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Dortmund: Nazis besuchten und bedrohten OB Sierau zu Weihnachten

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau bekam kurz vor Weihnachten Besuch: Von Nazis.

Wie sicher sich die Nazis in Dortmund fühlen beweisen die Aktionen der „Nationalen Weihnachtsmänner“ in den vergangenen Wochen. Sie verteilten Flugblätter vor einer SPD-Veranstaltung in Dorstfeld. Und nun schauten sie beim Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau vorbei – zu Hause. Ein als Weihnachtsmann verkleideter Nazi überreichte Sieraus Frau ein Geschenkpaket. In einem beiliegenden Anschreiben wurden politische Forderungen gestellt und Sierau indirekt bedroht: „Wir vergessen niemanden.“

Von der NPD gab es zu der Aktion Applaus. Sie kommentierte die Aktion der Nazis auf Facebook mit  einem hämischen „Frohe Weihnachten, Herr Oberbürgermeister „ahnungslos“ Sierau“.

Der Besuch Sieraus ist ein weiterer Tabubruch. Die Nazis testen ihre Grenzen aus. Und bislang gilt: Es gibt in Dortmund niemanden, der ihnen diese Grenze aufzeigt.

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27 Kommentare zu “Dortmund: Nazis besuchten und bedrohten OB Sierau zu Weihnachten

  • #1
    Anonymous

    Wenn ich eine Wildsau, die vor meinem Haus randaliert, ordentlich füttere, brauche mich nicht wundern, wenn sie in das Haus kommt und sich ihr Futter selber holt. Köln zeigt, wie man mit Nazis umgeht.

  • #2
    Lokalo

    Naja, wenn so ein Weihnachtsmann bei mir klingelt, vermute ich zunächst auch erstmal keinen Nazi darunter.

  • #3
    Nicolas

    Das kommt davon wenn Sierau immer seelenruhig erzählt, das jedes Jahr im September Dortmund nur als Aufmarschplatz missbraucht wird und die Stadt mit Nazis sonst nichts zu tun hat. Wie man sieht gehen die immer weiter und können somit ungehindert Vorbild sein für andere Städte, in denen diese Heinis glücklicherweise nicht so frei argieren können wie in Dortmund.

    (weihnachten könnte ich glücklicherweise wieder sehen und spüren, das andere städte meilenweit entfernt vom neobraunen dortmund sind.)

  • #4
    Deniz

    Ich verstehe nicht was Leute davon haben, wenn sie überall behaupten, dass Dortmund, oder die Stadt Dortmund nichts gegen Nazis tut. Ich kenne keine Stadt in Deutschland die so viel finanzielle und personelle Mittel gegen Rechts stellt und das obwohl die Stadt echt nicht in Geld schwimmt. Ich kenne auch keine Stadt in der so viel präventive Arbeit an Schulen und anderen Einrichtungen gegen Rechts gemacht wird. Ich kenne auch keinen andern Oberbürgermeister, der sich so deutlich gegen Rechts ausspricht und arbeitet wie Sierau. Und vor allem: Ich habe noch nie jemanden von der Stadt sagen hören, dass wir kein Problem mit Nazis haben. Und wenn, dann würde der keinen Tag länger im Amt bleiben.
    Also: Bitte immer ehrlich und faire bleiben! Überlasst es den Nazis die Wahrheit zu verdrehen!

  • #5
    Stefan Laurin

    @Deniz: Nö, sehe ich anders:
    http://www.ruhrbarone.de/nazis-warum-dortmund-seine-hausaufgaben-nicht-gemacht-hat/

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  • #7
    Lokalo

    #5 | Stefan Laurin: Finanzielle Mittel im Kampf gegen Rechts werden in Dortmund reichlich eingesetzt, nur eben nicht besonders effizient.

  • #8
    Paul Mongrel

    Die Braunen aus Oberdorstfeld wohnen seit Jahren in Wohnungen der Stadttochter dogewo21.

