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Die Empörung über die Zustände in Schlachthöfen und im Gesundheitswesen ist verlogen!

Glückliche Schweine? Häufig sucht man sie vergeblich. Foto: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Es ist schon merkwürdig, was da gerade abläuft. In Zeiten der Corona-Pandemie werden plötzlich Themen nach oben gespült, die es schon seit Jahren zu kritisieren gilt, von denen bisher aber kaum jemand etwas wissen wollte.

Schlimmer noch: Es fordern in diesen Tagen ausgerechnet Leute plötzlich ein Umdenken, die selber maßgeblich mit für die Existenz dieser fragwürdigen Zustände verantwortlich sind bzw. waren.

Irrer geht es kaum!

Jetzt mal ehrlich: Dass sich die Arbeitsbedingungen in bestimmten Branchen katastrophal entwickelt haben, das ist seit Jahren bekannt. Das Gesundheitswesen, die Lebensmittelindustrie, die Logistikbrache. Überall finden Menschen inzwischen nur noch selten angemessen gestaltete und entlohnte Arbeitsplätze.

Häufig wird mit ausbeuterischen Löhnen gearbeitet, dubiose Subunternehmen für Teilbereiche eingesetzt, der Arbeitnehmer zu unbezahlten Überstunden gedrängt usw.. Der Anteil der Mini-Jobs hat ein gigantisches Niveau erreicht. Gestört hat das bisher fast ausschließlich die Betroffenen.

Wer nicht von den Nachteilen dieses Systems direkt betroffen ist, der kümmert sich im Regelfall nicht um die Nöte und Sorgen der Anderen. Nur bei plötzlichen, akuten Betroffenheitsanfällen, so wie aktuell, reagiert die Gesellschaft, gibt sich plötzlich ganz empört und entsetzt über etwas, das man insgeheim schon längst weiß.

Erst kürzlich war das Entsetzen groß, wie schlecht die Mitarbeiter in der Gesundheitsbranche teilweise bezahlt werden, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind. Applaus wurde massenhaft für die Helden des Alltags gespendet, als uns diese Arbeitskräfte zu Beginn der Corona-Krise den Arsch gerettet haben. Als es um die Auszahlung einer finanziellen Anerkennung ging, wurde die Begeisterung für deren Leistungen schon spürbar geringer. Inzwischen redet kaum noch jemand über die schlecht bezahlten Pfleger und Krankenschwestern etc..

In Sachen Fleischindustrie läuft es gerade ähnlich. Plötzlich sind alle ganz entrüstet darüber, wie es in den großen Betrieben im Lande zugeht. Der Ruf nach teurerem Fleisch macht die Runde, sollen die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter dringend verbessert werden. Dabei sind auch die Zustände bei Westfleisch, Tönnies & Co. längst bekannt.

Als jemand der in der Nähe des gigantischen Westfleisch-Schlachthofs in Oer-Erkenschwick lebt, begegnet mir das Thema seit vielen Jahren schon regelmäßig. Geändert hat sich bisher nichts. Im Gegenteil! Zumindest gefühlt sind die Bedingungen für Mitarbeiter und Tiere in Laufe der Zeit immer schlimmer geworden. Plötzlich tun auch hier alle aber ganz aufgeregt und entsetzt.

Und das besonders ‚Witzige‘ ist: Etliche Mitverantwortliche aus Politik und Wirtschaft tun ebenfalls gerade so, als hätten sie das nicht gewusst. Dabei haben sie selber diese unwürdigen Rahmenbedingungen vielfach erst mit ermöglicht, teilweise sogar aktiv mitgestaltet. Was für eine Verlogenheit!

Und soll ich euch was sagen? Es gibt noch weitere Beispiele dieser Art. Sucht mal eine Vollzeitkraft im Lebensmittelhandel, schaut mal wer die Briefkästen leert oder wer nachts eure Apotheken beliefert.

Was verdienen diese Leute? Was wird von denen verlangt?

