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Duisburg: Greuliches Fremdschämen

Eine gute Nachricht, eine schlechte Nachricht. Die gute: die Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ hat - trotz Sommerflaute – mehr als 50.000 Unterschriften erreicht. Die schlechte: zur Abwahl steht ausschließlich Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Seine ganze Dezernentenriege steht nicht zur Disposition. Nicht einmal Sauerlands Freund und Stadtdirektor Peter Greulich.

Dr. Peter Greulich (Foto: Stadt Duisburg)

Eine gute Nachricht, eine schlechte Nachricht. Die gute zuerst: die Sprecher der Bürgerinitiative „Neuanfang für Duisburg“ melden soeben, dass sie – trotz Sommerflaute – mehr als 50.000 Unterschriften erreicht haben. Genug, damit ein Abwahlverfahren gegen Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland eingeleitet werden muss. Die Unterschriften liegen sicher im Tresor. Der erste Schritt ist geschafft: „Wenn die Listen Mitte Oktober überreicht werden, muss das Abwahlverfahren zwingend eingeleitet werden.“ Auch von hier: herzlichen Glückwunsch!

Jetzt ruft die Bürgerinitiative zum Endspurt auf. Die BI tut gut daran, jetzt nicht mit dem Unterschriftensammeln aufzuhören. Wer weiß, ob wirklich jede Unterschrift wirklich allen formaljuristischen Kriterien gerecht wird?! „Gilt“ die Unterschrift auch, wenn die Hausnummer fehlt? Oder die Postleitzahl? Und außerdem: je mehr Unterschriften zusammenkommen, desto größer der politische Druck. Das Quorum der Bürgerabstimmung stellt die größere Hürde dar. Man muss mit möglichst viel Schwung in den anstehenden „Wahlkampf“ hineinkommen. Schon allein deshalb kommt ein Aussetzen der Unterschriftensammlung überhaupt nicht in Frage.

Wie auch immer: die erforderliche Zahl an Unterschriften ist zusammengekommen, lange „vor der Zeit“. Ein Grund zur Freude, eine gute Nachricht! Und nun die schlechte Nachricht: zur Abwahl steht ausschließlich Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Seine ganze Dezernentenriege steht nicht zur Disposition. Nicht einmal sein Ordnungs- und Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe, gegen den die Staatsanwaltschaft in Sachen Loveparade ermittelt. Und nicht einmal Sauerlands Freund und Stadtdirektor Peter Greulich! Nichts zu machen; das Volk kann ihn nicht abwählen.

Dr. Greulich ist Wahlbeamter; der Stadtrat könnte, will aber nicht. Das Volk muss ihn hinnehmen. Und das ist gar nicht so einfach. Peinlich ist es, absolut peinlich, und peinlich ist gar kein Ausdruck! Letzten Freitag hatte David Schraven diese Geschichte im „WAZRecherche-Blog“ enthüllt; am Samstag stand sie ganz groß und auflagenstark in den Printausgaben der Zeitungen der WAZ-Gruppe. Es geht um die Trauerfeier, die für die Opfer der Loveparade am Jahrestag der Katastrophe im MSV-Stadion stattfand. Die Stadt Duisburg war auf Wunsch der Angehörigen nicht an deren Vorbereitungen der Trauerfeier beteiligt. Verantwortlich war die NRW-Staatskanzlei. Sauerland verzichtete auf eine Teilnahme, bevor er ausgeladen werden konnte.

Und sechs Wochen später erfährt man, mit welcher Nickeligkeit die Duisburger Stadtspitze nachgetreten hatte. An vorderster Front der Diener seines Herrn, Stadtdirektor Dr. Greulich. Nachdem er sich weigerte, die Veranstaltung zu genehmigen, sprach er von einem „nicht genehmigten Schwarzbau“, den z.B. die Ministerpräsidentin für ihre Ansprache nutzte. Großzügigerweise habe er, Greulich, auf „eine Untersagung der Veranstaltung“ verzichtet, wie sie „normalerweise“ hätte erfolgen müssen. Seine Mitarbeiter seien wie bei der Loveparade unter Druck „von oben“ gesetzt worden, um zu genehmigen, was nicht zu genehmigen war. Sagt Greulich. Immerhin: da könnte man ja noch einmal nachfragen. Kinder und Besoffene sagen die Wahrheit.

Die ganze Geschichte ist dermaßen peinlich, sie beißt einem förmlich ins Rückenmark. Man kann den Kopf vor lauter Fremdscham gar nicht so tief in den Sand stecken, dass man das Gefühl erhalten könnte, nicht mit diesen Würmchen in einen irgendwie gearteten Zusammenhang gebracht zu werden. Ich dachte mir jedenfalls: „sach ma nix!“ Das war natürlich naiv, Davids Story war nicht mehr zu stoppen. Alle haben sie sie nacherzählt. Die Süddeutsche: „Bürokratie vor Pietät: `Juristisch illegal´“. „Juristisch illegal“, sehr schön.  Der Spiegel: „Behördenposse in Duisburg: Stadt verweigerte Genehmigung für Love-Parade-Trauerfeier“. Und all die anderen.

Ein entsetzlich greuliches Fremdschämen. Meine Güte, der Peter! Es ist einfach nicht zu fassen. Wenn der da auf seinem coolen Fahrrad auf der Königstraße steht, ein Eis mit Hörnchen in der Hand, ganz locker, … – der Peter ist von den Grünen. Also echt, man traut ihm so etwas absolut Bescheuertes überhaupt nicht zu. Ich überlege gerade. So eine Verschwörungstheorie. Ob der mit dieser Nummer für das Abwahlverfahren Reklame machen wollte? Das wäre ja … – Nein, glaube ich nicht. Der Peter doch nicht. Echt nicht.

