Yanis V. – Abgang eines feigen Narzissten

Steht gerne allein im Mittelpunkt: Varoufakis (Symbolfoto. Quelle: Micke Macke / Flickr / cc-by-sa)
Steht gerne allein im Mittelpunkt: Yanis V. (Symbolfoto. Quelle: Micke Macke / Flickr / cc-by-sa)

Griechenland – Yanis V. (54) hat seinen Rücktritt angekündigt. Nur einen Tag nach dem Referendum in Griechenland, das im Ergebnis eben jenes „Nein“ gebracht hat, das der griechische Finanzminister und Ministerpräsident Tsipras sich gewünscht hatten. Zeit für deutliche Worte, wie sie V. selbst immer schätzte.

Narzissten sind ein Problem für eine soziale Gesellschaft. Denn sie verstehen es, Interaktionen zu manipulieren, sie begeistern, sie betreiben Selbst-Viktimisierung, sie hetzen auf, und schließlich strafen sie all jene ab, die ihnen nicht grenzenlos zujubeln. Auch sind sie nicht in der Lage, einen Prozess zu Ende zu gestalten, der auf einen Kompromiss hinaus läuft. Die narzisstische Kränkung, die sie hierdurch zu erleiden hätten, wollen und können sie nicht auf sich nehmen. Statt dessen suchen sie nach einem Weg, wie sie sich der Situation entziehen können, sich gleichsam als Märtyrer und Held inszenieren können – um im Nachhinein sagen zu können „Ja, das ging schon den Bach runter, nachdem ich ausgestiegen war. Jetzt sehe ich das auch.“ All dies trifft auf Yanis V. zu.

Wir kennen Beispiele solcher Politiker aus der Vergangenheit. In guter Erinnerung ist da beispielsweise ein Saarländer, der immer irgendwie sympathisch rüber kam, sich als Linker gab, betonte, dass er zwar schweren Herzens, aber eben aus guten Gründen seinem Kollegen Schröder den Vortritt bei der Kanzlerkandidatur überlasse. Schließlich wurde Oskar L. Finanzminister (huch, genauso wie Yanis V.) – und schmiss theatralisch hin, bevor er eine echte Krise hätte produktiv gestalten undn lösen müssen (auch das kennen wir von Yanis V.)  – um dann später als Klugscheißer und Galionsfigur einer neuen Linken zurück zu kehren.

Yanis V. veröffentlichte heute eine durchsichtige, und vor Pathos triefende Erklärung, in der er seinen Rücktritt begründet. Er sei nicht gewünscht bei den Verhandlungen der Troika, man habe ihn wissen lassen, dass es ohne ihn dort besser laufen könne. Echt? Jetzt? Das ist ihm gestern abend eingefallen? Nachdem er wochenlang der Duz-Freund von Angela Merkel, der Saufkumpan von Wolfgang Schäuble, derjenige war, der bei der EU-Komission immer beim Pizzamann anrief? Wohl kaum. Yanis V. war nie beliebt. Er war derjenige, der einlädt, und dir einfach nur erzählt, wie scheiße deine Wohnung eingerichtet ist – und damit dann bei seinen Kollegen prahlt. Das war letzten Freitag genauso wie heute – und der Yanis wusste das.

Was also war der Grund für seinen Rücktritt? Als Narzisst besaß Yanis die hohe Kunst der Selbstinszenierung, besser als sein Chef Tsipras. Mit einem Motorrad und coolen dunklen Helm in den Sonnenuntergang reiten – der dekadenten Austeritäts-Bourgeosisie den Stinkefinger in da face halten – das war Yanis, der griechische Robin Hood – mit der Einschränkung, dass er a) niemanden etwas stahl, sondern es als Kredit bekam und er es b) nicht an sein Volk weitergab – aber diese Details stören nur das Narrativ. Yanis V. war es dann auch, der den Griechen (wieso musste er da eigentlich nicht genauer differenzieren – sonst fordert der BILDblog das doch auch immer?) versprach, dass innerhalb weniger Tage nach dem Referendum die Haushaltsprobleme gelöst würden. Er suggerierte dadurch, auch dann Verantwortung zu übernehmen, wenn er Ernst wird – er tut es nicht.

Yanis V. wird nun von außen beobachten, wie Tsipras einen Kompromiss schließen wird. Wenn der griechische Ministerpräsident nicht doch das Land vollends gegen die Wand fahren lassen wird. Ein Staatsbankrott scheint derzeit nur noch eine Frage von Stunden zu sein, der Poker auf humanitäre Hilfe durch die EU der griechischen Regierung ist zynisch und erbärmlich zugleich. Wie auch immer es ausgeht: Yanis V. wird sich zufrieden die Glatze tätscheln lassen. Entweder macht Tsipras Kompromisse, rettet das Land, und Yanis kann später sagen „Klar wollte ich eine Rettung. Klar. Deswegen bin ich zurück getreten. Aber doch nicht SO!“ Oder der Bankrott kommt. Dann wird Yanis V. immer wieder sagen können: „Also ich wollte ja einen anderen Weg – aber das wollte niemand hören – deswegen bin ich gegangen.“

Das Faszinierende ist, dass gerade die Linke, und da gerade auch in Deutschland, diesem narzisstischen Populisten voll auf den Leim gegangen ist. Zu groß scheint im linken Lager die Sehnsucht nach einen charismatischen Figur zu sein, die sich gegen die Springer-Lügenpresse und die kapitalistische Elite zur Wehr setzte. Dafür werden Mechanismen gut geheißen, die man sonst geißelt. Querfront. Demagogische Volksabstimmungen. Leidende Menschen. Alles egal, solange man die Möglichkeit bekommt, einmal jemanden zu haben der „denen da oben“ zeigt, wo es lang geht.

Der Mythos Yanis V. wird im linken Milieu fortleben. Gerade auch bei denen, die selbst kein Geld von der Bank bekommen und seit Jahren ihre Konsumkredite mühsam abstottern, ist Yanis V. ein Messias – der gezeigt hat, dass es anders geht, wenn man nur will. Der sich für sie alle gerächt hat.

Dass er unterm Strich die Menschen in Griechenland im Stich läßt, nachdem er sie an die Kante einer Steilklippe geführt hat, das mag man nicht wahrhaben. Oder kontert es mit Sprüchen a la „Lieber aufrecht sterben als auf den Knien leben“ – mit dem Unterschied, dass Zitatgeber Zapata eben nicht feige davonlief, sondern sich dem Kampf stellte.

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61 Kommentare

  1. #1 | Carsten sagt am 6. Juli 2015 um 11:07 Uhr

    Schwächerer Kommentar der Ruhrbarone. Das liegt zum einen an der Ferndiagnose, die aus Varoufakis einen Narzissten machen will. Gut, das Beschimpfen anderer als psychisch krank auf Kosten tatsächlich Kranker hat schon fast Tradition in politischen Reden (wenn nicht Narzisst, dann Psychopath oder Autist). Leider wird die Chance vergeben, die Inszenierung und Überhöhung der Person Varoufakis durch die deutschen Medien etwas reflektierter zu betrachten. Zum Ende hin wird Bartoscheck leider ziellos. Erst ist Varoufakis der Narzisst, der nur vorgibt, helfen zu wollen, dann ist sein Abgang "Feige" (wobei weder der Autor noch die Leser die tatsächliche Dimension der Entscheidung, geschweige denn die innere Soziologie der griechischen Regierung können). Fazit: Kaffeesatzleserei, Krankenbashing und hinkende Vergleiche. Von den Ruhrbaronen und Bartoscheck bin ich eigentlich besseres gewohnt.

  2. #2 | w:p sagt am 6. Juli 2015 um 11:17 Uhr

    Ach herrje.

    Erstens. Man muss sich, auch angesichts dieses Beitrags, wirklich fragen, wer hier der „narzisstisch Gekränkte“ ist. Der Ferndiagnosen abfeuernde, trotzdem aber promovierte Psychologe, der sich vor jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, als „Opfer der Linken“ inszeniert, weil er ja ein paar Jahre für den Springer-Verlag gerabeitet hat? Oder der Linkspopulist, der in einem Land, das vor lauter „Austerität“ nicht einmal mehr Krebspatienten versorgte, für ein Quäntchen Hoffnung im ansonsten totalen Elend sorgte?

