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Einschränkungen durch #Covid_19: Jetzt reißt euch doch mal wieder zusammen!

3D-Grafik des SARS-CoV-2-Virions Bild: CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM – This media comes from the Centers for Disease Control and Prevention’s Public Health Image Library (PHIL), with identification number #23312 Lizenz: Gemeinfrei

Die Zeiten sind unbestritten hart. Für jeden von uns. Eine Kontaktsperre hätten wir uns bis vor wenigen Wochen wohl mehrheitlich noch gar nicht ernsthaft vorstellen können. Jetzt ist es ‚dank‘ der Corona-Pandemie tatsächlich so gekommen. Und ein Ende ist, wenn viele Zeitgenossen auch darauf drängen die getroffenen Maßnahmen nach Ostern möglichst schon wieder zu lockern, gar nicht abzusehen, wenn man einmal ganz ehrlich ist.

Klar, eine gewisse Lockerung wird sich demnächst tatsächlich durchsetzen. Die Wirtschaft kann nicht über viele Monate in einen ‚Shutdown‘ überleben. Und trotzdem werden die Einschränkungen in unserem Alltag uns wohl mindestens bis zum Jahresende erhalten bleiben. Darin sind sich alle Experten eigentlich einig.

Trotzdem wird uns ständig die verlockende ‚Karotte‘ der womöglich schon bald zu erwartenden Lockerungen vor die Nase gehalten, wie bei einem ‚Esel‘, dessen Aufmerksamkeit damit angelockt werden soll.

Mir macht das Angst. Das Ganze weckt bei vielen Leuten in diesen Tagen eine Erwartungshaltung, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit so gar nicht realisieren lassen wird und auch nicht realisiert werden darf.

Die aktuellen Statistiken machen uns Mut. Die von der Politik getroffenen Maßnahmen wirken so langsam. Wir sollten uns diese schwer erkämpften Erfolge nicht unnötig und leichtfertig wieder kaputtmachen, damit womöglich eine noch viel größere Katastrophe heraufbeschwören.

Wer seinen persönlichen Alltag aufmerksam beobachtet, der wird ohnehin längst festgestellt haben, dass viele Mitmenschen in Sachen der im Zusammenhang mit dem Corona-Virus erforderlichen Selbstdisziplin schon jetzt wieder bedenklich nachlassen, damit sich und andere stärker gefährden als eigentlich nötig.

In den Supermärkten wurde in den vergangenen Tagen vielfach schon wieder wesentlich unbedachter gedrängelt als noch in der Vorwoche. Trotz der diversen Warnungen konnte, wer wollte, auch schon wieder deutlich mehr Leute dabei beobachten, wie sie sich bei wunderbarem Frühlingswetter weitestgehend ungestört in größeren Gruppen trafen, oder gar Ausflüge unternahmen.

Gerade in der Provinz gibt es niemanden, der diese in diesen Tagen unerwünschten Aktivitäten stoppen würde. Mag in den Großstädten der Einsatz von Drohnen und das Patrollieren von Ordnungshütern für die Durchsetzung der Maßnahmen bereitstehen, in den Vorstädten und der Provinz sieht die Sache ganz anders aus. Dort kann jeder vielfach weiterhin machen, was er oder sie für richtig und angemessen hält.

Ich bitte darum, mich jetzt hier nicht falsch zu verstehen: Ich fordere damit keinesfalls eine schärfere Überwachung oder ähnliches. Das wäre ohnehin zwecklos.

Mir geht es hier und heute in diesem Beitrag um die Erkenntnis, dass schon mit den gerade beschlossenen Einschränkungen nach und nach eine gewisse Lockerung der Maßnahmen zu beobachten ist. Das kann man ja jetzt schon erkennen.

Der große Corona-Schreck ist ansatzweise bereits verdaut, die Leute trauen sich nach und nach jetzt wieder mehr, verlieren zunehmend die Geduld und/oder wollen schlicht ihr vertrautes Leben zurück, nehmen es sich teilweise auch klammheimlich schon.

Das wird in wenigen Tagen mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass das Kontaktverbot und auch der ‚Shutdown‘ etlicher Wirtschaftszweige auch ohne eine offizielle Lockerung der getroffenen Maßnahmen sich in ihrer Eindämmungs-Wirkung abschwächen werden. Die dann zu verkündenden neuen Infektionszahlen wird das natürlich nicht positiv beeinflussen.

Bevor wir also ernsthaft über eine offizielle Rücknahme von Einschränkungen diskutieren, sollten wir wohl besser erst einmal abwarten, wie sich der Effekt dieser sich schleichend ausbreitenden Disziplinlosigkeit im Lande auf den Verlauf der Erkrankungszahlen und damit der Lage in unserem Gesundheitssystem auswirken wird.

Ich fürchte, die klammheimlich von der Bevölkerung selbst vorgenommene Lockerung reicht jetzt schon aus um uns weitere Rücknahmen von Beschränkungen im Alltag weitestgehend zu verbauen….

