Große Aufbruchstimmung mochte die Vorstellung von Peter Bosz beim BVB noch nicht zu entfachen

Peter Bosz (Mitte) in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Gefühlte Ewigkeiten liegt er inzwischen ja fast schon zurück, der DFB-Pokalsieg von Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt im Endspiel von Berlin. Dabei ist das Ganze doch in Wirklichkeit erst gut 10 Tage her. Fast vergessen auch schon die glücklichen Bilder des Autokorsos in der Dortmunder-City danach, am vorletzten Wochenende.

Dass das so gekommen ist, daran ist natürlich vor allem die Trainerentlassung der Schwarzgelben mit all den daraus resultierenden unschönen Begleiterscheinungen schuld. Sicherlich so eine der unglücklichsten Entwicklungen beim BVB in den letzten Jahren. Das Bild, welches die Schwarzgelben dabei abgegeben haben, die Abläufe rund um die Trennung von Thomas Tuchel haben die Stimmung rasch wieder empfindlich abkühlen lassen.

Gestern war es dann aber auch endlich soweit. Der neue Übungsleiter beim Pokalsieger und Campions League-Gruppenphasenteilnehmer wurde der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt. Peter Bosz heißt er, ist 53 Jahre alt und war zuvor Trainer bei Ajax Amsterdam. Auch wir von den Ruhrbaronen waren vor Ort mit dabei um uns einen ersten Eindruck vom ‚Neuen‘ zu verschaffen.

Bosz selber präsentierte sich in der gut halbstündigen Pressekonferenz souverän den versammelten Medienvertretern. Eingerahmt wurde er dabei von BVB-Sportdirektor Michael Zorc und Club-Boss Aki Watzke. Und gerade diesen beiden merkte man dann aber doch deutlich an, dass die letzten Tage, in denen es viel Kritik in der Öffentlichkeit gegenüber den beiden maßgeblich an der Tuchel-Entlassung Beteiligten gab, bei ihnen so ihre Spuren hinterlassen hatten.

Die ganz große Lockerheit mochte sich diesmal bei einer Trainervorstellung in Dortmund dadurch nicht einstellen. Beide wirkten doch recht angeschlagen und durchaus sogar etwas verunsichert.

Dies lag aber natürlich auch daran, dass die Fragen aus dem Kreise der Journalisten zunächst häufig doch noch in erster Linie rückwärtsgerichtet waren: Warum sollte Bosz denn nun besser zum BVB passen als Tuchel es offensichtlich tat? Warum ‚nur‘ einen 2-Jahresvertrag für den Niederländer? Was lief da zuletzt bei Ajax? Was waren die Hintergründe des Streits den Bosz da zuletzt offenbar auch clubintern hatte? usw.

Viele Fragen waren für einen eigentlich so positiven Vorstellungstermin dann doch erstaunlich kritisch. Diese Grundstimmung überraschte zwar nicht, trübte jedoch den eigentlich für einen tatsächlichen Neuanfang stehenden obligatorischen Pflichttermin spürbar und nachhaltig ein.

Entsprechend standardisiert fielen in diesem Bereich natürlich auch die Antworten aus. In der Regel hieß es schlicht: „Das ist nun abgehakt. Wir wollen ab heute nur noch nach vorne blicken.“. Das erhellte das Wissen der Fragenden dann zwar auch nicht wirklich, war aber vermutlich tatsächlich die bestmögliche Taktik. Es nützt ja nun wirklich nichts mehr noch länger öffentlich in den Geschehnissen der Vergangenheit zu kramen.

Viele Aufgaben liegen vor Bosz, Watzke und Zorc. Die BVB-Fans sind zusätzlich durch viele aktuelle Fragen zur konkreten Kaderplanung verunsichert. Bleibt Starstürmer Pierre-Emerick Aubameyang in Dortmund? Wer würde bei einem Abgang des Gabuners ggf. seinen Ersatz darstellen? Kann der scheinbar vorhandene Riss im Kader wieder geschlossen werden? Das Alles muss Peter Bosz mit seinem Team nun in wenigen Wochen tatkräftig angehen.

Der Niederländer machte mit seiner leicht autoritär wirkenden Ausstrahlung durchaus den Eindruck da einen ganz frischen Wind in das Teambringen zu können. Doch ob er auch mehr das schwarzgelbe Herz mit einbringen kann, was viele Kritiker aus dem Bereich der organisierten Fans des BVB ja zuletzt immer wieder an ihm kritisiert hatten, das muss der neue Coach auch erst noch beweisen.