    Zweitens. Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Die angeblich so zahllosen Linken, die etwas für „charismatische Führer“ übrig haben (in Wirklichkeit wurde sein Charisma ja lange nicht nur unter Linken bewundert) oder jemand, der sich als libertärer Vorkämpfer gegen jede staatliche Autorität und zugleich als nebenberuflicher Skeptiker zu Sätzen herablässt, in denen der Aufruf an den Volksgenossen zu Wachsamkeit und Denunziantentum nur noch notdürftig verborgen wird? „Narzissten sind ein Problem für eine soziale Gesellschaft“? Ernsthaft?

    Drittens. Natürlich sind Volksabstimmungen immer Inszenierungen. Jeder wusste, dass die Medien sich geifernd auf das Ergebnis stürzen werden, komme was wolle. Aber was ist daran verwerflich? Ist der zackige deutsche Propagandaton, der natürlich federführend von Springer kam, aber bereitwillig bis in die taz übernommen wurde, denn besser? Sollte man in einem Land, in dem tagein, tagaus Flüchtlingswohnheime angegriffen werden die Bevölkerung mit Titeln wie „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen“ scharf machen? Wo zieht man denn die Grenze zwischen erlaubtem und unlauterem Populismus?

  3. #3 | leoluca sagt am 6. Juli 2015 um 11:21 Uhr

    Die linksradikalen Selbstdarsteller an der Uni sahen immer besser aus als man selbst, redeten geschickter und kriegten immer die heißeren Weiber ab. Das haben manche Piefkes bis heute nicht verwunden.

  4. #4 | Sebastian Bartoschek sagt am 6. Juli 2015 um 11:22 Uhr

    Lieber Carsten. Du kannst meine Analyse nicht teilen, aber Krankenbashing ist es nicht. Ich bin in der Tat der Meinung dass Varoufakis ein ausgeprägter Narzisst ist. Schau mal in den ICD 10 – er erfüllt die Kriterien einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Wie du sicherlich weißt, sind die Persönlichkeitsstörungen im Allgemeinen, im Speziellen gibt es Ausnahmen im Borderline-Bereich, davon gekennzeichnet, dass es keinen Leidensdruck seites des Betroffenen gibt.
    Was Du tust, und was gerne getan wird, ist, Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen in einen qualitativen Kontext mit anderen psychischen Störungen zu setzen. Das ist falsch und unfair. Unter Narzissten leiden in erster Linie Andere, nicht aber der Narzisst selbst.
    Meine Vergleiche mögen "hinkend" und meine Analyse "Kaffeesatzleserei" sein, meinetwegen – aber wie gesagt, die Sache mit dem "Krankenbashing" weise ich zurück.

  5. #5 | Carsten sagt am 6. Juli 2015 um 11:37 Uhr

    Lieber Sebastian Bartoschek,

    die Frage ist doch, auf welcher Grundlage Du Deine Beurteilung triffst. Natürlich gibt es objektive Kriterien, um eine narzisstische Persönlichkeitsstörung festzustellen. Nur reicht dafür der Konsum einiger Blogtexte von Varoufakis in Kombination mit deutscher und internationaler Presse aus? In der Tat bin ich kein Psychologe. Aber mir erscheint der Vorwurf sehr hart im Vergleich zu der sehr oberflächlichen und dünnen Analyse, die Du aus der Ferne vornimmst. Sollte da noch Gehaltvolles nachgeliefert werden, überdenke auch ich gerne meinen Vorwurf des Krankenbashings.

  6. #6 | Simon N. Taalbach sagt am 6. Juli 2015 um 11:41 Uhr

    M. E. ist der Autor der Medialisierung der Figur Varoufakis' in den deutschen Medien, vor allem dem Fernsehen auf den Leim gegangen, das Varoufakis von Beginn an als narzisstischen Medienprofi zwischen Popstar und Professor aufgebaut hat. Die Mechanismen lassen sich genau aufzeigen (eine bestimmte clip-Ästhetik bei den Einspielern in den Polit-Talkshows, die Thematsisierung von Varoufakis' Medienerfahrung seit den 1990er Jahren, ein bestimmtes framing, ohne das auch die Satire von Böhmermann nicht so gut funktioniert hätte, usw. usf.). Die Diagnose müsste insofern nicht Varoufakis gestellt werden, sondern der Medienberichterstattung über ihn. Oder lag der Patient etwa bei Ihnen auf der Couch, Herr Bartoschek?

  7. #7 | josef sagt am 6. Juli 2015 um 11:48 Uhr

    die Deutschen sollten mal gaaanz gewaltig vor der eigenen tür kehren:
    <a href="http://www.zeit.de/2015/26/thomas-piketty-schulden-griechenland/seite-2">siehe fr. Ökonom Thomas Pittkey</a>

    Die Deutschen sind DAS Paradebeispiel dafür, dass man historisch großen Mist bauen kann und trotzdem die schulden nicht zurückbezahlt. Im Gegenteil: das Wirtschaftswunder begründet sich geradezu auf dem Schuldenerlass! Aber jetzt auf Austerität machen. Schämt euch Merkel & Schäuble.

  8. #8 | Sebastian Bartoschek sagt am 6. Juli 2015 um 11:51 Uhr

    1) Ich habe keine Couch für die Klienten. So ein Psychologe bin ich nicht 😉

    2) In der Tat kann es sein, dass ich die Medialisierung seiner Person nicht hinreichend gewürdigt habe. Darüber muss ich nachdenken.

    3) Andererseits: Wenn ich die Interviews sehe und lese, die Erklärungen lese, Kommentare in verschiedenen Medien rezipiere, dann habe ich schon versucht, mir immer wieder ein Stück mehr anzueignen, wie Yanis V. tatsächlich ist. In der Tat bleibt das Bild aber unvollständig.

    4) Carsten: ja, die Zuschreibung ist hart. Und sicherlich zugespitzt. Aber ernsthafte Rückfrage: welches Kriterium, welche Verhaltensweisen eines Narzissten siehst Du bei Varoufakis NICHT erfüllt an?

    Vielleicht folgende Einlassung meinerseits: ich betrachte in erster Linie den Yanis V. wie er sich präsentierte und in den Medien präsentiert wurde. Das Argument "vielleicht ist der privat ganz anders" ist natürlich IMMER gegeben und so etwas wie Restunsicherheit. Aber dafür dann die Frage: was läßt euch glauben, dass es so sein sollte?

  9. #9 | leoluca sagt am 6. Juli 2015 um 12:04 Uhr

    @8

    Wie wäre es denn, den Rücktritt einfach mal unter politischen Aspekten zu bewerten?
    Der Rücktritt von Yanis Varoufakis ist das Angebots eines Narrativs, das Merkel und Schäuble die Möglichkeit gibt, auch ohne Grexit das Gesicht zu wahren.

  10. #10 | Rainer Möller sagt am 6. Juli 2015 um 12:15 Uhr

    Lafontaine z.B. war schlichtweg vernünftig. Er trat aus der Regierung Schröder aus, als klar war, dass Schröder einen total anderen Kurs steuern würde als vor den Wahlen versprochen.

    Kein Politiker ist moralisch verpflichtet, gegen seine Überzeugungen zu handeln – schon gar nicht, wenn seine Überzeugungen mit dem übereinstimmen, was seine Partei vorher versprochen hat.

    Natürlich könnte man den Standpunkt vertreten, Überzeugungstreue – oder allgemeiner: die Aufrechterhaltung von Ich-Identität – sei dasselbe wie Narzißmus. (Vom Standpunkt eines Singapur-Chinesen ist das vielleicht wirklich dasselbe. Aber wie verträgt sich das dann mit dem neokonservativen/antideutsch-westorientierten Hohelied auf den westlichen "Respekt vor dem Individuum"?)

