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Datteln: Schlapper Protest gegen Kraftwerksneubau

Müder Protest gegen Kraftwerk Datteln. Foto: Robin Patzwaldt

400 Menschen protestierten am Samstag in Datteln gegen das Eon-Kraftwerk. Machtvoller Protest sieht anders aus.

Ob das Eon-Kraftwerk in Datteln, in dass das Unternehmen bereist über eine Milliarde Euro investiert hat, jemals Strom produzieren wird, ist immer noch offen. Am Ende, das ist allen Beteiligten klar, werden die Gerichte darüber entscheiden. Auch für den Fall dass die Landesregierung dem Zielabweichungsverfahrens des Regionalverbandes Ruhr zustimmen wird, der eine planungsrechtliche Genehmigung zum Ziel hat, hat den BUND mit Klage gedroht.

Was aber spätestens seit dem vergangenem Freitag klar ist: Die meisten Menschen in Datteln und Waltrop scheinen im Gegensatz zu den Grünen und dem BUND nicht das Gefühl zu haben, das dieses Kraftwerk ein Problem ist. Anders lässt es sich nicht erklären dass nur 400 Demonstranten am Wochenende gegen das Kraftwerk protestiert haben. In beiden Städten leben immerhin mehr als 60.000 Menschen. Die Aufregung ist also virtuell. Die Aktion „Heimleuchten“, so leid mir das persönlich für unseren Gastautoren Robin Patzwaldt tut, der ein engagierter Kraftwerksgegner ist, war eine Blamage für die Kraftwerksgegner.

Ich halte den schlappen Protest allerdings für ein gutes Zeichen: Im Ruhrgebiet scheinen industrielle Großprojekte noch immer akzeptiert zu sein. Den Menschen ist klar, dass Strom nicht aus der Steckdose kommt, sondern produziert werden muss. Auch in Kohlekraftwerken. Und auch in der Nähe zum eigenen Wohnort.  Für das Ruhrgebiet  als Investitionsstandort ist das eine gute Nachricht.

RuhrBarone-Logo

29 Kommentare zu “Datteln: Schlapper Protest gegen Kraftwerksneubau

  • #1
    Robin Patzwaldt

    Ich war über die Resonanz auch enttäuscht. Keine Frage! Allerdings sehe ich den Grund für die eher geringe Teilnahme an der Aktion nicht, wie Du Stefan, in einer Art heimlichen ‚Zustimmung‘ für das Kraftwerk, eher in einer großen Trägheit in der Gesellschaft (und auch etwas in der Terminwahl (Samstag Abend (Fußball, andere Termine))).
    Viele Leute mit denen ich in der Vergangenheit über Datteln 4 gesprochen habe, haben die gleichen Probleme damit wie ich. Allerdings habe ich davon nur sehr wenige auf dieser Demo gesehen am Samstag. Ich muss daher erkennen, dass die Gesellschaft leider recht träge ist und das es schwer ist die Massen ‚auf die Straße‘ zu bekommen.
    Wenn man z.B. überlegt das ja nicht nur die Grünen und der BUND hier in den beiden Städten ein Problem mit dem Bauprojekt in der jetztigen Form haben, sondern die Mehrheit des Waltroper Stadtrates, dann ist die Beiteiligung am Samstag, auch für mich, unter den Erwartungen gewesen.
    Aber natürlich hat niemand der Demo-Teilnehmer gedacht, dass der Strom hier schlicht aus der ‚Steckdose‘ kommt, so wie Du hier so süffisant schreibst. Es gibt ja nun gute Gründe sich über diesen Bau hier aufzuregen. Ich kann mich da nur wiederholen: Stefan, wenn Du in der Meistewrsiedlung in Datteln leben würdest, dann hättest du wohl auch mehr Verständnis für die Kritik. Aber das weisst du ja auch, du magst nur gerne provozieren. Ist mir schon klar… 😉

  • #2
    Düsseldorfer

    Schwacher Artikel.
    Wenn jetzt jede Demo danach bewertet wird, wieviele Leute nicht da waren, braucht man gar nicht mehr auf die Strasse gehen.
    Wir gehen also immer von 83 Mill. Menschen aus, und über 82 Mio sind nicht gekommen. Tolle Schreibe!

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Düsseldorfer: Wenn nur 400 Leute zu einer Demo kommen ist das ein Flop. Das hat nix mit der Schreibe zu tun sondern mit Mathematik. Wären die Leute gegen das Kraftwerk, wäre da mehr losgewesen.

