Piratöser Flaggenstreit

In den Farben der GroKo: die Flagge des Anarchosyndikalismus  (Quelle: tuxproject.de)
In den Farben der GroKo: die Flagge des Anarchosyndikalismus
(Quelle: tuxproject.de)

Bekanntlich hielten die Piraten am vergangenen Wochenende ihren ersten Bundesparteitag des Jahres in Bochum ab (die Ruhrbarone berichteten hier und hier).

Eigentlich sollte es dabei um die Wahl der Spitzenkandidaten für die Europawahl gehen. Doch wieder einmal rückt statt dessen eine parteiinterne Auseinandersetzung in Vordergrund.

Es geht um eine Flagge. Eine schwarz-rote Flagge. Die Flagge des Anarchosyndikalismus.

Als Zeichen des Antifaschismus wurde das Stück Stoff im Ruhr-Congress aufgehängt. Und der Kampf gegen Nazis ist doch etwas Tolles. Also kein Problem.
So sieht es ein (sehr lauter) Teil der Piraten.

Nun weist ein anderer Teil der Piraten darauf hin, dass unter dem Label der Antifa und v.a. des Anarchosyndikalismus durchaus problematische Inhalte firmieren.
Eigentlich selbstverständlich, denn die Idee eines antiautoritären Sozialismus ist kaum mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik vereinbar.

Doch es gibt noch Kräfte in der Piratenpartei, die für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einstehen, im aktuellen Flaggenstreit das sog. „Frankfurter Kollegium„.
Hier ist ein Sammelbecken für diejenigen, die sich einer (sozial)liberalen Ausrichtung der Piratenpartei verbunden fühlen.
Und eben jene Sozialliberale halten nun fest:

Der Konflikt entzündet sich nicht an einem öffentlichen und gut
sichtbaren Statement gegen Faschismus. Es ist das Gesamtpaket von
Begriffen und Vorstellungen, das mit dem Aufhängen der Flagge auf einer
offiziellen Piratenveranstaltung jedem Parteimitglied als politische
Identität übergestülpt wird.

Schließlich ist die Verortung der Antifa im politischen Spektrum
eindeutig: historisch entstammt die Antifaschistische Aktion in
Deutschland dem linksrevolutionären Milieu.

Das Frankfurter Kollegium betrachtet die schwarz-rote Beflaggung im Weiteren als „unzumutbaren Fremdbestimmung“.

Für die Zukunft empfehlen die orangenen Liberalen:

Wir müssen uns als Mitglieder deshalb entscheiden, ob wir uns weiterhin
wie Fans von rivalisierenden Stadtvereinen gegenseitig mit Schmähungen
überziehen oder ob wir er schaffen uns trotz Differenzen respektvoll zu
Verhalten und im entscheidenden Moment zurückzustecken.

Allerdings ist fraglich, ob im aktuell schwelenden Richtungsstreit der Piraten dies mehr als nur eine Hoffnung sein wird.

Was auch immer sich mit dem Aufhängen der schwarz-roten Flagge in Bochum verknüpfen sollte, eines haben die Flaggenhissenden geschafft:
Aufmerksamkeit vom eigentlichen Parteitagsgeschehen abzuziehen!

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11 Kommentare

  1. #1 | Stefan Laurin sagt am 10. Januar 2014 um 12:34 Uhr

    Es ist schon albern, wenn Parteimitglieder so tun als ob sie Anarchisten wären. Partei und Anarchismus gehen nicht zusammen. Ich werte das mal als Poserei…

  2. #2 | Sebastian Bartoschek sagt am 10. Januar 2014 um 12:34 Uhr

    Ja, es hat schon was Pubertäres… (hoffentlich.)

  3. #3 | Christian Wee sagt am 10. Januar 2014 um 13:09 Uhr

    Soweit ich es mitgekriegt habe dreht sich der Streit mehr um die Antifa-Flagge und nicht um die Anarcho-Flagge (die auf einer Parteiveranstaltung eh nur grotesk ist) und zwar meinen die Kritiker, dass die Antifa eine gewaltverherrlichende und -tätige Organisation ist.