Darüber könnte man sich auch kräftig aufregen. Nur solange das nur die direkt Betroffenen tun, werden ihre Rufe verhallen. So wie lange Zeit auch die im Gesundheitswesen oder in der Fleischindustrie.

Ändert sich jetzt als etwas an all diesen unwürdigen Zuständen? Ich würde nicht darauf wetten…

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17 Kommentare zu “Die Empörung über die Zustände in Schlachthöfen und im Gesundheitswesen ist verlogen!

  • #1
    Susanne Scheidle

    Lieber Robin,
    Du sprichst mir aus dem Herzen. Die Zustände in Schlachthäusern sind seit Jahren bekannt, und wenn doch gelegentlich darüber berichtet wird, geht es vielfach in erster Linie um das Leid der Tiere, in welcher "Käfighaltung" die Arbeiter dort gehalten werden, interessiert schon weniger…
    Und nein, das ist nicht nur in der Fleischverarbeitung so.
    Aus eigener Anschauung weiß ich, wie es z. B. auf dem Bau so zugeht. Da werden nicht EI
    NIGE Arbeiten an Nachunternehmer ausgelagert sondern ALLE!
    Da rede ich seit Jahren drüber (z. B. wenn sich mal wieder jemand über diverse Bauskandale aufregt), mit der Erfahrung, dass mein Gegenüber nach 5 Minuten diesen glasigen Blick bekommt, der anzeigt, dass man gerade schwer langweilt.
    Dass es bisher noch keine größeren Corona-Infektionsherde auf dem Bau gab liegt vermutlich daran, dass dort meistens nicht in geschlossenen Räumen gearbeitet wird, ansonsten sind die Bedingungen genau so mies.
    Das ist nur EIN Beispiel, die Liste lässt sich beliebig weiter führen.

  • #2
    MARTIN MAHADEVAN

    Natürlich die die ganze Diskussion über die
    unsäglichen Zustände in der Fleischindustrie
    kreuzweise verlohen wie immer. Die Unterstützer
    der Billigfleisch Querfront reicht doch von
    der CDU-Argarlobby bis zum "Hauptgeschäftsführer
    der Paritätischen Wohlfahrtsverbände", Ulrich
    Schneider, Linken-Mitglied, der kürzlich
    erklärte, "Arme" hätten ein Recht auf billiges
    Fleisch. Und Billigfleisch kann nur deswegen billig
    sein, wenn es unter diesen Umständen
    produziert wird.

  • #3
    Helmut Junge

    Wenn die Arbeiter ihre Unterkünfte selbst bezahlen müssen, oder dafür eine Pauschale vom Arbeitgeber bekommen, sucht sich kaum einer von ihnen ein Appartment, sondern viele von ihnen versuchen ihr sauer verdientes Geld zu sparen, damit sie etwas nach Hause mitnehmen können. Oft kommt dann dabei heraus, daß sie sich untereinander Zimmer teilen.
    Ich habe in den Siebzigern deutsche Monteure kennengelernt, die mir erklärt haben, daß sie während der Montage soviel Übertunden machen, daß sie das Zimmer sowieso nur zum pennen brauchen. Aber wenn am Freitag Schicht war, wollten sie in zwei Stunden mit ihrem teuren Schlitten zu Hause sein. Heute reichen die Löhne nicht mehr für diese Protzerei, aber auf niedrigerem Niveau läuft das wahrscheinlich auch heute noch ab.
    Angestellte hatten damals andere Verträge. Für deren Unterkunft kam die Firma auf. Und die wohnten gut.
    Wer sich also über die miesen Unterkünfte der Arbeiter empört, sollte diese Leute mal fragen. Das sind nämlich keine Sklaven, die Abends in die Hütten gescheucht werden. So weit sind wir in Deutschland zur Zeit noch nicht.

  • #4
    paule t.

    Ja, die Diskussion ist insofern verlogen, als man die Probleme natürlich auch vorher kennen konnte.

