Grönemeyer sang für das Konzerthaus

Bochum will ein Konzerthaus und braucht Geld. Um für Spenden zu werben, gab Herbert Grönemeyer gesten im Bermudadreieck ein  Konzert.

Herbert Grönemeyer und Steven Sloane. Foto: Görges

Vorher verkündeten allerdings Bochum Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und der Chef der Bochumer Symphoniker, Steven Sloane, dass es statt der erhofften 10.000 Spender zum Abschluss des zehnwöchigen Spendenkampagne für das Konzerthaus derer 20.219 gegeben hätte und die zusammen 170.000 Euro gesammelt hätten – eine schöne Stange Geld, aber da Bochum noch über fünf Millionen zum Bau des vierten neuen Konzerthauses im Ruhrgebiet innerhalb von zehn Jahren fehlen, wird wohl ein privater Bürge dafür sorgen, dass mit dem Bau bald begonnen werden kann, denn bis zum Kulturhauptstadtjahr soll der Musentempelm fertig sein. Auch Grönemeyer wird sich für das Konzerthaus noch mal ins Zeug legen: Er wird im kommenden Jahr ein weiteres Konzert geben – gemeinsam mit Steven Sloane und den Bochumer Symphonikern im Ruhrstadion – die  Eintrittsgelder sollen dem Bau des Konzerthauses dienen.

Grönemeyer gab vor 4000 Zuschauern ein kurzes Konzert – spielte aber, zur Freude aller, zwei Mal Bochum. EInen ausführlichen Konzertbericht gibt es bei Jens.

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2 Kommentare

  1. #1 | Jens König sagt am 22. Juni 2008 um 21:17 Uhr

    Ih hab‘ da so eine Theorie:
    Je teurer, grösser und unsinniger ein Projekt ist, desto sicherer wird es umgesetzt.

    Ich gebe zu, dass meine Theorie durch den Nichtbau des Metrorapid einen herben Rückschlag bekommen hat, aber bin inzwischen wieder sehr zuversichtlich, nachdem ich neulich mal am Kasseler Flughafen war (tot, mausetot, auf mancher Graspiste im Sauerland ist mehr los. Aber wen wundert’s, Kassel halt. Nichtmal 200kEinw aber Weltstadt sein wollen), den man jetzt ausbauen will so in Richtung WirWollenSeinWieHeathrow.

    Und jetzt Bochum: Eigenes Haus, eingezwängt zwischen (nä, nich kaputte Kirche und B3Eck) die Konzerthäuser in Essen und Dortmund. Welche beide von Bochum HBf aus in 15 Minuten erreichbar sind, und die sicherlich zwischendurch mal auch Zeit haben, die BoSys spielen zu lassen (Regionalbahn: 10 Minuten, Fussweg nochmal 5, ich hab’s ausprobiert).
    Und somit ist die Bochumer K-Hausversion überflüssig wie sonstwas.
    Wird aber gebaut, wartet’s ab! Weil meine Theorie stimmt und Ausnahmen nur die Regel bestätigen, hähä.

    Abgesehen davon: war einer mal in Do oder E im Konzerthaus?
    Ich bin ja nun schon 40 aber wenn 95% der Anwesenden doppelt so alt sind, find ich das schon seltsam. Ausserdem gehören die Besucher offensichtlich dem gehobenen Bürgertum an. Warum jetzt gerade für die Leute Abermillionen verbaut werden, die es a) selber dicke haben und b) sowieso mit dem Benz ins Konzert fahren, ob das jetzt in Bochum ist oder sonstwo, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Zumal andererseits andere Bevölkerungsgruppen für ihre jeweilige Form der Kultur (ob jetzt türkische Folklore oder Punk ist ja egal, auch wenn manche das eine nicht vom anderen unterscheiden können, is auch schwer, ne) keinen Cent bekommen. Baut mir irgendeiner hier einen Britpopsaal? Oder einen Goth-Keller? Sowas muss sich immer selber finanzieren. Und ein Haus wie der wie Bahnhof Langendreer kriegt nach Bau des Bochumer Konzerthauses (nein, nicht mehr Geld): Kürzungen, wetten?.
    Versteht mich nicht falsch: Für Kultur viel Kohle rauszuhauen ist schon ok. Aber bitte doch ein vernünftiges Mass halten und einen faire Verteilung wahren.

    Ich habe eine weitere Theorie, warum überflüssige Grossprojekte unaufhaltsam sind: Erstens ein Denkmal für irgendein Schlitzohr, zweitens freut sich die Bauwirtschaft (siehe auch meinen Kommentar zur Designstadt https://www.ruhrbarone.de/das-marchen-designstadt-ist-zuende/).

    Darauf basiert auch Idee, als Nächstes käme etwas wirklich krass Irres, beispielsweise: „Überdacht die Bochumer Innenstadt“. Teuer, sinnlos und megalomanisch. Musste aber hören, dass es die Idee in diversen Städten schon gab und immer wieder verworfen wurde (Oh mann, Ihr Luschen). Sollte ich irgendwann Politiker werden, dann verspreche ich, ich sorge dafür, dass das ganze Ruhrgebiet überdacht wird (da rechne ich dann einfach die Konzerthäuser für Gelsenkirchen, Wattenscheid und Herne gegen, die ja dann viel preiswerter als Freilichtbühnen ausgeführt werden und schwups , schon lohnt sich das).

    Gespannt darf man sein, mit welchen schäbigen Tricks jetzt noch das BoKoHa schön gerechnet wird, oder wer noch alles deus-ex-machina-gleich spendet oder sonstwas tut.

  2. #2 | Thomas sagt am 22. Juni 2008 um 23:38 Uhr

    >als Nächstes käme etwas wirklich krass Irres, beispielsweise: ?Überdacht die Bochumer Innenstadt?.

    Gibbet schon: Duisburg hat als einzige Stadt der Welt den Flaneurweg, die Fußgängerzone, die Königstraße, die zentrale Einkaufsmeile überdacht.

    Klar – würde ja auch sonst keiner hinkommen zum Agglomerat der Ein-Euro-Shops, die mittlerweile sogar Sonderangebote auspreisen.

    Für 50 Cents.

    Im übrigen verweise ich auf die luzide und sehr komische Erzählung von Thomas Coraghessan Boyle, in der die Bürger der Welt größenwahnsinnig wurden und sich dachten: Bauen wir eine zweite Sonne! Weil: Es braucht eine neue Vision!

    In der Geschichte hatte die Welt Minderwertigkeitskomplexe und ein größenwahnnsinniger Visionär hat die angestachelt.

    Dann hammse zusammengelegt und eine neue Sonne in den Kosmos geschossen. Mit verheerenden Folgen: Erst wurde es kuschelig warm auf der Erde, hell und licht, dann wurde es zu heiß und blendend, dann trocknete die Welt aus, wurde blind – und am Ende warse verbrannt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/T._C._Boyle
    https://www.tcboyle.com/

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