  • #4
    Franz przechowski

    Die Welt besteht nicht nur aus grünen Blümchenwiesen und „Gut-Menschen“ zur Rettung des Universums. Willkommen in der Realität, liebe Demos. Es gibt auch Menschen, die den Neubau eines Energie effizienten Kohlekraftwerkes mit niedrigen Emissionen als Notwendigkeit akzeptieren. Ich zähle auch dazu und bin offensichtlich nicht allein, sonst wären mehr als 400 Demonstranten gekommen. Terminliche Gründe für den Demo-Flop anzuführen wie „Samstag Abend, Fußball…“ klingen eher nach Verlassungsängsten. Dem Berichterstatter dann den scharzen Peter zuzuschieben ist schlechter Stil der Enttäuschten.

  • #5
    Franziska Krasnici

    @ R. Patzwaldt: Selbst in der Meistersiedlung scheint es jedoch viele zu geben, die für den Neubau sind und nun eine eigene Plattform aufgebaut haben. Ein Bewohner hat kürzlich die Seite www.jazudatteln4.de veröffentlicht.

  • #6
    Düsseldorfer

    @ Stefan: Mathematik: über 70 % der Deutschen waren gegen Atomkraft. Ich habe aber keine Demo mit 57 Mio. Menschen in Deutschland gesehen, nur mal mit schlappen 250.000. Flop?

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Düsseldorfer: Nö, kein Flop. Aber 400 bei einer Demo vor der Haustür ist einfach nur peinlich. Das Thema scheint ausser ein paar Grünen und Profi-Ökos einfach niemanden zu interessieren. Die meisten Menschen scheinen die Vorstellung ein fertiges Kraftwerk abzureissen nun einmal für ziemlichen Unfug zu halten.

  • #8
    Düsseldorfer

    Hallo Stefan, dann hat E-on ja ganze Arbeit geleistet. Ich baue erstmal, evtl. rechtswidrig und wenn das Ding dann steht, sagen alle, jetzt muss es auch laufen. Sauber.

  • #9
    Ingrid

    Ob positive oder negative Berichtserstattung, es ist in der Presse erschienen und hat nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass hier ein Gerichtsurteil außer Kraft gesetzt werden soll. Es geht hierbei vor Allem darum, ob so ein Großkonzern wie E.ON sich über Recht und Gesetz hinwegsetzen darf in unserem Rechtsstaat.
    Und es geht um die Energiewende und wie ernsthaft diese angegangen wird. Großkraftwerke passen da nun mal nicht rein- sie verhindern nur den dezentralen Ausbau und behindern die regeneraativen Energien. 400 bis 500 Bürger haben protestiert und ob das eine Schlappe war ist unwichtig- wichtig allein war, dass überhaupt Leute dagegen protestierten und dies in einer Region, die immer noch von der Kohlelobby beherrscht wird. Und es sagt überhaupt nichts darüber aus, wieviele Leute in dieser Region dagegen sind, denn zu demonstrieren ist nicht jedermanns Sache.

  • #10
    Siby

    Ich kann da nur für mich sprechen. Ich bin für den Abriss des Kohlekraftwerks und wollte auch zum Heimleuchten kommen, habe es allerdings verdrängt bis vergessen. Der Grund, weswegen mich solch eine grundsätzlich als positiv und unterstützenswert empfundene Aktion dann doch nicht auf die Straße treibt, liegt darin, dass sich dieses Thema jetzt schon über JAAHRE hinwegzieht. Man hat nicht mehr das Gefühl, dass wir einfach JETZT auf die Strasse gehen und damit etwas verändern können.. man hat eher das Gefühl, dass man diese und noch einige Aktionen mitmachen muss, bis das Thema endlich ein Ende findet. Und wie oft haben wir Kraftwerksgegner schon gedacht, es wär jetzt alles in trockenen Tüchern, der Bau müsse endgültig gestoppt werden etc. Das ist zermürbend, und von daher denke ich auf keinen Fall, dass man anhand der Protestteilnehmer auf die Grundgesamtheit schließen kann..