  11. #11 | André sagt am 6. Juli 2015 um 12:41 Uhr

    Tja, Varoufakis konnte nicht mehr zugemutet werden, sich mit Terroristen an einen Tisch zu setzen…

  12. #12 | Carsten sagt am 6. Juli 2015 um 12:52 Uhr

    Lieber Sebastian Bartoschek,

    naja, eigentlich müsstest Du ja bei Deiner formulierten These "Varoufakis hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung" die Belege für die Erfüllung der Kriterien nennen, wenn es Dir um etwas anderes als die Polemik geht. Persönlich würde ich zumindest fragen, wo es Belege für permanenten Neid, mangelnde Empathie, das Ausbeuten zwischenmenschlicher Beziehungen oder das Übertreiben eigener Talente und Allmachtsphantasien gibt. Da reicht imho die Darstellung durch die Medien nur bedingt zur Beweisführung.

    Was anderes: #9 leoluca ist in nur einem Satz eine viel klügere Analyse gelungen als Dir in neun Absätzen:

    "Der Rücktritt von Yanis Varoufakis ist das Angebots eines Narrativs, das Merkel und Schäuble die Möglichkeit gibt, auch ohne Grexit das Gesicht zu wahren."

    Das ist nach dem Abziehen aller medialer Emotionalität in der Debatte eine nüchterne Analyse, die das Ereignis in seiner Tragweite erfasst.

  13. #13 | BerndL. sagt am 6. Juli 2015 um 12:57 Uhr

    Ist das jetzt so ein psycho experiment vom herrn bartoschek?
    Analysieren Sie gerade meinen reply??

  14. #14 | BerndL. sagt am 6. Juli 2015 um 13:05 Uhr

    Vor wem sollten S. und M. das gesicht wahren müssen? Der Grexit scheint seit Dienstag beschlossene Sache. Nun ist die Kanzlerin ein paar Tage abgetaucht, kommt irgendwann wieder wenns ruhiger geworden ist, spricht irgendjemandem wie juncker ihr vV aus und das war es dann.
    Btw. D ist kein europäischer Hegemon.

    Jetzt weiss ich, was Herr B. hier tut, VTs sammeln!
    Hab ich Recht?*komplimentfisch*

  15. #15 | Sebastian Bartoschek sagt am 6. Juli 2015 um 13:06 Uhr

    Nein, kein Experiment.
    Ja, ich lese die Replys – wenn das schon analysieren ist…

  16. #16 | Jens König sagt am 6. Juli 2015 um 13:28 Uhr

    Haha, ich musste die ganze Zeit an Guttenberg denken. Aber das hängt vermutlich damit zusammen, dass ich nicht vom Fach (ich könnte beispielsweise F60.2 nicht von F60.8 unterscheiden) bin.

  17. #17 | Klaus Lohmann sagt am 6. Juli 2015 um 14:00 Uhr

    @#12 Carsten: Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass unser "Jeff! Ich heiße Jeff!!"-G.V. (https://www.youtube.com/watch?v=dpKiVrlPRAM) seinen "Euro-Terroristen" ein solches Geschenk machen würde?

    Er hat ziemlich fetten Stress mit Tsipras und den linken Syriza-Hardlinern bekommen, weil – eben – sein narzisstisch-manisches Auftreten auch und besonders im eigenen Land mehr schadet als nutzt. Und Tsipras' "Strahlkraft" überleuchtet.

  18. #18 | pete sagt am 6. Juli 2015 um 14:28 Uhr

    Latenter Narzissmus dürfte unter den meisten Berufspolitikern vorhanden sein, denn sonst hält man das nicht durch.
    Einen rechtzeitigen Rücktritt halte ich eher nicht fürvein Zeichen von Narzissmus, eher das am Posten kleben.
    Auch wenn ich persönlich Varoufakis und auch Lafontaine für nicht so symphatisch halte, denke ich eher das deren Problem höhere Intelligenz ist. Man kann natürlich auch Sherlock Holmes für einen Narzissten halten …

  19. #19 | Sebastian Bartoschek sagt am 6. Juli 2015 um 14:40 Uhr

    #18: ich muss gestehen, der Satz mit Holmes ist wirklich richtig toll (auch wenn ich den Rest inhaltlich nicht teile)!

  20. #20 | TuxDerPinguin sagt am 6. Juli 2015 um 15:15 Uhr

    Ich würd Vanoufakis gegen eden deutschen Minister tauschen. Fand ihn sehr einbedruckend. Man sah halt, dass er kein Politiker war und Sachkompetenz besaß. Zudem ein sehr integerer Mensch

    Leider spielt in der Politik Realität nicht die größte Rolle, weshalb wohl seine Belehrungen nervten. Aber das mag sicher Merkel und Schäuble alles bekannt sein, wo doch so gut wie jeder Ökonom, der sich zu Wort meldete, das vorgeschlagene Reform-Paket der Troika vernichtend beurteilt hat.

    Die deutsche Regierung wollte den einfachen Weg gehen, bei dem man der Öffentlichkeit nicht gestehen muss, dass man Milliarden in einen Bank-Bailout gesteckt hat und Kredite abschreiben werden muss. Jetzt führt daran kein Weg mehr vorbei, wenn sie nicht in die Geschichte eingehen wollen als die Politiker, die die EU zu Grade getragen haben.

  21. #21 | sol1 sagt am 6. Juli 2015 um 16:15 Uhr

    Anstatt haltlos herumzuspekulieren, hätte sich der Autor mal ein paar Gedanken machen können, ob das Auftreten von Varoufakis im Licht der Spieltheorie Sinn ergibt:

    http://karlstrobl.com/2015/05/28/varoufakis-and-game-theory/

  22. #22 | Klaus Lohmann sagt am 6. Juli 2015 um 16:57 Uhr

    @sol1: Wenn man endlich mal die dusselige Spieltheorie selbst als großen Bluff, der Menschen mittels Angstszenarien suggerieren soll, sie würden rational entscheiden, zu begreifen in der Lage ist, dann zocken V. bzw. Tsipras natürlich weiter. Letztlich sind die Spieler aber längst Andere, die Griechen haben am Sonntag den Spieltisch freiwillig verlassen.

  23. #23 | Dr. med. Ramona sagt am 6. Juli 2015 um 17:41 Uhr

    Varoufakis ist mit Sicherheit kein Narzisst, da hilft es auch nicht ICD Kriterien aufzulisten und schon gar nicht, wenn man nicht die betreffende Person real aus Interaktionen her kennt. Gerade echte Narzissten, also die relativ erfolgreichen, versuchen Ihre antisozialen Tendenzen und narzisstischen Externalisierungen so gut wie möglich zu kaschieren und zu verheimlichen, und, das stimmt, manipulativ zu wirken, gerade deshalb sind sie ja so erfolgreich in Führungspositionen.
    Das heisst also, es ist einfach nur Verhandlungstaktik was wir hier sehen, auch der Rücktritt, wohlüberlegt und untereinander abgestimmt, um Ziele zu erreichen, dazu muss man nicht narzisstisch sein und daraus eine narzisstische PS zu konstruieren ist wirklich hanebüchener Unfug.

  24. #24 | Christian Perzl sagt am 6. Juli 2015 um 18:40 Uhr

    @sol1

    Gegenfrage, was bringt ein spieltheoretischer Ansatz den großartig wenn anscheinend Varoufakis in der ganzen Verhandlungszeit nicht einmal seinen unwirksamen Wetteinsatz geändert hat.

    Beispiel:
    Partei A und Partei B liegen im Streit über Wert X. Die Jahre vergehen und der Wert X erhöht sich immer mehr.
    A meint deswegen das durch Drohungen Wert X zu vernichten ein besseres Verhandlungsergebnis zu bekommen.
    Dummerweise hat B vorgesorgt das zwar der Verlust X schmerzhaft aber nicht undenkbar ist und so seine Priorität auf Wert Y verlegt.
    A kann sich also in Sachen "X sieht ihr nie wieder" aufführen wie sonst was, B ist es herzlich egal.