  • #9
    Katharina

    Und Braune aus Duisburg wohnen in IMMEO-Häuser, ehemals Thyssen-Häuser.
    Haben einen Freibrief und dürfen sich alles erlauben.
    Polizei und Staatsanwalt kann man ruhig einschalten.
    Sie unternehmen beide nichts, da nicht von öffentlichem Interesse.
    Oberbürgermeister müsste man sein. Bin sicher, dass dann etwas unternommen würde.
    Vor dem Gesetz sind alle gleich, nur manche gleicher.

  • #10
    Radler

    Woher habt ihr eigentlich die Info (Quelle)? Aber ok, vorstellbar ist das und wenn’s stimmt, ist das schon dreist…

    Eigentlich stimme ich eher Deniz zu, die Stadt ist eine *Verwaltung* und an Gesetze gebunden, ok, klingt banal, ist aber so. Die (partei)politisch motivierten Äußerungen und Handlungen stehen da auf einem anderen Blatt, interessant wird das jetzt, weil wir schon mitten im Wahlkampf für die zu wiederholende Ratswahl sind.

    Aber, was gar nicht geht, sind Anspielungen auf Vermieter, die Nazis *beherbergen* – haben die Kritiker keine Ahnung vom Mietrecht ? Bsp: die Stadt hat ja bekanntermaßen das Gebäude in der Rheinischen Str. trotz klammer Haushaltskasse gekauft, um zu verhindern, dass die Nazis dort ein sog. Ausbildungszentrum eröffnen. Gleichwohl gibt es langjährige Zeitmietverträge für das ehem. Ladenlokal im EG, wo die Nazis sich weiterhin *legal* treffen, feiern und besaufen können. Das ist für die Verwaltung ein Riesen-Problem! Und bekannt ist auch, das sie, die Nazis, mittlerweile über fachlich ausgefuchste Anwälte verfügen (s.a. die Legalisierung der elenden Aufmärsche jedes Jahr durch die Verwaltungsgerichts-Instanzen).

  • #11
    crusius

    Mir stellt sich die Frage, warum zum Zeitpunkt dieses Kommentars weder DerWesten noch die Ruhrnachrichten etwas zu der Angelegenheit bringen. Sollte sich da nach kurzzeitigen Aufwallungen wieder das alte Prinzip „Was wir nicht berichten, hat auch nicht stattgefunden“ durchsetzen? Das Schweige- und Verniedlichungskartell des Dortmunder Lokaljournalismus sollte man bei aller berechtigten Entrüstung über das Politikversagen der letzten Jahre nicht unter den Tisch fallen lassen. DerWesten macht derzeit mit den tollen neuen Fahrkartenautomaten auf, während die Ruhrnachrichten zur neuen Umweltzone Beratungsangebote machen.

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  • #13
    HalloGallo

    Ich frage mich, wo so viele peronelle und finanzielle Mittel gegen Nazis gestemmt werden.Der einzige Stadtteil in Dortmund wo es eine, ich mag das Wort gar nicht aussprechen, „Taskforce“gibt ist die Nordstadt um gegen die bösen Migranten und Prostituierten vorzugehen. Dort funktioniert es,dank unserer Lokalpresse,sehr gut in den Köpfen der Bevölkerung einen halben Stadtteil zu kriminalisieren.Wer sonst prägt solche Begriffe wie Horror Haus, Dönermord und Bulgarenstrich?Wer hat denn von der lokalen Presse schonmal dargestellt wo die wirklichen Probleme liegen, bevor eine bestimmte Personengruppe kriminalisiert wird?

  • #14
    Thomas

    @11: Die Dortmunder Lokalpresse sieht Berichterstattung über Nazi-Umtriebe in Dortmund wahrscheinlich als ein „PR Geschenk“ an die Nazis, und schweigt daher lieber eher, als dass sie berichtet.
    Siehe auch (Statement eines RN-Mitarbeiters):
    https://twitter.com/#!/PhilippOstrop/status/150297397011030017

  • #15
    Stefan Laurin

    @Thomas: So sehr ich Philipp schätze, ich sehe das anders. Die Nazis haben ihre eigenen Medien über die sie solche Aktionen bekannt machen können. Ihr Umfeld weiß also bescheid – und das ist die PR Seite der Geschichte. Dazu brauchen sie niemanden. Darüber zu berichten zeigt jedoch wie weit die Nazis mittlerweile gehen und wie groß das Problem in Dortmund ist. Über so etwas zu berichten und es nicht zu verschweigen gehört für mich zu den Aufgaben der Presse.