  • #11
    Martin Budich

    @Stefan
    Wenn viele Menschen, wie z. B. im letzten Herbst in Langendreer zu einer Demo gegen Nazis kommen, kann man daraus schließen, dass das ein Thema ist, was viele Leute bewegt.
    Wenn bestimmte Leute die Demo zu einem schlechten Zeitpunkt unfähig organisiert hätten, wären ganz wenig Leute gekommen. Dies hätte ganz bestimmt nicht ausgesagt, dass das Thema nicht viele Leute bewegt.
    Wie schräg auch sonst die Argumentation ist, macht ein Rechenbeispiel deutlich: Bochum hat mehr als sechs Mal so viele EinwohnerInnen wie Waltrop und Datteln. Ich wüsste kein Bündnis von Organisationen in Bochum, dass sich zutrauen würde, für so ein Thema 2.500 Leute zu einer Demo zu mobilisieren.
    Fazit: 400 TeilnehmerInnen bei einer Demo in einer Kleinstadt sind ein Riesenerfolg. Es gibt kaum ein Beispiel, bei dem ein höherer Prozentsatz an EinwohnerInnen für eine lokale Geschichte auf die Straße gegangen ist.

  • #12
    Walter Stach

    Das Ja für Stuttgart 21 ist bekanntlich nicht zuletzt zustandegekommen aufgrund einer sehr kostspieligen, sehr gut organisierten Kampagne von Großunternehmen, regionaler Presse und CDU/SPD in Baden-W.

    Daß sich die Großunternehmen in NRW, vor allem die der Engergiewirtschaft, bei der Durchsetzung ihrer Interessen noch mehr als in Baden-W. stets nicht nur auf die Macht ihres Geldes, sondern -daraus folgernd?- auch auf die regionalen Medien und auf CDU/SPD/FDP verlassen konnten und weiterhin eben auch in Sachen E.on-Datteln IV -hier sogar unter Einbeziehung der Grünen in der Region/im Land- verlassen dürfen, ist leider so.

    ( Beispielsweise hat es v o r der Demo am Samstag in Datteln m.W. auch bei bei den Ruhrbaronen dazu keinen hinweisenden Beitrag gegeben . Warum nicht? Das hätte alledings vermutlich nicht, nicht nennenswert die Zahl der Demonstraten erhöht;daher unwichtig-.)

    Also, Stefan, warten wir ‚mal ab, was denn letztlich politisch und gerichtlich zu diesem unbestritten rechtswidrigen Kraftwerkstandort in Datteln gesagt und entschieden werden wird. Das jüngste OVG-Urteil gegen das neue TRIANEL-Kraftwerk in Lünen sollte alle Kohlekraftwerk-Befürworter im Raum Datteln-Waltrop-Lünen nachdenklich gestimmt haben.

    Stefan, es gibt für Dich als Kohle-Kraftwerks-Fan also -noch-nicht den geringsten Anlaß zur „Vorfreude“, auch nicht aufgrund der Demo am Samstag.

    Und gegen eine positive Entscheidung in einem Zielabweichungsverfahren zu Gunsten von E.on wird nicht nur, wie von Dir angemerkt, der BUND klagen, sondern, so der jetzige Stand, auch die Stadt Waltrop -aufgrund eines einstimmig gefaßten Ratsbeschlusses-. Ein Zielabweichungsverfahren, das im übrigen im konkreten Falle aus der Sicht der meisten Planungsrechtsexperten – u.a.Universitätprof. Dr.Martin Schulte, Dresden-rechtlich unzulässig erscheint.

    „Schadenfreude mag ja die schönste Freude sein“, nur ist sie auf Dauer nicht von Nutzen.

    Und über die Gründe für eine eben nicht in der Bürgerschaft des Ruhrgebietes verankerten Demonstrationskultur – z.B. vergleichend mit einer solchen in Stuttgart- könnte auch bei den Ruhrbaronen ‚mal nachgedacht werden. Mich hat jedenfalls die Telnehmerzahl von ca.400 am Samstag nicht verwundert.

    Öffentliches politisches Engagment ist hier im Ruhrgebiet, abgesehen von einigen linken und rechten Randgruppen, nicht „das Ding der Bürgerschaft“.

    Ich hoffe, daß durch die PIRATEN auch bei uns „Leben in die Bude“ kommt, sprich in ein engagierteres politisches Engagement der Bürgerschaft -auch in Sachen Protest gegen E.on -DattelnIV. Und das wird sich dann, hoffe ich,erfreulicherweise in erster Linie nicht mehr über die herkömmliche Organisation „klassischer Demostrationen“ und deren Kommentierung durch die herkömmlichen Medien, einschließlich der Ruhrbarone äußern.