    Oder ein weiteres, aus der Geschichte entnommenes Beispiel:
    Die von Nixon 1969 ausgebrütete "Madman-Theory" um möglichst schnell, verlustarm und strategische günstig aus den Vietnamkrieg auszusteigen. Also hat man auf den Krieg geführt als wären lauter Wahnsinnige an den entscheidenden Positionen.
    Ergebnis ist bekannt, der Ostblock war unbeeindruckt, die USA musste sich nach drei weiteren Jahren Krieg zurückziehen, Südvietnam fiel und die Bevölkerung Kambodschas wurden in einen Autogenozid beinahe vernichtet.

    Ich frag mich deswegen auch wieso Varoufakis noch sonderliche viel Sachverstand/Pokerqualität ect. zugesprochen wird, er hat sein Schema niemals wirklich geändert und gehofft es wird schon hinhauen…
    Umgangssprachlich ist er ein "One-Trick-Pony", in der Wissenschaft wäre er ein Crackpot und unser allerliebster große Vorsitzende hatte auch ein Wort dafür: Papiertiger.

    @Bartoschek

    Naja, bei aller, beiderseitigen, notwendiger "Demystifizierung" der Person Varoufakis.
    Ich glaube nicht einmal das dieser Schritt jetzt sonderlich viel mit seiner Persönlichkeit zu tun hat, eher hat einfach der Kreis der Mächtigen in der Regierung Griechenlands erkannt das es mit ihn, den limitierten Zocker, so nicht mehr weiter gehen kann.
    Ergo das Bauernopfer, er hat ja eh keinen Wert mehr.

  25. #25 | keineEigenverantwortung sagt am 6. Juli 2015 um 18:42 Uhr

    Herr V gehört in die großen Hallen und kann dann seinen Fans die Welt erklären. Es gibt ja genügend Menschen, die alles, wo auf dem Etikett "linke Politik" steht, gerne konsumieren und auch ohne große inhaltliche Kritik übernehmen. Dafür wird dann auch gerne viel Geld investiert. Die linken Showstars sind alle vermögend. (Nein jetzt kommt nicht der Hoeneß Spruch).

    Seine Zeit ist vorbei. Er war der Böse, der mit einem unkonventionellen Verhalten den traditionellen Weg der Politiker torpedierte. Nach einem großartigen Show-Gefecht gab es keinen Kompromiss. So etwas passiert, wenn die Politik schläft und nicht rechtzeitig Grenzen setzt.

    Die Harmonie-Politiker wissen mit dieser Kategorie Mensch nichts anzufangen. Gewalt und Dreistigkeit siegt überall. Der Gauner hat nichts mehr zu befürchten, Regionen können eingemeindet werden und ein paar Terroristen können riesige Landstriche erobern. Die Politiker des kalten Kriegs hätten dies nicht zugelassen.

    Wer nicht direkt zurückschlägt, wird verlieren (siehe Tit for Tat).

    So ähnlich wird es auch in Griechenland laufen. Ich gehe davon aus, dass dies nach der Auszeit auch den Politikern des Kontinent aufgefallen ist. Die weiteren Verhandlungen werden dauern, aber nicht mehr die Nachrichten bestimmen. Das ist gut so.

    Ich hoffe, dass alle Anhänger von weiteren Geldflüssen in Richtung Griechenland ihren eigenen Beitrag geleistet haben und bspw. die Crowdfunding Initiativen für Griechenland unterstützen. Es wäre doch unfair, wenn bspw. die reichen Oligarchen im eigenen Land Steuern zahlen. Wer denkt, dass wir besser finanzieren können, soll es tun.

    Wenn Europa und der Euro in einer zukünftig eher konfliktreicheren Welt wahrgenommen werden wollen, muss eine klare Linie aufgezeigt werden und diese Linie muss eingehalten werden. Die langen Verhandlungen , wo ein Schuldner die Regeln bestimmt, werden vom Rest der Welt beobachtet worden sein.

    Herr V hat seine Rolle gespielt. Er kann jetzt weiter die Sonne genießen. Es bleibt zu hoffen, dass die griechische Regierung auch Politiker hat, die im eigenen Land Reformen durchsetzen können. Bisher war das alles nicht zu erkennen.

  26. #26 | anon69 sagt am 7. Juli 2015 um 02:13 Uhr

    kuhl wie er auf dem moped mit chick am arsch abgedüst ist.
    *seufz* solche politiker fehlen uns, wir haben ja nur diese selbstdarsteller!

  27. #27 | keineEigenverantwortung sagt am 7. Juli 2015 um 04:37 Uhr

    #26
    Einen Helm für die Frau gibt's auch nicht.
    Man(n) muss Prioritäten setzen.

    In D müsste sich eine Person der Öffentlichkeit über Wochen rechtfertigen.

  28. #28 | Theaterfrau@aol.com sagt am 7. Juli 2015 um 09:24 Uhr

    Ih empfehle, sich mit einem Krankheits bild wie Narzissmus im Zusammenhang mit Politik und Gesellschaft eher im übertragenen Sinne (wenn schon) zu beschäftigen. Mann kann das "Muster" dieser Krankheit auf viele Bereiche übertragen. Z.B. im weitverbreiteten Selbstmarketing, das wir fast alle vermeintlich heutzutage betreiben müssen, um im Gespräch zu bleiben – sei es im System des Gewähltwerdens eines Politikers….. und und und….

  29. #29 | Theaterfrau@aol.com sagt am 7. Juli 2015 um 09:26 Uhr

    Ich empfehle, sich mit einem Krankheitsbild wie Narzissmus im Zusammenhang mit Politik und Gesellschaft eher im übertragenen Sinne (wenn schon) zu beschäftigen. Mann kann das "Muster" dieser Krankheit auf viele Bereiche übertragen. Sei es im weitverbreiteten Selbstmarketing, das wir fast alle vermeintlich heutzutage betreiben müssen, um im Gespräch zu bleiben – sei es im System des Gewähltwerdens eines Politikers….. und und und….

  30. #30 | Arnold Voss sagt am 7. Juli 2015 um 12:26 Uhr

    1. Wäre die EU ein einziger föderaler Staat wie z.B. Deutschland, wäre Griechenland wie Bremen, aber mit geringerer Verschuldung, also gar kein Problem.
    2. Der Grexit wird genau seit dem Zeitpunkt auch öffentlich als tragbare Option diskutiert, seit dem die privaten Banken außerhalb Griechenlands aus dem Spiel und stattdessen die europäischen Steuerzahler die Hauptgläubiger sind.
    3. Es war von Anfang an klar, dass man entweder die Banken oder die Griechen retten konnte, aber nicht beide.
    4. Varoufakis mag Narzist sein oder nicht, er hätte an dem, was jetzt kommt, sowieso nichts ändern können, weil der Grexit von Anfang auf beiden Seiten Teil der Strategie war.
    5. Im Falle Griechenlandberichterstattung kann in Deutschland zum ersten mal ohne wenn und aber von einer (fast) gleichgeschalteten Presse/Massenmedien gesprochen werden.
    6. Es wird, egal ob Grexit oder Last-minute-Kompromiss kein Börsenbeben, geschweige denn eine europäische und/oder Weltwirtschaftskrise geben, weil auch dieses Szenario, nach dem die Banken gerettet waren, nicht mehr und nicht weniger als ein Teil der strategischen Inszenierung, respektive Drohkulisse ist.

