Versager, Papi?". Auch den anderen gehe es schlecht, weiß Kraft: Die einen würden Angst haben, ihre Arbeit zu verlieren. Die bereits Arbeitslosen verlören angesichts der "Horrormeldungen aus der Wirtschaft", Stück für Stück die Hoffnung. Ist es wirklich so arg da draußen? Oder schiebt da jemand selbst  Zukunftsangst?

3) In der Klemme
Als ob die Wirtschaftskrise nicht fies genug ist, kennt Hannelore Kraft (48) noch etwas gemeineres. Die "Generationenklemme ab 40". Was keine Streckfolter ist, sondern ein genereller Trübsinn, der alle über Vierzigjährigen erfasse, vor allem die weiblichen. Die Sorgen um die eigene und die Zukunft der Nachwachsenden mischten sich jetzt nämlich mit "Gedanken über die Gesundheit und die Versorgung der eigenen Eltern, die oft genug weit weg wohnen". Außerdem, schreibt die Wirtschaftswissenschaftlerin, herrsche große Furcht vor steigenden Mieten, vor den Ratenzahlungen fürs Haus, den schlechten Schulnoten beim "Sohnemann". Kein Wunder, so Kraft, dass gerade die Frauen "schlaflose" Nächte "erleiden". Hat sie aber nicht etwas vergessen: Was ist mit seltenen Krankheiten, fehlenden Rauchmeldern, Starkregenereignissen, Flugzeugunglücken – alles furchtbar: "Familien und Frauen sind die großen Verlierer der Krise!", jault die Mülheimerin jedenfalls. Aber das Familienministerium in Berlin, das interessiere sich nur für ein "kleines Segment" unter ihnen. Hm, ich mache mir auch langsam Sorgen – um Frau Kraft.
     
4) Rot-grüner Kanon
Außerdem ist die Bundesfamilienministerin genau wie Krafts Hauptgegner, wie Jürgen Rüttgers, der Ministerpräsident, den viele für einen Sozi halten, einen Arbeiterführer, für Johannes Rau den II. Denn auch UvdL fische beim politischen Gegner, ärgert sich Hannelore Kraft: Die "gut situierten Akademikerfamilien", die eher zum "rot-grünen Wertekandon tendieren", würden von der Bundesministerin mit "lobenswerten Initiativen bedient", die "oft von Sozialdemokraten erarbeitet wurden". Und die anderen "Segmente" zu wenig. Was kleinlich beleidigt klingt, dabei wüsste ich viel lieber, was der "rot-grüne Wertekanon" ist, schade!

5)  Kein Fototermin
Krafts konkrete Kritik an der Politik der Bundesfamilienministerin fällt immerhin solide aus. Es geht um unsoziale Kinderfreibeträge, Dumpinglöhne, bessere Steuerklassen für Zweitverdiener, Ehe-Ideologie aus dem "Fotostudio von der Leyen". Alles gut, alles nachvollziehbar, und doch bleibt ein Rätsel: Was hat das mit "Fototerminen", "Fotostudios" von der Leyens zu tun. Das ist nicht polemisch, sondern – erst recht von Frau zu Frau – platt!

6) Knicks vorm Komasaufen  
Habe zunächst "wie Ministerin von der Leyen bei einem großen Jugendproblem, dem Komasaufen, eingenickt ist" gelesen, was mir sehr gefallen hat – die bezecht schlummernde Ministerin. War aber leider nur ein Verleser, weiter: Die Kraftsche Abrechnung mit der konservativen, vornehmen Bundespolitikerin nähert sich dem Ende. UvdL würde sich nicht gerne "die Hände schmutzig" machen, sich fein "heraus halten" und nicht mit den Degenhardschen "Schmuddelkindern" spielen; was vermutlich Unfug ist, aber halt eine Polemik!

7) Die Hausmeisterin
Sehr merkwürdig ist wieder der Schluss. Oder was kümmert es Hannelore Kraft, ob das Familienministerium zu einem "Haus" "für Shows und Fotosessions verkommen" ist? Gibt es in NRW keine verkommenen Ministerien, Häuser? Warum dieser Furor? Weshalb die verräterische Terminologie vom "Haus". Für mich klingt das wie eine besorgte Nachfolgerin! Ein Bewerbungsschreiben für die Berliner Bühne. Und eben nicht nach Landespolitikerin, NRW-Oppositionsführerin, Rüttgers-Herausforderin.