    Ich denke, daß gegen den eingangs beschriebenen Filz von Großunternehmen, Medien, CDU/SPD/FDP hier im Ruhrgebiet -in Sachen E.on-Datteln IV muß ich wohl die GRÜNEN mit einbeziehen-, durch die Wählerschaft im Raum Waltrop-Datteln-Lünen mit einem Votum zu Gunsten der PIRATEN ein Zeichen gesetzt werden könnte.

  • #13
    KuKu

    @ Stefan Laurin: Ja, ich finde es auch schade, daß nur 400 Menschen zu dieser Aktion gekommen sind, aber … dafür gibt es Gründe.
    Die Presse in der Region, offenbar einschl. der Ruhrbarone wie man sieht, ist komplett für das Kraftwerk. Das ausgerechnet Sie Herr Laurin wieder mit dem allerdämlichsten Kommentar der Kraftwerksbefürworter hantieren „Strom kommt hier schlicht aus der Steckdose“, disqualifiziert diesen Artikel. Als ob die Kraftwerksgegner das nicht auch wüßten, aber wenn man seine Gegener doof schreiben will, ist jedes Mittel recht.
    In Datteln und Umgebung werden sehr viele Haushalte mit Fernwärme versorgt. Eon hat versucht, bei Fernwärmenutzern Angst zu erzeugen, indem in einer Postsendung ein Szenarion beschrieben wurde, ohne das neue Kraftwerk würde es keine Fernwärme mehr geben und damit würden neue hohe Kosten für diese Haushalte entstehen. Genau diese Angst wird auch durch die Stadt Datteln geschürt. Es werden keine, vorhandenen, Alternativen für den Bezug der Fernwärme aufgezeigt, die den Leuten diese Angst nimmt. Daher sagen viele eben nicht, daß sie gegen das Kraftwerk an dieser Stelle sind.
    Dazu kommt der Druck den Eon über das Sponsoring von Vereinen, Projekten etc. erzeugt. Der Entzug der Gelder steht bei einer Nichtinbetriebnahme des Kraftwerks im Raum. Diese finanziellen Mittel können durch die klammen Kassen der Stadt Datteln nicht ersetzt werden.
    Die Vorgehensweise von Eon erinnert sehr an die vorgehensweise die beim Bau von Kernkraftwerken angewandt wurde. Die Gemeinden, die für den Bau dieser Kraftwerke waren wurden mit Geld zugesch… und die Widerständler wurden dann durch die gekauften Mehrheiten weggemobbt.
    Die Probleme die Datteln durch das Kraftwerk hat, werden weder durch die Stadt noch durch die Presse und die Befürworter des Kraftwerks benannt. Kein innovativer, zukunftsträchtiger Betrieb, mit hohem Gewerbesteueraufkommen und hochqualifizierten Mitarbeitern, die Ansprüche an die Wohn- und Arbeitsumgebung stellen, wird sich in einer Stadt niederlassen, deren Zentrum durch ein derartiges Kraftwerk dominiert wird. Es wird keine neuen, attraktiven Arbeitsplätze in Datteln mehr geben. Nochmehr Dattelner werden zu ihren Arbeitsplätzen auspendeln müssen. Die Steuereinnahmen durch Eon können eher vernachlässigt werden, der Betriebssitz ist nunmal nicht Datteln. Die Anzahl der Arbeitsplätze im neuen Kraftwerk ist eher geringer als die im alten Kraftwerk. Was bleibt, ist das freiwillige (und jederzeit einstellbare) Sponsoring.
    Als Wohnstadt wird Datteln noch unattraktiver mit diesem Monstrum in der Stadtmitte. Das zeigen jetzt schon die fallenden Preise für Bauland.
    Die weitere Beschreibung der Auswirkungen diese Kraftwerkneubaus an dieser Stelle auf die Stadt Datteln und ihre Bevölkerung spare ich mir. Die Stadt geht endgültig den Bach runter. Bleiben werden nur die, die keine Wahl haben und die werden z. T. große finanzielle Verluste (z. B. einschneidende Wertminderung ihres Wohneigentums) haben.
    Im übrigen wäre ich mal sehr gespannt, wieviel Einwohner der Stadt Datteln für das Kraftwerk auf die Straße gehen würden, aber ohne die durchweg von auswärts kommenden, auf der Eon Baustelle Beschäftigten.

