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Das Glück des Günter Grass

Günter Grass Foto: Florian K Lizenz: GNU

Günter Grass hat in einem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Gedicht Israel beschuldigt, den Weltfrieden zu gefährden. Die Atombombenpläne des Iran scheinen ihn nicht weiter zu stören. 

Solidarität, Treue und Rassenbewusstsein sind für Günter Grass als ehemaliges Mitglied der Waffen-SS die Basis seines Selbstverständnisses und nach dieser Logik ist es ganz klar, dass Grass keine Probleme mit den Atomwaffenplänen der Iraner hat. Das „Land der Arier“ kann auf die bedingungslose Solidarität des einstigen Fundsbergers hoffen. Die Juden, die sich nicht erneut abschlachten lassen wollen, natürlich nicht.  Das ein SS-Mann keine bewaffneten Juden mag, ist alles, nur keine Überraschung. Feind bleibt Feind.

Es gehört zu den großen Verdiensten Willy Brandts, Grass niemals in die Bundespolitik eingeführt zu haben. Grass durfte den Pausenclown der SPD geben – zu mehr reichte es aus guten Gründen nie. Grass soll daran bis heute leiden, Mitleid braucht deswegen niemand mit ihm zu haben.

In seinem Kommentar in der Welt zu Grass Gedicht schreibt Henryk M. Broder  „Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben.“ Das mag auf viele Deutsche zutreffen, auf Grass allerdings ganz sicher nicht. Denn ohne den Nationalsozialismus, ohne die zahllosen Morde an auch, aber nicht nur, jüdischen Intellektuellen, ohne die vielen Toten des zweiten Weltkriegs, stünden die Chancen gut, dass wir den Namen Grass nie gehört hätten, dass er nie mehr geworden wäre, als ein unbedeutender Grafiker und Gelegenheitsautor, der Nachts seine Wut und Enttäuschung im Suff gen Ostsee brüllt.

Denn der Nationalsozialismus mitsamt seinen Folgen, den Massen- und Völkermorden und dem Krieg, waren das große Glück im Leben von Günter Grass. Sie machten die Weg frei für den späteren Ruhm eines eher langweiligen und arg in sich selbst verliebten Schriftstellers. Die Besten seiner Generation starben in den Konzentrationslagern oder wurden ins Exil getrieben, wo viele zerbrachen. Die Nazizeit sorgte für eine intellektuelle und kulturelle Düsternis weit über ihr Ende hinaus. Und in dieser Düsternis konnte auch ein kleines Licht wie Grass hell scheinen.

Gunter Grass verdankt dem Nationalsozialismus alles – und er dankt es ihm bis heute. Der Wahlspruch der Waffen SS lautete „Meine Ehre heißt Treue“. Grass hat ihn nie vergessen.

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82 Kommentare zu “Das Glück des Günter Grass

  • #1
  • #2
  • #3
    Frank

    Boris Yellnikoff
    vor 3 Stunden in der Nähe von Berlin ·
    Gedicht für Günter
    (unterstufenlyrisch)

    Mit letzter Tinte ächzt der Alte
    in ungereimter Poesie:
    Dass die sich nicht mehr schlachten lassen,
    verzeihe ich den Juden nie.

    Der Jude will Atomraketen.
    Der Jude will des Weltenkrieg.
    Der Jude will uns alle meucheln.
    Am Ende droht des Juden Sieg!

    Da muss man doch was machen können,
    und wenn nicht wir, dann der Iran.
    Mahmud, mein alter Mullahkumpel!
    I shout it out loud: Yes, you kann!

    Der Günter fühlt sich ganz verwegen,
    der Greis ist wieder jung, vital.
    Die Lösung einst ging zwar daneben,
    versuchen wir es halt nochmal!

    So denkt’s im deutschen Dichterdenker.
    Er rülpst und rotzt es aufs Papier.
    Sein Wahn kennt keine Einsamkeit.
    In Deutschland gilt: vom ich zum Wir.

    Boris Yellnikoff
    (der für dieses Gedicht den Nobelpreis verlangt)

  • #4
    Frank

    „Der lyrische Erstschlag ist geführt – und das von deutschem Boden.“ sagt der
    http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,825669,00.html“

    Jetzt muss man eine Flut billiger GraSS-Imitate fürchten. Nun kommt zuerst
    die Titanic:

    „Und was aber auch noch gesagt werden muß
    Von – wiederum, allerherzlichst – Ihrem Günter Grass

    Warum schwieg ich überdies, schwieg all die Jahre
    Von dem anderen Land, das mein Land provozierte
    Anno Neunzehnneununddreißig, bis aufs Blut.
    Und dann aber als unschuldiges Opfer davonkam
    Während mein Land unter einer unbarmherzigen
    Siegerknute ächzte und bis heute auf den Knien rutscht?
    Warum untersagte ich mir immer wieder

    Jenen großen, mißverstandenen Mann zu ehren
    Ohne den wir immer nur in Bus und Bahn unterwegs wären
    Statt unsere Motorgefährte auch mal schön auszufahren mit
    Tempo Zweihundertvierzig und Wind in unserem Haar
    Beziehungsweise Schnurrbart.

    Das allgemeine Verschweigen dieser Tatbestände
    Empfinde ich als Lüge, gewiß irgendwie
    politisch korrekt, wie es heute so sein muß
    Will man nicht als Rechtsterrorist gebrandmarkt werden
    Aber trotzdem als hundsgemeine Lüge.
    Und so will ich von nun an stets und immerfort sagen

    Was gesagt werden muß, gerade von uns Deutschen
    Über den Schandvertrag von Versailles, über Olympia ’36
    Über Stalin, die Kriegsschuld, die angeblichen
    Sechs Millionen, mit denen „man“ seit Jahrzehnten
    Mitgefühl und vielviel Geld aus uns herauspreßt, ja saugt.

    Über all dies will ich nicht mehr schweigen
    Solange ich noch gehörig Tinte auf dem Füller hab
    Und das übrigens auch im übertragenen
    Sinne, meine hochverehrten Damen!

    http://www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4873&cHash=b696243846379915813a59c59e34127b“

  • #5
    Daniel S.

    Jetzt schlägt die Stunde der sonst zu kurz Gekommenen verkannten Poeten. Man wollte Schriftsteller werden und schreibt jetzt nur Online-Glossen. Aber zum Glück taumelt da ein alternder Nobelpreisträger, packt ein wenig zu viel Salz in die Suppe. Zack, kommen die Rezensenten und spucken öffentlichkeitswirksam die Suppe aus.
    Was für eine billige Polemik. Hetze trifft es als Begriff. Dass Grass den Nazis alles verdanken würde – was für eine absurde Verdrehung der Tatsachen. Grass‘ Texte wird überdauern, diese obenstehende Polemik sicherlich nicht.

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Daniel S.: Genau. Ich hab das nur geschrieben, um endlich meine mit 15 Jahren verfassten Liebesgedichte bei einem Verlag unterzubekommen und damit reich zu werden. Ich bin enttarnt!

  • #7
    Frank

    @ Daniel S.

    Antisemitismus fängt bei sechs Millionen toten Juden an. Alles drunter ist Israelkritik oder Friedenspolitik.

  • #8
    der, der auszog

    Über die Atomwaffenpläne des Irak läßt sich diskutieren, auch über eine eventuelle Gefährdung des Weltfriedens durch Israel und erst recht über das Gedicht von Grass. Aber muss das unbedingt auf unterstem Niveau passieren?

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Der der auszog: Ich hab das Gedicht in der Süddeutschen nicht geschrieben…

  • #10
    Walter Stach

    So macht sich ein vergessener Alter, von Altersweisheit unberührt, wichtig.
    „Unsinn, du siegst, und ich muß untergehen.
    Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens .(Talbot)
    -Schiller,Die Jungfrau von Orlenans III,6-.

  • #11
    Frank

    [In seinem Kommentar in der Welt zu Grass Gedicht schreibt Henryk M. Broder ”Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben.” Das mag auf viele Deutsche zutreffen, auf Grass allerdings ganz sicher nicht. Denn ohne den Nationalsozialismus, ohne die zahllosen Morde an auch, aber nicht nur, jüdischen Intellektuellen, ohne die vielen Toten des zweiten Weltkriegs, stünden die Chancen gut, dass wir den Namen Grass nie gehört hätten, dass er nie mehr geworden wäre, als ein unbedeutender Grafiker und Gelegenheitsautor, der Nachts seine Wut und Enttäuschung im Suff gen Ostsee brüllt.]

    ja das hätte er mal besser über Reich Raniki geschrieben..

  • #12
    Nansy

    Um den Einleitungssatz des Spiegelartikels einmal abzuwandeln: „Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik sind Zeitungen so klischeehaft gegen einen prominenten Intellektuellen zu Felde gezogen, wie bei Günter Grass.“

    Aber die „political correctness“ erfordert wohl das schnelle und erbarmungslose Niedermachen eines Schriftstellers, wenn es um Kritik an Israel geht. Diskussion? In diesem Fall keine Chance !