  31. #31 | JR sagt am 7. Juli 2015 um 12:41 Uhr

    Ach herrjeh…
    Vielleicht ist es Zeit für ein neues Ruhrbarone-Motto: Psychologen bloggen die Yellow-Press

  32. #32 | thomas weigle sagt am 7. Juli 2015 um 14:11 Uhr

    @Arnold Gleichschaltung zum ersten Mal in Deutschland? Mal abgesehen davon, dass es in unserer Republik kein Propagandaministerium gibt, in dem 7x in der Woche Direktiven ausgegeben werden, deren Nichtbefolgung Entlassung, Schließung des Mediums, Haft nach sich ziehen und es ist auch kein PB-Mitglied für die Durchsetzung der Propaganda der führenden Partei der Arbeiterklasse in den Medien zuständig, ist die Gleichsetzung der bundesdeutschen Medien und ihrer durchaus kritikwürdigen Berichterstattung zu Griechenland mit den Medien der NSDAP und der SED einfach falsch. Zumindest in NW, TAZ, Spiegel und den Öffentlich-Rechtlichen sind auch Befürworter des Athener Handelns zu Wort gekommen. Mir ist jedenfalls kein Fall aus Nazideutschland und der DDR bekannt, wo solches Tun ohne schwerwiegende Folgen für die Betroffenen vorkam, oft kam es eh nicht vor, auf keinem Fall so oft, wie Kritiker der augenblicklichen Griechenlandpolitik Merkels zu Wort in unseren Medien kamen.

  33. #33 | zebulon sagt am 7. Juli 2015 um 16:25 Uhr

    Gut geschwurbelt.

  34. #34 | leoluca sagt am 7. Juli 2015 um 16:42 Uhr

    Irgendwie lustig, wenn sich die Mitglieder einer durch und durch narzistischen Gesellschaft über die Selbstdarstellungskünste eines griechischen Politikers aufregen.

    Deutlich interessanter finde ich den ideellen Background der griechischen Linkspopulisten. Varoufakis etwa gehörte lange Jahre in Essex zum erlesenen Kreis der Schüler des südamerikanischen Theoretikers eines linken Populismus, Ernesto Laclau, der den Marxismus aus den Zwängen einer ökonomistisch verengten Gesellschaftsanalyse befreien wollte. Ihm galt die "Symbolpolitik" nicht als minderwertig, sondern als wichtige Politik für die Schaffung von kultureller Hegemonie. Seine Idee von der "radikalen Demokratie" zündet in Südeuropa überall dort, wo linke wie rechte Volksparteien sich über Jahrzehnte beim Staat bedient und ihre wirtschaftspolitische Inkompetenz genügend bewiesen haben. Also neben Griechenland auch Spanien und Portugal.

  35. #35 | Arnold Voss sagt am 7. Juli 2015 um 17:23 Uhr

    @ Thomas Weigele # 31

    Die Gegenstimmen in der deutsche Medienlandschaft sind im Falle Griechenlands auf das demokratische Feigenblattmaß geschrumpft und dazu musste – und das ist das eigentlich dramatische – Niemand mit Haft bedroht werden, Thomas. Die Mehrheitsberichterstattung stinkt dagegen in ihrer Einseitigkeit in einer Weise zum Himmel, dass es einem die Zornesröte ins Gesicht treibt.

    Die Wahrheit konnte man eigentlich nur noch in den Satire-Sendungen erfahren. Da wo sie eigentlich zu hören sein müsste, wurde gelogen, dass sich die Balken biegen. Dazu wurde im Boulevard eine absurde Ablenkungs-Soap aufgespielt und mit Platt-Ökonomie garniert.

    Das Ganze ist bislang ein journalistische Trauerstück das sehr wenig mit guter Recherche, differenzierter Fachkenntnis und distanzierter Berichterstattung , dafür aber sehr viel mit der zunehmenden Not und Verworfenheit eines ganze Berufsstandes zu tun hat. Propaganda bleibt auch ohne Propagandaministerium Propaganda.

  36. #36 | keineEigenverantwortung sagt am 7. Juli 2015 um 17:57 Uhr

    @34:
    Es könnte ja auch sein, dass ein Großteil der Journalisten und auch ein Großteil der Bevölkerung wirklich der Überzeugung sind, dass die aktuelle griechische Politik nicht nachvollziehbar, unsolidarisch und wenig erfolgsversprechend ist.

    Es kommen auch in den Medien und in Talkshows immer wieder Personen zu Wort, die der Meinung sein, dass alle anderen Geisterfahrer sind. Die Gründe hierfür sind im Regelfall wenig überzeugend.

    Es gibt das Internet, und das Parteiblatt der griechischen Regierung kann sicherlich auch hier gelesen werden. Viel Spaß. Ich lese auch immer wieder gerne Kommentare und Berichte von deutschen Zeitungen/Magazinen, wo ich mich frage, welche Verdrängungsprozesse die Wahrnehmung der Autoren beeinflussen. Evtl. gibt es damit sogar Beweise für ein Paralleluniversum.

  37. #37 | Helmut Junge sagt am 7. Juli 2015 um 18:08 Uhr

    Arnold (34),
    ja!!!

  38. #38 | keineEigenverantwortung sagt am 7. Juli 2015 um 18:17 Uhr

    @34: Es ist aus meiner Sicht interessant, dass das Thema Griechenland in der Auslandspresse deutlich weniger stark vertreten war (EN , FR, ES), wenn ich mir die Seiten angeschaut hatte.

    Aktuell gibt es dann ja noch die Reaktionen auf einen Betrag zum Thema "Referendum" aus dem Comedy-Bereich, die auch sehr deutlich die versch. Meinungen darstellen. Das wird in der Presse auch so dargestellt.

    http://www.focus.de/politik/videos/komiker-frotzelt-ueber-referendum-dieter-nuhr-loest-mit-griechen-witz-welle-der-empoerung-aus_id_4797944.html

    Aus meiner Sicht berichtet die Presse sehr differenziert, wenn man von den Schlagzeilen der Yellow Press absieht, aber diese sind auch einzuordnen.

    Bei ökonomischen Themen gibt es aber kein Wahr und Falsch. Selbst unsere Wirtschaftsweisen schaffen es ja nicht, das Wachstum innerhalb der nächsten 6 Monate vorauszusagen und amerikanische Spitzenwirtschaftswissenschaftler versagen auch regelmäßig beim eigenen Haushalt.

    Die Welt ist also grau, d.h. wir sollten uns auf unser Bauchgefühl verlassen. Hier habe ich irgendwie sehr viel von unserer kollektiven Angst vor Inflation und den Regeln der schwäbischen Hausfrau mitbekommen. Das prägt mein Leben. Ich habe versch. Wirtschaftstheorien verglichen und sehe aktuell in einer globalisierten Welt den freien, liberalen Markt mit dem schlanken Staat als Versicherer und Ordnungshüter vorne.

  39. #39 | thomas weigle sagt am 7. Juli 2015 um 18:20 Uhr

    @ Arnold Voss Unabhängig davon, dass ich es ein wenig anders sehe, der Begriff Gleichschaltung ist auf Grund der Historie schlicht und ergreifend unangebracht.

  40. #40 | Helmut Junge sagt am 7. Juli 2015 um 19:23 Uhr

    @Thomas Weigle,
    Das Wort "Gleichschaltung" hast du zweimal benutzt, sonst niemand. Ich benutze es zum dritten mal, aber nur um Dich zu informieren, daß es Dein Wort ist.

  41. #41 | Alreech sagt am 8. Juli 2015 um 02:44 Uhr

    Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.
    Liest man V. älter Blogeinträge sind seine Analysen gar nicht soweit entfernt von denen neoliberaler Wirtschaftswissenschaftler.
    Griechenland hat aber Nein zu dem neoliberalen Wirtschaftsmodell gesagt, und ja zu Transferunion.

    Allerdings wird sich kein anderer europäischer Staat auf eine Transferunion einlassen. Kein Staat wird z.B. die Kontrolle über Budget, Renten, Kranken und Arbeitslosenversicherung der EU überlassen – schon gar nicht nachdem Griechenland durch eine Volksabstimmung das Primat der nationalen Politik über die demokratisch nicht legitimierter europäische Institutionen bestätigt hat.

    Am Ende wird Griechenland keine andere Wahl haben als die EU und den Euro zu verlassen weil nicht einmal die Italiener, Spanier und Franzosen bereit sind dauerhaft Geld nach Griechenland zu pumpen.
    Der Schuldige dafür ist natürlich Deutschland und Merkel, was es der griechischen Linken leicht machen dürfte das Volk als Unterstützer zu gewinnen.