  • #14
    Thomas Krämerkämper

    „Den Menschen ist klar, dass Strom nicht aus der Steckdose kommt, sondern produziert werden muss.“ hört sich an wie Rumgetrolle. Das ist eigentlich nicht Ruhrbarone-Niveau… Können Sie quantifizieren, warum EON Datteln IV benötigt wird? Wenn es nur Ihre „Glaubensrichtung“ ist und Sie das nicht wirklich untermauern können, würde es mich freuen, wenn Sie das auch hier zugeben. Am Demotag wurde die passende Neuigkeit verkündet, dass der Block I des kombinierten Kohle-Gas-Kraftwerks Gerstein, der mit 355 MW mehr Leistung hat, als das nur 25km entfernte Dattelner Altkraftwerk, jetzt eingemottet wird – ausdrücklich wegen Überkapazitäten im Netz.

    Ich fand die Demo sehr gut und gut besucht. M.E. waren es mindestens 600 – 700 Teilnehmer, worauf es mir aber nicht ankommt. Für die Region ist es in jedem Fall eine der größten Demos für oder gegen irgendetwas der letzten Jahrzehnte und ich habe mich gefreut, viele neue Gesichter gesehen zu haben.
    Nebenbei bemerkt: Datteln ist ein gutes Exempel dafür, wie rückständig die politischen Strukturen am Nordrand des Ruhrgebiets tlw. sind. Nur eine unkritische Tageszeitung, die sich regelmässig genauso liest, wie Ihr obiger Beitrag. Jahrelang ist in der Dattelner Morgenpost EON regelrecht angehimmelt worden. Wohl jeden zweiten Tag prangte das EON-Logo in Farbe auf der Titelseite. Es überrascht daher nicht, dass das Heimleuchten in der Morgenpost kaum erwähnt wurde. Jede EON-Marketingveranstaltung bekommt mehr Raum.
    In solch einem Umfeld passiert natürlich genau dieser wirtschaftsschädliche Murks wie mit EON Datteln und Trianel Lünen. Keine Planung war hier bis vor kurzem blöde genug, als dass sie nicht kritiklos durchgewunken wird, wenn sie nur irgendwie Kohle im Namen trug. Im Ergebnis hat die Region nun nach den Fördertürmen wieder mal gut sichtbare Symbole für wirtschaftspolitische Rückständigkeit. Jede moderne wirtschaftliche Strukturverbesserung wird dadurch gehemmt.

    PS: Wenigstens wurden bei dieser Demo nicht wieder bezahlte Claqueure von EON für eine „Gegendemo“ rangekarrt. Claqueure, die angeblich aus eigenem Antrieb für das Kraftwerk demonstrieren, die dann aber von #5, Franziska Krasnici – EON Marketingabteilung, darin gehindert werden, selbst mit Pressevertretern zu reden. Soviel zur freien Meinungsäußerung angeblicher Befürworter.

  • #15
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Krämerkämper: Wir leben nicht in der Planwirtschaft. Wenn Eon meint, den Strom verkaufen zu können – viel Glück. Wenn nicht – Eons Pech. Strom ist eine Ware – nicht mehr und nicht weniger. Ich stell mir auch nicht die Frage, ob eine Hutfarbrik gebraucht wird oder nicht. Darum soll sich derjenige kümmern, der mit dem Verkauf von Hüten Geld verdienen will.

  • #16
    Thomas Krämerkämper

    @ #15, Stefan Laurin: Falsch. Ein Kohlekraftwerk dieser Größe bringt erhebliche gesundheitliche Nachteile für die Anwohner und Umweltschäden mit sich. Es darf daher nur gebaut werden, wenn der Bedarf wirklich nicht anders gedeckt werden kann. Das weiss sogar EON.

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Krämerkämper: Preiswerter Strom ist eine soziale und technische Errungenschaft – für die wir auch Nachteile in Kauf nehmen müssen. Ich bin im Ruhrgebiet zwischen Kraftwerken groß geworden. Wir sind noch immer eine Industrieregion – mit allen Vor- und Nachteilen. Mich jedenfalls stört ein Kohlekraftwerk weniger als die mit Ökohysterie begründete Umverteilung durch das EEG, wo die Mieter den Hausbesitzern Geld für den teuren Solarstrom geben müssen. Und das scheinen die meisten Menschen in Datteln auch so zu sehen: 400 – das war lächerlich.