  • #13
    Kerstin

    Günter Grass ist ein umwerfender Schriftsteller, mit so viel ehrfürchtiger Erfahrung. Was soll das Gehetze der Zeitung?

  • #14
  • #15
    Red Eyes

    Manche werden im Alter weise.

    Davon ist leider bei Grass nichts zu spüren, eher im Gegenteil.

  • #16
    Radler

    Ich will jetzt nichts zu Grass schreiben, dazu fühle ich mich einfach nicht kompetent genug – aber: was mir mittlerweile *Angst* macht, sind die vielen Blogs, Artikel usw., die ich heute dazu gelesen habe, von Leuten, die offenbar Broder’s Meinung (et.al.) teilen.

    Gibt es überhaupt eine Chance, die Politik der aktuellen politischen Führung Israel’s zu kritisieren, ohne gleich in einen Topf mit Antisemiten geworfen zu werden?

    Leide verstehe ich die Landes-Sprache nicht, sonst würde ich mir gern Seiten von israelischen Oppositionellen mal anschauen.

    PS: Gleiches gilt aus meinem Selbstverständnis für Oppositionelle aus dem Iran.

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Radler: Wo ist das Problem mit der Kritik an Israel? Ich halte Aussenminister Liebermann für einen Spinner. Nennt mich jetzt jemand „Antisemit“? Sicher nicht. Das man Israel nicht kritisieren darf ist ein Mythos. Man kann seine Regierung so kritisieren wie die jedes anderes Landes. Allerdings sollte man Israel auch so kritisieren wie jedes andere Land.

  • #18
    Höddeldipöpp

    Günter Grass beklagt in dem Gedicht, dass Deutschland U-Boote, welche Atomwaffen abschießen können, an Israel liefert und dass die Israelis eine unkontrollierte Atommacht sind.

    Und er beklagt die Einseitigkeit der Kritik im nahen Osten. Dem einen Land verbietet man Atomwaffen, dem anderen erlaubt man sie stillschweigend und unterstützt sie sogar mit gelieferter Waffentechnik.

    Was anderes, geschweige denn Antisemitismus, kann man aus dem Gedicht nun wirklich nicht herauslesen.

    Wenn man mit etwas Sprachgefühl an den Text herangeht, erkennt man kein einziges Wort mit falschem Zungenschlag, sondern eine genau ausbalancierte Kritik an Israel und an der iranischen Regierung.

    Jetzt gibt’s natürlich jede Menge gespielte Empörung, heuchlerische Solidaritätsbekundungen an Israel von fast allen Politikern und konstruierte Kritik einer gewissen einschlägigen Presse an dem Grass’schen kleinen Gedicht.

    Gelungene Aktion insgesamt, würde ich sagen.

  • #19
    Nansy

    @Stefan Laurin: Dass man Israel nicht kritisieren darf ist ein Mythos? Das Problem ist, dass (wie im Fall Grass auch) Kritik, wie von den Vergangenheitsbewältigern immer gesagt wird, zwar erlaubt ist, aber genau diese Leuten darüber befinden, was erlaubte und was unerlaubte Kritik ist. Diese Art der Vorzensur mag bei der kriegsgeprägten Generation noch funktionieren, die Fragen der jungen Leute wird es auf Dauer nicht verhindern können. Vergangenheitsbewältigung ist eine gute Sache, abwürgen der Diskussion wird auf Dauer nicht gelingen. Vielleicht ist aus diesem Grund die Reaktion so heftig ausgefallen, man merkt dass die alten Rezepte nicht mehr so gut funktionieren?

  • #20
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Nansy: Die Reaktionen sind so heftig ausgefallen, weil Grass einen antisemitischen Text geschrieben hat, der zudem noch faktisch falsch ist:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,825780,00.html
    Und nun gibt es eine Debatte. Das wird Grass gefallen, denn er darf sich zugleich wichtig und verfolgt fühlen.

  • #21
    Arnold Voß

    @ Höddeldipöpp # 18

    Wenn Israel keine Atommacht wäre, dann würde es nicht mehr existieren. So einfach ist das in diesem Fall.

  • #22
    Arnold Voß

    @ Radler # 16

    Den Unterschied zwischen Oppositionellen im Iran und in Israel scheinen sie offensichtlich nicht zu kennen. Nur zu ihrer Erinnerung: In Israel sitzen sie im Parlament und im Iran im Gefängnis.

  • #23
    Arnold Voss

    @ Kerstin # 13

    Auch in Gedichtform bleibt Antisemitismus antisemitisch. Egal wie großartig oder schrecklich das Gedicht geschrieben ist.

  • #24
    Höddeldipöpp

    Ein Schirrmacher auf der Suche nach „Subtexten“. Und er kommt zu dem Schluss: Das Gedicht ist eine Dokument der Rache.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/eine-erlaeuterung-was-grass-uns-sagen-will-11708120.html

    Konfuser und wirrer geht’s wirklich nicht im Feuilleton. Wer Sub-Texte sucht, wird finden, was er unbedingt finden will.

    Und was den Spiegelartikel betrifft, das ist die übliche Methode Dinge zu widerlegen, die gar nicht behauptet wurden. Z.B. Argument 2:


    "Ein Erstschlag könnte "das iranische Volk auslöschen".

    Falsch. In Iran leben knapp 80 Millionen Menschen, keine Militärmacht der Welt kann dieses Volk auslöschen. Ohnehin würde ein Schlag gegen das iranische Regime und seine Nuklearanlagen nicht mit Atomwaffen, sondern mit bunkerbrechenden Bomben und Raketen geführt.
    ".....

    1. Teil: Auch die Hiroschima-Bombe hat nicht das japanische Volk ausgelöscht. Hier nimmt der Spiegel die Passage so wörtlich, wie es kein vernünftiger Leser tun würde.
    2. Teil: Das der Schlag nur mit Bunker-brechenden Waffen geführt wurde, ist eine unbewiesene Behauptung. Es ist doch bekannt, dass der Iran seine Anlagen so tief unter der Erde baut, dass auch Bunker-Waffen nichts nützen. Und was wird Israel dann wohl tun? Es wird nach einer verlustreichen konventionellen Phase vielleicht zur Strategie übergehen, die auch die Amerikaner im zweiten Weltkrieg gegenüber den Japanern gewählt haben. Ein Atomschlag auf eine Stadt. So undenkbar ist das nicht.

    Der Spiegel erzählt also wichtigtuerische Märchen. Der kann ja noch nicht mal plausibel argumentieren.

    @Arnold Voss

    "Wenn Israel keine Atommacht wäre, dann würde es nicht mehr existieren. So einfach ist das in diesem Fall."

    Das ist auch so ein Schlagwort, das man leicht widerlegen kann. Israel hat bisher noch jeden militärischen Konflikt konventionell gewonnen. Und es gab eine Menge davon. Eher hat die Schutzgarantie der Amerikaner bisher Schlimmeres verhindert.

    Das wäre auch eine Chance für den Frieden. Die Amerikaner sollten sich soweit zurückziehen, dass Israel mal ernsthafte Schwierigkeiten bekommt. Dann müsste es nämlich endlich mal Zugeständnisse machen, um sich mit seinen Nachbarn zu vertragen.

    Ach ja, diese Strategie funktioniert ja nicht. Israel hat dann immer noch die Option der Atombombe. Und die wird dann wohl nutzen.

  • #25
    Helmut Junge

    Es ist erschütternd, wenn ältere Menschen den Bezug zur Gegenwart verlieren und in die Gedankenwelt ihrer jungen Jahre zurückfallen.
    Manchmal denke ich, dass ich Glück hatte, in einer Zeit erwachsen geworden zu sein, die besser war als die Gegenwart.
    Aber die Erlebnisse der Jugendzeit prägen uns alle für das ganze restliche Leben.
    Bei Grass war es leider eine schlimme Zeit, und er selbst war mit 17 Jahren lt. Wikipedia, bereits freiwillig, in der Waffen-SS, und das hat ihn, als unreifen, jungen Menschen, bestimmt sehr geprägt.
    Da er diesen Teil seiner Vita bis vor Kurzem verschwiegen hatte, ist davon auszugehen, dass seine Ausseinandersetzung mit sich selber und seiner frühen Prägung unvollständig war.
    Davon gehe ich auch aus, obwohl er oft Anderen gegenüber, die als Nazianhänger entlarvt worden sind, sehr hart das Urteil vekündet hatte. Er war ja unbefleckt, und durfte Anderen die Leviten lesen.
    Dann kommt aber manchmal im Alter die Reue. Er hat sich dann, vor einigen Jahre, selbst entlarvt, ohne allerdings wirklich in sich gegangen zu sein.
    Dieser Prozeß, „die Schälung der Zwiebel“ dauert nach meiner heutigen Einschätzung an, und ich vermute, dass wir leider noch, solange er lebt, immer wieder, mehr und mehr, mit der Gedankenwelt aus seiner frühen Zeit, konfrontiert werden.

  • #26
    Marcus

    Ein Land, das wie der Iran von einer den Märtyrertod verherrlichenden schiitischen Geistlichkeit beherrscht ist und das Existenzrecht Israels in Frage stellt, darf nie die Fähigkeit erlangen, eine Atombombe herzustelllen. Das muss unter allen Umständen verhindert werden.