Wir sind jetzt Iraner

Wir sind jetzt Iraner – zumindest auf Twitter. Und dafür gibt es gute Gründe.

Durch die Zensur der klassischen Medien sind Twitter, Blogs und Youtube für viele Oppositionelle im Iran die einzige Möglichkeit der Kommunikation. Aber auch im Netz werden sie verfolgt. Um sie zu schützen hat das Networkes Cultures einige Tipps herausgegeben, wie man ohne großen Aufwand die Opposition im Iran unterstützen kann.  Einer ist die Zahl der Twitterer aus dem Iran virtuell zu erhöhen und im Twitter-Account als Ort Teheran und die entsprechende Uhrzeit einzutragen: "Security forces are hunting for bloggers using location and timezone searches.  If we all become ‘Iranians’ it becomes much harder to find them."

Also sind wir auf Twitter bis auf weiteres Iraner. Via Piratenpartei

Wie eine SPD-Spitze ihre Geschichte verändert

Hannelore Kraft ist die Dame ganz rechts

Kennen Sie noch das Wahrheitsministerium? Das Ding im Buch von George Orwell, dass immer die Vergangenheit verändert? Ich denke Hannelore Kraft, die SPD-Vorsitzende von Nordrhein-Westfalen, hat ihr 1984 aufmerksam gelesen. Denn auch Sie paßt ihre Vergangenheit den momentan opportunen politischen Gegebenheiten an.

Ich habe ein Beispiel für dieses Tun gefunden. Auf der Homepage von Hannelore Kraft ist ihr Lebenslauf angegeben. Klack: Da findet sich für die Zeit von 1989 bis 2001 folgende Angabe:

Unternehmensberaterin und Projektleiterin

Interessant. Auf einem Lebenslauf auf der gleichen Homepage  aus dem Jahr 2006 steht an der gleichen Stelle: Klick

Unternehmensberaterin und Projektleiterin beim Zentrum für Innovation und Technik NRW (ZENIT GmbH) in Mülheim an der Ruhr

Für die weggefallene Zenit GmbH sind seit 2006 allerdings die Hobbys hinzugekommen:

Spiel, Sport und Spaß mit Mann, Sohn und Hund; Essen und Klönen mit Freunden

Warum ist aber der Hinweis auf die Zenit GmbH verschwunden? Nicht mal mehr auf den Haupt-Seiten im Internet der damals SPD-nahen Firma ist ein Hinweis auf elf Jahre Kraft zu finden.

Nun, vielleicht liegt es daran, dass die Zenit GmbH in einem der großen NRW-Förderskandale verwickelt war, in dessen Verlauf vor zwei Jahren auch die Rolle von Hannelore Kraft kritisch hinterfragt wurde. Die SPD hat natürlich immer bestritten, dass Kraft während ihrer Zenit-Zeit mit dem Sachverhalt zu tun hatte. Vielleicht erinnert sich noch einer? Es ging um erschlichene und verschleuderte Millionen für dubiose Bio-Tech-Projekte, das Inkubatorzentrum in  Gelsenkirchen, den Zukunftswettbewerb Ruhrgebiet und die Firma Zenit.

Hierzu ein Zitat aus der taz von damals:

Allein 50 Millionen Euro sollen so in den Jahren 2001 bis 2005 für die Anschubfinanzierung von Biotechnologiefirmen zu viel ausgezahlt worden sein. "Das Land hat den effizienten Einsatz der Fördermittel nicht überwacht und gesteuert", urteilen die Prüfer (des Landesrechnungshofes NRW. d.A.) "Teilweise überstiegen die Zuwendungen sogar die tatsächlichen Projektausgaben."

In der Kritik steht auch der vom NRW-Wirtschaftsministerium ausgelobte "Zukunftswettbewerb Ruhrgebiet", mit dem vom Jahr 2000 bis 2006 besonders innovative Technologieprojekte gefördert wurden. Nach Ansicht des Landesrechnungshofes waren die Ziele und die Bewertungskriterien des mit 102 Millionen Euro Landesgeld ausgestatteten Wettbewerbs unklar. Beteiligt an der Ausrichtung des Wettbewerbs war die Unternehmensberatung Zenit – bis zum Jahr 2001 Arbeitgeber der jetzigen SPD-Landesparteichefin Hannelore Kraft.