  • #18
    Thomas Krämerkämper

    @ #17, Stefan Laurin: Nochmal falsch. Dortmund hat z.B. einen geringeren Industriesektor, als im Bundesdurchschnitt. Merke: Folklore ersetzt keine Argumente.

    Ich muss Nachteile nur in Kauf nehmen, wenn der Bedarf zu rechtfertigen ist. Ob EON in der Lage ist, billigen oder nur teuren Strom zu produzieren, interessiert mich nicht. Ich kaufe nicht bei EON.

    Nachtrag zu #15: Kohlelobbyismus und Neoliberalismus zusammen – wow, das kannte ich auch noch nicht.

  • #19
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Krämerkämpe: Dortmund hat auch eine höhere Arbeitslosigkeit als der Bundesdurchschnitt. Tja, Betroffenheitsberater und Öko-Aktivisten sind als Exportgut nicht sonderlich begehrt. Deutsche Solaranlagen übrigens auch nicht. Können die Chinesen besser 🙂
    Und zum Strom kaufen: Natürlich da wo es am preiswertesten ist 🙂

  • #20
    Thomas Krämerkämper

    @ #19, Stefan Laurin: Nicht nur Dortmund. Auch die ehemaligen Großindustriehochburgen Bochum, Essen, Duisburg, Oberhausen sind selbst im NRW-Schnitt die Schlusslichter bei der Arbeitslosenstatistik. Vielleicht, nur ganz vielleicht, könnte es ja doch ein Fehler gewesen sein, zu einseitig und zu lange an überkommenden Strukturen festgehalten zu haben…

    Die genannten Städte haben das größtenteils begriffen und zumindest Dortmund ist auch auf einem guten Weg raus aus dem Schlamassel. Am Nordrand des Ruhrgebiets sind die Verhältnisse aber noch wie vor 30 Jahren. Da feiern die Genehmigungsbehörden noch groß, wenn sie wiedermal eine rechtswidrige und vorgestrige Industrieplanung kritiklos durchgewunken haben und niemand das Geld zu einer Klage aufgebracht hat. Und dort schaden öffentliche Haltungen gewaltig, die auf romantisierenden Kindheitserinnerungen von rauchenden Schloten und politisch leicht steuerbaren homogenen Arbeitermassen gründen.
    Ich könnte kotzen, wenn ich wiedermal einem auswärtigen Spitzenbewerber aufwändig die Attraktivität einer Stelle bei uns ausgemalt habe und am nächsten Tag fantasiert irgendein von der gesellschaftlichen Entwicklung geistig abgekoppelter Kohleheini in überregionalen Medien über eine neue Zeche, ein neues Steinkohlekraftwerk o.ä., weil man im Ruhrgebiet ja so toll Industrieregion sei – am besten noch die Grubenlampe schwenkend und glück-auf-gröhlend. Für den so angerichteten Imageschaden sollte man diese Hinterwäldler verklagen können.

    So, jetzt aber genug gekotzt! Ansonsten finde ich Ruhrbarone sehr gut 🙂

  • #21
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas Krämerkämper: Nördlich des Ruhrgebiets gibt es eine breite mittelständische Industrie und niedrige Arbeitslosenzahlen. Der Fehler war in den 60er im Revier auf die Kohle zu setzen und Firmen wie Ford oder Henkel an der Ansiedlung zu hindern. Deutsche Steinkohle ist zu teuer – aus Importkohle kann man jedoch prima preiswerte Strom machen 🙂

  • #22
    KuKu

    @Thomas Krämerkämpe: Lassen Sie es gut sein, wenn sich jemand seine Kindheit wieder zurückwünscht und wieder zwischen zwei Kraftwerken wohnen möchte, kann man nicht diskutieren oder Sachargumente austauschen. Genausowenig ist ein sachlicher Austausch möglich, wenn mit Brutalkapitalismus argumentiert wird nach dem Motto, der Markt wird alles regeln – besonders hinterher, wenn aufgrund falscher Markteinschätzung eine industriell versaute Fläche übrig bleibt, für die weder die Stadt, das Land, der Bund und erst recht nicht der Betreiber genug Geld zur Sanierung übrig hat.
    Trotz aller Kindheitsromantik bezweifel ich aber, daß man Herrn Laurin als Neubürger Dattelns in einer der nah am Kraftwerk gelegenen Siedlungen begrüßen darf.