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11 Kommentare zu “Duisburg: Greuliches Fremdschämen

  • #1
    Caro

    Ich würde mir wünschen, daß dieser Dr. Peinlich nicht ungeschoren davon kommt. Aber ich habe starke Zweifel. Die Staatsanwaltschaft hat ihn nicht in den engeren Kreis aufgenommen und das Langzeitgedächtnis der meisten Wähler ist eher schwach ausgeprägt.

  • #2
    Erdgeruch

    Da hat sich dann wohl in der Duisburger Verwaltungsspitze eine gewisse Bunkermentalität breitgemacht, in der man jeden Bezug zur Realität verloren hat. Aber der Stadtdirektor muss sich in einem Punkt keine Sorgen machen. Als Dezernent der Grünen sitzt er sicher im Sattel, denn gegen die Grünen geht derzeit keine Koalitionsbildung im Stadtrat. Zudem hat der Oberbürgermeister durch sein erratisches Verhalten alle politische Schuld medial auf sich genommen, so dass er zum richtigen Zeitpunkt straflos die Seiten wird wechseln können. Und die Wähler werden die Grünen als neue Besenstielpartei dafür auch nicht abstrafen.

    Wobei… eine Gedankenspielfrage stelle ich mir gerade schon. Wenn es in Duisburg wirklich zu einer Neuwahl käme, würden die Grünen einen eigenen Kandidaten aufstellen?

  • #3
    Robin

    Soetwas gibt es nicht nur in Duisburg. Auch hier im kleinen Waltrop würde ich gerne einen Teil der Verwaltung ausgetauscht sehen. Auch hier schäme ich mich für die Einstellung und die Taten bzw. Nicht-Taten einiger. Nützt aber auch hier nichts, leider… Ist im benachbarten Datteln auch nicht anders…. und mit ’nicht genehmigten Schwarzbauten‘ kennt man sich hier in der ‚Provinz‘ des Ruhrpotts auch aus, ich sag‘ nur ‚Datteln 4‘ 😉

  • #4
    Katharina

    Ein strahlendes Lächeln, Herr Dr. Greulich, reicht nicht.
    Studium und Intelligenz reichen auch nicht.

    Wie wäre es mit etwas Empathie und emotionale Wärme und für die Duisbürger Bürger
    und nicht nur für sich und Herrn Sauerland.

  • #5
    Bürgerwehr

    Ich bin gebürtiger Duisburger und 58 Jahre alt. So lange ich denken kann hat diese korrupte Mischpoke im Rathaus sich parteiübergreifend selbst bedient. Dass die CDU in der langen Opposition die Guten waren ist nichts als ein dummes Gerücht. Die haben sich auch in den Oppositionsjahren ihr ordentliches Stück von öffentlichen Kuchen abgezweigt, schließ war Ruhr die oberste Bürgerpflicht in Duisburg.

    Selbst heute, nach Loveparade, City Palais, Lustreisen und Pöstchengeschacher dass einem die Augen tränen, ist der gemeine Duisburger immer noch nicht wach geworden.

    Ich schäme mich weniger für unsere Politfuzzis, die nehmen was sie kriegen können, als viel mehr für meine tumben Mitbürger, die scheinbar in der großen Mehrheit völlig intelligenzbefreit vor sich hin dämmern.

    Liebe Mitbürger, weggucken ist keine Tugend !!! WANN WERDET IHR ENDLICH WACH ????

  • #6
    Bürgerwehr

    Sorry, der Fehlerteufel hat zugeschlagen:

    Ich bin gebürtiger Duisburger und 58 Jahre alt. So lange ich denken kann hat diese korrupte Mischpoke im Rathaus sich parteiübergreifend selbst bedient. Dass die CDU in der langen Opposition die Guten waren ist nichts als ein dummes Gerücht. Die haben sich auch in den Oppositionsjahren ihr ordentliches Stück von öffentlichen Kuchen abgezweigt, schließlich war Ruhe die oberste Bürgerpflicht in Duisburg.

    Selbst heute, nach Loveparade, City Palais, Lustreisen und Pöstchengeschacher dass einem die Augen tränen, ist der gemeine Duisburger immer noch nicht wach geworden.

    Ich schäme mich weniger für unsere Politfuzzis, die nehmen was sie kriegen können, als viel mehr für meine tumben Mitbürger, die scheinbar in der großen Mehrheit völlig intelligenzbefreit vor sich hin dämmern.

    Liebe Mitbürger, weggucken ist keine Tugend !!! WANN WERDET IHR ENDLICH WACH ????

  • #7
  • #8
    gunda

    Wie gut das wir massiv uns im den Listen eingetragen haben, was beweissicher ist, eine Klage gegen die Bürgerabwahl sehen wir gelassen entgegen bzw wir werden die gegen Unterschiftenliste auf Rechtssicherheit und Verbindlichkeit klagen, danke 🙂

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  • #11
    Klaus

    Was dieser P.Greulich mit Duisburger Bürger macht ist Frech Provozieren.Und vor den Angehörigen der 21 Verstorbenen und über den 500 Verletzten ist eine Verhöhnung was er da macht.Er soll sich in Grund und Boden Schämen.Da kann man sehen wie Primitiv dieser Kerl denkt.Er soll mit ZURÜCKTRETEN.Er hat mit sein Unterstes Niveau Benehmen sein Stadtdirektor Titel nicht Länger Verdient.

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