Auch wenn Kraft ihre Zeit bei Zenit vergessen will. Unser Archiv funktioniert noch – Nichts mit vaporisieren.

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3 für 7 – Festivals galore

Theater, Videos, Popmusik – und manchmal auch alles zusammen. So sieht es in dieser Woche aus in den Veranstaltungstipps. Zweimal Bochum, einmal Dortmund. Eine Premiere, einmal zum 19. Mal, eine Vorpremiere. Einen Abend, drei Tage, 12 Tage lang. Konkreter? Gut:

Das Internationale Videofestival in Bochum ist eine nette Idee, die vor allem von der Freude am Präsentieren und dem Präsentierten lebt. Wettbewerbe, VJs und gerne einige Partys, so mag es das Popkulturherz, und auch der Austragungsstadt wird mit einem Special Rechnung getragen. Am Donnerstag ab 14 Uhr Start mit Sektempfang und Begrüßung, dann u.a. ein Iran-Special samt Vortrag "Die geopolitische Situation des Iran" und abends Party mit Balkanbeats. Freitag geht es im Special um Animationen und bei der Party um Nu Rave, Samstag das Gastfestival mit Comma Film, Preisverleihung und anschließend ein bisschen Techno und Electro. Immer mit Visuals dabei, natürlich!

Noch etwas vielfältiger geht Elmar Goerden mit dem K15-Festival ins Rennen um die Publikums- und Kritikergunst. Theater, Tanz, Performance und Musik, einzeln oder beisammen, und das fast zwei Wochen lang? Das sieht mal wieder so richtig gut nach Selbstbewusstsein im Bochumer Theaterwesen aus. Zu besuchen sind u.a. der "Othello" nach Peter Sellars, der Film "Zidane" nebst anschließendem Konzert von Mogwai, die "Hamlet Episode" der Daegu City Modern Dance Company, eine neue Solochoreografie von und mit Henrietta Horn und die Installation "Etiquette" von Sylvia Mercuriali und Anthony Hampton (Foto) in der Eve Bar, die die willigen Besucher zu Improvisatonsschauspielern werden lässt. Auch pfiffig: "Im Wald. Nachts.", eine Nachtwanderung mit dem Intendanten und seinem Ensemble am 26. und 27. Juni.

In Dortmund hingegen gibt es tatsächlich eine Art doppelte Vorpremiere, nämlich die gleichzeitige Rohbauparty des neuen FZW zusammen mit der WarmUp-Party für das Juicy Beats, Datum für das eigentliche Festival ist diesmal der 1. August. Live spielt die Mediengruppe Telekommander ihren Mix aus AgitHop und DepriWave, Herb LF präsentiert sein neues LiveSet, Fiehe, Helmich & Sänger, Top Frankin, Bückle & Saavedra-Lara und Larse geben die Top-DJs aus der Nachbarschaft. Putzig: Das gute, alte ganz neue FZW blogt jetzt auch über gute, alte und neue Zeiten.

Im Überblick:
Das 19. Internationale Videofestival findet vom 18. bis 20. Juni vor allem im Musischen Zentrum der Universität Bochum statt.
"K15 – Bretter, die die Welt verleugnen" ist vom 19. Juni bis zum 1. Juli im Bochumer Schauspielhaus.
"Juicy Beats Soundcheck" am Samstag, 20. Juni ab 22 Uhr im FZW.

 

E.on will drastisch Personal einsparen

Foto: E.on

Ich hab gestern mit Gewerkschaftern über E.on gesprochen. Das was ich gehört habe, war hart. Demnach hat Verdi in einer Auswertung der E.on-Sparpläne im Rahmen des Programms „Perform-to-win“ festgestellt, dass der Energiekonzern E.on mitten in der Wirtschaftskrise bis zu 6000 Stellen europaweit abbauen will. Zusätzlich sollen demnach in allen Landesgesellschaften bis zu 3000 Stellen aus dem Konzern ausgelagert werden. Wow.