    Sie ist insofern aber nicht verlogen, als es doch ganz normal ist, dass die öffentliche Diskussion sich einem Problem dann besonders widmet, wenn es durch aktuelle Ereignisse besonders in den Blickpunkt gerückt ist.

    Deswegen sollte man mMn weniger Kraft darauf verwenden, die Verlogenheit anzuprangen (auch wenn das inhaltlich nicht falsch ist), als darauf, die Aufmerksamkeit für positive Veränderungen zu nutzen.

  • #5
    Susanne Scheidle

    @ Helmut Junge
    Sie irren sich. Den Arbeitern in den Schlachthöfen wird Miete abgeknöpft, bis zu 200,00 EUR für ein Bett (!) zusammen mit bis zu 8 anderen Personen in einer Wohnung – und die Vermieter sind: Die Nachunternehmer! Der Betrag wird direkt vom Lohn abgezogen.
    Interessant auch: Eben im WDR wurde ein Mietvertrag gezeigt, der eine besonders kreative Klausel enthielt: Wenn der Mieter nicht zur Arbeit erscheint (z. B. wegen Krankheit), werden ihm pro Tag weitere 10.00 EUR berechnet wegen "Sondernutzung der Wohnung".
    SO sind die Verhältnisse inzwischen in Deutschland.

    Das erklärt natürlich auch, dass Arbeiter krank zur Arbeit gehen.
    Im schlimmsten Fall krank mit Covid 19.

  • #6
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Susanne: Besonders übel finde ich, dass es Berichte über solche Zustände schon seit Jahren gibt. Ich habe sie selber im TV gesehen. Große Empörung in irgendeinen Polit-Magazin…. passiert ist nix, wie wir jetzt schmerzlich alle gemeinsam feststellen dürfen/müssen.

  • #7
    Helmut Junge

    Danke @Susanne Scheidle. meine jahrzehntealten Beobachtungen stimmen also heute nicht mehr. Das ist also mal ein Punkt, der früher besser war. Es wäre nach meiner Ansicht dann eine Aufgabe, die die Gewerkschaften angehen müßten, aber nicht nur. Denn solche Drohungen sind m.W. in Deutschland auch nicht erlaubt.
    @Susanne Scheidle, Sie sind auf jeden Fall eine Bereicherung auf der Kommentatorenseite.

  • #8
    Susanne Scheidle

    Danke, Helmut Junge!
    Ich habe fast 30 Jahre in einer Stahlhandels- und Stahlbaufirma gearbeitet, mit zunehmendem Unbehagen, um es mal vorsichtig auszudrücken, ich habe also die ganze Entwicklung von gelegentlicher Dienstleistung durch Nachunternehmer bis zu einem inzwischen flächendeckenden mafiosen System mitverfolgen können.
    Da hat sich – nicht nur im Baugewerbe und in der Fleischindustrie – inzwischen eine Schattenwirtschaft breit gemacht, die ich für demokratiegefährdend halte, und die leider durch politische Maßnahmen nicht etwa bekämpft, sondern im Gegenteil gefördert wird, ob wissentlich oder aus Naivität lassen wir mal dahingestellt sein.

    Und leider hat Robin vollkommen recht: Es interessiert sich so gut wie keiner dafür!

    In den Medien tauchen nur gelegentlich so ganz krasse Fälle auf, wie gerade gestern, als zwei rumänische Arbeiter auf einer Baustelle in Gelsenkirchen auf einen Kran geklettert sind und drohten, sich herunter zu stürzen, wenn sie nicht endlich ihren seit Monaten ausstehenden Lohn bekommen.
    Und was passiert? Die Arbeiter (!) werden verhaftet wegen Nötigung!

    Ich bin manchmal sehr, sehr, sehr wütend.