  • #23
    Frank

    [Für das Ruhrgebiet als Investitionsstandort ist das eine gute Nachricht.]
    Klar man darf illegal bauen und bekommt auch noch Recht. Nein das ist eine Denkweise wie im Ostblock. Und wer glaubt das E.On Strom zum Sozialpreis anbieten wird ist ein hoffnungsloser Träumer. 🙁
    Nicht die Anzahl der Demonstranten ist wichtig – sondern deren Argumente, besonders wichtig bei komplizierten und hochtechnischen Fragen wo man kaum die Bevölkerung erreichen kann!

  • #24
    Siby

    Da spricht Herr Krämperkämpe eine wichtige Sache an. Wenn die Kraftwerksbetreiber die Kosten, die durch Umweltverschmutzung dieses Kraftwerks entstehen, mal ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Kosten, die u.A. durch die Minderung der anliegenden Grundstückswerte entstehen, bezahlen müsste, wäre der Strom nicht so billig und der Kraftwerksbau würde sich allein deshalb nicht mehr lohnen.
    Das sieht bei einer Hutfabrik wahrscheinlich anders aus.

  • #25
    Brilano

    Letztendlich zählen doch nur die Fakten und nicht, wie viele Menschen sich am Freitagabend zu einer „Gedenkstunde“ am Kraftwerk treffen. Das was Stefan Laurin in seinen Artikel hinein interpretiert ist lediglich seine persönlich Meinung und nichts anderes. Und wenn er meint, dass 400 Menschen, die gegen etwas auf die Straße gehen eher wenig ist, dann kann er das behaupten. Ich sage, für eine „Gedenkfeier“ ist das eher viel, weil es doch letztendlich um nichts anderes als die Erinnerung an das Urteil des OVG Münster ging. Das Urteil steht und eine Berufung wurde nicht zugelassen und derzeit müssen keine 40.000 Menschen auf die Straße gehen um das Urteil des OVG Münster zu untermauern. Also ist der Hinweis auf die „mageren 400 Teilnehmer“ und Teile des Artikels nichts anderes als Stimmungsmache. Fakt ist, die Hürden durch das Urteil sind für E.ON sehr hoch gelegt und sie werden die Hürde nach meiner Einschätzung wieder reißen, weil es sich nicht nur um einen Punkt handelt den es zu korrigieren gilt, sondern um eine ganze Latte und nur einer dieser Rechtsverstöße wird wieder dazu führen, dass das Vorhaben endgültig beendet wird. Der nun eingeschlagene Weg über ein Zielabweichungsverfahren dieses Projekt im Nachhinein an Netz bringen zu wollen ist zum Scheitern verurteilt. Das Gericht hat ja seinerzeit nicht gesagt, über ein Zielabweichungsverfahren wäre der Kraftwerksbau möglich gewesen, sondern es wurde lediglich die Verwunderung zum Ausdruck gebracht, dass diese Möglichkeit nicht geprüft wurde. Von daher interpretiert E.ON und die Stadtverwaltung Datteln die Beurteilung des Gerichts einfach falsch, aber das ist ja scheinbar der letzte Strohhalm für E.ON. Wenn Stefan Laurin von der Anzahl der Teilnehmer auf die Ablehnung des Kraftwerkes in den Kommunen schließt, ist das ein Trugschluss und durch nichts belegt. Meine Wahrnehmung ist eine andere und das wird mir durch die vielen geführten Gespräche auch bestätigt. Wenn in Deutschland jeder zur Demonstration auf die Straße gehen würde, dann hätten wir hier Verhältnisse wie in Frankreich. Was ich damit sagen will, man kann auch ohne direkte Teilnahme an Demonstrationen etwas ablehnen und da sind die Deutschen vielleicht etwas zu bequem.

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  • #27
    Schemberg

    Werter Herr Brausen,
    sie sagen ja zum Kraftwerk Datteln 4, das ist Ihre technische Sicht.Das Kraftwerk ist eigentlich technisch schon veraltet Aber darum geht es eigentlich nicht.Es geht um den Standort.Der ist nicht tragbear, weil er rein rechtlich illegal ist.Ohne Baugenehmigung darf auch ein Unternehmen wie EON nicht bauen.

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