Ein E.on-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren: „Es steht noch nichts fest“, sagte er. Derzeit werde in Verhandlungen mit der Gewerkschaften Verdi und IGBCE ausgelotet, bei welchen Maßnahmen welche Stellen wegfallen könnten. Aber immerhin ist sicher, dass durch das Programm „Perform-to-win“ rund 1,5 Mrd Euro eingespart werden sollen. Es wird also einiges an Arbeitsplätzen wegfallen.

Aus Protest gegen die Sparrunde ruft Verdi für den kommenden Donnerstag zu einer Demonstration vor der E.on-Konzernzentrale in Düsseldorf auf. Die Gewerkschaft rechnet mit über 4000 Teilnehmern aus sieben Ländern. E.on beschäftigt in Europa rund 90.000 Mitarbeiter.

In der Energiebranche ist der E.on-Protest ungewöhnlich. Die Branche gilt eigentlich als Krisenfest. Allerdings mussten die deutschen Energieversorger im Zuge des Abschwungs gerade im Geschäft mit Industriekunden empfindliche Einbussen hinnehmen. Wer wenig produziert, verbraucht weniger Strom. Ich höre unterschiedliche Zahlen. Aber es liegt bei den großen immer im dreistelligen Millionenbereich.

Der Verdi-Bundesvorstand und E.on-Aufsichtsrat Sven Bergelin sagte mir nun, die Proteste bei E.on seien vor allem deshalb notwendig geworden, da sich der Vorstand vom Grundkonsens einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern verabschiedet habe. So schließe der E.on-Vorstand betriebsbedingte Kündigungen nicht länger aus. „Dies ist angesichts weiterhin hoher Milliardengewinne nicht hinnehmbar.“

——Update:—–

Gegenüber der WAZ sagte E.on nun, das betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.

——Update: Ende —–

Diese Aussage ist ein Hammer. Bei keinem Energiekonzern gab es bislang betriebsbedingte Kündigungen. Im Gegenteil. Eigentlich haben alle großen Versorger langfristige Arbeitsplatzgarantien.

Zudem werde laut Bergelin bei E.on auch darüber gesprochen, den einheitlichen Haustarif für alle Konzerngesellschaften aufzugeben. Neue Gesellschaften oder Ausgründungen sollen demnach Tarifverträge mit anderen Gewerkschaften zu deutlich schlechteren Bedingungen abschließen dürfen. Dieser Vorschlag widerspricht der Verdi-Strategie einen einheitlichen Tarif für die Energiewirtschaft durchzusetzen. Bislang haben gerade die großen Versorger E.on, RWE, EnBW und Vattenfall eigene Tarife für den jeweiligen Konzern.

Nach Auskunft von Bergelin sind von den aktuellen Ausgliederungsplänen vor allem die E.on-Töchter für Informatik und Facility Management betroffen. „Nur noch die hochqualifizierten Mitarbeiter sollen im Konzern gehalten werden“, sagte Bergelin. Im Klartext heißt das: Verdi befürchtet, dass beispielsweise die Putzfrauen in eine neue E.on-Gesellschaft umgesiedelt werden sollen. Dort könnten sie dann nicht mehr zum E.on-Haustarif beschäftigt werden, sondern zum deutlich schlechter dotierten Tarif für Raumpfleger.

Seit Bekanntgabe des Sparprogramms im Herbst hat sich der Mitarbeiterprotest im E.on-Konzern kontinuierlich gesteigert. Vor wenigen Wochen sammelten Betriebsräte der deutschen E.on-Beteiligungen innerhalb von nur vier Tagen 19.000 Unterschriften gegen „Perform-to-Win.“ Nach Auskunft des Unternehmens ist das Programm notwendig, um den Konzern dauerhaft wettbewerbsfähig zu halten.

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Live vom Bildungsstreik-Streik

Wer will, kann heute aufgebrachten Studenten im Web folgen, die sind im Ausstand, dem so genannten Bildungsstreik. Es gibt dafür tweets
und urls – in Bochum freuen sich die Aktivisten schon wie Bolle, dass Kamerateams von SAT1 und WDR vor Ort waren. Heute Abend, twittert der Protestmob deshalb an seine Onlinegemeinde, Fernsehen gucken, Lokalzeit. Das ist natürlich lustig.

