5

Chemnitzer FC: Auf dem stramm rechten Weg ins Abseits

Das Stadion in Chemnitz. Quelle: Wikipedia, Foto: Lord van Tasm, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wenn ich DFB-Pokalspiele schaue und mein Lieblingsverein daran nicht direkt beteiligt ist, dann geht es mir im Regelfall wie wohl den allermeisten Fußballfans hierzulande: Ich halte zum sportlichen Underdog.

Beim Spiel des Hamburger SV beim finanziell angeschlagenen Chemnitzer FC am Sonntag, war das jedoch ausnahmsweise einmal nicht der Fall. In diesem Duell habe ich mich tatsächlich am Ende sehr darüber gefreut, dass der ligahöhere HSV am Ende nach Elfmeterschießen knapp die Oberhand behalten hat, mit viel Glück in die nächste Runde des Wettbewerbs einzog.

Grundsätzlich hätte ich es den Chemnitzer Kickern gegönnt, wenn sie die Überraschung geschafft hätten. Die sportliche Leistung, die diese auf dem Rasen ablieferten, hätte es sicherlich auch verdient gehabt. Das Verhalten der Fans des Drittligisten auf den Rängen ließ mich jedoch im konkreten Falle auf ein frühes Scheitern der Chemnitzer, und damit auf eine Verbannung von der großen Bühne des nationalen Fußballs hoffen.

Was war geschehen? Schon seit Monaten sorgen die Anhänger des Chemnitzer FC für Negativschlagzeilen. Immer wieder verursachen ‚Rechte Umtriebe‘ im Klub heftige Diskussionen. So auch einmal mehr in der vergangenen Woche.

Nachdem sich der ehemalige Mannschaftskapitän der Chemnitzer, Daniel Frahn, nach Vereinsangaben wiederholt in der Nähe von offenkundig Rechtsextremen hatte blicken lassen, trennte sich der Klub am vergangenen Montag von ihm. Doch statt den Verantwortlichen dieser beachtenswerten Entscheidung dafür entschlossen den Rücken zu stärken, demonstrierten große Teile des Anhangs am Sonntag ihre Solidarität mit dem Gefeuerten.

Schon Minuten vor dem Anpfiff des Pokalspiels gegen den HSV dominierte die Nummer elf die Fankurve im Stadion. Anhänger der Chemnitzer Kicker hielten Trikots und etliche weiße Zettel mit schwarzem Aufdruck der Rückennummer in die Luft. Auch im Rest des Stadions war die ’11‘ des ehemaligen Kapitäns Daniel Frahn etliche Male deutlich sichtbar zu erkennen.

Hier solidarisierte sich also eine Fankurve ganz offen mit einem Fußballer, der erst eine Woche zuvor seine Nähe zu Anhängern ganz offen demonstriert hatte, die dem rechtsextremen Lager zugeordnet werden, als er mit diesen gemeinsam in der Öffentlichkeit zu sehen war, was den Verein zur sofortigen Trennung von ihm veranlasste.

Als die Stadionsprecherin am Sonntagabend vor dem HSV-Spiel wie gewohnt die Chemnitzer Aufstellung verlas, da schallte es diesmal seitens der Fankurve bei allen Namen lautstark „Frahn Fußballgott“ durch das Stadion, was die Entscheidung des Vereins sich von Frahn nach dessen Fehlverhalten zu trennen, öffentlich geradezu der Lächerlichkeit preisgab.

Dies miterleben zu müssen machte es bei einem solchen Pokalspiel vielen neutralen Fußballfans natürlich von Anfang an nahezu unmöglich sich mit dem Underdog auch nur ansatzweise zu identifizieren.

Das bei diesem Spiel auf den Tribünen Erlebte zeigt viel mehr, dass diese Probleme mit Rechten auf den Rängen, wie sie zuletzt ja auch schon in Cottbus zu beobachten waren, nicht länger zu unterschätzen sind.

Diese Fankurven drohen dem Einfluss der Vereinsvertreter, die immer wieder und gerne betonen sich gegen Extremismus und für Vielfalt und Weltoffenheit zu engagieren, komplett zu entgleiten, wenn sie das in Anbetracht solcher Erlebnisse nicht sogar schon längst sind.