Allzu viel Optimismus ließ der erste Auftritt in Dortmund in dieser Beziehung freilich auch noch nicht entstehen. Denn schließlich redete Bosz nicht nur davon, dass er vor kurzem noch davon ausgegangen sein bei Amsterdam zu bleiben, die Verpflichtung des BVB sehr kurzfristig über die Bühne gegangen sei, er kann als Ausländer ja faktisch auch bisher kaum mit seiner BVB-Leidenschaft aufgefallen sein.

Allerdings hat er, wie damals übrigens auch Thomas Tuchel, diesbezüglich eine ehrliche Chance verdient sie in den nächsten Jahren entwickeln zu können.

Hoffentlich gibt man ihm diesmal auch die Zeit dazu!

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9 Kommentare

  1. #1 | Tilleulenspiegel sagt am 7. Juni 2017 um 09:27 Uhr

    Watzke und der neue Borz müssen nun liefern-direkte CL-Qualifikation, DFB-Pokslfinsle und CL-Viertelfinale. Dazu die Torjägerksnone-denn Aubameyang hst eine gewaltigen Teil seiner Treffer im Fünfer aufgelegt brkommen-will heißen, dass der Trainer das Spiel so angelegt hätte,dass der Meiner häufig nur noch einschieben musste. Dazu gilt es weiterhin, die Talentirrten weiter zu entwickeln.

    Insgesamt ein schwieriges Unterfangen-vor allem dann, wenn man den Kader betrachtet, in dem mit Schprrle und Götze 65000000-Euro teure Spieler in der letzten Saisonsif dem Platz kaum positiv auffielen und ihren Marktwert deutlich eingebpßt hsbrn und somit auch Probleme bri der Kommanditgesellschaft Borussia Dortmund hervorrufen können. Dazu hat der neue Trainer mit den Alteingesessenen zu tun, die ihr Potenzial häufig nicht abrufen und lieber in der Pizzeria als im Kraftraum sitzen.

    Kein leichter Hin-gut wird es nicht laufen, werden alle BVBler Tichelanhänger und die Ablösung von Watzke fordern. Der wird aber ohnehin nicht gehen, umgibt er sich doch mit einer Aura der aBcb-Folklore und ehemals Fussball spielenden "Würdenträgern" des trafitionsverlirbten Clubs.

    Alles in allem wird es spannend.zu sehen, ob der BVB an die Gesamtleistuung der letzten beiden Tucheljahre herankommt. Auch ein möglicher Weggang des Knipsers Aubameyang darf dann nicht als Ausrede dienen.

    Der BVB ist angezählt….

  2. #2 | Lukas N. sagt am 7. Juni 2017 um 10:19 Uhr

    @Robin
    Es stimmt, dass die große Aufbruchstimmung bei der Vorstellung des neuen Trainers, Peter Bosz, nicht aufkommen mochte, aber das war aus den von Dir genannten Gründen auch gar nicht möglich.
    Das wichtigste ist, dass Bosz einen positiven Ersteindruck hinterlassen hat. Er ist nicht großsprecherisch oder so aufgetreten, sondern mit einer symphatischen Bescheidenheit. Bosz ist auch kein glattgebügelter Typ, sondern ein Typ mit Ecken und Kanten. Konkretere Aussagen sind von ihm natürlich erst zu erwarten, sobald er sich eingearbeitet und in einigen Wochen auch die Mannschaft kennengelernt hat, wenn zudem auch feststeht, wie der Kader für die neue Saison endgültig aussieht.
    Bosz muss auf jeden Fall eine ehrliche und faire Chance bekommen, keine Frage, zumal er ja mit dem ganzen Theater zuletzt nichts zu tun hat.

    Der Erfolgsdruck wird gerade nach den Abläufen zuletzt und den guten sportlichen Ergebnissen unter Tuchel sofort da sein. Hinter Platz 3 in der Liga darf auch der neue Trainer kaum ins Ziel kommen, selbst wenn der nicht sofort gleichwertig ersetzbare Aubameyang – wonach es aussieht – gehen sollte.
    Aber es liegt diesmal noch mehr Druck auf den Bossen, vor allem auf Aki Watzke, als auf dem Trainer. Sollte man nach dem Trainerwechsel weniger Erfolg haben als zuvor, wird man das in erster Linie Watzke ankreiden.
    Ohne Frage haben die letzten Wochen sowohl bei Watzke als auch bei Zorc Spuren hinterlassen, wirken beide etwas angeschlagen und verunsichert, Watzke noch mehr als Zorc.