    Und da helfen auch nicht die Hinweise, dass Israel ja bereits schon Atomwaffen habe. Die Regierung Israels ist demokratisch legitimiert und daher verbietet sich der Vergleich mit der unkalulierbaren religiösen Führerungsclique im Iran.

    Wenn das Ziel mit Sanktionen und Diplomatie zu erreichen ist, umso besser.

    Mir ist die Haltung der iranischen Führung eh schleierhaft. Iran könnte zu dem wichtigsten und wohlhabensten Player der Region werden, wenn dessen Führung lediglich zwei Bedingungen erfüllte: Der nachweisbare Verzicht auf die Atombombe und die klare und glaubhafte Ansage, Israel nicht auslöschen zu wollen.

    Das wäre die Geschäftsgrundlage für die USA und die EU die Sanktionen vollständig gegen den Iran aufzuheben. Das Land würde aufgrund der geopolitischen Lage in kürzeste Zeit zum boomenden Transitland für die Rohstoffe Zentralasiens und aus dem Kaspischen Meer werden. Milliarden Investitionen in das Pipelinesystem und Infrastruktur flössen in das Land. Iran würde der wirtschaftliche und politische Hegemon in der Region. Dass die iranische Führung dies nicht erkennt, zeigt im Grunde von welcher Irrationalität diese beherrscht ist.

    Wenn also Sanktionen und Diplomatie nicht helfen, ist als ultima ratio ein präventiver Lufschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen die einzige Lösung.

    Dabei hat Deutschland fest auch militärisch an der Seite Israels zu stehen. Daher ist die Lieferungen der U-Boote an Israel auch korrekt.

  • #27
    Puck

    Günter Grass meldet sich mal wieder zu Wort. Und wie immer geht er in die Vollen: Gefährdung des Weltfriedens, darunter macht ers nicht. Und wenn er schonmal dabei ist sich zu blamieren: Die Gefährdung geht nicht von Ahmandinedshad aus, sondern von Israel.
    Das ist Balsam auf die deutsche Seele.

    Tatsächlich habe ich nie verstanden, was so viele so besonders toll an Grass fanden. Es gibt eigentlich nur ein Buch von ihm, das ich wirklich gut finde: Das Treffen in Telgte.
    Weil da sein pseudo-schelmenromanhafter Ton nicht unangenehm auffällt.
    Literatisch ist letzteres bei den von Grass favorisierten Themen nur geschmacklos, in politischen Statements psychologisch äußerst fragwürdig.

    Die Kritik an der Tatsache, daß er sich als Jugendlicher freiwillig zur SS gemeldet hat, war seinerzeit ziemlich verhalten, offenbar hat niemand übel genommen, daß er sich als 17-jähriger dazu hat hinreißen lassen – trotzdem mußte GG natürlich damit protzen, daß man ihn und sein Werk „vernichten“ will, nur weil man gelegentlich zu Recht die Frage stellte, ob er das nicht etwas früher publik machen konnte, anstatt sich bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit als „moralische Instanz“ aus dem Fenster zu hängen.

    In dem „Gedicht“ spricht aber kein 17-jähriger.

    Da spricht ein Alter, der offenbar aus alter Gewohnheit Verständnis für einen üblen Despoten empfindet und obedrein den Überlebenden bzw. den Nachfahren der nicht Überlebenden der von ihm als 17-jährigem verehrten Ideologie mal ganz genau beibringen will, was Moral ist.

    Da spricht jemand, der offenbar die Weisheit des Alters mit dem Starrsinn der Greise verwechselt.

  • #28
    Puck

    @RAdler

    Sie müssen hier gar nicht Grass literarisches Werk beurteilen. Darum geht es nämlich gerade gar nicht.
    Obwohl ich den Verdacht habe, daß Grass hier gewissermaßen Brechts nicht sonderlich originelle „Fragen eines lesenden Arbeiters“ auf nicht sonderlich feinsinnige Art imitiert.
    Auch über den Titel könnte man einiges sagen. Tut mir leid, aber ich sehe da vor meinem geistigen Auge einen Stammtischgenossen, der die Faust auf den Tisch haut und mal sagen muß… (bitte die …. ausfüllen mit Lieblingsforderung: 80% Steuern für Millionäre, Kinderarbeit für die Sprößlinge von HartzIV-Empfängern, Todesstrafe für Kinderschänder).
    Aber lassen wir das, darum gings IHnen ja nicht.

    Es geht hier um Grass hirnrissigen Vorwurf, daß Israel den „Weltfrieden“ gefährdet – was immer das sein mag, ich habe gerade aktuell nicht auf dem Radar, wie viele Konflikte auf der Welt gerade so toben. Aber da Grass ja immer das Absolute und Größte im Blick hat, meint er womöglich nicht den gefährdeten Weltfrieden (den brüchigen!) sondern den 3. Weltkrieg!
    Das wär ja mal ne Nummer, wenn diesmal die Juden den 3. Weltkrieg… da muß man ja glatt fragen, ob die nicht doch den 1. und 2. irgendwie so hintenrum doch womöglich… was man aber als Deutscher nicht so sagen darf???

    Werfen Sie doch einfach mal einen Blick in eine beliebige seriöse Zeitung, Online-Portal, TV-Nachrichten, da findet jeden Tag Kritik an israelischer Politik statt, ohne jeglichen Vorwurf von Antisemitismus.

    Was Henryk M. Broder betrifft: Sie müssen den nicht mögen. Sie müssen sich sein Bild nicht auf den Kaminsims stellen, sie müssen noch nicht einmal seine Kommentare lesen.
    Was Sie sich aber unbedingt verkneifen sollten ist die Unterstellung, die Meinung in Deutschland würde von Broder bestimmt, manipuliert, diktiert und was sonst noch – und daß einem das Angst machen müsste.
    Broder ist meistens wütend, eitel und polemisch.
    Aber meistens hat er im Kern recht.
    Oder anders gesagt: Wenn die Wut berechtigt ist, ist Polemik schonmal angebracht und Eitekeit eine läßliche Sünde.
    Kann es sein, daß Sie genau das so wuschig macht, daß Sie am liebsten Broder die vor geraumer Zeit zwangsweise eingestellte Reichsschrifttumskammer an den Hals wünschen?

  • #29
    gunter

    Schön, dass Günter Grass eine Steilvorlage für jede Art von Satire geliefert hat:
    Es wäre ja wirklich eine Ironie des Schicksals, wenn es den “Juden” (Israelis) gelänge, die ersten und letzten Arier dieser Welt (Iraner = “Arier”) mit Atombomben auszulöschen (oder umgekehrt: wenn die Iraner Hitler zu Ende führen würden).
    Mein Gott, in was für einer primitiven Welt überall (mit Begriffen wie “Juden”, “Deutschen”, “Arier”, “Iraner”, etc.) muss ich denn überhaupt leben?
    Schafft endlich alle Nationen und “Rassen” ab (sowie jegliches Denken, das mit Begriffen wie “Juden”, “Arier”, “Deutschen” etc. zu tun hat!).
    Aber leider schafft es keiner dieser “Neger” (von den “Juden” bis zu den “Iranern”), einen IQ von über 200 zu erreichen.
    Da waren die wirklichen “Buschneger” wirklich noch sehr viel intelligenter (denn die mussten ja auch noch im Dschungel überleben).

  • #30
    Helmut Junge

    Zwei mal nimmt Grass in seinem Gedicht Bezug zur Nazivergangenheit Deutschlands.
    Hier ein Beispiel:
    „Warum aber schwieg ich bislang?
    Weil ich meinte, meine Herkunft,
    die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, verbiete diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
    dem Land Israel, dem ich verbunden bin
    und bleiben will, zuzumuten. “

    Die meisten Kommentatoren übersetzen das so, dass „man das doch wohl noch wird sagen dürfen“. Dabei haben sie auch den Kern getroffen. Klarer Fall von antisemitischer Einstiegsargumentation. Ist längst bekannt.

    Mich stört aber zusätzlich daran, dass er, der doch aktiv als SS-Mann an diesem „nie zu tilgenden Makel“ mitgewirkt hat, so tut, als wäre er in diesem Teil der deutschen Geschichte nicht aktiv dabei gewesen, als wäre das alles vor seiner Zeit geschehen. Er erwähnt seine angebliche Herkunft, nicht aber sich selber.
    Jeder, der nach dem Krieg geboren wurde, kann so etwas schreiben, aber von jemanden, der mit an dieser Sache beteiligt war, würde ich doch erwarten, dass er da, an dieser Stelle, eine persönliche Betroffenheit zum Ausdruck bringt.
    Was er seine „Herkunft“ nennt, ist nicht seine Herkunft, sondern auch seine Hinterlassenschaft. Und zu dieser Hinterlassenschaft, die er als Kind, allerdings als freiwilliger SS-Mann verantwortet, hab ich bisher keinen Bezug bei ihm gefunden.
    Darin unterscheidet er sich aber negativ von etlichen Altersgenossen, die einen ähnlichen Werdegang hatten, und sich mit diesem Teil ihres Lebens nachdenklich beschäftigt haben, und das heute noch tun.

