Bestattungen in Waltrop: Zwischen karibischem Traum und einem Ende als Katzenklo

Das Aschestreufeld auf dem Friedhof in Waltrop am 4.8.2019.

So ein Friedhof, der eignet sich, ob man es nun glauben mag oder nicht, inzwischen auch geradezu ideal um das Wegbrechen der gesellschaftlichen Mitte in diesem Lande zu beobachten. Ähnlich wie auch im Arbeitsleben erodiert hier nämlich gerade auf besorgniserregende Art und Weise die ehemals breite Mittelschicht.

Besonders protzige Gräber, die gab es immer schon. Leute, die sich mit einem gigantischen, teuren Grabstein ein regelrechtes Denkmal setzen wollten auch. Andere Zeitgenossen, die kaum das Geld für eine Bestattung zusammenbekommen haben, sich in einer sprichwörtlichen Apfelsinenkiste zur letzten Ruhe betten lassen mussten, die gab es auch stets.

Die große Mehrheit der Toten ruhte in den vergangenen Jahrzehnten allerdings in den traditionellen Einzel- oder Familiengruften. Zumindest hier bei uns in der Gegend, im Ruhrgebiet.

Im Laufe der vergangenen Jahre waren und sind in dieser Angelegenheit jedoch deutlich sichtbare Veränderungen zu erkennen. Die klassische Familiengruft wurde, da immer teurer, vielerorts seltener. Platz und Geld sparendere Bestattungsformen wurden hingegen augenfällig zahlreicher. Immer mehr Leute ließen sich zudem verbrennen, anschließend in Urnen zu Grabe tragen.

Die alten Friedhöfe erfuhren dadurch optisch einschneidende Veränderungen. Immer mehr Plätze zwischen den traditionellen Gruften blieben beispielsweise verwaist.

Doch auch in Sachen Grabpflege gab es jüngst deutliche Veränderungen. Immer größer wurde die Anzahl der Gräber, der geradezu übertrieben gepflegt erscheinen. Viele von diesen werden tagtäglich besucht und umsorgt. Auf der anderen Seite des Spektrums sah man wohl auch noch nie so viele völlig verwahrloste Gräber auf den Friedhöfen der Region wie aktuell.

Und dann gibt es inzwischen auch noch die ganz krassen Fälle, über die wir hier im Blog ja auch schon mehrfach berichtet haben, wo, wie bei mir hier in Waltrop, die Toten auf einem Asche-Streufeld gerade zu unsanft ausgekippt werden.

Vor diesem Hintergrund da wundert es dann auch nicht mehr, dass in der örtlichen Lokalzeitung am gestrigen Samstag von einem neuen Trend berichtet wurde, wonach offenbar immer mehr Leute sich in einem Korallenriff in der Südsee beisetzten lassen, indem sie ihre dort Asche verstreuen lassen. Dies, so berichtet zumindest ein Angestellter von einem Waltroper Bestattungshaus, sei gerade der neueste Trend in Bestattungsfragen.

Wie ein aktueller Blick auf den örtlichen Friedhof zeitgleich offenbart, gibt es zugleich aber auch im August 2019 immer noch diese unschönen Fälle, wo ein Verstorbener als regelrechter Aschehaufen endet, der auf dem Friedhof in Waltrop schlicht, für jedermann leicht zu erkennen, offenkundig kostensparend ausgekippt wird (siehe Fotos vom Tage).

Der eine Tote geht im Jahre 2019 auf große Reise in die Karibik, der andere endet unschön um die Ecke als ‚Katzenklo‘. Schon ziemlich irre Zeiten, in den wir leben! Oder?

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6 Kommentare

  1. #1 | Bernd Schwitters sagt am 4. August 2019 um 13:43 Uhr

    Endlich die deutsche Friedhofs-/Bestattungsordnung von 1934 ersatzlos streichen!

  2. #2 | Robert Müser sagt am 4. August 2019 um 14:03 Uhr

    Der Umgang mit den Verstorbenen lässt einen tiefen Blick in die Gesellschaft im Umgang mit dem Thema Tod zu. Den Verstorbenen möglichst billig verbrennen, möglichst billig und anonym unter die Erde bringen und sonst bloß nicht darüber sprechen – bleibt dann mehr Geld für die Erben über. Leicht überspitzete Beobachtungen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis, wo nach dem Ableben und Abklingen der Heuchelei es alles ganz schnell und möglichst billig gehen musste.
    Würde es die Bestattungsform "Asche ins WC kippen" gegeben, so würden einige der oben benannten Zeitgenossen aus €-Gründen diese Form der Bestattung (bzw. Entsorgung) wählen. Warum sollten dann die Beschäftigen auf dem Friedhof anders mit der Ware "Asche" umgehen?

    By the way:
    Hat FFF bzw. die heilige Greta sich eigentlich schon dazu geäußert, dass die CO2-Belastung durch das Verbot von Einäscherungen deutlich reduziert werden könnte?

