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Eishockey: Zoff um den DEL-Standort Krefeld

Der Königpalast in Krefeld. Quelle: Wikipedia, Foto: Raymond Tellers, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der ‚Königpalast‘ in Krefeld. Quelle: Wikipedia, Foto: Raymond Tellers, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eishockey hat es hierzulande schon seit langer Zeit traditionell schwer sich im Konzert der ganz ‚großen‘ Sportarten zu behaupten. Gerade auch in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) machen schon seit Jahren immer wieder Schlagzeilen von wirtschaftlichen Problemen einzelner Teams die Runde. Eishockeyfans aus dem Ruhrgebiet können hier ebenfalls ihre eigene Erfahrungen beisteuern. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur kurz u.a. an die ‚Revierlöwen‘ aus Oberhausen, welche zwischen 1997 und 2002 in der höchsten Deutschen Spielklasse unterwegs waren, inzwischen aber längst Geschichte sind.
Kaum ein DEL-Standort der nicht schon einmal in finanziellen Schwierigkeiten steckte, um seine Zukunft im Spitzeneishockey besorgt war. Egal ob Nürnberg, Köln, oder auch Düsseldorf. Wirklich glatt läuft es einfach nicht. Seit Jahren kämpfen die Clubs um mehr Medienpräsenz, um lukrativere Fernsehverträge, können ihre relativ teuren Teamkader kaum vernünftig gegenfinanzieren. An vielen Standorten, so wie z.B. auch in Iserlohn, spielen die Kuvencracks noch in veralteten ‚Wellblechhallen‘. Andere Standorte wie Köln, Düsseldorf und Mannheim verfügen hingegen bereits über moderne Multifunktionsarenen.
Auch in Krefeld war man vor gut 10 Jahren stolz, als man von der alten Rheinlandhalle endlich in den neu gebauten ‚Königpalast‘ umziehen konnte, seinen Fans endlich eine etwas zeitgemäßere Arena für die Auftritte der heimischen Krefeld Pinguine, den Deutschen Meister des Jahres 2003, präsentieren konnte.
Doch genau darum gibt es nun Ärger. Die Zukunft der Pinguine soll sogar auf dem Spiel stehen, wenn der Vertrag mit der Arenabetreibergesellschaft in Kürze ausläuft, und man sich aktuell noch nicht auf eine Fortsetzung des Mietverhältnisses für den Eishockeyclub einigen konnte.

 

Fans haben nun eine vielbeachtete Onlinepetition gestartet, welche Druck u.a. auf den Stadtrat aufbauen soll, damit es am Standort Krefeld auch zukünftig noch DEL-Eishockey geben kann.
In der nun dazu gestarteten Onlinepetition heißt es dazu:
„20 Jahre nach Gründung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) steht der DEL-Standort Krefeld, das sportliche Aushängeschild der Stadt Krefeld, vor dem Aus!
Der Grund: Der Mietvertrag zwischen den Krefeld Pinguinen und der Seidenweberhaus GmbH als dem Betreiber der Spielstätte KönigPalast läuft am 30. Juni 2015 aus. Trotz monatelanger Bemühungen seitens der Krefeld Pinguine um einen neuen Vertrag ist es noch nicht zu einem Vertragsabschluss gekommen.
Das Problem: Seitens der Deutschen Eishockey Liga muss am 15. Februar 2015 eine Lizenz für die kommende Saison beantragt werden und hierfür 100.000 Euro bei der DEL hinterlegt werden. Ohne einen Mietvertrag werden die Krefeld Pinguine jedoch keine Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten, was das Aus des DEL-Gründungsmitglieds bedeuten würde!
Betroffen hiervon sind nicht nur die zahlreichen Anhänger der Krefeld Pinguine. Betroffen sind auch zahlreiche Arbeitsplätze, die im Zusammenhang mit dem Spielbetrieb der Krefeld Pinguine stehen! Betroffen ist auch die Nachwuchsarbeit des Krefelder EV 81, welche zu den besten in Deutschland gehört, denn ohne Profi-Eishockey auf höchstem Niveau ist auch eine Nachwuchsförderung, wie sie derzeit in Krefeld geleistet wird, nicht mehr darstellbar! Und betroffen ist letztendlich auch die Stadt selbst, denn ohne einen Ankermieter wie die Krefeld Pinguine ist die Zukunft des KönigPalast ungewisser denn je!
Wir fordern daher den Aufsichtsrat der Seidenweberhaus GmbH und den Rat der Stadt Krefeld auf, alles dafür zu tun, dass es zu einem akzeptablen Mietvertrag kommt, welcher die Existenz des DEL-Standortes Krefeld sicherstellt. Spätestens nach der Ratssitzung am 5. Februar muss über dieses Thema Klarheit herrschen!“

 

Das klingt sehr dramatisch. Jedoch sehen nicht alle Anhänger der Pinguine den ‚Schwarzen Peter‘ in dieser Angelegenheit so eindeutig verteilt. So erhielt ich zur Sachen von einer langjährigen Anhängerin des Clubs kürzlich folgende Stellungnahme dazu:

„Ich bin im Moment völlig hin- und hergerissen. Und finde es unglaublich, dass das alles so hohe Wellen schlägt. Die Pinguine können nicht ohne den KöPa, der KöPa kann nicht ohne die Pinguine. Wer was von wem will und wer das Sandförmchen zuerst weggenommen hat, ist schwer zu sagen. Beide sind schuld. Aber Fakt ist, und da glaube ich fest dran, beide Seiten können es sich gar nicht erlauben, die Verhandlungen scheitern zu lassen. Sie werden sich einigen…. Es ist schön, das die Fans so beieinander stehen, dass Fans in ganz Deutschland sich pro Krefeld zeigen, aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, das die Fans vor den Karren gespannt werden. Denn in Wirklichkeit interessieren sich die Pinguine nicht so für die Fans und der KöPa erst recht nicht. Hört sich hart an, aber Eishockey ist ein Geschäft. Nostalgie gibt es nur bei den Fans.
Auch ich habe die Petition unterschrieben, als Fan mit schwarz-gelben Herzblut. Als Jemand von außen bin ich stocksauer, wie man dem Sport so schaden kann und dabei auch noch denkt, man hätte Recht. Wie die Kinder. … ich kann da nur noch den Kopf schütteln.“

 
Bei der Petition, welche innerhalb kurzer Zeit bereits über 3.900 Unterschriften von Eishockeyfreunden aus ganz Deutschland erhalten hat, stehen übrigens der Pinguine Supporters e.V. & dem Fanprojekt Krefeld Pinguine e.V..

Man sieht an diesen aktuellen Aktionen und Debatten, es bleibt unruhig und spannend rund um das Deutsche Spitzeneishockey!

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