  • #31
    Arnold Voß

    @ Höddeldipöpp # 24

    Wer droht eigentlich seit der Gründung des Staates Israels im Nahen Osten mit Vernichtung? Israel seinen Nachbarn oder die Nachbarn Israel? Wer will da also nicht friedlich mit seinen Nachbarn leben, Höddeldipöpp?

    Und natürlich wehren sich die Israelis mit konventionellen Waffen, denn die Nachbarn wohnen, wie es bei Nachbarn so üblich ist, direkt nebenan. Der Einsatz von Atombomben bringt einen dann schnell selbst in Gefahr.

    Die Israelis werden auch keine Atombombe auf den Iran werfen, weil sie dann auf der Welt für immer jede Achtung verlieren würden. Der Iran wird umgekehrt unter seiner jetzigen Führung im Ernstfall solche Bedenken allerdings nicht hegen.

  • #32
    Novinky Schleich

    Kehr Jungs,

    man muss auch nicht immer gleich die schweren Geschütze auffahren,

    …auch wenn das Ziel Günther Grass heißt.

    Vielleicht können sich hier einige nochmal den Unterschied zwischen Diskussion und Diskurs klarmachen. Kommt schon, das haben die meisten doch in der Uni gelernt.

    Vielleicht könntest Du Stefan Laurin auch mal von dieser leidigen „GraSS-Sache“ runterkommen?

    Herrgott, was ist denn hier los?

  • #33
    Rolf Menrath

    Darüber ist Herr Grass sich selber nicht gewachsen

    Günter hat Meinung wie andere Fieber,
    mit letzter Feder spritzt er Tinte zum Poem.
    Es nagt in seinem Innersten, wie am Baume der Biber,
    die Wahrheit und die ist niemandem bequem.

    Oh Zion, hör auf Günter und höre auf zu existieren,
    weil er nur dann in Ruhe trauern will und kann.
    Ja, muss denn erst was schreckliches passieren?
    Seht, wie er leidet. Der arme Mann

    kennt sich mit Blut und Boden aus,
    er hat schon mal daran gerochen.
    Und frisch gestrichen strahlt das alte Lügenhaus
    und fruchtbar ist der Runzelsack, aus dem sie krochen,

    die ewigen Freunde. Wer solche hat,
    der jage sich gleich selbst ins Meer.
    Dann nimmt der Günter sich ein neues Blatt
    und schreibt darauf noch mehr und mehr und mehr…

  • #34
    Radler

    http://www.juedische-stimme.de/?p=687

    Sind das jetzt *jüdische Antisemiten* ? Klärt mich auf….

  • #35
    Thomas Wessel

    Hier ein präzises Beispiel dafür, wie es in Grass tickt. Laut Tagesspiegel hat er heute im Interview mit 3sat die „‚Gleichschaltung‘ der Meinungen“ bejammert:

    „Mit kritikloser Hinnahme hilft man Israel nicht. Das ist Nibelungentreue und wir wissen, wohin die führt.“

    Heißt de facto, die bundesdeutsche Öffentlichkeit laufe heute so hinter Israel her wie Grass hinter Hitler. Das ist der ganze Antisemitismus in 2 Sätzen.

  • #36
    Thomas Wessel

    @ Stefan Laurin | Zitat: „Die Nazizeit sorgte für eine intellektuelle und kulturelle Düsternis weit über ihr Ende hinaus. Und in dieser Düsternis konnte auch ein kleines Licht wie Grass hell scheinen.“

    Grass konnte auch das viel besser formulieren:

    „In jedem Zimmer, auch in der Küche, machte ich Licht. / Die Nachbarn sagten; Ein festliches Haus. / Ich aber war ganz alleine mit meiner Beleuchtung, / bis es nach durchgebrannten Sicherungen roch.“

    Das Gedicht heißt „Kurzschluss“ und ist 52 Jahre alt.

  • #37
    Radler

    ich hatte geschrieben: „von Leuten, die offenbar Broder’s Meinung (et.al.) teilen“

    und Puck #28 antwortet: Was Sie sich aber unbedingt verkneifen sollten ist die Unterstellung, die Meinung in Deutschland würde von Broder bestimmt, manipuliert, diktiert und was sonst noch – und daß einem das Angst machen müsste.“

    Genau diese Drohungen – basierend auf einfachen Verdrehungen – machen mir Angst…

  • #38
    Puck

    @Radler #34

    Was ist denn das für eine verquere Logik, die Sie da bemühen? Wenn ich einen Juden finde, der meine Meinung bestätigt, dann ist die richtig?

    Und wenns eine ominöse Publikation ist, die im Impressum noch nicht mal Namen der Verantwortlichen nennt? Hauptsache, die schreiben, was Ihnen gefällt?

    Im übrigen dachte ich, es wäre inzwischen klar, daß nicht jeder, der die Politik in Israel kritisiert, als antisemitisch abgestempelt wird. Das ist nichts als eine beliebte Imagination von interessierter Stelle: Von Leuten, die tatsächlich Israelkritik und Antisemitismus nicht auseinanderhalten können.

    Das ist Ihnen jetzt zu kompliziert?
    Gut. Dann erkläre ich Ihnen das mal an einem Beispiel:
    Berechtigte Kritik ist, wenn ich sage/schreibe, daß die Siedlungen im Westjordanland nicht hilfreich für den Friedensprozess sind, daß Atomwaffen für Israel nicht hilfreich sind (weil sie u. a. nicht angewendet werden können, ohne Israel selbst zu schaden und so nur Imageschaden produziert), oder daß die „Operateion Gegossenes Blei“ überzogen war.
    Das kann man so oder ähnlich in zahllosen Publikationen in D lesen.
    Antisemitismus ist, wenn jemand behauptet, Israel wäre gerade dabei, den 3. Weltkrieg zu entfesseln, der Iran hätte das gleiche Recht, Israel zu vernichten, weil Israel auch die Mullahs gerne weg hätte und obendrein kolportiert, daß dürfte er aber keinesfalls schreiben, weil ein Herr Broder zuviel Einfluß in der deutschen Medienlandschaft hat.

    Und ganz besonders infamer Antisemitismus ist einer, der sich als Philosemitismus tarnt und auch noch so tut, als wenns ihm nur um das Wohl Israels ginge:
    Die Enttäuschung darüber, daß „Israel so gar nix aus der Geschichte gelernt“ hätte. Und die ist dem „Gedicht“ von GG leider allzu deutlich anzumerken.
    Nur eins übersieht GG in seiner ganzen bräsigen Vermessenheit:
    Es sind nicht die Isrealis, die was aus der deutschen Geschichte zu lernen hätten.

  • #39
    Puck

    @Radler #37

    Das nennt man nicht „Verdrehen“, sondern „auf den Punkt bringen“.

    Aber daß Sie viel Angst haben, glaube ich Ihnen gerne.
    Ist ein gern ins Feld geführtes Argument von Leuten, die sich ihre Meinung nicht durch Details versauen lassen, aber gerne als Humanisten rüberkommen wollen.

  • #40
    Puck

    Habe heute ein Interview mit GG auf WDR2 gehört. Genau das, was ich erwartet hatte: Er kann gar nicht verstehen, daß jetzt so eine Diffamierungskampagne auf ihn niederprasselt, wie man IHM denn unterstellen könnte… rabarber-rabarber-rabarber… und daß er sich genau dadurch bestätigt fühlt.

    Klang wie Kardinal Meißner nach der alljährlichen Drei-Königs-Botschaft, in der er mal wieder Abtreibungen mit dem Holocaust verglichen hat oder das neue Kirchenfenster im Dom zu Kölle in aller Unschuld „entartet“ fand.

  • #41
  • #42
    Puck

    @Thomas Wessel #36

    ja, das hat GG tatsächlich sehr schön geschrieben. Er hatte praktisch immer den Finger am Lichtschalter – allerdings ist die Behauptung, das im eigenen Haus genau so gehalten zu haben ein wenig kokett, nach allem, was man inzwischen so weiß. Vor allem „beleuchtet“ es sehr schön, was an GGs Betrachtungsweise verkehrt ist:

    Wenn ich das recht in Erinnerung habe, hat GG immer gerne bei anderen das Licht angeknipst und mit dem Knipsfinger anschließend auf die Dreckecken gezeigt.

    Oder, um im Bild zu bleiben, wenn er tatsächlich mal im eigenen Haus das Licht angeknipst hat, konnte er nicht viel mehr als ein paar durchgeschmorte Sicherungen fest stellen – bis ihm nach 60 Jahren aufgefallen ist, daß da wohl von Anfang an ein Fehler in der Installation vorlag…

  • #43
    Arnold Voß

    @ Radler # 37

    Wenn sie Jemand auffordert sich etwas „zu verkneifen“ fühlen sie sich bedroht? Wann haben sie das letzte mal an einer kontroversen Diskussion teilgenommen, Radler?

  • #44
    Radler

    #39 Unterstellungen ohne Ende i.V. mit diffusen Aufforderungen, erinnert mich an KSK-Inquisition der 70er in maoistisch-stalinistischen K-Gruppen..