Höchste Zeit also, dass die Verantwortlichen dies erkennen, sie begreifen in welcher großen Bredouille sie sich inzwischen befinden. Der Chemnitzer FC befindet sich nicht nur sportlich im DFB-Pokal, sondern auch wirtschaftlich und vor allem gesellschaftspolitisch auf dem Weg ins Aus!

RuhrBarone-Logo

5 Kommentare zu “Chemnitzer FC: Auf dem stramm rechten Weg ins Abseits

  • #1
    Paul Möllers

    Nun ja, sind es nun erwiesenermaßen Rechtsextreme oder nicht? "Hier solidarisierte sich also eine Fankurve ganz offen mit einem Fußballer, der erst eine Woche zuvor seine Nähe zu vermeintlich rechtsextremen Anhängern ganz offen demonstriert hatte", heißt es im Artikel, "vermeintlich". (Für die, die nicht anders können: Nein, hiermit solidarisiere ich mich NICHT mit Rechtsextremen! Ich frage nur nach!)

  • #2
    Gerd

    "der erst eine Woche zuvor seine Nähe zu vermeintlich rechtsextremen Anhängern ganz offen demonstriert hatte,…"

    ver·meint·lich
    /vermeíntlich/
    Adjektiv

    (irrtümlich, fälschlich) vermutet, angenommen; scheinbar
    "der vermeintliche Gangster entpuppte sich als harmloser Tourist"

    Gemeint war wohl vermutlich, was es aber auch nicht besser macht. Schuldig bei Verdacht.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @1 & 2: Nein, ‚vermeintlich‘ im Sinne von: vermutlich · als wahrscheinlich gelten(d) · angenommen werden (es) · … anscheinend · aussehen nach · hindeuten (auf) · .. angeblich · behauptet · den man … nennt · …

    Habe es aber, um weitere Missverständnisse zu vermeiden, gerade entsprechend geändert. Danke für den Hinweis!

  • #4
    Klaus

    Zwei Dinge, die selten sind: Ich gönne dem hsv einen Sieg und ich stimme einem Artikel von Robin Patzwaldt uneingeschränkt zu. Beides ist hier der Fall.
    Der Chemnitzer FC und Energie Cottbus sind leider zwei hoffnungslose Fälle. Ich kann ehrlich gesagt auch nicht verstehen, wie man für diese Vereine noch arbeiten kann ,wenn man Woche für Woche spielt um von Nazis bejubelt zu werden. Auch wenn es mir für die Minderheit von antifaschistischen Fans in deren Reihen leid tun würde, wäre es schön, wenn beide Vereine in der Bedeutungslosigkeit verschwänden.
    Übrigens darf man sich erstens gerne dran erinnern, dass das keine überraschende oder neue Entwicklung ist und zweitens, dass es hier nicht um ein paar Hooligans geht, die "ein bisschen rechts" sind: Bereits 2006 hat ein kompletter Chemnitzer Gästeblock bei St. Pauli rote Flaggen mit weißen Kreisen hochgehalten, die eindeutig uneindeutig "zensierte" Hakenkreuzflaggen waren.

  • #5
    thomas weigle

    Angesichts der zu erwartenden Jubelfeiern zu jener "friedlichen Revolution" sei daran erinnert, dass schon die DDR ein massives aber verleugnetes Problem mit Rechtsradikalen und deren schweren Straftaten bis hin zu Tötungsdelikten hatte. Auch und gerade im Fußball-Fanbereich!!
    Noch eines ist nicht ganz unwichtig: es waren damals 1989 sehr viel weniger Menschen "friedlich-revolutionär" unterwegs als heute dort rechtsnazional wählen. Und vor der letzten DDR-Jubelfeier am 7.10.89 war es gar nur eine ganz kleine, v.a. verschwindende Minderheit.
    Schon bei der letzten Volkskammerwahl im März 90 wurden diejenigen, die die "friedliche Revolution" in Gang gebracht hatten, abgestraft und fast zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Eher widerwillige Mitläufer wie Gauck und Stolpe wurden in der Folge dagegen große Nummern, von den Stasiagenten wie Böhme u.a. nicht zu reden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.