  • #9
    Helmut Junge

    @Susanne Scheidle, der Schriftsteller B. Traven hat solche Geschichten für Mttelamerika beschrieben. B. Traven war während meiner Jugendzeit ein vielgelesener Autor. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, daß sich in Deutschland ein ähnliches System etablieren könnte.
    In seinem Buch "Die Rebellion der Gehenkten" beschreibt er sehr präzise wie Indios in immer größere finazielle Abhängigkeiten geraten, und sich wegen immer neuer Schulden praktisch niemals aus den Fängen gieriger Großgrundbesitzer lösen können. Der Preis für die lebensnotwendigen Waren, war so groß, daß der knappe Lohn nicht ausreichte. Sowohl Lohn als auch Warenpreise legten die monopolistischen Großgrundbesitzer fest. Bei dem regelrechten Kult, den die Medien damals um B.Traven machten, ging es aber nicht um seine sozialkritischen Ansichten, sondern um die Frage, wer sich hinter diesem Namen verbergen könnte. Das eigentliche Thema wurde praktisch unter dem Berg der Vermutungen zugeschüttet.

  • #10
    Susanne Scheidle

    @ Helmut #9
    Kenn ich, den alten Traven… stimmt, der war vor allem "in" weil er so geheimnisvoll war – aber auch weil die Orte seiner Plots gerne mal sehr exotisch waren, so dass das soziale Anliegen eher mit dem Abenteuergenre gemischt war, was mich immer ein bisschen gestört hat, aber das ist Geschmacksache.
    Ich habe letztens mal wieder (beim großen Corona-Bücherschrank-Aufräumen!) "Früchte des Zorns" von Steinbeck in die Finger gekriegt, das hat mich tatsächlich an die "moderne" Arbeitsmigration innerhalb der EU erinnert.

  • #11
    Susanne Scheidle

    Was mich allerdings wundert: Wo ist in diesen Tagen eigentlich Clemens Tönnies? Hat jemand was von dem gehört in den letzten Tagen? Er präsentiert sich ja gerne als engagierten "Macher" – und einer Ecke seiner Persönlichkeit ist er das wohl auch, niemand ist ja so ganz eindimensional. Aber so komplett auf Tauchstation zu gehen in einer solchen Situation geht gar nicht, finde ich, während seine Angestellten von irgendwelchen Weirdos inzwischen Morddrohungen erhalten.

    FAZ-online schreibt heute, er wäre in "Arbeitsquarantäne" – und bedauert, dass er jetzt nicht zum Schalke-Spiel fahren kann. Klar, das ist gerade das größte Problem…

  • #12
    Helmut Junge

    @Susanne, ich habe auch mal "Früchte des Zorns" gelesen. Irgendwo werde ich das Buch auch mal finden. Ja, es gibt heute starke Anzeigechen, daß es so ähnlich kommen könnte. Im Keller habe ich noch "Hunger in Gottes eigenem Land" gefunden. Das hatte ich damals aber als Fantasie abgetan.
    Aber Trump zerstört Amerika aus meiner Sicht, so daß ich es mir jetzt mehr vorstellen als damals.
    Ich hoffe, daß es nicht so kommt. Mittlerweile habe ich weit entfernte Verwandte aus den USA kennengelernt, deren Vorfahren Geschwister meines Großvaters waren. Ich halte sie für ehemalige Trump-Wähler, aber ich spüre, daß sie Angst haben. Angst vor demälter werden, mit all seinen Folgen.

  • #13
    Walter Stach

    John Steinbeck
    Erinnerungen -und Fragen-

    Erfreulich für mich, daß ich hier von Susanne und Helmut an John Steinbeck erinnert und so ‚mal wieder zum Nachdenken über ihn und über sein Gesamtwerk veranlaßt werde. Das schließt das Erinnern an die Zeit ein, in der ich mich sehr intensiv mit den Werken von Steinbeck befaßt habe – Mitte bis Ende der 195o er Jahre. Und zum damalige Befassen mit Steinbeck gehört, daß im Freundeskreis – 5-6 Junge Männer im meinem Alter -damals 17-19 Jährige- regelmäßig über Steinbeck und seine Werke diskutiert wurde -Früchte des Zornes, von Mäusen und Menschen. Straße der Ölsardinen, Tortilla Fliet. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an James Dean in der Karzan Vefrilmung von "Früchte des Zornes" -sehe ich mir heute immer wieder gerne an.

