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Der Müll der grünen Hauptstadt

Mehr Plastikmüll als Besucher (Foto: Honke Rambow)

Am Sonntag, 2.7., fand die nach dem Eröffnungsfest Anfang des Jahres zweite Großveranstaltung der Grünen Hauptstadt Europas Essen statt. Der „Tag der Bewegung“ sollte vor allem Bilder produzieren, die durch die Medien gehen und kostenlose Imagewerbung für die Stadt produzieren. Und warum dafür nicht einfach das machen, was schon bei der RUHR2010 prima funktioniert hat: Straßen sperren. Ok, der halbe Innenstadtring ist nicht die A40, aber vielleicht funktioniert es ja trotzdem noch mal. Zugegeben: Das Sperren von Straßen für den Autoverkehr und die Ziele der „Grünen Hauptstadt“ passt besser zusammen als eine Autobahn und Kultur, aber dann doch bitte nicht nur für einen Tag, sondern langfristig. Ljubljana – Grüne Hauptstadt 2016 – hat es schließlich vorgemacht, eine vermeintlich unerlässliche Hauptachse für den Autoverkehr (Slovenska Cesta) gesperrt und ganz nebenbei zu einem internationalen Designhighlight umgebaut. Aber gut, Ljubljana hat ja auch große innerstädtische Grünflächen, ein modernes unterirdisches Müllentsorgungssystem, einen funktionierenden ÖPNV mit hochmodernen Hybridbussen und kostenlose Elektrotaxis in der Innenstadt. Das hat Essen alles nicht, insofern sollte man da gar nicht mit den Vergleichen anfangen.
Der „Tag der Bewegung“ sollte nun also davon ablenken, dass eigentlich kein Mensch weiß, warum ausgerechnet Essen „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ ist. Für den doch recht erheblichen Aufwand der Sperrung des halben Innenstadtringes und die Veranstaltungsdauer von sechs Stunden war die angestrebte Besucherzahl von 30000 noch sehr defensiv gerechnet. Nun hat es aber mittags ein bisschen geregnet und es kamen gerade mal 12500 Menschen. Egal ob dabei die 1500 an der Veranstaltungen beteiligten Menschen schon mitgerechnet sind oder nicht, es bleibt eine kümmerliche Zahl. Die Bilder, die nun durch die Presse gehen, sind die von leeren, regennassen Straßen, vielen Absperrgittern, ein paar Heuballen und der Baustelle der neuen WAZ-Zentrale am Berliner Platz. Wir fügen hier gerne noch das von jede Menge Plastikkonfetti auf dem Grünstreifen hinzu. In der WAZ wird eine Besucherin zitiert, das Thema der „Grünen Hauptstadt“ habe sich ihr nicht erschlossen. Einfach ist das auch nicht, da das Konzept alles, was irgendwie mit dem Begriff „Grün“ assoziiert werden kann, zusammen würfelt. Von Radfahren und E-Mobilität über ÖPNV und Grünflächen, Wasserqualität und Müllvermeidung bis zu Biodiversität. Schon bei der Eröffnungsveranstaltung in der GRUGA war dieser Themenmix nur mit akribischer Sucharbeit in dem ganzen Volksfestgerümpel zwischen bunt beleuchteten Bäumchen und lauwarmem Spießbraten auszumachen.
Dass der „Tag der Bewegung“ nun so krachend daneben gegangen ist, kann aber nicht dem Wetter in die Schuhe geschoben werden. Auch die Dopingtour in Düsseldorf war nicht dafür verantwortlich. Und dass viele Techno-Fans wohl noch die Chemie von der Ruhr in Love abbauen mussten, wird auch nicht der Grund gewesen sein. Zentrales Problem der Veranstaltung war die Kommunikation. Wer sich etwas für die Veranstaltung interessierte, musste auf der Internetseite der „Grünen Hauptstadt“ zunächst den Link zur Unterseite zum „Tag der Bewegung“ finden. Dort gab es dann eine Karte der Innenstadt, die nicht einmal die gesamte Strecke abbildete. Darunter dann fünf Kästen mit schwammigen Texten zu den Themen. Der einzige echte Terminhinweis ist der auf ein Seifenkistenrennen um 11 Uhr. „Zudem freuen sich Grashüpfer Waldemar und Ameise Anni auf die Besucher“ – das ist zwar nett, macht aber kaum Lust, sich die Schuhe anzuziehen und irgendwohin zu gehen. Bei einer Veranstaltung dieser Größe wäre es selbstverständlich gewesen eine Karte zu präsentieren, auf der der wohlgesonnene Besucher auch sehen kann, wo die Sparkasse Essen Schweine bemalt,

Müllvermeidung geht anders (Foto: Honke Rambow)

jemand Klamotten aus Plastiktüten zeigt, sich die „Wissenschaftsstadt“ befindet und um wieviel Uhr die Fahrradperformance stattfindet. Die komplette Verweigerung von relevantem Besucherservice spricht entweder für eine schlampige Planung der Veranstaltung oder eine enorme Arroganz, als kämen schon alle, wenn man nur sagt, dass irgendetwas los ist, das vielleicht interessant ist. So beschissen ist aber Essen gar nicht, dass man nicht wüsste, was man sonntags machen soll, möglicherweise haben  doch viele Menschen besseres zu tun, als sechs Stunden auf einer Straße herum zu laufen und zu hoffen, dass irgendwas interessantes passieren könnte. Selbst bei der Cranger Kirmes kann ich vorab erfahren, wo welches Fahrgeschäft steht – und da weiß ich immerhin sicher, dass ich auf dem Weg dorthin auch noch eine Bratwurst bekomme. Und so bleibt vom „Tag der Bewegung“ eben nur eine Menge Plastikmüll, den die „Grüne Hauptstadt Europas Essen 2017“ doch so unbedingt vermeiden will.

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