Ein Wiedersehen, das den BVB nachdenklich stimmen sollte

Isak in Dortmund. Archiv-Foto: BVB

Der BVB trifft am Abend auf einen alten Bekannten. Mit Alexander Isak, der von 2017 bis 2019 in Diensten von Borussia Dortmund stand, könnte beim Gastspiel der Dortmunder bei Newcastle United heute ausgerechnet ein einstiger Ex-Hoffnungsträger der Westfalen das vorzeitige Aus in der Gruppenphase der UEFA Champions League besiegeln, der einst bei der Borussia als ‚nicht gut genug‘ vorzeitig aussortiert wurde.

Der Schwede, der in Dortmund die Geduld aller Beteiligten über Gebühr strapazierte, in die Rolle eines Top-Torjägers noch nicht zu passen schien, hat seinen Marktwert in der Zwischenzeit auf rund 70 Millionen Euro gesteigert und ist damit aktuell mehr ‚wert‘ als der höchsteingeschätzte Dortmunder des aktuellen Kaders. Klassisch ‚verpokert‘, nennt man das wohl, wenn man die Geschichte aus Sicht des Bundesligisten beurteilen müsste.

Nun ist eine solche Geschichte im Profifußball alleine betrachtet sicherlich Alltagsgeschäft und auch nicht ungewöhnlich . Eine solche Fehleinschätzung kann immer mal vorkommen. Insbesondere sehr junge Spieler können können halt noch ungeahnte Entwicklungssprünge vollziehen, sich anders entwickeln als erwartet bzw. erhofft. In Dortmund scheint Sturmtalent Youssoufa Moukoko gerade eine ähnliche Entwicklung zu nehmen. Auch bei ihm erscheint inzwischen zweifelhaft, ob er den in Dortmund in ihn gesetzten hohen Erwartungen am Ende denn wirklich gerecht werden kann.

Das Beispiel Isak zeigt aber, dass die Dortmunder Personalpolitik der vergangenen Jahre ein für einen Spitzenklub immenses Risiko in sich barg. In erster Linie auf Talente und Jugendspieler zu setzen, das war für den BVB keine Taktik, die sich am Ende wirklich ausgezahlt hat. Zumindest sportlich nicht. Schlug ein Talent bei der Borussia wie erhofft rasch ein, ging der Spieler häufig viel schneller als gewünscht zu einem von ihm oder seinem Management höhe eingeschätzte Verein. Die Namen Bellingham, Haaland, Sancho, Pulisic, Dembele oder auch Aubameyang, um hier nur einige zu nennen, seien hier in diesem Zusammenhang erwähnt. Entwickelte sich eine Neuverpflichtung in Dortmund nicht so positiv wie erwartet, war sie häufig auch schnell wieder weg, so wie Isak. Eine wirklich schlagkräftige Mannschaft, die mit dem FC Bayern München dauerhaft mithalten konnte, ließ sich so nicht aufbauen. Unter Michael Zorc wurde der BVB zum Durchlauferhitzer für Talente.

Dies verdeutlich noch einmal ganz klar, dass die Personalpolitik der vergangenen Jahre eben maximal finanziell eine erfolgreiche war. Sportlich stagniert der BVB seit den Tuchel Jahren wohlwollend betrachtet, viele glauben seither sogar eine Rückwärtsentwicklung zu erkennen. Zu den besten acht Teams in Europa, so wie am Ende der Klopp-Ära zählen die Dortmunder jedenfalls schon länger nicht mehr. Zwar gehören die Schwarzgelben noch immer zur nationalen Spitze, blieb ihnen ein Absturz wie der des Rivalen FC Schalke 04 erspart, doch war eine ambitionierte Weiterentwicklung eben schon länger nicht zu beobachten. Darüber kann auch die historisch verpatzte Meisterschaft im Mai nicht hinwegtäuschen, verdankten die Dortmunder hier ihre Titelchance doch in erster Linie der ungewöhnlichen Schwäche der Bayern.

Zum Glück hat sich die Kaderplanung des BVB unter Sebastian Kehl in den vergangenen Monaten schon etwas verändert, wurden in diesem Sommer auch einige erfahrenere Kräfte an die Strobelallee geholt. Der Fehler scheint inzwischen erkannt worden zu ein. Der heutige Abend wird dem BVB jedoch noch einmal schmerzhaft in Erinnerung rufen, was unter Manager Michael Zorc in Dortmund am Ende schief lief. Erst recht, wenn Isak mit seinen Toren die Borussia mit Newcastle vorzeitig aus der Champions League schießen sollte…

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