    Ich versuche hier keine Literaturkritik (nebst Filmkritik) und will auch nicht darüber nachdenken, warum uns Steinbeck seinerzeit mit seinen Werken so enorm interessiert und bewegt hat Reizvoll könnte das durchaus sein . Mal sehen, was dieserhalb mit mir passieren wird. Das würde dann das Nachdenken über mögliche aktuelle Bezüge einschließen.

    Ich frage mich,
    a.)
    warum ist Steinbeck mit seinen Werken jetzt weitgehend unbekannt und offenkundig heutzutage speziell für Jugendliche gänzlich uninteressant
    und
    b.)
    warum "wir " seinerzeit ausgesprochene Steinbeck-Fans waren und warum es uns damals selbstverständlich war , z.B. in der Kneipe (oder im Jazz-Keller) über Steinbeck und seine Werke zu diskutieren.

    Also
    noch ‚mal mein Dankeschön an Euch für die Erinnerung an John Steinbeck.
    "Nicht was wir gelebt haben ist das Leben, sondern was wir erinnern und wie wir erinnern , um davon zu erzählen" -Gabriel Carcia Marques-.

  • #14
    Helmut Junge

    Walter, bei meiner Suche nach "Früchte des Zorns" ist ein für mich schwerwiegendes Problem aufgetreten. Ich finde das Buch nicht, und meine Frau die Buchhändlerin ist, sagt daß sie es nie gesehen hat. Ich muß also das Buch gelesen haben, bevor ich alle meine wenigen Belletristikbücher aus ihrer Sammlung entnehme. Ich weiß aber nicht wann. Das können nur die Sechziger Jahre gewesen sein. Mein Gott, ist das lange her. Ich werde es wieder kaufen müssen.
    Denn weil die derzeitige wirtschaftliche Entwicklung der USA durch viele Erkrankungen sich so entwickelt, daß sich sogar meine coole Verwandschaft, die ich unter die Trumpanhängerschaft gerechnet hatte, allmählich fürchtet, denke ich, daß das Buch Aufschluß darüber geben kann, was vielen Amerikanern blühen könnte. Warum? Weil das was Steinbeck beschrieb, einmal Wirklichkeit war, die die Generation nach mir einfach ignoriert hatte. Wir werden es erleben, weil es bis zur Wahl am 3. November noch 4,5 Monate sind. Vor 4,5 Monaten, Ende Januar-Anfang Februar, war das Wort Corona noch vielen Menschen völlig unbekannt. Derzeit schleppen die härtesten Trumpfans nach desssen Wahlkampfauftritten, die Seuche in die entlegendsten Winkel der USA, wo sie wohnen, und die bisher verschont geblieben sind. In den USA gehen Kranke übrigens zur Arbeit. Aber wer krank ist, leistet nichts und steckt andere an. Was kann das der Wirtschaft bringen? Meiner Meinung nur eine Katastrophe. Trump wird meiner Auffassung nach, die amerikanische Wirtschaft zerstören, statt sie zu retten. Und niemand wird ihn daran hindern.

  • #15
    Walter Stach

    Helmut,
    "ohne hinreichende Überlegungen meinerseits:

    Zwischen dem Elend der sog .Land -Arbeiter (Wanderarbeiter) in den USA, das Steinbeck literarisch aufbereitet/aufgearbeitet hat und dem Elend der Land- Arbeiter (Wander-Arbeiter) in den USA heutzutage, unter ihnen vor allem das der illegal in den Südstaaten arbeitenden Menschen aus Mittel- und Südamerika, scheint es keine gravierenden Unterschiede zu geben.