  • #45
    Puck

    Radler #41

    Ganz sachlich lasse ich jetzt mal andere sprechen:

    Schon Kurt Tucholski hat beklagt, daß es unter Juden tatsächlich Antisemiten gibt.

    Rhoda Rhoda ging einen Schritt weiter: Dös wird nix gscheites mit dem Antisemitismus, es sei denn ihr last dös die Juden selbst machen.

    Allerdings hat Rhoda Rhoda sich ziemlich geirrt, wenn ich das aus dem Geschichtsunterricht richtig in Erinnerung habe.

    Was zeigt uns das?
    Zweierlei!
    1. Es gibt womöglich antisemitische Juden.
    2. Es gibt Juden, die sich irren!

    Entgegen aller gängigen Vorurteile gibt es offenbar sogar Juden, die sind doof wie Brot.
    Allerdings trifft das wiederum so nicht auf Rhoda Rhoda zu.

    Ich weiß, das ist jetzt wahnsinnig kompliziert für jemanden, der eindeutige Antworten für den Gipfel der Wahrheit hält und Differenzierung für noch son Kram.

    Aber besser krieg ich es einfach nicht hin.

  • #46
    Arnold Voss

    @ Radler # 44

    Haben sie sich den Quatsch damals wirklich angetan? O.K. dann will ich Milde walten lassen. 😉

  • #47
    Radler

    #43 siehe #44 – wenn ich an einer Diskussion teilnehme, brauche ich mir nichts *zu verkneifen* – wenn mir dazu jemand *auffordert* – fühle ich mich bedroht – wo bin ich hier eigentlich ?

    PS: Es ging nicht um die *Bedrohung*, sondern um die Verdrehung dessen, was ich geschrieben habe…

  • #48
    Arnold Voß

    @ Radler #47

    Sorry Radler, haben sie das jetzt geschrieben oder nicht?

    „Genau diese Drohungen – basierend auf einfachen Verdrehungen – machen mir Angst…“

  • #49
    Anton Kowalski

    Leute, haltet den Bach flach. Mit der Antisemitismus-Keule kann man alles und jeden erschlagen.
    Hier zu Grass – weil er meines Erachtens gut ist – ein Kommentar aus dem ARD-Hauptsstadtstudio:
    http://www.tagesschau.de/kommentar/grass106.html

  • #50
    Radler

    #46 ja habe ich, war aber – damals – kein *Quatsch* – es war aber ’ne nachhaltige, politische Lebens-Erfahrung, deshalb sollten wir unsere Meinungsverschiedenheiten hier nicht so austragen, als wären wir in einem – wie man damals sagte – *antagonistischen* Konflikt, ich denke, wie wollen hier alle keinen Krieg im Nahen Osten, und deshalb sollten wir uns gegenseitig eher solidarisch unterstützen, und nicht gegenseitig diffamieren, und überlegen, wie wir einen Krieg verhindern können.. m.E. will Grass auch nix anderes, aber das ist nicht das Entscheidende.. es geht um den *Frieden*..

  • #51
    Puck

    @Radler #50

    Wenn Sie einen Krieg im Nahen Osten verhindern möchten, dann machen Sie sich am besten fix auf den Weg in den Iran und reden Ahmadinedschad die Idee aus, Israel zu vernichten. Falls Sie das irgendwie verpaßt haben: Genau DAS ist die Ursache des gegegenwärtigen Ärgers. Wenn Sie keinen Krieg im Nahen Osten möchten wäre nämlich die ERkenntnis ganz hilfreich, daß eine Atombombe in der Hand eines komplett Durchgedrehten das letzte ist, was die Welt braucht.

    Mein o. g. Vorschlag ist zugegebenermaßen ein wenig ehrgeizig. Aber wenn es schon nicht möglich ist, dem Irren in Teheran seine Vernichtungspläne auszureden wäre es angemessen, sich guter Ratschläge in Richtung Israel zu enthalten.
    Aber Enthaltung war halt noch nie die Sache von GG und seiner Freunde im Geiste.

    Wenn es Ihnen allerdings, wie Sie so vollmundig behaupten, um „den Frieden“ geht, sollten Sie Ihren starren Kaninchenblick vom NO-Konflikt abwenden und auf den Konflikt richten, der in der Tat das Potential hätte, in sowas wie einen Dritten Weltkrieg auszuarten:
    Haben Sie schonmal was von FRONTEX gehört? Das ist die europäische „Grenzschutzorganisation“ die vor einigen Jahren gegründet wurde, um die Grenzen Europas zu schützen – genau genommen um die Afrikaner abzuwehren, die es so leid sind, der Arsch der Welt zu sein, daß sie sich über das Mittelmeer nach Lampedusa oder über den Atlantik zu den Kanaren aufmachen, in Äppelkähnen, mit denen unsereins nicht über den Edersee schippern würde, was eine gewisse Entschlossenheit vermuten läßt.
    Zugegeben, das ist ein anderes Thema.
    Aber wenn GG – und Sie! – nur in die Tasten dreschen, wenn es um den „Weltfrieden“ geht, kann das nicht ganz unerwähnt bleiben.

  • #52
    Arnold Voß

    @ Anton Kowalski # 49

    Der Tagesschau-Kommentar ist nicht gut sondern dumm, Anton. Weder lässt der Iran, trotz enormen äußeren Drucks, bislang eine uneingechränkte und permanente Kontrolle seiner Atomanlagen zu, noch ist der Präsident dieses Landes ein Maulheld. Erinnern sie sich noch, wie brutal er die innere Opposition nach den letzten „Wahlen“ niedergeschlagen hat?

    Dieser Mann ist einer der gnadenlosesten Diktatoren den die Welt zur Zeit kennt und Grass und dieser Kommentator wollen uns glauben machen, dass dieser Mann und seine Führungsclique sich von außen kontrollieren ließen, wenn Israel das gleiche täte. Sorry, Anton, sie können das gerne als überzeugend annehmen. Ich tu es nicht.

    P.S. Wer den Zentralrat der Juden in Deutschland als Lobbyorganisation bezeichnet, weiß entweder nicht, was Lobbyisten machen, oder er macht das in diskreditierender Absicht.

  • #53
    Gulliver

    Zu Grass und all den Kohorten mittelmäßiger Nachkriegsschriftsteller, die ihre mittelmäßigen Nachkriegsschriftstellervisagen samt Pfeife schon in den 70er und 80ern regelmäßig mit bedeutungsschwangerem Dackelblick in die Kameras der schnarchlangweiligen Kulturmagazine des damals noch allein öffentlich-rechtlichen Fernsehens hielten, hat ein zu jener Zeit junger Autor, der sich auf dem Dichtervorlesewettbewerb in Klagenfurt dereinst beim Vorlesen die Stirn mit einer Rasierklinge aufschnitt, schon alles gesagt, was gesagt werden musste: Peinsackparade.

  • #54
    Manfred Michael Schwirske

    Zitat: Gunter Grass verdankt dem Nationalsozialismus alles – und er dankt es ihm bis heute.

    Stefan,
    Deine Meinung ist Deine Meinung. Zivilisierte Meinungsäußerung hat Grenzen. Deine Schlusssätze grenzen an Rufmord.

  • #55
    68er

    Es ist unredlich, Herrn Grass auf seine 67 Jahre zurückliegende Mitgliedschaft in der Waffen-SS zu reduzieren und unhaltbar, ihn als Antisemiten zu beschimpfen. Ihm sinngemäß zu unterstellen, er würde sich noch heute dem Wahlspruch der Waffen-SS verpflichtet fühlen, ist beleidigend und sollte von Herrn Laurin – mit einer Entschuldigung verbunden – umgehend zurück genommen werden.

    Was Herr Grass in seinem Gedicht gesagt hat, ist an einigen Stellen unangemessen überzogen, das Pathos, das den Text durchzieht, ist unangenehm, die Eitelkeit, die aus im spricht, ebenso. Wie Jakob Augstein in seinem Kommentar im Spiegel aber richtig anmerkt, ist es an der Zeit, dass über die atomare Bewaffnung Isreaels und die Überlegungen der israelischen Regierung, einen Präventivkrieg gegen den Iran zu führen, offen diskutiert wird. Die deutschen U-Boot-Lieferungen an Israel sind ein legitimer Anlass, die Diskussion über dieses Thema zu forcieren. Dass dies hier in Deutschland – anders als in Israel – nicht wirklich geschieht, dass vielmehr ein ungezügelter Zornessturm über Herrn Grass hereinbricht, macht mich nachdenklich.

    Ist es wirklich das Gedicht, was die Menschen so erzürnt. Muss Frau Klarsfeld das Gedicht wirklich mit eine Htilerrede aus dem Jahre 1939 vergleichen? Muss Herr Broder Herrn Grass wirklich als „Ewigen Antisemiten“ beschimpfen? Wiso muss sich Herr Joffe als Seelendoktor aufspielen und Herrn Grass Sätze wie den folgenden unterschieben:

    „Er saugt uns aus, der Jud. Trinkt unser Blut und setzt uns ins Unrecht, weil er Jud ist und wir die Schuld tragen. Wär’ er geblieben, wo er herkam, oder hätten wir ihn vergast, ich könnte heute besser schlafen. Das ist kein Witz. So denkt es in mir.“

    den dieser nicht gesagt hat, den Herr Joffe aber vielleicht gerne gehört hätte, damit er die Diskussion, die Grass anstoßen will, nicht führen muss?