Denn ich sehe sie vor mir, die Studenten des Ruhrgebiets, wie sie Streik hin, Streik her, wie immer um 16:54 die U35 Richtung Bochum Hauptbahnhof nehmen, dort den Zug nach Wanne, den Bus nach Recklinghausen. Um noch rechtzeitig im elterlichen Reihenhaus im Jugendzimmer den Fernseher anzuwerfen, Sat1, 17:30, um es bloß nicht zu verpassen. Ihren Streik an der Uni: "Komma kumma Mutti, da hinten, das bin ich." Dann Abendbrot. Schreibtisch, etwas Daddeln.

Nein, vielleicht ist es auch ganz anders, bin ja nicht dabei. Aber wenn ich lese von "kreativen" Aktionen, die heute morgen mit einem "Paukenschlag" eröffnet werden sollten, dann glaub ich nicht dran, nicht an Streik, nicht an Studentenbewegung.
Ist vielleicht ohnehin ein Missverständnis: Studenten und Revolution. Erst Recht im Ruhrgebiet, wo sie sich wie Azubis fühlen und führen, schon immer. Mit Schnittchen aus Tupperdosen, Thermotassen und für Zwischendurch auch den Apfel nicht vergessen.

Als ich selbst noch studentenbewegt war, in Bochum, da wollte ich natürlich auch die agitieren, die partout nicht agitiert werden wollten. Mittlerweile mag ich die Ruhr-Unis wie sie sind: Ausbildungungsbetriebe mit gewissenhaften, aber nicht übereifrigen, und, ich sag Ja zum Klischeee: bodenständigen Studentinnen und Studenten. Was braucht es da Streiks?              

Eine Couch für alle Fälle

Die Idee ist eigentlich ganz einfach. Reiselustige Menschen aus der ganzen Welt vernetzen sich über das Internet und bieten ihr heimisches Sofa kostenlos zum Übernachten an. Im Gegenzug dürfen sie selbst weltweit auf die Couch. „Empfehlen würde ich es jedem und ich habe die besten Reiseerfahrungen damit gemacht. Ich glaube dass die Menschen, die da mitmachen, von Grund auf vertrauenswürdig und offen sind“, sagt Daniela Michalzik. „Es waren auf jeden Fall sehr interessante Leute, die ich da kennengelernt habe“. Die kleine Wohnung der Studentin der Sozialen Arbeit liegt an einer Hauptverkehrsstraße nicht weit von der Bochumer Innenstadt entfernt. Es ist nicht viel Platz zwischen ihrem Schreibtisch und der Küchenzeile, aber die Couch wird für Besucher immer frei gehalten.

Die 23jährige ist seit einem Jahr bei dem Portal angemeldet. Bisher haben Menschen aus Deutschland und Ungarn ihre Couch für ein paar Tage genutzt. Angemeldet hat sie sich wegen einer zweiwöchigen Reise nach Wales mit vier Freundinnen. „Ich habe vorher noch von Deutschland aus ganz viele Leute angeschrieben. Von manchen Orten habe ich dann positive Rückmeldungen bekommen“, erklärt Daniela Michalzik. „Ich habe mit den Leuten dann telefoniert, Treffpunkte ausgemacht und Adressen ausgetauscht“. Die Erfahrungen der Reisegruppe waren in der Regel gut, auch wenn die Gastgeber manchmal etwas seltsame Vorstellungen hatten. In einem Luxusappartment in der Londoner Innenstadt mussten die Damen ihre Ausweise hinterlegen, weil die Couchbesitzer Angst um ihre kostspielige Einrichtung hatten.

Gastgeber-Communities wie Hospitalityclub, Bewelcome oder Couchsurfing verzeichnen beständig ansteigende Teilnehmerzahlen. Der älteste Dienst Hospitality aus dem Jahr 2000 kommt auf etwa 400 000 Nutzer. Couchsurfing ist derzeit der beliebteste Anbieter und hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 900 000 Mitglieder. Jede Woche kommen bis zu 8000 Neuanmeldungen dazu. Der Weg zur Übernachtung erfordert zunächst eine Registrierung auf der entsprechenden Seite. Dort kann man in einer Art Steckbrief ein paar Daten zur eigenen Person eingeben. Hier wird das Alter, das Geschlecht, die Ausbildung und etwas über die eigene Herkunft mitgeteilt. Man sollte sich mit ein paar Worten selbst beschreiben und die eigenen Interessen vorstellen. Ein paar Worte zur Lage der Wohnung, der Verkehrsanbindung und der Umgebung helfen ebenfalls bei der Auswahl. Die meisten Mitglieder veröffentlichen ein paar Fotos auf dem Portal. So gibt es viele Informationen und man kann sich jemanden aussuchen, der gut zu einem passt. In der Regel gibt es auch ein Bild der Couch, so dass die Surfer eine Vorstellung von ihrem Schlafplatz haben.