    Ebenso scheint sich bezüglich der Gleichgültigkeit der weißen Männer aus der sog. Mittelschicht gegenüber dem Elend dieser Landarbeiter seit Steinbeck nichts Nennenswertes verändert zu haben; ganz zu schweigen von der sog. weißen Oberschicht in den USA, vor allem in den Südstaaten.

    Zu Trump? Zu den Auswirkungen seiner Präsidentschaft -kurz-, mittelfristig, langfristig? Zu der Möglichkeit seiner Wiederwahl? Dazu wird fachkompetent beinahe tagtäglich weltweit in den Medien kommentiert. Ich kann dazu nichts Neues beitragen und habe zu registrieren, daß die USA nicht erst unter Trump ein zutiefst gespaltenes Land sind mit der politisch- moralischen Verfaßtheit eines großen Teiles der US- Bevölkerung, die allen Werten der sog. westlich-abendländischen Kultur widersprechen.

    "Früchte des Zornes"…..
    Mein Exemplar, das ich relativ problemlos gefunden habe, ist eine "Sonderausgabe ausschließlich für Mitglieder der Stuttgarter Hausbücherei -Deutscher Bücherbund-"Frage mich nicht, wie ich daran gekommen bin. Ich weiß es nicht mehr.
    Das Buch "Früchte des Zornes" wurde seinerzeit -1939- aus öffentlichen Bibliotheken und Schulen in den USA "verbannt" und in Kirchen (!!) und von Politikern als "Aufruf" zum Klassenkampf verdammt; Steinbeck galt seinerzeit in den USA als "Linker".

  • #16
    Walter Stach

    Nachttrag zu John Steinbeck

    Das literarische Werk von John Steinbeck gibt Einblick in die soziale, die kulturelle, die moralische Verfaßtheit einer Epoche in der Geschichte der USA, eine Geschichte , die von ihren Anfängen bis heute die einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft ist, voller realer Widersprüche zu ihren vorgeblichen Grundwerte, wie sie in der Verfassung der USA verankert sind.
    Helmut,
    ich empfehle Dir deshalb nachdrücklich (!!) das jüngst erschienen Sachbuch von Jill Lepore "Diese Wahrheiten- Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika-", erschienen bei C.H. Beck. Ich hatte darauf bereits "irgendwann/irgenswo" hier bei den Ruhrbaronen hingewiesen. Nach der Lektüre dieses ca. 1.000 Seiten umfassenden Sachbuches bin ich jedenfalls wesentlich fundierter in der Lage, mich mit der politischen, der sozialen, der kulturelle und der wirtschaftliche Verfaßtheit der USA auseinanderzusetzen als vorher, insofern auch in der Lage, nachvollziehen zu können, wie und warum es zu einem Präsidenten Trump kommen konnte und zum "Trumpismus" als einer gesellschaftlichen Erscheinungsform, die für mich bis dato für undenkbar gehalten hatte, jedenfalls
    in einem Staat mit Grundwerten, denen er sich in seiner Verfassung verpflichtet hat.

  • #17
    Susanne Scheidle

    Oh, Mann! Da hab ich was angestoßen! Andererseits: Mal wieder John Steinbeck zu lesen kann eigentlich nicht verkehrt sein! Vielleicht gerade jetzt.
    Was ich an J. S. immer sehr gemocht habe, was mich dazu gebracht hat, möglichst alle seiner Bücher in die Finger (und vor die Lesebrille!) zu bekommen, war nicht seine moralische Haltung, Moral gab es schon immer und überall im Sonderangebot, es war seine abgeklärte Humanität, das Wissen darum, dass man jederzeit scheitern kann (selbst als Moralist, vielleicht besonders darin!), der liebevolle Blick auf menschliche Schwächen, das Verständnis dafür, dass gerade man zuweilen gerade dann, wenn man das Beste will genau das Falsche tut.
    Und nicht zu vergessen: Sein Humor.
    Ohne Humor ist das Leben ja nicht zu ertragen…

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