    Wäre doch im aktuellen Verbotswahn doch angepasst.

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 4. August 2019 um 20:12 Uhr

    @#2 Robert Müser: ich würde diesen Themenkomplex lieber nicht anschneiden, sonst endet das mit dem Hinweis auf kosten- und CO2-sparende Einäscherung mit dem sog. "Resomator", der nur 300 Grad statt 1200 Grad Hitze benötigt:
    "Möglich macht das ein Laugenbad, in das der Leichnam drei Stunden lang eingetaucht wird. Die alkalische Lösung zersetzt den Körper. „Am Ende bleiben nur noch Knochen, die sich mit den Fingern eindrücken lassen“, sagt Lichtner. Sie werden zermahlen und als „Ökoasche“ an die Hinterbliebenen übergeben. Die Lauge könne getrost als Dünger ausgebracht werden, sie sei nur eine „harmlose Flüssigkeit mit den Bausteinen des Lebens“."
    https://taz.de/Umweltfreundliche-Krematorien/!5085678/

    Das gibt dann noch mehr Artikel über Friedhofsfrevel…

  4. #4 | Hölscheidt sagt am 5. August 2019 um 08:30 Uhr

    #bernd Schwitters
    Gerade das Beispiel "unschöne Verstreuung" und das zunehmende Minderbewerten von Bestattung mit entsprechendem Kostenkalkül macht einen gesetzgeberischen Schutz notig.! Vllt.sollte es mal eine Aktualisierung der Gesetzeslage geben, dann müssten wir uns mit unseren Werten und Umgangsformen auseinandersetzen und ,was am schwierigsten zu sein scheint, einen gesellschaftlichen Konsens finden. Einfacher ist "ohne", aber es geht m.E. um mehr als "wie es mir gefällt". es geht um die Frage, welche öffentliche Bedeutung gebe ich einer Person nach ihrer Existenz ?Behandeln wir sie als Privateigentum, als Person mit Persönlichkeitsrechten,als nicht mehr zu beachten und daher nur als zu entsorgende Materie?
    Abgesehen davon steht die Frage nach den Bestattungsformen immer auch im engen Zusammenhang mit den Weiterlebenden (im besonderen aber nicht exclusiv auch der Trauernden)
    Welchen , wie erkennbaren, wie öffentlichen und wie leicht zugänglichen ,nutzbaren Raum für Tod , Vergänglichkeit und Trauer brauchen Menschen ,die Weiterleben (wollen)?

  5. #5 | Nina sagt am 5. August 2019 um 11:03 Uhr

    @#2 Robert Müser. Reiner Populismus. Einäscherungen machen nicht das Gros der CO2-Emissionen aus.
    Es werden in Deutschland mittlerweile mehr Feuer- als Erdbestattungen vorgenommen. Das ist ein Fakt. Die Gründe mögen vorliegen. Die Bestatter jammern und plötzlich heisst es, es sei nunmal eine Tradition der Friedhöfe bei uns und diese Tradition sei gewachsen etc. etc. Ja. Es war und ist v.a. eine Tradition des Geldverdienens, denn gestorben wird immer. 😀
    Dinge ändern sich.
    Ich würde auch klagen, wenn meine Einnahmequelle sich verändert und ich am Ende des Monats weniger habe. Obwohl-tatsächlich würde ich persönlich nicht klagen, da ich es immer schon gewohnt war, mir auch unter widrigen Umständen einen Weg zu suchen und weiterzumachen ohne die Schuld auf andere zu schieben.
    Fakt ist, dass Traditionen sich aus den unterschiedlichsten Gründen ändern können, ob es einem gefällt oder nicht. Und es scheint so, dass sich bei uns immer mehr Menschen für eine Feuerbestattung entscheiden.
    Ich persönlich habe das bei einem Elternteil auch gemacht. Sogar eine Ordnungswidrigkeit begangen und die Urne behalten anstelle dem Friedhofszwang nachzugeben. Den halte ich persönlich für überholt.
    Die Frage, wie wir mit dem Tod umgehen und mit der Trauer ist eine ganz andere und da lohnt es sich, sich anzusehen, wie andere Länder und andere Kulturen damit umgehen. Ich finde, bei uns in Deutschland sind Tod und Sterben sehr tabuisiert.
    Anders als bspw. bei den Toraja in Indonesien.
    https://www.spiegel.de/politik/ausland/tod-bei-den-toraja-mit-leichen-unter-einem-dach-a-1273462.html

  6. #6 | Der Waltroper Bestatter Sascha Müller bedankt sich bei Corona-Leugnern! | Ruhrbarone sagt am 29. Oktober 2020 um 15:11 Uhr

    […] stets engagierte und findige Müller konnte es aber letztendlich nicht verhindern, dass sich der Zustand des Friedhofs vor Ort in der Zeit des Aufstiegs seines Unternehmens bedenklich […]

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