Corona-Krise: Eine Ausgangssperre dürfte vielerorts gar nicht durchzusetzen sein

Polizeikräfte vor Ort. Archiv-Foto: Peter Ansmann

Ein Blick auf das öffentliche Leben in der Region zeigt, dass sich leider immer noch überraschend viele Zeitgenossen nicht an die Empfehlungen halten, sich, wenn immer es ihnen möglich ist, doch bitteschön nicht in die Öffentlichkeit zu begeben und schon gar nicht in Gruppen irgendwelche völlig unnötigen gemeinsamen Freizeit-Aktivitäten mehr zu unternehmen.

Selbst in der Ruhrgebiets-Provinz sieht man leider noch immer regelmäßig (überwiegend sehr junge) Leute, die schlicht nicht zu begreifen scheinen, wie ernst die Lage in diesem Lande aktuell ist.

Es scheint daher nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis tatsächlich eine deutschlandweite Ausgangssperre angeordnet wird. Doch ob die nun wirklich viel verändern würde, daran kann man durchaus zweifeln.

Wer nicht in den diversen Großstädten des Landes lebt, der wird in den vergangenen Jahren ohnehin längst festgestellt haben, dass viele Ordnungskräfte kontinuierlich abgezogen wurden. Die Auswirkungen dessen waren schnell zu bemerken.

Teilweise waren sie vergleichsweise banal: So gab es Parkknöllchen gab vielerorts fast nur während der regulären Arbeitszeiten des Rathauses, was die Leute die sich natürlich herumsprechenden Schwächen im System nach und nach gezielt ausnutzten ließ.

Doch es gab auch grundlegendere Auswirkungen: Das persönliche Sicherheitsgefühl ging in vielen Städten des Landes zuletzt ganz allgemein deutlich zurück, auch wenn die offiziellen Statistiken das Gegenteil nahelegten, rückläufige Kriminalstatistiken auswiesen. Zumindest in vielen Bereichen. Trotzdem starteten Bürger in den vergangenen Monaten und Jahren zum Beispiel landesweit Petitionen, die sich u.a. gegen eine weitere Reduzierung der Dienstzeiten auf einzelnen Polizeistationen richteten.

So lief das auch in meinem Wohnort. Der Erfolg dieser Bemühungen blieb bisher aus. Nachts ist die Polizeiwache in der Stadt schon seit Jahren schlicht nicht besetzt. Einsatzkräfte müssten im Bedarfsfall im Regelfall erst aus den Nachbarstädten herbeieilen, was viele Bürger ärgert und verunsichert.

In der hiesigen Innenstadt sind Polizeikräfte ohnehin schon länger ein äußerst seltener Gast. Ich habe, ganz ehrlich gesagt, schon seit Monaten keine Polizisten im Dienst mehr gesehen, obwohl ich fast jeden Tag in der hiesigen Innenstadt zu Gast war.

Das bringt einen als interessierten Beobachter rasch zu der Frage: Wer soll hier denn bitteschön flächendeckend eine verhängte Ausgangssperre im Ernstfall durchsetzen? Die ohnehin schon chronisch überlasteten Ordnungsämter? Die aus der Fläche stark zurückgezogenen Polizeikräfte? Oder gar die Bundeswehr?

Egal wie man die dazugehörigen Gedanken auch dreht und wendet, an einen Erfolg dieser Maßnahmen scheint bei realistischer Betrachtung nicht wirklich zu denken zu sein. Die Ausgangssperre wird in großen Teilen des Landes wohl nur ein theoretisches Drohgebildete bleiben müssen.

Eine Umsetzung mag in den großen Städten des Ruhrgebiets, wie Dortmund, Bochum oder Essen, im Innenstadtbereich noch einigermaßen gelingen. Aber spätestens in Kleinstädten oder den Vororten kommt diese Theorie rasch an ihre Grenzen!

Es bleibt vermutlich auch in den kommenden Tagen und Wochen vielerorts nur der dringende Appell an die Vernunft der Leute ihr egoistisches und leichtsinniges Verhalten endlich konsequent zu verändern.

Allein, mir fehlt der Glaube daran, dass das wirklich bei allen ankommen wird….

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3 Kommentare

  1. #1 | Iiro Utzred sagt am 20. März 2020 um 12:48 Uhr

    Solange es jedem erlaubt ist rauszugehen, geht nun mal fast jeder raus. Sie können ja auch nicht erkennen, ob es sich um einen notwendigen Ausflug handelt oder um einen Einkauf etc. Solche Interpretationen ala Frank Baranowski sind nun einmal hypermoralisch und dumm, Irgendwelches Apellieren an eine überhaupt in anderen Zeiten nicht entwickelte Moral der Bürger ist doch einfach nur peinlich.
    Eine Ausgangssperre schafft rechtliche Klarheit und Gleichheit. Es wird irgendwie wohl davon ausgegangen, dass jeder Bürger ein umfassendes Wissen um Virologie, Epidimiolgie und Verbreitungstheorien besitzt. Das kann man noch nicht einmal von jedem Akademiker verlangen.

  2. #2 | Peter sagt am 20. März 2020 um 14:49 Uhr

    Hallo Robin,
    ich arbeite in der von dir beschriebenen Innenstadt in der Fußgängerzone und kann dir versichern, dass die Ordnungsbehörden rigoros agiert haben. Im besonderen als es manchen Händlern noch nicht klar war, dass die Geschäfte zu schließen haben. Das Ordnungsamt patroulliert mehrmal am Tag.
    Es hat sich seit Dienstag viel getan, aktuell (Freitag 14:30) ist der Marktplatz fast leer.
    Die Polizei fährt regelmäßig, auch schon vor Covid-19 nach Anbruch der Dunkelheit durch die Fußgängerzone, so dass ich mich sicher fühle. Was fehlt ist der bürgernahe Polizist, der gefühlt bis zum letzten Jahr jeden Tag mit seinem Fahrrad beim Schuhgeschäft stand.
    Viele Grüße
    Peter

  3. #3 | Iiro Utzred sagt am 20. März 2020 um 20:39 Uhr

    Nehme meinen Kommentar zu Frank Baranowski zurück. Er ist immerhin einer der wenigen, die heute eine eindeutige Regelung getroffen hat.

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