Die meisten Übernachtungen werden in Deutschland in Berlin und in Hamburg angeboten. In der Hauptstadt gibt es 6600 Schlafplätze und an der Alster immerhin noch 2400. In Nordrhein Westfalen liegen Köln und Bochum mit jeweils 301 freien Schlafplätzen bei den Angeboten ganz vorne. In Gelsenkirchen gibt es 61 Plätze und in Korschenbroich finden sich noch sieben Couchsurfer. Für viele Nutzer der Portale geht es nicht nur um eine Schlafstelle für ein paar Nächte. Sie sehen in dieser Form der weltweiten Mobilität eine andere Lebensart. Ein Vorteil dieser Art zu Reisen ist auf jeden Fall, dass man sofort Anschluss bekommt. „Es ist komplett etwas anderes, denn es ist kein Urlaub sondern eher eine besondere Einstellung“, sagt Ania aus Essen, die gerade an ihrer Doktorarbeit in Biologie arbeitet. „Man taucht in den Alltag der Menschen ein und ich fand es besonders toll auf den kanarischen Inseln. Wir sind mit dem Gastgeber an den Strand gegangen und haben seine Freunde kennengelernt“. Die 28jährige war bisher in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Polen und in Spanien als Couchsurfer unterwegs. Die meisten Teilnehmer sind nicht älter als 35 Jahre. Es gibt aber auch die Möglichkeit sich mit Kindern und Familie auf die Reise zu begeben. Der Betreiber des Portals gibt hierfür ausführliche Tipps und Empfehlungen.

Ob privat oder geschäftlich, immer mehr Menschen pflegen ihre Kontakte mit Hilfe von Internetplattformen, in denen sie Persönlichkeitsprofile anlegen. Diese Social-Networking-Plattformen verlangen von ihren Nutzern bei der Registrierung viele private Daten, bieten aber nur wenige Möglichkeiten, diese persönlichen Informationen vor ungewollten Zugriffen zu schützen. Die Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt raten beim Anlegen von Profilen an den Schutz der eigenen Daten zu denken. „Die Plattform Couchsurfing bietet immerhin die Möglichkeit ihren Namen und die Adresse zu verstecken. Wenn Sie sich erstmal um Sympathien im Netz bemühen, dann brauchen sie diese Daten erstmal nicht“, erklärt der Wissenschaftler Andreas Poller. „Die Nutzer können diese Angaben deaktivieren und haben die Privatsphäre schon gut geschützt“. In der Regel schreiben die meisten Mitglieder ihren Gastgebern immerhin Kommentare ins Profil. So haben sie im Prinzip die Möglichkeit, andere zu warnen, aber meistens wird hier nur ausgiebig gelobt. Vor etwa einem Jahr machte ein krimineller Couchsurfer die Runde, der bei seinen Gastgebern regelmäßig Wertsachen entwendete. Nach einiger Zeit ging ein Sicherheitshinweis mit einem Bild an die Nutzer des Portals und beendete die diebische Karriere.

Die Reisenden sollten ihre Gastgeber ein bis vier Wochen vor ihrer Ankunft kontaktieren. Die Gemeinschaft fungiert als Kontrolle und wenn sich wirklich mal Gäste danebenbenehmen, dann spricht es sich schnell herum. Wer mal abspült und den Kühlschrank fühlt, der hat gute Chancen auch in Zukunft eine passende Couch in der ganzen Welt zu finden.

Portale für Couchsurfer
www.couchsurfing.com
www.bewelcome.org
www.hospitalityclub.org
www.usservas.org
www.globalfreeloaders.com
www.yowtrip.com

Studie zu Sozialen Netzwerken und dem Schutz der Privatsphäre:
www.sit.fraunhofer.de