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#Datteln4Stoppen: Die Kritiker des Kraftwerks in Datteln setzen ein (letztes?) Statement

Demo am24. Januar 2020 in Datteln. Foto(s): Sebastian Weiermann

Ein paar mehr Teilnehmer als im vergangenen November, als sich nur rund 200 Kraftwerkskritiker aufraffen konnten um gegen ‚Datteln 4‘ zu demonstrieren, sind es diesmal dann doch noch einmal geworden.

Knapp 500 Demonstranten (Update: Die Polizei hat inzwischen die offizielle Zahl der Teilnehmer mit 430 bekanntgegeben.) zeigten am heutigen Freitag im Rahmen eines von ‚Fridays for Future‘ organisierten Protests unter dem Motto ‚Kein Anheizen der Klimakrise mit Blutkohle‘ ihren Unmut über die Entscheidung der Politik den seit Jahren heftig umstrittenen Meiler im Kreis Recklinghausen im kommenden Sommer trotz beschlossenem Kohleausstieg in Deutschland doch noch neu ans Netz gehen zu lassen.

Damit erreichte die Teilnehmerzahl nach Jahren in denen der Protest gegen den Bau vollständig in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden drohte, zumindest noch einmal in etwa die Größenordnung, die auch die Nachbarschaft zu Beginn der 10er-Jahre zu mobilisieren in der Lage war.

Es war eine ungewöhnlich bunte Mischung von Kritikern, die sich da heute vom Dattelner Neumarkt in der Innenstadt in Richtung des Uniper-Neubaus an der Stadtgrenze zu Waltrop bewegte. Von grundsätzlichen Kohle-Kritikern bis hin zu den altbekannten Gesichtern der unmittelbar vom Kraftwerk betroffenen Nachbarn, denen es einst in erster Linie um den konkreten Standort der Anlage vor ihrer Haustür ging.

In Anbetracht des durchaus beachtlichen Potenzials, das das Thema ‚Datteln 4‘ in all den Jahren hatte, blieb die Resonanz heute dennoch bescheiden. Nichts war zu sehen von den von einigen Beobachtern erwarteten Proteststürmen durch das jüngste mediale Hochkochen des Themas im Rahmen der Klimadebatte. ‚Datreln 4‘ ist noch immer kein Aufreger von überregionaler Größenordnung.

Uniper sah sich, im Gegensatz zu Vorgänger E.On als Bauher einmal mehr nicht genötigt einen Gegenprotest von Kraftwerksbefürwortern und Mitarbeitern zu organisieren, wie es vor einigen Jahren schon einmal Usus war. Der Vorhabenträger ließ das Geschehen vor der eigenen Haustür ungerührt und gelassen über sich ergehen. Vermutlich ist dies ohnehin die schlaueste Taktik, deutet doch in diesen Tagen alles auf ein Ende des Konflikts in diesem Sommer hin. Zumindest auf der politischen Ebene. Weiteres Öl in die laufenden Debatten zu schütten, wäre sicherlich gar nicht im Sinne von Uniper.

Den Kraftwerkskritikern bleibt, wie Waltrops ehemalige Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe (SPD), die sich nach Jahren am Morgen einmal wieder in der Lokalzeitung zum Thema geäußert hatte, jetzt wohl tatsächlich nicht viel mehr übrig als auf eine juristische Entscheidung in ihrem Sinne zu hoffen.

Der politische Entscheidungsprozess scheint mit diesem Tage weitestgehend abgeschlossen zu sein. Mit weiteren Aktionen in ähnlicher Größenordnung dürfte seitens der Gegner des Projekts jedenfalls kaum noch einmal zu rechnen sein. Der Ärger über die Entscheidung der Politik in Berlin, er wird verrauchen, der Gedanke einer Inbetriebnahme immer selbstverständlicher werden, je mehr Zeit ins Land ziehen wird.

Im Vorfeld des heutigen Protestzuges waren ohnehin schon alle verbliebenen Kräfte im Lager der Kritiker mobilisiert worden, sogar der Schulterschluss mit den Kohle-Gegnern vom Hambacher Forst ist offensiv gesucht worden. Mehr als die heute mobilisierte Masse dürfte somit von ihnen nicht mehr auf die Straße zu bringen sein.

Es war so gesehen ein nettes Schlussstatement, das die Protestler heute in Datteln gesetzt haben. Mehr jedoch wohl nicht. Das Thema scheint durch.

Die endgültige Entscheidung über einen Dauerbetrieb von ‚Datteln 4‘ in den kommenden Jahren, sie wird in einem Gerichtssaal fallen. Aber das war ja eigentlich eh schon länger klar….

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