    Eine meiner „hautnahen“ Erfahrungen mit der Antifa, und zwar mit der Kölner, liegt schon über 10 Jahre zurück, als ich noch ein kleiner Punkrocker war.

    In Köln sollte eine Nazidemo sein und so fuhr ich mit nem Kumpel und zwei älteren Autonomen dorthin, um bei der Gegendemo teilzunehmen. Dort trafen wir die Gruppe von etwa 20 Antifas aus Köln und Umgebung. Die Nazidemo wurde kurzfristig abgesagt und so hatten die Antifas den glorreichen Plan quer durch die Stadt zu fahren und Nazis zu suchen, um „denen aufs Maul zu hauen“. Mein Gegenvorschlag, sich einfach auf die Platte zu setzen und Bier zu trinken stieß auf wenig Gegenliebe. Die Antifas waren mir teils direkt unsymphatisch, da teilweise mit Hammer und Sichel-Shirts und einer geschwollenen, ich-bin-wichtig-Ausdrucksweise, aber was solls, gegen Nazis hält man ja zusammen. Die Antifas waren ausnahmslos in meinem Alter, alle zwischen 13 und 17, mit Pommesärmchen- 3-4 halbwegs trainierte Nazis hätten wohl gereicht um uns komplett auseinanderzunehmen, aber das war eh nicht von Belang, da wohl in ganz Köln keine Nazis zu finden waren- zumindest sind wir quer durch Köln gekurvt, stundenlang, aber die haben sich wohl aus Angst vor der mächtigen Kölner Antifa versteckt.
    Zwischenzeitlich wurden ich und meine drei Begleiter noch von der Gruppe weggelotst von einem Gothpunkemo-Antifa, der die Taschen meiner 2 älteren Begleiter durchsuchen wollte, da die Gruppe den Verdacht hatte, es handle sich um Nazi- oder Bullen-Spitzel (sie hatten die Haare kurz geschnitten und sahen wohl zu normal aus- kein bißchen hip), was natürlich eine vollkommen gute Idee war, einen allein mit uns loszuschicken, wenn man den Verdacht hat, sie oder wir könnten Nazis sein.
    Stunden später am Kölner Dom- den größten Teils des Tages, ein lauer Sommertag, in der U-Bahn verbracht, hatten dann die Antifas Nazis entdeckt- sie schrien „Nazis“, warfen Flaschen und rannten den Nazis hinterher, alle außer mir und meinen Begleitern und einem Typ der einen ungefähr 30 Kilo schweren Rucksack dabei hatte, vollgestopft mit Büchern. Wir schritten gemächlich hinterher, während die Antifas die Nazis durch den Kölner Dom verfolgten und sie dabei beschimpften.
    Etwa 10 Minuten später trafen wir die Antifas wieder und ich fragte: „Und was ist passiert“ und einer der Antifas, ein kleiner schmächtiger marxistisch-leninistischer Lockenkopf antwortete, „das waren keine Nazis, das waren Schwule“.

    Die Antifa hatte also ein schwules Pärchen quer durch den Kölner Dom getrieben- das war die Tagesausbeute.

  4. #4 | Robert Gorny sagt am 10. Januar 2014 um 13:51 Uhr

    C. Wee

    Bruder im Geiste. Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich bei keiner Anti-Nazi Demo mehr teilnehmen werde, solange die normalen Menschen nicht die Courage aufbringen, der Antifa die rote Karte zu zeigen.

