Dortmund, Essen und Bochum lassen das Ruhrgebiet hinter sich

Das ‚U‘ in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt das Voranschreiten Auseinanderfallens des Ruhrgebiets als Wirtschaftsraum. Während es drei Städten zunehmend gelingt, sich aus dem Elend zu befreien, gehört der Rest seit viele Jahren zur Unterschicht der deutschen Städte: Dortmund, Essen und Bochum beeindrucken durch eine aktive Startup-Szene. Dortmund schafft es sogar auf Platz 10 im Dynamik-Ranking. Misst man Lebensqualität, Wirtschaftsstruktur und den Arbeitsmarkt der deutschen Städte kommen Gelsenkirchen auf den letzten, Duisburg auf den vorletzten Platz. In den Top-Ten der Elendsstädte finden sich aus dem Ruhrgebiet noch Oberhausen und Herne.

Drei Städte im Ruhrgebiet setzen sich ab: Sie entwickeln sich, auf dem Arbeitsmarkt sieht es nicht ganz so düster aus und auch gut qualifizierte Menschen ziehen der Jobs wegen nach Dortmund, Essen und Bochum. Aber die drei sind natürlich nicht in der Lage, die ganze Fünf-Millionen-Region nach oben zu ziehen. Sie lassen die anderen Städte und damit das Ruhrgebiet schlicht hinter sich. Mit den Städten in ihrem Umfeld verbindet sie wirtschaftlich und kulturell immer weniger.

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Walter Stach
Walter Stach
7 Monate zuvor

DO, BO, Essen..
sehr erfreuliche Daten, sehr erfreuliche Nachrichten aus dem Ruhrgebiet ,für das Ruhrgebiet. „Beste Werbung“ für den nationalen/internationalen sog. Standortwettbewerb.

Mit den Städten in ihrem Umfeld verbindest sich wirtschaftlich kulturell immer weniger, sagt Stefan Laurin.
Da wäre m.E. eine differenzierte Betrachtung angebracht mit der Folge, über differenzierte Konsequenzen nachzudenken.

Zum einen wäre „das Umfeld“ differenzierter zu betrachten.

Die kleinen und mittelgroßen Kommunen in den Randzonen um die 3 Großstädte sind nicht a priori wegen ihrer Nähe zu den 3 genannten Großstädten und wegen deren positiver Entwicklung im Nachteil. Sie haben allerdings in ihrer kommunalen Politik im allgemeinen, in ihrer Stadtentwicklungspolitik im besonderen mehr denn je auf die positiven Aspekten der Stadtentwicklung in DO, BO und Essen einzustellen. Dazu gehört auch, daß die interkommunale Zusammenarbeit zwischen den 3 Großen und den sie umgebenden Kleinen wesentlich (!!) verbessert wird, wie auch immer organisatorisch gestaltet. „Da gibt es noch viel Luft“ nach Oben. Ich denke z.B. an das Miteinander von Waltrop -meiner Heimatstadt- , Lünen, Castrop-Rauxel mit Dortmund. So wohnen z.B. immer mehr in DO arbeitende und dort gut verdienen Menschen in Waltrop. Viele Waltroper nutzen seitjeher kulturelle Angebote in DO -Theater, Konzerte, Kunstausstellungen pp. -und das Angebot des BVB!!

Eine solch positiver Betrachtung der neuesten Daten aus der betr. Studie über die 3 Großstädten hinaus mit Blick auf ihre kleinen und mittleren Nachbarn ist mir allerdings verwehrt mit Blick auf die großstädtischen Nachbarn von DO, BO, E . nämlich GE, Duisburg, Herne, Oberhausen. MIr fällt jedenfalls dazu spontan nichts an inhaltlich Positivem ein, sondern lediglich die „unendliche Wiederholung“ einer Idee des „damaligen NRW-Innenminister W. Weyer -FDP- die 3 genannten Großstädte aufzuwerten als „Regionalstädte“ oder als „Mittelpunktstädte“, die dann in wichtigen Fragen kommunaler Politik über ihre jetzigen Grenzen hinaus auch zuständige wären für………GE, Oberhausen, Herne, Duisburg.

Oder……
„Man“ läßt es mit Blick auf GE pp. dieserhalb bei dem was ist und akzeptiert, daß es in GE, Oberhausen, Herne, Duisburg weiterhin die Räume gibt oder gar geben sollte, in denen Menschen wohnen, arbeiten, einkaufen, sich vergnügen können, die sich nicht auf die Angebote, die ihnen in DO, BO, E gemacht werden, einlassen können oder einlassen wollen.
Letzteres ist bekanntlich weltweit in den Ballungsrandzonen aller Regionalstädte, aller regionalen Ballungszentren festzustellen. Die dort lebenden, arbeitenden, wohnenden, sich vergnügenden Menschen sind keineswegs in ihrer überwiegenden Mehrheit Menschen, die t ständig mit ihrem Lebensumfeld und mit sich selbst unzufrieden sind, vor allem dann nicht, wenn sie erkennen können, daß sie in einer Gemeinschaft ihresgleichen leben und von dieser akzeptiert werden, daß sie in einer Gesellschaft leben, die von sich aus und ortsbezogen ständig um Verbesserung des Lebensumfeldes kämpft und daß ihnen die „örtlichen Behörden“ im Rahmen ihrer Mittel und Möglichkeiten „zur Seite stehen -subsidiär?

ZeroZero
ZeroZero
7 Monate zuvor

Laut Wirtschaftswoche entwickelt sich auch Herne ganz gut.
‚Das Wunder von Herne‘
https://www.wiwo.de/politik/europa/staedteranking-2021-das-wunder-von-herne/27903848.html

Wieso Duisburg mit seiner Größe und eigentlich der besten Lage im Revier nichts wirklich gelingt bleibt ein Rätsel

Philipp
Philipp
7 Monate zuvor

@ZeroZero

Der Strukturwandel in Duisburg ist im Vergleich zu den anderen großen Ruhrgebietsstädten noch nicht weitestgehend abgeschlossen und das blockiert viele Kräfte.