    Dass Boss Watzke angeschlagen aus dem Konflikt rund um Ex-Trainer Tuchel hervorgeht und sogar seine Glaubwürdigkeit gelitten hat, muss er sich selbst zuschreiben, denn er machte im Umgang mit diesem Konflikt unerwartete und schwere Fehler.
    Schon dass er zur Unzeit in der sportlich alles entscheidenden Schlussphase der Saison den Trainer öffentlich abwatschte und anzählte und damit eine mediale Lawine auslöste, die wochenlang rollte, die Stimmung verschlechterte und sogar den sportlichen Erfolg hätte gefährden können, ist nicht nachvollziehbar. Dass Watzke dann auch noch bis zum Schluss öffentlich immer wieder versicherte, man werde mit Tuchel nach Abschluss der Saison alles analysieren, ein ergebnisoffenes Gespräch führen, es gebe definitiv keine Vorfestlegung, war schon ein starkes Stück, denn wie man heute weiß, sagte er damit die Unwahrheit. Tuchel wurde nur noch die Entlassung verkündet, wie es mehrere Journalisten schon seit Wochen als feststehende Tatsache berichtet hatten. Bestimmte Journalisten waren also über das bereits beschlossene Tuchel-Aus informiert, nur Tuchel selbst noch nicht.

    Wenn man die Berichterstattung insgesamt verfolgte, auch die der seriösen Presse und seriösen Fachpresse, dann muss man schon davon ausgehen, dass auch Tuchel Fehler machte und dass es intern wohl sowohl Konflikte mit den Bossen, mit führenden Mitarbeitern sowie auch mit einem Teil der Mannschaft gegeben hat, dass es keinesfalls nur Probleme zwischen Watzke und Tuchel gegeben hat. U. a. auch das Verhältnis zwischen Sportdirektor Zorc und Tuchel scheint nicht das beste gewesen zu sein.
    Es kann vorkommen, dass ein Trainer sportlich erfolgreich arbeitet, aber es trotzdem irgendwie nicht passt und es ist bei mehreren Klubs auch schon vorgekommen, dass Trainer trotz sportlichen Erfolges entlassen wurden.
    Aber dass es die Bosse im Umgang mit dieser Problematik derart vergeigen, ist schon ein Unding.
    Dass es Watzke im Konflikt mit Tuchel nicht schaffte, als erfolgreicher und souveräner Geschäftsfüherer über den Dingen zu stehen und sich in die Niederungen des öffentlichen Abwatschens, Nachtretens, der Haarspalterei und der Eitelkeiten begeben hat, ist nicht zu verstehen und lässt ihn leider aktuell in keinem so guten Licht erscheinen.
    Der BVB ist zuletzt eigentlich dafür gestanden, dass Konflikte und Meinungsverschiedenheiten intern behandelt, geregelt und gelöst werden und man das nicht auf dem öffentlichen Markt austrägt.
    Statt dessen wurde Tuchel öffentlich vorgeführt und demontiert und dazu hat Boss Watzke höchstpersönlich beigetragen. Das ist ganz schlechter Stil und führte nur zu einem unwürdigen öffentlichen Ping-Pong-Spiel, weil jeweils – wie man erwarten musste – Gegenreaktionen kamen. Und so kam auch ans Licht, dass auch Watzkes Aussage nicht stimmte, niemand sei an ihn herangetreten, nicht schon einen Tag nach dem Anschlag wieder spielen zu müssen. Denn Reus und Castro hatten genau das auf der Teambesprechung in Anwesenheit von Watzke angesprochen.

    Wenn die Bosse keine andere Möglichkeit mehr sehen als sich vorzeitig von einem sportlich erfolgreichen Trainer zu trennen, dann muss man das anders lösen, vor allem muss man es schaffen, die Saison ohne längeren öffentlichen Wirbel zu Ende zu bringen und sich dann in einer Art und Weise zu trennen, die Stil hat, die niemand öffentlich beschädigt und die alle Beteiligten ihr Gesicht wahren lässt. Kleinkrieg, Rosenkrieg und ein unwürdiges Schmierentheater darf es in einem solchen Fall nicht geben.
    Trotz allem hat Watzke natürlich noch Kredit verdient, denn er leistet ja seit über 10 Jahren gute Arbeit für den BVB, hat maßgeblich zu seiner Rettung damals beigetragen und auch dazu, dass der BVB heutzutage wieder sportlich und wirtschaftlich bestens dasteht. Aber Watzke ist angeschlagen, seine Glaubwürdigkeit hat gelitten und er wird unter verschärfter Beobachtung stehen.

