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Gedenken an den 11. September

Christuskirchen Foto: Ayla Wessel/Kulturagentür

Nur einmal im Jahr läuten alle Glocken der Christuskirche in Bochum: Am 11. September – in Gedenken an die Toten des Terroranschlags von New York.

Die Christuskirche ist ein erstaunliches Gotteshaus. Sie wurde im 19. Jahrhundert gebaut. In einer Nebenraum findet man ein 1931 erstelltes Mosaik mit den Namen angeblicher Feindstaaten. Es sind ziemlich viele.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Christuskirche zerstört und eigentlich wäre sie es nicht wert gewesen, wieder aufgebaut zu werden. Sie wurde es doch, als Torso und Mahnmal gegen  Krieg und Unterdrückung. Heute ist sie eine Kirche der Kulturen. Und hier wird Stellung bezogen: Den unlängst gegen Israel hetzenden Linkspartei-Abgeordneten wurde Hausverbot erteilt. Und wenn am 11. September die Glocken läuten, will die Kirche ein Zeichen setzen und den Opfern gedenken.

„Gibt es eine Kunst, die schöner ist?“ In der Reisetasche von Mohammed Atta fand sich eine Geistliche Anleitung, in der hieß es: „Du wirst bemerken, dass das Flug­zeug anhal ten und dann erneut flie gen wird. Dies ist die Stunde, in der du Gott tref fen wirst.“ Es wurde die Stunde, in der Menschen aus Dutzenden Nationen ermordet wur den, Christen, Juden und Muslime. Zwei Tage später trafen sich Christen, Juden und Muslime in der über vollen Christuskirche und bekannten: „Ein Gott, der Opfer verlangt, ist keiner.“

Ein Grund für das Erinnern ist die Tatsache, das einer der Terrorpiloten aus Bochum kam: Ziad Jarrah. In ihrer Pressemitteilung wendet sich die Christuskirche aber auch gegen Irans Regierungschef Mahmud Ahmadinedschad, der 2005 sagte: “Gibt es eine Kunst, die schöner ist, göttlicher und ewiger als die Kunst des Märtyrertums?” und gegen den Komponisten Karlheinz Stockhausen, der den islamistischen Terroranschlag zur Kunst erhöhte und die brennenden Türme das größte Kunstwerk nannte, dass er je gesehen hatte. Ihm entgegnet die Christuskirche:

Eine Kunst, die Opfer verklärt, ist sowenig Kunst wie ein Gott, der Opfer verlangt, göttlich ist.

Einfach ein guter Satz.

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9 Kommentare zu “Gedenken an den 11. September

  • #1
    schuri

    korrektur: das Mosaik mit den Feindeslaendern wurde erst 1931 erstellt, eher im geiste eine zeit, die dann kommen sollte. das seltsame machwerk befindet sich im eingang des turms. ob die kirche zuvor im geist des imperialismus gebaut wurde, ist nicht zu sagen.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Schuri: Vielen Dank. Durch die große Liste von Staaten, von denen es in meiner Erinnerung viele in den 30ern gar nicht gab, dachte ich sie wäre früher erbaut.

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  • #4
    Goldmosaikstein

    “In einer Nebenraum findet man ein 1931 erstelltes Mosaik mit den Namen angeblicher Feindstaaten. Es sind ziemlich viele.”

    meinst du das:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Christuskirche_(Bochum)

    “Im Jahre 1931 gestaltete der Bochumer Baumeister Heinrich Schmiedeknecht (1880–1962) im Sockelgeschoss des Turmes eine Heldengedenkhalle. In Goldmosaiksteinen sind die Namen von 30 im Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) gefallenen Soldaten, von 1.362 im Ersten Weltkrieg (1914–1918) Gefallenen der Gemeinde und die 25 Staaten, gegen die Deutschland Krieg geführt hat, eingetragen.”

  • #5
    Bochumer

    Die Christuskirche ist faszinierend und eine wahre Friedenskirche! Neben den bisher drei seit 1931 vorhandenen Gedenktafeln sollten zudem die derzeit (abgespeckt) angebrachten Namenstafeln im Rahmen des Projekts “Platz des europäischen Versprechens” von Jocher Gertz erwähnt werden!

  • #6
    Arnold Voss

    Hier in New York sind jetzt wieder Nachts die beiden hoch in den Himmel gerichteten Laserlichtsäulen zu sehen, die aus der Skyline von Downtown Manhattan hoch in den Himmel dringen. Ich kann sie von meinem Fenster aus sehen. Manchmal brechen sie sich so in den Wolken, dass sie ein klares oberes Ende haben und dann sieht es fast so aus, als stünde die beiden Türme des World Trade Center noch.

  • #7
    Thomas Wessel

    Die Sache mit den 28 “Feindstaaten Deutschlands” ist die: Die Kirche wurde 1878/79 gebaut; 1931 wurde im Turm eine “Helden-Gedenkhalle” eingeweiht, sie listet die Namen von 1358 Bochumern, die im I. WK gefallen sind, daneben die Namen der 28 “Feindstaaten Deutschlands”, darunter auch die USA. Mit welcher Intention die Staaten hier aufgeführt wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, die Unterlagen wurden im II. WK zerstört.

    Aus heutiger Sicht lässt sich der Raum so oder so lesen, sowohl als revanchistisch – acht Jahre später begann der nächste Krieg – wie als Geste der Versöhnung: die Namen der Staaten stellvertretend für das Leiden der Menschen dort. Entweder Das-kriegt-ihr-wieder! oder Nie-wieder!, das konnte 1931 jeder für sich entscheiden. Ausgerechnet dieser Turm hat dann den II. WK überdauert, es kann sich auch heute jeder entscheiden.

  • #8
    Petra Engelke

    @ Arnold Voss:
    Ja, und hier in New York gibt es zu diesem Anlass wieder eine Diskussion darum, ob denn die Gedenkstätte rechtzeitig (zum zehnjährigen Gedenken nächstes Jahr) fertig wird. Baulich sieht es inzwischen wohl ganz gut aus. Aber die Verantwortlichen stehen vor dem Problem, die Menschenmengen sicher unterzubringen, die diese Gedenkstätte anziehen wird.

    Die Knackpunkte finden sich schön zusammengefasst und mit kommentiertem Baustellenbild bestückt heute im Wall Street Journal:
    http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704644404575482103812733726.html

  • #9

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