Fernsehen vs. Web: Lineare Berieselung vs. gezieltes Lesen

Manchmal gelingt es Radio und Fernsehen sehr effektiv, mich daran zu erinnern, warum ich wahllose Berieslung durch Magazinsendungen nicht mag.

BildGestern war ich nur kurz dabei, den Festplattenrekórder mit Arte-Stoff für die nächste Woche zu füttern – da die Schwiegermutter zu Besuch ist, kann man ohnehin nicht länger fernsehen.

Da all diese Geräte einem auch zwangsweise das laufende Programm vorsetzen, fiel mir auf, daß in „Metropolis“ etwas über den Fotografen Peter Lindbergh sein sollte – und zwar nach dem gerade laufenden Beitrag über ein altes Designsofa.

(3): Peter Lindbergh

Der deutsche Fotograf Peter Lindbergh, seit 30 Jahren in der Modebranche tätig, hat sich durch seine natürlichen Aufnahmen prominenter Models und Schauspielerinnen einen Namen gemacht. Er legt großen Wert auf eine respektvolle Darstellung der Frau und lässt sich auf die Besonderheiten des Gesichts ein. Die Schwarzweißtechnik nutzt er zur Steigerung der Emotion. Von seinem realistischen Ansatz her kritisiert er den systematischen Rückgriff auf die Retusche und verteidigt die Darstellung des Körpers mit seinen Unvollkommenheiten. Rund 200 Bilder und Filme aus dem Gesamtwerk des Fotografen werden ab 25. September in der Ausstellung „Peter Lindbergh. Photographs and Films 1980-2010“ im C/O in Berlin gezeigt.

Ich tröstete die Schwiegermutter mit „nur 5 Minuten“. Sie versteht kein Deutsch – und auch kein Französisch.

Doch es kam noch eine Menge anderes uninteressantes Zeug, doch nicht der beworbene Beitrag. Ums Verrecken nicht. Obwohl ich nun 45 Minuten statt 5 Minuten an der Kiste festhing.

Und auch in „Arte +7“ ist der Beitrag nicht existent, der eigentlich zwischen dem Beitrag über das 70er-Jahre-Sofa und dem Beitrag über diesen verrückten amerikanischen Buchschreiber sein müßte. Der extrem absurd war, weil er englisch sprach (das hätte die Schwiegermutter immerhin verstanden), deutsch synchronisiert wurde, doch die Bücher in der französischen Variante gezeigt wurden.

Anscheinend hat die Metropolis-Redaktion den Beitrag über Peter Lindbergh niemals gemacht. Und wenn, wäre er wohl nur eine Kurznotiz von ein paar Sekunden geworden.

Aber ich habe mich über eine Stunde mit einem Mischmasch von Kram beschäftigen müssen, der mich – Kultur hin, Kultur her – gar nicht interessiert. Nur Claude Chabrol war interessant – doch da hatte ich noch gar nicht eingeschaltet.

Doch genau das – für jeden etwas, aber für keinen genug – ist das Prinzip dieser nervigen Magazinsendungen. Schön für Leute, die ohnehin nur ziellos durch die Kanäle zappen – blöd für „Programmgucker“ wie mich.

Immerhin: Arte sendet zumindest meistens nach Programm. MTV z.B. hat dagegen eigentlich noch nie ein groß angekündigtes und beworbenes Special auch tatsächlich zum beworbenen Termin ausgestrahlt.

Das Fernsehen mag Leute, die eine bestimmte Sendung oder einen bestimmten Beitrag sehen wollen, und nicht irgendwas, leider nicht besonders.

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