  5. #5 | Bochumer sagt am 10. Januar 2014 um 14:18 Uhr

    https://www.frankcebulla.info/2014/nicht-links-nicht-rechts

    Kommen wir zu unserem Ausgangspunkt zurück. Die Piratenpartei oder besser gesagt ihre Mitglieder leiden derzeit unter dem Bekenntniszwang einiger weniger Fanatiker, die ihre Ideologie allen aufzwingen wollen, koste es was es wolle. Soweit ich das beurteilen kann, handelt es sich dabei um Ideologen eines sehr weit links liegenden politischen Spektrums. Diese Wenigen sind nicht nur laut, sie sind vor allem aggressiv, sie denunzieren und dif­famieren, sie greifen zu unlauteren Mitteln (wie dem Spamblocken von unliebsamen Twitter-Accounts), sie sind nicht an einem Dialog oder an einer Diskussion interessiert und ihr Horizont bewegt sich auf dem Niveau Wer-nicht-für-uns-ist-ist-gegen-uns. Oder wer sich mit der Antifa nicht solidarisieren will, muss ein Nazi sein. Oder wen ein Wort wie Nation in einem Antrag nicht stört, ist ein Natio­nalist und damit erstrecht ein Nazi. Und so weiter. Die Taktik der Einschüchterung und Aggressivität trägt Früchte. Die Schreihälse und Trolle bestimmen die öffentliche Diskussion innerhalb der Par­tei und zunehmend auch die Außenwahrnehmung der Partei. Der sogenannte Fahnenstreit auf dem letzten Bundesparteitag ist ein gutes Beispiel dafür.

  6. #6 | Klaus Lohmann sagt am 10. Januar 2014 um 14:39 Uhr

    Warum ist „wieder einmal“ eigentlich durchgestrichen? Es ist doch die gleiche Nabelbeschau wie sonst auch…

  7. #7 | TuxDerPinguin sagt am 10. Januar 2014 um 19:02 Uhr

    als mündiger Mensch weiß man schon Einzelmeinungen von Mehrheitsmeinungen zu unterscheiden…
    hätte da an Piratenstelle nix gemacht. Lass die Fahne doch da hängen.
    Gegen Antifa ist ansich auchnichts zu sagen. Wäre es die Fahne eienr extremistischen Vereinigung o.ä. hätte man immernoch was machen können…

  8. #8 | Robert Gorny sagt am 11. Januar 2014 um 10:45 Uhr

    Die Antifa ist nicht extremistisch? Ich als „mündiger“ Mensch sehe das aber ganz anders.

  9. #9 | der ebenfalls mündige sagt am 3. März 2014 um 13:11 Uhr

    glücklicherweise, lieber robert, gibt es andere, ebenfalls mündige menschen, die das anders sehen. nur weil ein paar prollo-freizeit-antifas meinen, sie müssten irgendwo radau machen, heißt das noch nicht, dass die szene (die übrigens alles andere als heterogen ist) nur aus solchen leuten besteht.
    wenn man den „linken terroristen“, wie antifas im volksmund ja gerne genannt werden, immer vorwirft, sie würden alle, die deren politischen ansichten nicht teilen, pauschal als nazis betrachten, mache man doch bitte nicht den gleichen fehler, alle, die sich nen antifa pulli anziehen, pauschal als unmündige idioten abzustempeln.
    schöne grüße und ein freundliches ‚alerta‘ 😉

  10. #10 | „Kommt zur Piratenpartei, das ist die progressiv-liberale Partei!“ | Ruhrbarone sagt am 5. März 2014 um 22:04 Uhr

    […] gibt, die menschenverachtende Ideologien wie den Sozialismus oder Kommunismus nach vorne tragen, wenn anarcho-syndikalistische Flaggen auf Parteitagen gehisst werden. Stellst sich dann nicht eher die Frage: ‘Droht den Piraten eine Verschmelzung mit der […]

  11. #11 | Proskriptionslisten – für die Freiheit? Ahoy! | Ruhrbarone sagt am 10. Juli 2014 um 19:16 Uhr

    […] dass irgendein Mitglied der Piratenpartei irgendetwas Dummes getan hat, sei es das Hissen einer Flagge, die das Grundgesetz verhöhnt (#flaggengaten), oder das Präsentieren von Brüsten, um irgendwie irgendwas zum zweiten Weltkrieg zu machen […]

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