    Das ist nicht negativ zu sehen, ohne den Druck der Austerität kann Griechenland den Schritt zum demokratischen Sozialismus vollziehen.
    Fehlende staatliche Strukturen wie z.B. Kataster und soziale Not sind dabei von Vorteil, ganz besonders wenn die Schuld für die Not bei ausländischen Mächten liegt. Historisch konnte sich den demokratische Sozialismus immer nur dann durchsetzen, wenn die bestehende Kapitalistische Ordnung durch Krieg und Chaos zerstört wurde.

    Ein demokratischer Sozialismus ist dabei durchaus erreichbar, man stelle sich nur vor was die Fortschritte der letzten 25 Jahre im Bereich Big Data, Psychopharmaka und Genmanipulation erlauben wenn sie nicht zum generieren von schnöden Profit, sondern zum Aufbau des Sozialismus genutzte werden können !
    Ein Typ wie V. ist dafür allerdings einfach nicht geeignet, da er noch zu stark in neoliberalen Denkmustern verhaftet ist.

  42. #42 | thomas weigle sagt am 8. Juli 2015 um 07:54 Uhr

    @Arnold Voss Ich nehme zur Kenntnis, dass "gleichgeschaltet" bei Dir was ganz anderes meint als "Gleichschaltung" bei mir.

  43. #43 | thomas weigle sagt am 8. Juli 2015 um 08:51 Uhr

    @kE ja, Nuhr hebt sich nicht nur in dieser Causa angenehm ab vom Kabaretteinheitsbrei.

  44. #44 | leoluca sagt am 8. Juli 2015 um 09:35 Uhr

    Dieter Nuhr schreibt: „Meine Familie hat demokratisch abgestimmt. Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt. Ein Sieg des Volkswillens.“

    Wusste gar nicht, dass er seine Jobs verloren hat und von der Stütze leben muss.

  45. #45 | Helmut Junge sagt am 8. Juli 2015 um 09:48 Uhr

    Arnold, ich sehe das auch, daß die Medienvertreter, nicht die Blogger natürlich, fast unisono, um nicht zu sagen alle gleich, was unweigerlich falsch verstanden wird, alle in das gleiche horn tuten.
    Woran das liegt, kann ich natürlich nicht sagen. Aber ein paar Gründe wird es schon geben.
    Das Thema ist als wirtschaftswisenschaftliches Thema schwierig. Mag sein, daß die betreffenden Journalisten in den staatlichen Einrichtungen überhaupt nicht verstehen, worüber sie berichten. Mag auch sein, daß sie gerne im Hauptstrom schwimmen wollen, was ich persönlich glaube, aber sie sind es, die die öffentliche Meinung prägen. Wenn über 70% der deutschen Bevölkerung ebenso denken, wie es die Medien berichten, wundert mich das nicht. Die Medien machen die öffentliche Meinung. Die Umfrageergebnisse zeigen nicht, wie viel die Bevölkerung über die Sachlage weiß, sondern in erster Linie, wie stark die Medien wirken.
    Dabei gibt es genügend Experten, auch Nobelpristräger, die sagen, daß die Politik Merkels in der Griechenlandfrage entsetzlich falsch ist.
    Eine einfache Frage, wer nämlich die griechischen Schulden bezahlen muß, wenn Griechenland pleite ist, wird nie gestellt. Allein das zeigt schon die Flachheit der Berichterstattung unserer Medienvertreter. So weit traut sich keiner seinen Kopf aus der Reihe vorzustrecke, um diese Frage zu stellen! Dabei ist diese Frage doch die naheliegendste Frage überhaupt. Griechenland ist nach allen Regeln der Marktwirtschaft pleite! Nicht einmal das wird so dargestellt. Alle Termine sind verstrichen, und das bedeutet KONKURS! Aber wenn das so ist, zahlen die Bürgen.
    Und Bürgen sind Merkel, Schäuble und damit die ganze Republik Deutschland. Und genau deshalb wird auch nach der Pleite weiter verhandelt! Merkel wird schon sanftmütiger, weil sie jetzt fürchtet, daß die Griechen überhaupt nichts mehr bezahlen könnten. Das macht die griechische Position jetzt enorm stark. Und alle, die das begreifen, werden friedlicher Junker macht den Anfang mit neuen Freundlichkeiten. Bald werden alle wieder ein freundliches Verhältnis zueinander haben, und die Medien werden diese Freundlichkeiten aufnehmen und in ihrer Berichterstattung dem staunenden deutschen Zuschauern erklären, daß bisher alles auf Mißverständnissen beruht habe. Insofern wird diese Griechenlandkrise als wunderbares Beispiel für mangelnde Ernsthaftigkeit unserer Medienvertreter in die Geschichte eingehen.
    Natürlich sind die Medien nicht staatlicherseits "gleichgeschaltet". So ist es nicht. Die Frage nach dem Warum istaber wichtig, wenn wir sehen, daß sie sich ohne formalen Auftrag so verhält, als ob.
    Wenn sie jetzt also erwartungsgemäß unisono umschenken wird, muß das aber erklärt werden.
    Was erst einmal bleibt, ist Deine Erkenntnis: "Das Ganze ist bislang ein journalistische Trauerstück das sehr wenig mit guter Recherche, differenzierter Fachkenntnis und distanzierter Berichterstattung , dafür aber sehr viel mit der zunehmenden Not und Verworfenheit eines ganze Berufsstandes zu tun hat. Propaganda bleibt auch ohne Propagandaministerium Propaganda."

  46. #46 | Arnold Voss sagt am 8. Juli 2015 um 10:49 Uhr

    Helmut, es ging jenseits jeder volkswirtschaftlichen Vernuft nur darum den Druck auf Griechenland zu erhöhen, und selbst so kluge Menschen wie Dieter Nuhr haben es nicht begriffen oder wollten es nicht. Denn mit dem Griechenbashing macht man einfach mehr Quote wenn das Volk erst mal darauf eingestimmt ist. Die dazu systematisch erzeugte allgemeine ökonomische Verblödung kann man genau an dem Geck von ihm sehen, denn Leoluca in 44 treffend vorführt.

    Wer einen Schuldner immer weiter in den bankrott treibt, statt ihm zu helfen die Schulden zurück zu zahlen ist entweder ein Idiot oder es ist ihm egal, ob es eine Rückzahlung gibt, weil er sicher weiss, dass andere dafür einspringen werden. Genau das aber war die Strategie der Hardliner, und das konnten sich die aktuelle griechische Regierung auf keinen Fall gefallen lassen. Und auch keine andere.

    Obendrein wurden genau die Banken die mit horrenden Zinssätzen die hoffnungslose Lage Griechenlands am Kapitalmarkt ausgenutzt haben, um noch höhere Profite einzustreichen, über die Griechenlandhilfe aus dem Schussfeld ihrer eigenen Gier genommen. Sie, die das Desaster der Griechen noch gesteigert haben, bekamen das Geld, das eigentlich zur Beendigung dieses Desasters vorgesehen war, um nicht selbst für ihre Fehler aufkommen zu müssen.

    Ja, Griechenland muss sich radikal verändern. Aber der einzige Weg mit dem man das nicht erreichen konnte, haben die Austerity Hardliner gewählt um komme was da wolle ihre ökonomische Ideologie durchzusetzen. Ein Schuldner der nicht zurückzahlen kann ist aber kein Schuldner mehr sondern ein Bad-bank für die immer die Allgemeinheit aufkommt. Oder man lässt den Schuldner einfach verrecken.Zum verrecken brauchen die Griechen aber nicht die EU. Das können sie auch gut alleine und deswegen haben sie zu recht mit Nein gestimmt.

  47. #47 | Klaus Lohmann sagt am 8. Juli 2015 um 11:06 Uhr

    Das ist auch ein "Experte": "Die Schuld tragen wir Griechen selbst"
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-krise-politikwissenschaftler-dimitri-sotiropoulos-ueber-ursachen-und-folgen-a-1042303.html

    Aber wahrscheinlich streiten wir uns dann die nächsten Tage, ob es gute und böse, linke und rechte "Experten" gibt;-)

  48. #48 | thomas weigle sagt am 8. Juli 2015 um 12:48 Uhr

    @ Arnold Voss Sorry, ich habe die Äußerung von @ Helmut Junge #40 Dir zugeordnet. Bei dieser Gelegenheit: ich heiße Weigle, nicht Weigele, wie du seit einiger Zeit schreibst.