  • #16
    Lokalo

    @#13 | HalloGallo: Man kann doch Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, es gibt eben 2 unterschiedliche Probleme und Innenminister Jäger hat doch eine Taskforce für die Dortmunder Nazis bereits angekündigt.

  • #17
    Stefan Laurin

    @Lokalo: Das sind nicht „Äpfel und Birnen“. Die Stadt wurde massiv in der Nordstadt aktiv und nicht in Dorstfeld, wo die Nazis Menschen bedrohen. Da sieht man wo für die Stadt und die sie dominierende SPD das grössere Problem liegt. Übrigens: Noch im September hat sich Sierau darüber beschwert das Dortmund in den Medien als Nazi-Hochburg dargestellt werden würde. Und auch in Dorstfeld, so wurde es auf einer Pressekonferenz verkündet, hätte man das Problem im Griff…

  • #18
    Radler

    Die Infos stammen von der bekanntesten Dortmunder Nazi-Seite. Dort ist auch ein Video verlinkt, das die Provokation als ziemlich authentisch belegt (warum sagt ihr das nicht?).

    Vom OB wird es vermutlich keine öffentlichen Reaktionen darauf geben – und m.E. aus gutem Grund. Nicht, weil das irgendein *Einknicken* o.ä. bedeuten würde, sondern weil diese Art der Provokation noch ziemlich harmlos ist zu dem, was anderen Aktiven gegen die Nazis in der letzen Zeit so passiert ist (reale Drohungen, Sachbeschädigungen sprich Beschmierungen usw.). Wenn sich jetzt der OB als Opfer gegenüber der Presse präsentieren würde, kann ich mir die Entrüstung innerhalb des politischen Gegenlagers (nicht nur in der sog. Antifa) vorstellen: „Siehe da, wenn er selbst was abkriegt, jault er und sonst tut er ja nicht genug…“

  • #19
    Michael Kolb

    Wir haben die Frage, ob man den Rotz durch Berichterstattung nicht auch noch adelt, ja vorher diskutiert und sind zu der Entscheidung gekommen, daß es so einfach nicht weitergehen kann. Davon ab, ist es eine Situation gewesen, in der man es einfach nicht richtig machen kann, im kruden Selbst- und Weltbild ist es nahezu egal, ob man darüber berichtet oder nicht, sie empfinden alles als „Erfolg“. Schreibt man darüber fühlen sie sich toll und wahrgenommen, schreibt man nicht darüber, fühlen sie sich von der „Systempresse“ zensiert, kuscheln sich noch ein wenig enger zusammen und fühlen sich auch toll…

    Ich denke, daß der Weg, den wir hier gefunden haben, der richtige ist. Nix verlinkt und relativ unaufgeregt darüber geschrieben.

  • #20
    Stefan Laurin

    @Radler: Er hätte so etwas sagen können: „Die Aktion nur eine von vielen Naziaktivitäten unter denen Dortmunder Bürger in den vergangenen Jahren leiden mussten und viele wurden sogar Opfer von Gewalt. Ich kann jetzt persönlich ihre Sorgen noch stärker nachempfinden und möchte allen versichern das ich alles tun werde um das Treiben der Nazis in Dortmund zu unterbinden.“ Die Pressestelle in Dortmund ist top – die Beste im Ruhrgebiet. Die hätten sowas in ein paar Minuten auch zusammenbekommen. Und er hätte sich nicht „präsentiert“, sondern nur auf eine Anfrage reagiert und seine Solidarität gezeigt. Das ist alles kein Hexenwerk – das ist Kommunikation.

