Die Warsteiner Event Hall in Dortmund-Hörde stellt ihren Betrieb ein

Konzert in der Warsteiner Event Hall mit Dendemann im Februar 2019 | Foto: Peter Hesse

Was als vielfältige Eventhalle geplant war, ging leider nicht auf – zwei Jahre Corona sowie gestiegene Energie- und Betriebskosten hinterlassen zu viele Fragezeichen, so dass die Warsteiner Event Hall im Dortmunder Ortsteil Hörde nun geschlossen wird.

Am Anfang standen großen Pläne – auf dem Phoenix-West Gelände sollte ein Komplex aus Disco und Live-Event-Halle entstehen, der 3.600 Zuschauern Platz bietet – eine optimale Zwischengröße aus FZW und Westfalenhalle. Die ehemalige Industriehalle Phoenix-West hat eine lange Vergangenheit. Erbaut wurde sie im Jahr 1905 und zunächst als Gasgebläsehalle – und somit für die Hochöfen des Stahlwerks genutzt. Danach wurde sie mehrfach umgebaut und diente bis zur Stilllegung der Hoesch-Hochöfen als Reserveteillager.

Im November 2017 fand mit einer Show der Berliner Band SDP dort das erste Konzert statt – doch das ist nun Geschichte. Die einstigen Betreiber, die Four Music-Booking Agentur, sowie zwei Mitglieder der fantastischen 4 (Smudo und Thomas D.) sind schon während der Corona-Krise als Gesellschafter ausgestiegen. Die Stadt Dortmund nutzte den Veranstaltungsort weiter als Impfzentrum. Wie es nun weiter geht, ist derzeit vollkommen unklar – auch zur Technodisco Tresor, die sich im Keller der Warsteiner Event Hall befindet, gibt es keine offizielle Stellungnahme.

Allgemein bekannt ist, dass die Generation TikTok sich lieber unter freiem Himmel trifft, anstatt in Discotheken oder Clubs zu gehen. Das sogenannte „Cornern“ ist sehr beliebt. In Dortmund stehen Jugendliche mit einer Kiste Bier im Westfalenpark oder an der Möllerbrücke herum (Szenesprech: sie „möllern“), in Bochum trifft man sich am Anneliese Brost Zentrum. Illegale Technoparties sind zurzeit gefragter denn je – und ähnlich gelagerte Pop-Up-Veranstaltungen auch. Gestiegene Verbraucherpreise machen sich überall bemerkbar – und gerade beim Freizeitverhalten wird dreimal überlegt, wo und wie das Taschengeld am besten angelegt wird.

 

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7 Kommentare

  1. #1 | DEWFan sagt am 11. Juli 2022 um 20:23 Uhr

    Hier ist der Artikel aus den Ruhrnachrichten (€) dazu:
    https://www.ruhrnachrichten.de/dortmund/aus-fuer-dortmunds-warsteiner-music-hall-als-konzert-ort-w1771000-p-2000574964/

    Laut Ruhrnachrichten soll aber der Techno Club Tresor. West nicht von der Umnutzung der Halle betroffen sein und diese soll weiterhin künstlerisch genutzt werden – was immer auch das heißen mag.

    Als „Boomer“ gibt mir das Freizeitverhalten der jungen Generation Rätsel auf. Auch wir haben vorher mal „vorgeglüht“ bzw. ein Wegbier getrunken, auch mal privat gefeiert. Dennoch haben wir – auch mit knappen Budget – gerne die Gastronomie genutzt und Kneipen, Biergärten, Clubs und Discos besucht. Das „cornern“ und „möllern“ war jedenfalls nicht der Höhepunkt des Abends/Wochenendes. Dortmund ist die Partyhauptstadt Europas, aber nur, wenn man Privatpartys mit einrechnet.