  49. #49 | Helmut Junge sagt am 8. Juli 2015 um 12:54 Uhr

    Nein, @Klaus Lohmann, wir werden uns nicht über gute oder schlechte Experten streiten.
    Ich nehme Ihren Experten. Aus Ihrem Link.
    "Sotiropoulos: Die Schuld für unsere Lage tragen wir Griechen selbst. Wir hatten schon immer wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die weltweite Banken- und Wirtschaftskrise hat uns deshalb besonders schwer getroffen. In all dieser Zeit hat der Staat den öffentlichen Sektor viel stärker geschützt und gefördert als den privaten. Gleichzeitig haben Großunternehmer, aber auch Ärzte, Anwälte, kleine Ladenbesitzer und Handwerksbetriebe keine Steuern gezahlt. Da hat sich in letzter Zeit einiges geändert, aber die Strukturen müssten viel tiefgreifender reformiert werden. Hier hätten Deutschland und die anderen Geberländer solche Reformen einfordern müssen, anstatt sich mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zufrieden zu geben."
    Was sagt er, Ihr Experte?
    Daß die Griechen an ihren wirtschaftlichen Schwierigkeiten selbst schuld sind, ist richtig, aber nicht das derzeitige Thema. daß er aber auch sagt, daß "Deutschland und die anderen Geberländer solche Reformen einfordern müssen, anstatt sich mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen zufrieden zu geben." hat schon noch etwas mit unserem Thema zu tun. Nur liegt diese falsche Einschätzung Deutschlands und der anderen Geberländer, die ja diese Vorgaben durchgesetzt haben, schon Jahre zurück. Lesen Sie mal den sehr guten Kommentar 46 von Arnold Voß richtig. Dann werden Sie sehen, daß es in dieser Hinsicht keinen Widerspruch gibt.
    Lesen Sie besonders diesen Abschnitt
    "Wer einen Schuldner immer weiter in den bankrott treibt, statt ihm zu helfen die Schulden zurück zu zahlen ist entweder ein Idiot oder es ist ihm egal, ob es eine Rückzahlung gibt, weil er sicher weiss, dass andere dafür einspringen werden. Genau das aber war die Strategie der Hardliner, und das konnten sich die aktuelle griechische Regierung auf keinen Fall gefallen lassen. Und auch keine andere."
    Genau darum geht es Klaus Lohmann.

  50. #50 | Klaus Lohmann sagt am 8. Juli 2015 um 13:18 Uhr

    Zur "Experten"-Meinung v. Sotiropoulos sollte man ergänzen, dass Syriza die Wahlen gewonnen hat, weil sie – neben einem unglaublichen, allerdings in manchen Dingen auch hierzulande ja nicht mehr undenkbaren Schulterschluss mit Rechtsradikalen bzw. deren Hassthesen – den Bürgern und vor allem den von Armut bedrohten Mittelständlern erfolgreich suggeriert hatte, dass die Schuld an den miserablen Zuständen allein die Troika mit ihren Reformregeln und keinesfalls die vernichtend schlechte Wirtschaftspolitik, Naivität, Amateurhaftigkeit und Gier der Jahre zuvor trägt. Da Tsipras dann die "Wichtig!!"-Karte für die geostrategische Position Griechenlands zog und die Troika aus dem Land jagte, um mit den "Großen" spielen zu dürfen, endete zu diesem Zeitpunkt im letzten März die Rationalität aller begonnenen Prozesse.

  51. #51 | thomas weigle sagt am 8. Juli 2015 um 14:12 Uhr

    Wäre es nicht an den Griechen gewesen, auch ohne entsprechende Forderungen der Troika mit Reformen zu beginnen? Ich persönlich habe keine festgefügte Meinung zu G., was auch daran liegt, dass in unseren Medien eben auch die Unterstützer von Tsipras ausreichend zu Wort kommen, nicht 1 zu1, aber Medien sind nun mal keine Neutralitätsveranstaltungen. Deshalb sind sie aber in der Regel und in ihrer großen Mehrheit weder gleichgeschaltet noch Lügenpresse.

  52. #52 | Helmut Junge sagt am 8. Juli 2015 um 14:28 Uhr

    @Klaus Lohmann, eine subjektiv gefärbte Analyse, warum Syriza die Wahl gewonnen hat, und wie Tsipras mit seiner "wichtigkarte" Eindruck macht, könnte ich auch versuchen. Nur hilft uns das leider nicht weiter, wenn wir eine Lösung in der Sache suchen.
    Wenn wir keine Lösung suchen, mag das der richtige Weg sein.
    Ist er wohl auch, wie wir sehen.
    Aber Merkel wird jetzt wohl einen Weg suchen müssen, denn lange werden die Gläubiger nicht mehr warten. Und dann sind die Bürgen dran mit dem Bezahlen der Kredite.
    Und wenn das dabei herauskommen sollte, daß Deutschland als Bürge herangezogen wird, ist selbst Merkel nicht mehr zu halten. Bedenken Sie, daß uns erzählt wird, daß wir immer am starken Hebel sitzen. Da werden sich dann Viele die verträumten Äuglein reiben.

  53. #53 | Arnold Voss sagt am 8. Juli 2015 um 14:28 Uhr

    KLaus, wer nichts mehr zu verlieren hat, zieht jede Karte die sich ihm bietet, um überhaupt wieder ein Drohmittel zu haben. Es müssen sich allerdings auch die nach ihrer ökonomischen Schuld fragen lassen, die Griechenland über so viele Jahre haben finanziell gewähren lassen. Banken die einem strukturökonomisch so schwachen Schuldner wie Griechenland über Jahrzehnte immer wieder neues Geld geben, anstatt Strukturreformen anzumahnen, sind Zocker und keine seriösen Banken.

    Sie setzen auf hohe Zinsen, die mittelfristige mehr einspielen als die sichere Rückzahlung, denn es gibt keine besseren Schuldner als die, die immer weiter und vor allem sicher mit fremdem Geld Zins- und Zinseszins zahlen, anstatt per ökonomicher und politischer Strukturreformen Voraussetzungen für eine systematische Tilgung zu schaffen. Wenn man dann noch die Zinsschraube ohne Bedenken immer höher schrauben kann, werden Länder wie Griechenland zum Goldesel.

    Sowohl die ca 800 Familien die Griechenland bis heute besitzen und noch nie Steuern gezahlt haben als auch die Banken die dieses System per Kredite finanzierten hatten nicht das geringste Interesse, daran was zu ändern. Wenn man dann auch noch ein Teil des Volkes mit Klientelismus korrumpieren kann, ändert sich auch innerhalb demokratischer Strukturen nichts.

    So wurde das Land und vor allem der Staat nicht nur für die Banken sondern auch für einen Teil der Bevölkerung zum Goldesel auf Kosten anderer. Sofern dieser außerhab Griechenlands lebten konnten sie jedoch nur über ihre Europapolitiker und die Brüsseler Bürokratie dieser Form der Staatsausbeutung ein Ende setzen. Aber weder diese Politiker noch die Brüsseler Komissionäre haben etwas getan, obwohl sie alle seit langem wussten was in Griechenland, bzw. mit Griechenland passiert.

    Sie haben weder den Banken Einhalt geboten noch politischen Druck auf die griechischen Regierung ausgebübt. Sie haben zugeschaut bis es endlich zu spät war, um dann mit einer der brutalsten Rosskuren das Übel bei der Wurzel zu fassen, die die wirtchaftspolitische Geschichte kennt. Leute wie Juncker haben zu Gunsten ihrer eigenen Regierung sogar noch den Banken weiter unseriöse Freiheiten geboten und dafür gesorgt, dass die, die in Griechenland sowieso keine Steuern bezahlen, im Ernstfall, also wenn sie es denn mal doch tun müssten, ihr Geld auch noch steuerfrei und legal außer Landes bringen können.