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8 Kommentare zu “Einschränkungen durch #Covid_19: Jetzt reißt euch doch mal wieder zusammen!

  • #1
    ke

    Die German Angst braucht einfach preußische Disziplin als Rettung vor dem Bösen.

    Das Virus ist in Deutschland und wir müssen mit ihm leben. Dabei gilt es insbesondere Risiken für die Übertragung zu minimieren.
    Aktuell sehe ich immer noch viel Panik und Unwissenheit. "Bleibt zuhause" ist für mich der Gipfel der dummen Regeln auf Kindergarten-Niveau. Wie soll so ein respektvoller Umgang mit Gefahr eingeübt werden?
    Man rennt mit Handschuhe durch den Supermarkt, entfernt sie beim Tippen der Geheimzahl und zieht sie direkt danach wieder an. Was soll das?

    Die Geschäfte haben immer noch keine vernünftigen Online-Services angeboten, bei denen man sich Waren zusammenstellen lassen kann, um sie dann kontaktlos zu bezahlen. OK, kontaktloses Zahlen ist ja sowieso Teufelswerk, obwohl es schon immer sicher und bequem war.

    Wir brauchen endlich klare Kriterien, in welchen Szenarien was möglich ist. Aber das RKI hat sich bisher noch nicht mit der Stichproben-Untersuchung zur Durchseuchung beschäftigt. Es ist also alles ein Steuern nach Gefühl im dicken Nebel. Da wir alle die German Angst haben, bleiben wir direkt stehen. Die Opfer, die das kostet, ignorieren wird.

    In meinem Umfeld sehe ich immer noch viel Respekt vor dem Virus, die Menschen sind draußen, halten aber Abstand etc. Ist es wirklich ein realistisches Risiko Corona an der frischen Luft zu übertragen selbst wenn man einen "normalen" Abstand beim Gespräch einhält?

    OK, insbesondere die junge Generation hat wohl bei den vielen Schulausfällen der letzten Zeit wenig von der Gefahr von Viren mitbekommen und ignoriert sie. Soziales Verhalten, mit dem Risikogruppen geschützt werden können, kennt man auch oft nicht.
    Das ist eigentlich unverständlich, da diese Generation noch vor 2 Monaten angeblich Panik hatte und nicht schlafen konnte, weil die Welt im Klimachaos versinkt.

    Es wird also die nächste Zeit Wellenbewegungen geben, die ein ständiges regeln der Möglichkeiten erfordern. Hoffentlich bekommt das RKI endlich seine Prozesse in den Griff und sorgt für schnelle Daten, damit man diese Dynamik auch mit Daten und nicht nur nach Gefühl steuern kann.

    Die German Angst macht mir langsam Angst. Wenn es so weitergeht, werden wir die Impfstoffe nicht mehr bezahlen können, wenn sie dann entwickelt werden.

  • #2
    Maluski

    Warum sollten Schüler/innen nun Regeln einhalten, wenn vorher der immer wiederholte Regelverstoß für Fridays for Future legitim und ungeahndet blieb?

    Der "Staat" hat sich schon längst seiner Legitimation selbst beraubt.

    Bleibt nur am Ende, dass Vater Staat seine dominante Fratze zeigt. Häusliche Gewalt inklusive. Oder man akzeptiert Freiheit. Freiheit ist eben mit Risiken verbunden, aber immer besser als tagtägliche Gängelungen am Tisch des Vaters und der devoten Mutter Courage.

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    #2: "Warum sollten Schüler/innen nun Regeln einhalten, wenn vorher der immer wiederholte Regelverstoß für Fridays for Future legitim und ungeahndet blieb?"

    Die Sache mit ‚Fridays for Future‘ habe ich, wie auch hier im Blog damals mehrfach geschrieben, ebenfalls sehr kritisch gesehen. Trotzdem sind aus meiner Sicht weder Staat noch Lehrer in erster Linie für die Kinder und ihr Verhalten verantwortlich. Es ist der Job der Eltern den lieben Kleinen zu erklären was gerade angesagt und erforderlich ist. Aber ich räume ein, dass das ein Problem ist, wenn die Eltern selber vielfach gerade die erforderliche Selbstdisziplin vermissen lassen, und sich nicht an die ausgerufenen ‚Corona-Regeln‘ halten… 😉

  • #4
    Psychologe

    "Die aktuellen Statistiken machen uns Mut. Die von der Politik getroffenen Maßnahmen wirken so langsam. "

    Ich frage mich immer noch, was denn das Ziel des Ganzen ist. Wir haben vermutlich eine "Durchseuchung" von noch nicht mal einem Prozent in rund einem Monat erreicht.
    Also "nur noch" 60 Monate Shutdown, bis die besagte Herdenimmunität erreicht ist? Das Gesundheitssystem, das die Kurve "flat" halten soll, gibt es das dann noch? Oder hat dieses dann schon selber eine "flatline"?