    Wieso begibt sich Herr Laurin auf ein Niveau, das er angeblich bei Grass zu finden glaubt?

    Was spricht dagegen, dass Israel dem Atomwaffensperrvertrag beitritt?

  • #56
  • #57
    68er

    Ich habe mal aus Spass meinen Kommentar und den Text von Herrn Laurin auf der Seite „Ich schreibe wie…“ bei faz.net eingegeben.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/ich-schreibe-wie/stiltest-ich-schreibe-wie-11480570.html

    Der erschreckende Befund, sowohl Herr Laurin, als auch ich schreiben wie:

    GÜNTER GRASS

  • #58
    Arnold Voss

    @ Manfred Michael Schwirske # 54

    Manfred, Rufmord begeht Jemand, der anderen dauernd die Leviten ließt und selber Jahrzehnte verschweigt, dass er sich freiwillig zur Waffen SS gemeldet hat. Und zwar an sich selbst.

  • #59
    Arnold Voss

    @ 68er # 57

    Wieso erschreckend? Sie beide sind für mich ab jetzt nobelpreisverdächtig! 😉

  • #60
    Helmut Junge

    @68er,
    ich habe zwei verschiedene Texte von mir in diese Textanalyse eingegeben, und es kommen auch zwei verschiedene Stilähnlichkeiten heraus.
    Den einen Schriftsteller kenne ich recht gut, die andere Schriftstellerin (!) kenne ich gar nicht, werde gleich aber gucken, ob ich in der Stadtbücherei was von ihr finde. Neugierig macht der Test schon.
    Insofern vielen Dank für den Tipp.

  • #61
    Manfred Michael Schwirske

    Arnold,
    Rufselbstmord müsste das heißen. Das wäre ne andere Sache.
    Konkret: Stefan geht hier zu weit! Viel zu weit.

  • #62
    Dr. Tom

    Der Autor des Artikels hat zu 100 prozent recht.
    Grass ist eine niete, eine null. jeder 12jährige könnte schreiben wie er. er hatte glück dass die juden in deutschland verfolgt wurden sonst würde erheute am hungertuch nagen. auch wenn er nicht explizit gegen die juden schießt dürfte jedem klar sein was er wirklich meint. er ist ein alter deutscher und die sind nun mal judenhasser. es bringt nichts das zu leugnen. zudem verteidigt er ahmedinedschad und der ist der neue adolf hitler. will heißen Grass war ein nazi und ist es noch immer. sein sogenanntes gedicht ist eine frechheit. keinem menschen, am allerwenigsten einem deutschen, darf es gestattet sein eine regierung zu kritisieren, die ein volk vertritt, welches zu einem erheblichen teil aus menschen besteht deren vorfahren und familien den holocaust erleiden mussten.

  • #63
    Arnold Voss

    @ Manfred Michael Schwirske # 61

    Ja, Stefan ist sehr weit gegangen, keine Frage. Bis zum Anschlag sozusagen. Aber Rufmord? Ich würde eher von bewusster Provokation sprechen. Aber letztlich kann er das nur selbst beantworten, oder?

    Ansonsten glaube ich, dass es GG ziemlich am Arsch vorbei geht, was hier geschrieben und diskutiert wird.

  • #64
    Dr. Tom

    habe übrigens grade den aktuellen bild-artikel zum thema grass bei „ich schreibe wie..“ eingegeben und die antwort ist: TADAAAA!!! Günter Grass (!!)

  • #65
    Arnold Voss

    @ Dr. Tom # 62

    „keinem menschen, am allerwenigsten einem deutschen, darf es gestattet sein eine regierung zu kritisieren, die ein volk vertritt, welches zu einem erheblichen teil aus menschen besteht deren vorfahren und familien den holocaust erleiden mussten.“

    Doch, darf es. Denn jede Regierung auf dieser Welt darf von Jedem kritisiert werden. Das nennt man Demokratie Dr. Tom. Und die allermeisten, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind, waren genau dieser Überzeugung.

  • #66
    Dr. Tom

    @Arnold Voss #65

    aber Grass hat jahrzehtelang verschwiegen dass er bei der SS war und deshalb bin ich derselben meinung wie die meisten hier, nämlich dass ER NIEMANDEN zu kritisieren hat. und auch wenn das sogenannte gedicht für manche blindgänger als objektive kritik an einer potentiell gewaltbereiten regierung verstanden werden könnte wissen WIR es denk ich alle besser, nämlich dass aus Grass nichts als der pure judenhass spricht den er als deutscher der alten garde tief verinnerlicht hat. daran besteht nicht der geringste zweifel.

  • #67
    Helmut Junge

    @ Dr. Tom (64),
    ich habe den von Ihnen durchgeführten Test wiederholt, und den Text aus der „Bild“ noch einmal in die Analysemaschine eingegeben.
    Das Ergebnis war auch in diesem Fall, dass dieser Bildzeitungsartikel stilistisch dem Stil von Grass entspricht.
    Jetzt frage ich mich allerdings, was das im Umkehrschluß bedeuten kann, und
    ob die Schlußfolgerung aus diesem Test, wenn man sie ausspricht, nicht auch so etwas wie Rufmord wäre.

  • #68
    Dr. Tom

    @Helmut Junge #67

    keine ahnung worauf du hinauswillst. aber meine persönliche schlussfolgerung ist folgende: DIESER ruhrbarone-artikel hier ist angeblich im stile Grass geschrieben, ebenso wie besagter bild-artikel sowie Grass-artikel der sueddeutschen und der tagesschau (wie ich vorhin getestet habe). folglich scheint die breite deutsche berichterstattung ziemlich monoton den gleichen stil zu fahren, welchen man am ehesten mit dem des ehemaligen waffen-SSlers vergleichen kann.

  • #69
    Helmut Junge

    @Dr.Tom,
    der Umkehrschluß wäre, dass wenn Grass und die Bildzeitung den gleichen Stil haben, Grass dann eigentlich im Stil der Bildzeitung schreiben müßte.
    Das ist wie bei einer Gleichung. Beide Seiten sind gleich.
    Und das traue ich mich eben nicht zu sagen, weil das für einen Dichter gar nicht gut klingt. Das wäre bei so einem Kaliber wie Grass eben Rufmord.
    Viel schlimmer, als das was Laurin geschrieben hat.
    Jetzt hat sich aber Altmeister Reich-Ranicki zu Wort gemeldet und sein Urteil ist gewichtiger als meins. Der hat gesagt, dass das Gedicht (nicht der komplette Schreibstil) politisch und literarisch wertlos sei.
    Er empfindet das Gedicht als „ekelhaft“.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/er-stellt-die-welt-auf-den-kopf-marcel-reich-ranicki-attackiert-grass-11710675.html

  • #70
    Manfred Michael Schwirske

    Man kann in einer Streitfrage Argumente bemühen, was – wie gesagt – hier weniger geschieht.

    Man kann auch Autoritäten zitieren. Das ist eine ziemlich archaische Methode, die sich allerdings umso groeßerer Beliebtheit erfreut, als man selbst nicht diskutieren will und sich dem Blabla seines Zeitgeistes hingibt.

    Zur Sache: Grass ist nicht Antisemit, weil er mit 17 Jahren der Waffen SS angehörte. Und er ist es auch nicht, weil er die Meinung vertritt, dass Israels in Israel umstrittene Regierung eine allzu riskante, offensive, sich auf Atomwaffen stuetzende Strategie der Selbstverteidigung faehrt.

    Ich sag’s noch mal: Antisemitismus ist eine gefährliche politische Idee. Das inflationieren und Verwaschen des Begriffs durch hemmungsloses Schwatzen und tastengestuetztes Schwadronieren ist eine gefährliche intellektualistische Praxis. Weil sie blind fuer wichtige Differenzen macht.

  • #71
    Puck

    @68er #55

    GG wird nicht reduziert auf seine SS-Mitgliedschaft als 17-jähriger. Er wird gemessen daran, was er jetzt als starrsinniger Greis „mit letzter Tinte“ aber offenbar nicht mit letzter Weisheit zu Papier gebracht hat, und das ist über weite Strecken bestenfalls Unsinn, und stellenweise antisemitisch.

    Inwiefern die Diskussion über den möglichen Krieg mit Iran in Isreal dazu anregen soll, in Deutschland über dieses Theme ebenfalls zu diskutieren, geht mir nicht so ganz ein. Wenn ich das recht in Erinnerung habe, hat Amandinejad Israel mit Vernichtung gedroht, nicht Deutschland. Wenn Sich Deutsche da also irgenwie einmischen dann vielleicht in dem Sinne, daß die indifferente Haltung gegenüber Iran nicht in Ordnung ist – auch wenn mit denen noch so schöne Geschäfte gemacht werden (natürlich nur um den Dialog in Gang zu halten!).