    Letztendlich muss jeder wissen wie er seine Freizeit verbringt, aber wenn sich auch hier „Geiz ist Geil“ durchsetzt, dann sollen die junge Leute nicht jammern, dass in den Städten (außer in Hipster-Städten und Ballermann-Vierteln) nichts mehr los ist. Und dass die Gastronomie sich eher auf zahlungskräftigeres Publikum einstellt: Restaurants auch in höheren Preislagen boomen ja noch in Dortmund und stellen bald den Großteil der Gastro-Szene dar.

    Ok, vor den Clubs, die Corona überstanden haben, bilden sich nach wie vor lange Schlangen. Und Konzerte laufen eigentlich auch noch gut. Vielleicht hat die Halle auch Strings BVB nur das falsche Bier.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 11. Juli 2022 um 20:27 Uhr

    @DEWFan: Meiner Beobachtung nach zerreißt unsere Gesellschaft auch im Freizeitbereich. Viele müssen nicht wirklich auf Geld achten, aber immer mehr können sich die rasant steigenden Eintrittspreise für Konzerte und Preise in der Gastro so nicht mehr leisten. Das Ergebnis ist eine Schere, die sich immer mehr öffnet. Gerade auch hier im Ruhrgebiet. Und dann kommt es eben darauf an, auf welcher Seite der ‚Schere‘ man landet….

  3. #3 | DEWFan sagt am 11. Juli 2022 um 21:22 Uhr

    Korrektur: „Strings BVB“ hat sich durch die Spracheingabe in den Satz gemogelt.

    #2 Robin Patzwaldt: ja, stimmt schon. Nicht nur im Ruhrgebiet. Noch schlimmer ist das nur auf den Urlaubsinseln: die einen können dort mit dicker Patte feiern, die anderen müssen dort leben und arbeiten.

    Andererseits ist gerade studentisches Publikum, was nicht unbedingt in Geld schwimmt, sehr ausgefreudig, und das war schon immer so. Und in der Dortmunder Nordstadt kann ich beobachten, dass junge Leute immer mehr auch die einfachen Eckkneipen erobern um in großer gemütlicher Runde zu knobeln, zu darten oder zu kickern. Also die Hoffnung stirbt zuletzt.

  4. #4 | SvG sagt am 11. Juli 2022 um 22:41 Uhr

    @ Autor: Das mit der Schere ist ein ebenso gern wiederholtes wie falsches „Narrativ“. Das gibt die Statistik einfach nicht her.

  5. #5 | Voranev sagt am 12. Juli 2022 um 00:27 Uhr

    Warsteiner hat schon nicht als Sponsor im BVB Stadion funktioniert – über diesem „Bier“ liegt einfach ein Fluch in Dortmund.

  6. #6 | Jan sagt am 12. Juli 2022 um 07:23 Uhr

    Vielleicht trifft sich die „Generation Tiktok“ auch nur die letzten 2 Jahre gerne unter freiem Himmel, weil alles andere geschlossen hatte 😉
    Im Westfalenpark am Sonntag bei den Giant Rooks waren zumindest noch ein paar tausend Konzerbesucher.

    Was aber stimmt ist, dass die Preise schon stark angezogen haben. So kostete ein 0,4L Bier dort 5€ und eine Pommes 4,50€.

  7. #7 | Andreas Ludwig sagt am 12. Juli 2022 um 10:07 Uhr

    Also bei Ticketpreisen von um die 50+€ + Getränke vor Ort ist die „Generation TikTok“ sicherlich nicht die Zielgruppe für die Konzerte in der Warsteiner Music Hall gewesen.
    Bei diesem (jedem?) Thema wieder die Generationskeule rauszuholen halte ich für unangemeßen und so pauschal auch ziemlich flach.
    Schuld an dem Untergang so einer Location wird vielmehr die anhaltende Corona- Pandemie sein. Denn auch mit dem passenden Taschengeld sparen sich viele Leute gerade noch Veranstaltungen mit vielen Menschen.

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