    Ja, Griechenland ist schuld, Klaus, aber es ist nicht nur Griechenland. Und wenn man die lange Geschichte des Klientelismus in diesem Land studiert, dann trägt das europäische Ausland eindeutig die größere Schuld, weil es ökonomisch genau an diesem System Jahrzehnte lang mitverdient hat und seine verantwortlichen Politiker sogar von Anfang an wussten, dass sie schon beim Eintritt durch eben dieses System betrogen worden sind. Übrigens unter Zuhilfenahme von genau des Bankensystems was danach an Griechenland fast risikolos am meisten verdient hat.

    Was in den letzen 5 Jahren mit Griechenland auf europäischer Ebene gelaufen ist, ist Volksverarschung im ganz großen Stil und die führenden Journalisten dieses unseren Landes haben, bis auf ganz wenige, dabei ohne Bedenken mitgemacht. Vom dadurch neu angeheizten deutschen Chauvinimus der Dumpfbacken jeder politischen Coleur und sozialen Schichtenzugehörigkeit ganz zu schweigen. Dass dann die ganz Dumpfen auch dann noch Lügenpresse brüllen, wenn die Jungs und Mädels der Schreiberzumpft keinen Propaganda oder Lobbyarbeit machen sondern anständiges journalistisches Handwerk bieten, haben sie sich vorrangig selbst zuzuschreiben.

  54. #54 | Arnold Voss sagt am 8. Juli 2015 um 15:27 Uhr

    @ Thomas Weigle

    Erst mal sorry, dass ich deinen Hausnamen seit Kurzem wiederholt falsch schreibe. Kommt nicht wieder vor. Ich habe auch Verständnis dafür, dass du mit dem Begriff gleichgeschaltet/Gleichschaltung historische Dimensionen verknüpfst, die dir seine heutige Verwendung bedenklich erscheinen lassen.

    Aber es stimmt einfach nicht, dass die Befürworter und die Gegner im Falle Griechenlands 1:1 zu Wort gekommen sind. Die Regierung Tsipras wurde von Anfang an bis heute als unseriös und unerfahren gebrandmarkt. Ihre Experten wurden immer von mindesten 2 Gegenexperten eingrahmt, die genau in dieses Horn gestoßen haben. Eine Debatte über die Fehler der Troika wurde erst mit erheblicher Verzögerung in den Deutschen Medien geführt, und auch da immer nur dann, wenn es nicht mehr zu vermeiden war, bzw. die ausländische Presse darüber ausführlich berichtet hatte.

    Welchs Risiko Merkel und Schäuble eingehen wurde ebenfalls viel zu spät thematisiert, und auch dann kamen beide immer noch als die großen erfahrenen Strategen rüber, die am Ende recht behalten würden. Auch die dubiose Rolle von Claude Juncker wurde lange unter den Teppich gekehrt. Das gleiche galt für die unseriöse Rolle der Banken. Erst jetzt, wo offensichtlich wird, dass nicht nur die Griechen die Schuld am Desaster tragen, werden krtische Artikel veröffentlicht, die man viel früher hätte freischalten müssen.

    Ja, bei Phoenix und Konsorten, also am medialen Katzentisch ,gab es immer schon Gegenstimmen. Da wo kaum einer schaut, wurde wie üblich auf Debatte gemacht, bzw. echte geführt . Die großen, massenwirksamen Medien haben das nicht mal zum Schein getan. Selbst Plasberg hat mehr auf die Tränendrüse gedrückt, als stattdessen Jemanden einzuladen, der den Plattökonomen des "Wir können uns auch nicht erlauben unsere Schulden nicht zurück zu zahlen" auch fachlich Paroli bieten konnte.

    Nein, ich bleibe dabei: Kritische Aufklärung ist im Falle Griechenand auch in den deutschen Massenmedien jenseits des Boulevard systematisch verhindert worden. Ob durch Blödheit oder durch die Schere im Kopf oder durch beides, ist mir dabei völlig egal. Ich habe auf jeden Fall die Achtung vor der journalistischen Elite dieses Landes fürs erste verloren. Allerdings wirst du mich trotzdem nicht in den Reihen der Lügenpresse-Schreier finden. Sie sind nämlich nur das Spiegelbild einer zunehmend verkommenen deutschen Medienlandschaft, deren immer noch bestens bezahlten Hauptmatadore selber finanzielle Profiteure dieses perfiden Bankensystems sind.

  55. #55 | thomas weigle sagt am 8. Juli 2015 um 18:26 Uhr

    @ Arnold Voss Ich habe geschrieben "nicht 1:1", alles andere wäre tatsächlich eine verquere Wahrnehmung. Und ich bin weit davon entfernt, die Positionen von Merkel und Co zu teilen, aber auch bei Tsipras habe ich nicht den Eindruck, dass er an einer einvernehmlichen Lösung wenig interessiert ist, sondern Allesodernichts spielt. Da fahren zwei Züge aufeinander zu und keiner scheint zu wissen, wo der Bremshebel ist.

  56. #56 | laubeiter sagt am 9. Juli 2015 um 12:19 Uhr

    Sehr geehrter Herr Bartoschek

    in einem on-line Blog einem Politiker zu unterstellen, er sei narzisstisch veranlagt, und zu hoffen, dass diese bösartige Unterstellung Zustimmung findet und Ihr Gedanke gewürdigt wird, ist das nicht auch narzisstisch? Den Nachnamen Varoufakis abzukürzen mit V. finde ich schlechten Stil.

    In der SZ diskutierte Ulrich Schäfer gestern die Frage, wo Varoufakis recht gehabt haben könnte.

  57. #57 | Sebastian Bartoschek sagt am 9. Juli 2015 um 12:42 Uhr

    #56: Selbst wenn Sie Recht hätten, und mein Verhalten – und vielleicht sogar ist als Person – narzistisch sein sollte, widerlegt dies nicht eine Zeile dessen, was ich über Yanis V. geschrieben habe. Und dass die Abkürzung "V" bei Ihnen auf Missfallen stößt, freut mich insofern, als dass es mir zeigt, dass dieser kleine Kunstgriff tatsächlich wahrgenommen wurde.

  58. #58 | sol1 sagt am 9. Juli 2015 um 22:55 Uhr

    <i>…widerlegt dies nicht eine Zeile dessen, was ich über Yanis V. geschrieben habe.</i>

    Nein – aber es wurden ja genug andere Argumente gegen die These des Artikels vorgebracht.

    Daß auf diese nicht eingegangen wird, spricht dafür, daß nicht Yanis V., sondern Sebastian B. ein narzißtischer Populist ist.

  59. #60 | Helmut Junge sagt am 10. Juli 2015 um 08:52 Uhr

    Wie ich in meinem Kommentar 45 schon vorausgesagt hatte, wird der Ton zwischen EU und griechischen Politikern allmählich wieder sachlich, und die Medienvertreter bemühen sich ebenfalls wieder um einen sachlichen Ton. In zwei Tagen werden die so tun, als hätte es zwischendurch nie einen anderen Tonfall gegeben.
    Unisono versteht sich.
    Wir werden sehen, daß wir eine Unisono-Berichterstattung haben.
    Nein, "gleichgeschaltet" sind die Medien nicht. Trotzdem sprechen sie mit einer Zunge. Warum das so ist, ist wichtig genug, daß es mal analysiert wird.

  60. #61 | Arnold Voss sagt am 10. Juli 2015 um 11:15 Uhr

    Unisono-Berichterstattung klingt auf jeden Fall besser, als gleichgeschaltet, Helmut. Bei Letzterem müsste es ja auch Jemand geben der schaltet. Vielleicht gibt es aber auch einen Schalter im Kopf der aus den folgenden Materialen besteht: Arroganz, nicht eingestandene Abhängigkeit und die Angst, sich zu weit aus dem Fenster zu hängen.Erschreckend ist es jedoch allemal.

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