    Übrigens gehörte Herr Broder seinerzeit nicht zu denen, die laut mit den Flügeln rauschten, als Grass nach 60 Jahren ganz treuherzig ausplauderte, daß er sich als 17-jähriger freiwillig zur SS gemeldet hatte. Das waren eher die Leute, denen plötzlich die „moralische Instanz“ abhanden gekommen war, die immer aufs schönste ihre eigenen Vorurteile bestätigt hat.

    Außerdem ist die Affaire ja inzwischen in paar Umdrehungen weiter. Grass hat inzwischen nicht nur von einer „Kampagne“ gegen ihn gefaselt, das tut er immer, wenn mehrere anderer Meinung sind als er, sondern auch von „gleichgeschalteter Meinung“. Da fragt man sich, was größer ist: Seine Larmoyanz oder seine Geschichtsvergessenheit.

  • #72
    Puck

    @Arnold Voss #65
    Natürlich darf jeder Mensch jeden Staat der Welt nach Herzenslust kritisieren. Es kommt halt auf die Form an, in der man das tut.

    Ich frage mich allerdings schon länger, warum ausgerechnet von Deutschland aus so verdammt häufig „Israel kritisiert“ werden muß – wärend die kritschen Stimmen zu Italien, Frankreich, England, Ungarn – oder dem Iran! – um nur einige zu nehhen, lange nicht die Lautstärke annehmen, obwohl es da ja auch so einiges zu kritisieren gäbe.
    Sie werden jetzt sagen, daß man halt Prioritäten setzen muß.
    Sicher, man kann sich nicht um alles kümmern.
    Aber warum so viele Leute in D offenbar die Empfindung haben, daß ein Tag, an dem sich nicht „Israel kritisiert“ haben, ein verlorener ist, erstaunt schon ein wenig.
    Oder eben nicht, je nachdem wie man das sieht.

    Reichlich daneben finde ich allerdings, die Toten des Holocaust als Zeugen für die eigene Meinung zu bringen.

    Die meisten Opfer des Holcaust wurden nicht Opfer, weil sie etwas getan oder nicht getan hatten, sondern weil sie aus ideologischen Gründen zu Nichtmenschen erklärt wurden, für die allgemein gültige Maßstäbe nicht mehr gelten und der Großteil der Deutschen das offenbar ganz in Ordnung fand, wenn man z. B. die Geschwindigkeit beachtet, mit der sich Behörden, Universitäten, Privatfirmen und Vereine stolz „judenfrei“ erklärten. Das Problem war genau betrachtet also womöglich nicht so sehr, daß es so wenig heldenhaften Widerstand, sondern daß so viel klammheimliches Einverständnis gab. Dieser Aspekt wurde m. E. bei der „Bewältigung der Vergangenheit“ zu wenig beachtet.
    Und ich frage mich nun, ob das auf irgendeine Art mit dem dringenden Bedürfnis zusammen hängt, bei auf jede mögliche und oftmals unmögliche Art „Israel zu kritisieren“.

  • #73
    Helmut Junge

    @Manfred Michael Schwirske,
    ich finde, dass es einige Kommentatoren in den Medien, auch bei den Ruhrbaronen, nicht an Argumenten haben fehlen lassen.
    Ich habe zu der begrenzten Problematik, die ich selber angeschnitten habe, immer einen logischen Strang gebildet. Allerdings war der Aspekt, Grass als Antisemiten darzustellen, bei mir kein Schwerpunkt. Ich habe mich damit beschäftigt, dass er erst nach 60 Jahren, nachdem er den Nobelpreis hatte, zugegeben hat, SS-Mann, wenn auch mit 17 Jahren gewesen zu sein, und das er sich mit dieser persönlichen Geschichte, wegen der Geheimhaltung vermutlich nie auseinandergestzt hat. Ich wußte aber, daß er andere Personen, wie Helmut Kohl, schwer attakiert hatte, weil die über einen Friedhof gegangen sind, auf denen SS-Mitglieder begraben waren. Grass hatte damals harte Worte dafür gefunden.
    Mich interessiert der menschliche Aspekt. Mich interessiert seine Moral.
    Ob er auch Antisemit ist, entscheidet sich für mich ausschließlich unter diesem Blickwinkel.
    Für Andere, für die aber diese Frage des Antisemitismus im Vordergrund steht,
    Dafür steht Stefan Laurin, muß ich nicht antworten. Ich habe aber geschrieben, dass eine gewisse Argumentation, nämlich der Satz, „dass es erlaubt sein muß, auch an Israel Kritik zu üben“, aus meiner Sicht jedenfalls, eine geläufige antisemitische Ausgangsargumentation darstellt.
    Ausgangargumentation, es ist eine Ausgangsargumentation für viele anerkannte Antisemiten, die voll zu ihrem Antisemitismus stehen.
    Den Satz muß ich deshalb auch nicht begründen, weil er nichts darüber aussagt, ob der Mann für mich in die antisemitische Hölle paßt, oder nicht. Ich lasse das offen, finde aber, das er damit schon zu 90%, aber noch nicht zu 100% verdächtig ist.
    Weiter habe ich mich über die literarische Qualität seines Gedichtes ausgelassen.
    Das habe ich in verschiedenen Diskussionsbeiträgen ziemlich deutlich gemacht, daß ich, Nadia Shehade hat es vor mir geschrieben, dieses Gedicht, für „grottenschlecht“ halte. Auch dazu habe ich bisher keine Begründung gegeben, weil ich mir das Recht herausnehme, in diesem Fall auf Sachargumentionen zu verzichten. Sorry, Herr Schwirske, ich ziehe mich da auf mein Empfinden zurück, könnte Ihnen sogar leidlich erklären, warum ich das Gedicht schlecht finde, sage aber, daß es da aus meiner Sicht „Autoritäten“ wie Sie das nennen,gibt, die das professionell besser verstehen, als ich.
    Und glücklicherweise gibt es die.
    Lieber Herr Schwirske, ich mag Ihre Kommentare sehr. Ich finde auch, dass Ihre Kommentare häufig zeigen, dass Sie sehr aufmerksam den Verlauf von Diskussionen verfolgen, aber hier liegen Sie meiner Meinung nach vollkommen falsch, weil Sie schreiben, daß es keine sachliche Auseinandersetzung mit den eigentlichen Aussagen von Grass in diesem Zusammenhang gibt.
    Wenn Sie wollen, werde ich Ihnen sogar Links zu einigen Sachauseinandersetzungen, zu diesem Zusammenhang schichen, die sehr gut sind.

  • #74
    Dr. Tom

    zitat Helmut Junge #69
    „der Umkehrschluß wäre, dass wenn Grass und die Bildzeitung den gleichen Stil haben, Grass dann eigentlich im Stil der Bildzeitung schreiben müßte.
    Das ist wie bei einer Gleichung. Beide Seiten sind gleich.“

    da ist dir leider ein denkfehler unterlaufen lieber helmut. vergleich: ein stegosaurus ist ein dinosaurier, aber ein dinosaurier ist nicht zwangsweise ein stegosaurus. will heißen: wenn du einen text von Grass bei „ich schreibe wie…“ eingibst kommt als antwort „G. Grass“ und nich „Bildzeitungsredakteur XY“. der grund dafür ist eine limitierte antwort-auswahl der analysemaschine „ich schreibe wie…“
    deiner meinung nach müsste der verfasser dieses ruhrbarone-artikels ja dann auch genau wie die bild schreiben.

  • #75
    Dr. Tom

    @helmut junge

    um es dir vielleicht noch ein wenig zu erleichtern meinen widerspruch zu begreifen habe ich gerade einen text von bravo-redakteur dr. sommer zu der frage „warum tun meine brüste weh?“ von besagter seite analysieren lassen und als antwort kam heraus: „franz kafka“. wenn du mir jetzt erzählen willst dass kafka genau wie dr. sommer schreibt, dann ist dir nicht mehr zu helfen.

  • #76
    Manfred Michael Schwirske

    @ Helmut Junge. Danke, dass Sie argumentiert haben. Mein kritischer Kommentar galt nicht Ihnen, sondern dem Gesamten. Das Interesse, Grass abzuwerten und zu stigmatisieren sehe ich dabei im Vordergrund. Das stört mich grundsätzlich, und zwar gewaltig.

    Ich möchte deshalb nochmals darauf herumreiten, dass Grass eben nicht als Antisemit einzuordnen ist. Die Leichtfertigkeit, mit der dies boese Etikett verklebt wird, kann einem schon den Schlaf rauben. Offenbar wird hier die gesamte Argumentationstradition der Aufklärung fallen gelassen, nachdem (verkürzt gesagt) Argumente gewichtig, nachvollziehbar und hinreichend zu sein haben.
    Das gilt in der Wissenschaft, vor Gericht und unter verständigen Menschen.
    Hier darf dagegen verstoßen werden? In dieser etwas heruntergekommenen Gesellschaft (den Beweis trete ich gern an) wundert mich nix mehr. Aber: ohne mich. Und – wenn’s hart kommt wie hier – gegen mich.