    Ein wenig sehe ich es wie "ke": " "Bleibt zuhause" ist für mich der Gipfel der dummen Regeln auf Kindergarten-Niveau."

    Ich würde noch ergänzen wollen, dass mich stört, dass die Situation nicht gestaltet wird, sondern man sich offensichtlich von einem Virus getrieben fühlt. Einfach alles zu zu machen; am Anfang der Infektionsausbreitung. Das ist so ziemlich der unkreativste und affektivste Weg, den man sich ausdenken konnte. Die Logik hat mir noch keiner plausibel erklären können. Ich höre nur "auf Sicht fahren", was für mich nichts anderes als ein Blindflug ist. Zudem komme ich mir vergackeiert vor, wenn das die argumentative Höhe ist, um Entscheidungen dieser Reichweite zu begründen.

    Aber zur Ausgangsfrage (wie doppeldeutig): Natürlich werden alle Appelle nichts nützen. Menschen funktionieren nicht wie Maschinen, bei denen man einmal das Waschprogramm einstellt und dann machen die das bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag so, wie man sich das wünscht. Dass das zunächst überhaupt so funktioniert hat, ist nur durch viel Angst zu erklären. Doch zunächst ändert sich das jetzt erst mal wieder. Der erste Schreck ist weg-habituiert, irgendwann kommen dann noch offene Widerstandshandlungen dazu. Auch soundsoviele tausend Tote beeindrucken nur am Anfang. Wie dumm, dass man es hier mit Menschen und menschlichem Verhalten zu tun hat.
    Eine weitere Variable, die man schlicht nicht berücksichtigt hat, weil man dachte, dass nur Virologen jetzt was wichtiges zu sagen haben.

  • #5
    Maluch

    #4
    Es bleibt an der gewählten Führung des Landes.
    Aber es wurde keine Macherin gewählt, sondern eine auf einer von rot-grün gestarteten Effizienzwelle der Wirtschaft sitzende Bewahrerin des Status quo, die mit einer durch Nullzins sinkendenden Zinslast ihre SPD unter Sozialrausch-Droge setzen konnte und trotzdem den CDUlern etwas von schwarzer Null vorgaukeln konnte.

    Nun fliegt der ganze Mist um die Ohren:
    Schwarze Null wird in der Banknotenpresse erdrückt, Geld ist genug da für sowas wie ein Grundeinkommen aus Staatshand.

    Eine schöne neue Welt. Warum soll sich übermorgen noch jemand Bemühen, wenn man heute sieht, dass es doch auch so geht?

    Vor allem:
    Jeder Selbständige sollte wissen, Corona ist ja nicht weg, und dieser Staat macht zu, wenn er will.
    Bescheuert, wenn man in diesen Zeiten noch geschäftliche Risiken eingeht statt sich einfach durch den Staat versorhen zu lassen.

  • #6
    Maluch

    #3
    Es ist darauf hinzuweisen, dass die Forderung nach Einhaltung der Schulpflicht vor wenigen Wochen in Bezug auf FFF (oder 666?) eher als Forderung von Rechten abgetan wurde.

    M. W. hat nur die AfD diese Pflichteinhaltung gefordert, während Merkel und Co diesen Rechtsbruch der Schülerschaft mitsamt der Eltern tolerabel finden.

    Und dieselben Protagonisten schauen heute weg, wenn das Grundgesetz ausser Kraft gesetzt wird, Polizisten mit Drohnen Abstände von Spaziergängern einmessen wo vor Wochen noch die Eindämmung von rechtsfreien Räumen in Parks (z. B. Görli) angeblich unmöglich war.

    Bananenrepublik, Willkür und Opportunismus. Vater Staat, ein Leben nah am familiären Missbrauch. Mutter Courage reagiert nicht, sie nimmt hin was mit ihren Kindern nun geschieht.

  • #7
    ke

    #5 Maluch
    Jetzt ist doch eine gute Zeit, das Geschäft zu überdenken und neu zu positionieren.
    Die Anpassungen bzgl. Corona laufen in einigen Bereichen, andere wollen es aussitzen. Das wird nicht funktionieren.
    Flexibilität zeichnet Unternehmertum aus. Ebenso wie ein konservatives Wirtschaften mit Geld für Notlagen/Auftragseinbrüchen.
    Wie peinlich ist es denn, wenn man nach Jahren der Hochkonjunktur es nicht schaffte, 1-2 Monate selbständig zu überbrücken? Dass bei einer stark steigenden Fallzahl auf die Bremse getreten werden musste, sollte klar sie.

    Wer jetzt nach dem Staat ruft, sollte sich nicht wundern, wenn die Forderung kommen wir, dass Steuern für solche Notlagen gezahlt werden müssen. Angestellte zahlen auch in die Arbeitslosenversicherung.

    Dass "Freibier für alle" nicht funktioniert und dass wir Corona nicht aussitzen können, sollte klar sein.

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