
Der Aufruf war noch gar nicht öffentlich, da hatte er schon breite Unterstützung gewonnen in der Stadt. Von A wie AWO bis Z wie Zeitmaul-Theater. Kultur und Kirchen sind dabei, Ruhr-Uni und Vonovia, die Jüdische Gemeinde und der TV Wattenscheid 01: „Es hängt von uns selber ab, ob wir in einer demokratischen Gesellschaft leben wollen oder für immer in Angst“, sagt Iryna Pavlenko. Die ukrainische Ärztin ist vor zehn Jahren mit Liia, ihrer damals elfjährigen Tochter, aus Donezk nach Mariupol geflohen, dann weiter nach Saporoschje und vor zwei Jahren schließlich nach Bochum entkommen. Sie kennt beide Welten, die des Krieges, keine 2000 Kilometer entfernt, und das friedliche Leben in dieser Stadt: „Es ist ein- und dieselbe Welt“, sagt die 43-Jährige, „es spielt sich gleichzeitig ab.“ Und dann dieser Satz: „Es ist ein Krieg auch gegen Bochum.“