  • #77
    Puck

    @Manfred Michael Schwirske

    >ZitatZitat EndeZitatZitat Ende<

    Grass unterstellt Israel genau den Vernichtungswillen, der von Achmanidejad geäußert wurde (Wenn Sie die von mir angeführten Beispiele näher betrachten, werden sie verblüfft feststellen, daß eine solche Verdrehung der Tatsachen bisher die Ouvertüre für jeden Völkermord war, Achmadinejad dürfte über diese wortmächtige Unterstützung vor Freude auf dem Tisch tanzen!), er unterstellt Israel, den Weltfrieden zu gefährden (ein klassisches antisemitisches Stereotyp), er postuliert in schönster Stammtischmanier, daß "das mal gesagt werden muß".
    Welche "Differenzen" (ich nehme mal an Sie meinten "Differenzierungen") brauchen Sie da noch?
    Eine gefährliche "intellektualistische" Praxis scheint mir da eher zu sein, Antisemitismus durch tastengestütztes SChwadronieren und SChwazten zu verwässern, wenn er zwar inflationär, aber allgemeinen Konsens und gutem Geschmack folgend nicht mit erhobenem rechten Arm daher kommt.

  • #78
    Helmut Junge

    @Dr.Tom, (74, 75),

    Nein, Kafka schreibt schon lange nicht mehr. Darum kann er auch nicht wie Dr. Sommer schreiben.
    aber weil du so ein hartnäckiger Kommentator bist, muss ich mich ja wohl, auch wenn es Ostersonntag ist, zu einer Antwort auf deine spitzfindige Fragestellung durchquälen.
    Also, ich versuche es einmal.
    Manchmal ist eine Aussage nur nachvollziehbar, wenn der theoretische Hintergrund mit erläutert wird. Hier ist der theoretische Hintergrund die Frage, was diese Maschine an einem Text analysieren kann.
    Das kann die Zahl der benutzten Wörter in einem Text sein, das kann die Satzlänge sein, die Häufigkeit von Nebensätzen, ob die Konjunktivform benutzt wird oder nicht, usw.
    Dass Leute, die berufsmäßig Nachrichten vermitteln, sehr häufig kurze Sätze benutzen, damit ein möglichst breiter Leserkreis die Nachricht versteht, und diese Nachricht auch leicht zu lesen ist, versteht sich eigentlich von selbst, und ist auch typisch für Journalisten. Andere Journalisten, die beispielsweise das Feuilleton gestalten, arbeiten meist auch mit längeren Satzstrukturen, und benutzen auch Wörter, die seltener verwendet werden, solche, die in Kurznachrichten meist komplett fehlen. Wenn also ein Journalist eine Sprache benutzt, wie sie auch von anderen Journalisten benutzt wird, verwundert einen das doch nicht. Ich denke aber, dass die meisten Journalisten gelernt haben, eine Sprache zu benutzen, die der jeweiligen Zielgruppe ihrer Leserschaft angemessen ist. Das hängt natürlich von der Thematik ab.
    Wenn Laurin also eine Sprache verwendet, wie sie auch seine Kollegen von anderen Zeitungen benutzen kostet ihn das naturgemäß weniger Zeit, als wenn er jetzt einen Fachartikel schreiben müsste.
    Was für Journalisten gilt, und auch aus meiner Sicht akzeptabel ist, hat sich leider auch in anderen Kreisen der Gesellschaft durchgesetzt. Schüler werden schon darauf gedrillt, kürzere Sätze zu bilden. Eine ganze Reihe älterer Bücher wurden in letzter Zeit quasi neu übersetzt, wobei nach meinem Gefühl, die sprachliche Qualität in erheblicher Weise gelitten hat. Aber das ist Zeitgeist. Zeitgeist den ich nicht gut finden muss. Heutzutage verlangt ein großes Publikum Action, statt einer behutsamen sprachlichen Poesie. Anfangssätze wie, „es war einmal“, oder „es begab sich vor langer Zeit“ sind total out, dafür aber bekam Grass einen Preis für den Buchanfang „Ilsebill salzte nach“.
    Ein kurzer Satz, der vielen Leuten gefällt. Auch wenn der Text in einem ganzen Buch aus meist kurzen Sätzen besteht, gefällt das vielen Leuten. In unserer Gesellschaft, in der Flüchtigkeit zum allgemeinen Phänomen geworden ist, schreibt man so Bestseller. Allerdings gefällt das nicht allen. Ich wollte mit meinem Vergleich darauf hinweisen, dass es in der Literatur eine Tendenz zur journalistischen einfachen Sprache gibt, die mir persönlich nicht gefällt.

  • #79
    Arnold Voß

    @ Puck # 72

    „Reichlich daneben finde ich allerdings, die Toten des Holocaust als Zeugen für die eigene Meinung zu bringen.“

    Sie werden sicher schon gemerkt haben, dass ich grundsätzlich ihre Kritik an Grass und an der spezifisch deutschen Art der Israelkritik teile. Aber sie missverstehen mich, wenn ich die Toten des Holocaust als Zeugen meiner Meinung nehme. Es ging mir darum Dr. Tom klar zu machen, dass selbst die Opfer des Holocaust, der ja der Grund für seine Position ist, in der Mehrzahl seine Meinung zum totalen Kritikverbot nicht teilen würden. Dass also er selbst nicht den Holocaust, d.h. seine Opfer als Zeugen seiner Position nehmen kann.

  • #80
    Manfred Michael Schwirske

    @ Puck. Das ist intelligent gekontert, aber nicht an der Realität orientiert. Die angeführten Belege sind zu schwach. Das meine ich mit „intellektualistisch“. Eristik. Es gibt viele Varianten. Z.B. eine pschoanalytische:

    P. hat sich als latenter Antisemit entlarvt. Er verdrängt den obsessiven Antisemitismus, indem er diesen anderen unterschiebt. Seine Aeusserungen sind klare Belege dafür. Würde er sonst so hartnäckig insistieren? Ein Klinischer Fall projektiver Entlastung. P. benötigt dringend Therapie.

    Um es noch mal klarzustellen: natürlich ist meine „Psychoanalytik“ des Falles P. frei erfunden und nicht ansatzweise real.

  • #81
    Puck

    @Manfred MIchael Schwirske

    Der Mangel an Realität rührt vielleicht daher, daß meine letzte Antwort an Sie ziemlich verstümmelt wurde (von mir selbst? Katze übers Touch-Pad gelatscht, keine Ahnung…)

    Was in der veröffentlichten Antwort fehlte:

    Sie schreiben, daß Israel eine riskante nuklear gestützte Verteidigung fährt. Mag schon sein, das wäre aber nicht der Fall, wenn – wie von Ihnen und GG wohl übersehen – Iran nicht eine so riskante Angriffstrategie fahren würde und im Begriff ist, sich dafür Nuklearwaffen zu beschaffen. Und Nuklearwaffen in der Hand eines religiösen Fanatikers, das müßte eigentlich jedem Angst machen.
    Es gefällt mir nicht, das Israel Atomwaffen hat. Allerdings wurde Israel bisher von logisch denkenden Menschen regiert, von denen nicht zu erwarten ist, daß sie mit deren Einsatz die eigene Bevölkerung gefährden.
    Staaten wie Iran sind da bekanntermaßen nicht so von Skrupeln geplagt. ERinnert sei an die Kinder, die über die Minenfelder getrieben wurden (mit einem Plastikschlüssel um den Hals, mit dem sie die Paradiespforte aufschließen können…)
    Es wird gerne so getan, als wenn Amnidinedjad und seine Entourage in Teheran nur so ein SChwätzer und Großmäuler wären.
    Das hat man auch gesagt, als 1915 die Armenier zu Staatsfeinden der Türkei erklärt wurden, als Stalin die „Kulaken“ als Revolutionsfeinde entdeckte, Hitler die Juden erst entrechtete und dann deportierte, Pol Pot den neuen Menschen erfand und in Ruanda die Macheten veteilt wurden.
    Fällt Ihnen was auf?
    Man hat sich immer geirrt.
    Man muß also davon ausgehen, wenn jemand vom Typ Amandinedjad davon quatscht, Israel von der Landkarte zu tilgen, dann wird er genaus das tun, wenn man ihn läßtl
    Isreal hat also allen Grund, sich über VErteidigungstrategien GEdanken zu machen, auch über riskante, erstmal abwarten, ob sich ein Problem nicht von allein löst kann nämlich u. U. sehr viel riskanter sein.
    Und sich drauf verlassen, daß andere zur Hilfe kommen?
    Da kann ich nur sagen: s. o.

  • #82
    Stefan Wehmeier

    Über ein triviales „Gedicht“, das bestenfalls geeignet ist, von der eigentlichen Kriegsursache abzulenken, diskutiert die ganze Welt.

    Doch ein wissenschaftlich einwandfreier Artikel, der den Kern des Problems anspricht, wird von den Allermeisten gar nicht erst zur Kenntnis genommen:

    http://www.deweles.de/files/krieg.pdf

    Wer die tiefere Ursache – nicht nur – für dieses irrationale Verhalten verstehen will, muss tatsächlich bei Adam und Eva anfangen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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