  • #21
    Radler

    Ok, überzeugt, aber ich denke, eine Quellenangabe zukünftig wäre hilfreich. Schwanke da noch, ob eine Verlinkung oder ein Zitieren richtig ist. Keines von beiden Möglichkeiten würde m.E. die Nazis *adeln* – sonder zeigt in vielen Artikeln ihr wahres dreckiges Gesicht.

    (Bearbeitet – wir wollen hier keine kompletten Nazi-Artikel. Auch nicht als Beleg oder Zitat. Admin)

  • #22
    Radler

    Ok, aber sagt mir bitte, wie man den Inhalt und den Tenor solcher Schmähschriften bekannt macht – der Text zeigt anschaulich die ungeschminkte Seite der Nazis, frei von allen sog. Jugendkultur-Anbiederungen, rein verfasst in der Sprache der alten Holocaust-Nazis:

    Hier nochmal – auszugsweise – die Zitate:

    „Verjudetes Qualitätsjournalistengeschmeiß“…. „biologische Daseinsberechtigung“ „Kugeln oder Sprengstoff wäre Materialverschwendung für gesinnungsakrobatisches Gesindel wie euch, für das unseres Erachtens ein gewöhnlicher Knüppel zum Heimleuchten genügt“

    „Wir sagen es allerdings ganz offen, wenn in der BRD irgendwann mal eine Type, die weniger human ist als unsereiner, jemanden von eurem Geschmeiß aus unserem Leben ausrottet, wie es“ … XXX… „so brillant ausdrückt, so begeht dieser Zeitgenosse in unseren Augen kein Verbrechen, sondern trägt nur zur allgemeinen Hygiene bei und verdient, daß man seinen Namen allein schon für einen solchen Versuch in goldenen Lettern schreibt“ „werte Freunde des Abschaums“

    „Nein, verjudetes Journalistenpack“, (…) „wenn man den Teufel nur lang genug an die Wand malt kommt er wirklich.“

    „A“ (xxx) “ setzt daher für braune Terroristen, (…) ein Kopfgeld von 50 Cent auf den häßlichen Schädel von „XXX“ aus. Abzuliefern in einem seiner Größe angemessenen Gurkenglas, damit er auch den nötigen Überblick hat. “

    PS: Diese Schrift war eine Replik auf einen Artikel eines Boulevard-Blatt-Journalisten nach der Entdeckung der Nazi-Terror-Gruppe.

  • #23
    Michael Kolb

    @ Radler:

    Ich für meinen Teil beantworte die Frage mal so: Ist wie bei Linux, manchmal ist einfach Eigeninitiative gefragt. In unserer Nachricht sind genügend „versteckte“ Hinweise darauf, was man bei google oder youtube eintippen muss, um an die entsprechenden Ergebnisse zu kommen. Ich gönne dem Pack einfach nicht die Genugtuung, einen ping, einen Klick oder was auch immer zu bekommen… So, nun ist das auch mal raus.

    Das was Du hier zitierst ist wieder eine ganz andere Nummer, jedenfalls in meinen Augen. Das wäre ein Thema für eigene Artikel, quasi eine Anthologie. Gutes Thema übrigens. Allerdings ist dafür eine Menge an Filterarbeit erforderlich.

  • #24
    Radler

    Danke, im übrigen wird der Artikel auch auf der Seite von jugendschutz.net (unterstützt von der BR u.a. offiziellen Stellen unterstützt) zitiert:

    http://hass-im-netz.info/fileadmin/dateien/dokumente/PDFs/rechtsterror.pdf

  • #25
    Radler

    @ Michael Kolb: Apropos Linux – mit Eigeninitiative und versteckten Hinweisen erreichen Ruhrbarone, die ich im übrigen sehr schätze, nicht das Ziel-Publikum.. macht es denen doch leichter, es geht um politisches, nicht um IT-*Knowhow*….

  • #26
    J.K.

    Jetzt bleibt doch mal alle locker – wahrscheinlich sind V-Leute involviert und das Ganze ist sogar vom Innenministerium gedeckelt, und daher auch die „Schreibblockaden“. ^^

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