Essen hat die vielen Unternehmenszentralen, die mit Kohle und Stahl nichts mehr zu tun haben.

Bochum hat Hochschulen und Startups, Stahlerzeugung u. Verarbeitung spielen keine große Rolle mehr.

Dortmund hat die vlt. stärkste Struktur mit vielen mittelständischen Unternehmen, die moderne Industrieproduktion leisten, dazu IT-Branche und Krankenversicherungen.

In Duisburg spielt die Stahlerzeugung mit 20.000 Mitarbeitern bei Thyssen-Krupp und HKM noch eine große Rolle und keiner weiß, ob sich die Umstellung auf Wasserstoff wirtschaftlich rechnet. Viele Analysten bezweifeln das, obwohl das natürlich kein Politiker öffentlich sagen würde. https://www.capital.de/wirtschaft-politik/der-energieschock-der-deutschen-industrie-31886468.html

Dazu kommt die Gasturbinenindustrie, die in Duisburg immer noch eine große Rolle spielt (Siemens, Hitachi, Standardkessel ist grad weggezogen). Hitachi war mal Babcock Borsig und hatte einst 20.000 Mitarbeiter, nach der vor Wochen angekündigten Schließungsrunde sind es noch 150 und auch die werden irgendwann ihren Job verlieren.

Jetzt hat Duisburg neben Bochum und Dortmund die ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten im Ruhrgebiet. Aber eine katastrophale Raumstrategie. In Bochum und Dortmund sind die Campi/Campusse in Barop und Querenburg etwas außerhalb,aber gut über Autobahn/ÖPNV angebunden und vor allem gibt es jede Menge Freiflächen. Einfach mal auf Google Maps gucken. Da kann man sich ausprobieren und hochschulnah gründen. Und wenn’s einem da zu eng wird geht auf man die ehemaligen Opelflächen a.k.a. Mark 51*7 respektive eine der neuen Flächen die Dortmund da entwickelt. Die Politik in den beiden Städten hat das auch im Blick und deswegen funktioniert das auch halbwegs.

In Duisburg sind viele der ingenieurwissenschaftlichen Einrichtungen mitten in Wohngebieten, Freiflächen Mangelware. Man versucht das zu beheben, in dem man einen neuen Ingeniercampus in den Stadtteil Wedau auf eine ehemalige Bahnfläche baut. Aber das dauert natürlich 15-20 Jahre und Gründereffekte wahrscheinlich ebenfalls so lang, dann reden wir vom Jahr 2060. Dazu ist Duisburg im Vergleich zu Bochum und Dortmund nicht cool genug. In letztgenannten Städten kann man feiern und Party machen, warum soll ich dann Duisburg bleiben und was gründen? Dazu kommt, dass die örtliche Logistik einen riesigen Raumhunger hat und manchmal potentiell interessante Flächen blockiert.

Viele der ingenieurwissenschaftlichen Schwerpunkte in Duisburg sind auch völlig veraltet und/oder deplatziert. Es gibt Forschung zu Schiffsbau, weil Duisburg durch seine Lage früher größere Binnenschifftswerften hatte. Heute gibt es noch 2 davon und die machen mit wenigen Mitarbeitern höchstens Reparaturen. Heißt die Absolventen gehen weg., nach Papenburg oder Kiel oder wohin auch immer.

Oder man forscht zu Automobilbau und die Absolventen gehen nach Stuttgart. https://eteam-due.de/content/

Oder man forscht zu Nachrichtentechnik, obwohl Intel seinen Duisburger Standort geschlossen hat. Wieder gehen viele Absolventen weg.

Also meine Antwort wäre: Angst um Thyssen-Krupp blockiert, mangelnde Coolness, schlechte Raumplanung und unpassende Schwerpunkte der ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten.

P.S.: Ich glaube und habe das hier auch öfter geschrieben, dass Duisburg sein Heil in der Kooperation mit Düsseldorf suchen sollte. Der neue Ingenieurcampus wird im Duisburger Süden, an der Grenze zur Landeshauptstadt gebaut, da geht sicher einiges an Kooperationen, wenn man das klug macht. Und wenn Deutschland jetzt aufrüstet, könnte das Düsseldorfer Rüstungsunternehmen Rheinmetall ein Teil der neuen Radpanzer auf den dann obsoleten Thyssen-Krupp Flächen in Duisburg-Marxloh bauen. Der Duisburger Unternehmer Ulrich Grillo ist immerhin schon mal Aufsichtsratchef. Aber das dürfte wie so vieles im Ruhrgebiet ein Traum bleiben. 😉

Glück Auf.

Ich
Ich
7 Monate zuvor

Ich war in Münster, Bonn und Bremen mit dem
9€-Ticket und finde es erschreckend, das Städte wie Dortmund und Essen und Bochum den Städten Münster, Bonn und Bremen um Welten hinterherhinkt. Fahr mal in alle 6 Städte und achte auf alles, auch auf Details. Das Ruhegebiet hinkt hinterher auf vielen Ebenen, guck die bloß mal die Bahnhöfe an bei uns. Fehlplanung über Fehlplanung, im Ruhrgebiet fehlt es an Kultur und Kunst die im öffentlichen Leben sichtbar ist.

SvG
SvG
7 Monate zuvor

@ zero zero: „Wieso Duisburg mit seiner Größe und eigentlich der besten Lage im Revier nichts wirklich gelingt bleibt ein Rätsel“
Immerhin haben die das Wunder von Marxloh.

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