    Man muss jetzt nach vorne schauen, aber dieses unwürdige Schauspiel wird nachwirken und vor allem die Bosse werden genauer unter die Lupe genommen und auf ihnen lastet jetzt unnötig viel Druck und sie können nur hoffen, das sie nicht nochmals in Erklärungsnot geraten.

    Verschiedene Medienleute meinten ja nach der Entlassung Tuchels, da diese Entscheidung schon länger festgestanden habe, werde der BVB sofort einen neuen Trainer präsentieren, aber weit gefehlt. Alle Trainer, die in Frage kamen, standen anderswo unter Vertrag und selbst die Lösung mit Wunschtrainer Favre wurde zur Hängepartie, scheiterte am Ende sogar. Meiner Meinung nach hätte das mit Favre auch nicht gepasst. Er gilt als sensibel, schwieirg, leidet unter Selbstzweifeln wenn es mal nicht läuft und hatte bei mehreren Klubs Probleme mit den Bossen, brüskierte die Bosse in Berlin und Gladbach sogar mit skurrilen Abschiedsvorstellungen.
    Und so entstand für die BVB-Bosse plötzlich eine schwierige Gemengelage. Sogar Stöger, der Trainer des 1. FC Köln, wurde als Mitfavorit genannt, obwohl er noch Vertrag dort bis 2020 hat.

    Am Ende ist es also Bosz geworden, der nicht zu den großen Namen unter den Trainern zählt und in Deutschland bis vor Monaten weitgehend unbekannt war. Dann überraschte er mit einem sehr jungen Ajax Amsterdam-Team in der Europa League, schaltete u. a. Herne West aus und schaffte es sogar bis ins Finale.
    Er ist kein ganz junger Trainer mehr, hat noch keinen europäischen Topklub trainiert und als Trainer noch keine Titel gewonnen. Dennoch könnte er für den BVB eine gute Wahl sein. Vor allem passt der Fußball, den er spielen lässt, bestens zum BVB. Denn er lässt attraktiven Offensivfußball spielen, kombiniert Ballbesitzspiel mit Pressing und einem schnellen Umschaltspiel. Zumindest in Grundzügen stimmt das mit dem überein, was wir auch unter Tuchel gesehen haben, so dass sich die Spieler nicht komplett neu auf etwas einstellen müssen.
    Bosz hat gerade in Amsterdam bewiesen, dass er auch mit jungen Talenten umgehen und diese formen kann.
    Ajax-Spieler und Neu-Nationalspieler Younes sagte jetzt im TV: „Der BVB kann sich auf einen ganz tollen Trainer freuen. Ich wünsche ihm das Beste der Welt. Wir haben unglaublich gerne mit ihm trainiert, er hat eine unglaublich gute Stimmung erzeugt. Er spricht viel mit den Spielern, legt viel Wert auf Charakter.“
    Und Jordi Cruyff, Sohn des großen Johan Cruyff, sagte: „Peter liebt die Fußball-Philosophie meines Vaters, sehr offensiv, sehr dynamisch. Ein großartiger Typ, sehr bleliebt bei den Spielern.“
    Dass jetzt auch über einen Streit bei Ajax berichtet wird, der Bosz betroffen haben und seine Entscheidung, Ajax doch zu verlassen, beeinflusst haben soll, ist eher einer Besonderheit bei diesem Klub geschuldet.
    Denn Ajax steht schon immer für eine besondere Fußballphilosophie und hat ein ständiges Kompetenzteam, dem Dennis Bergkamp und andere angehören. Die Vorstellungen dieses ständigen Ajax-Kompetenzteams zur Spielphilospophie passten offenbar nicht ganz mit den Vorsellungen des Peter Bosz zusammen und man kam da wohl nicht auf einen Nenner. Bosz hat seinen eigenen Kopf, kann auch mal unbequem sein, ist aber nicht generell als jemand bekannt, der Schwierigkeiten hat, sich voll und ganz in einem Klub zu integrieren.

    Der Ersteindruck von Bosz ist jedenfalls gut und aus den genannten Gründen könnte es durchaus passen mit dem BVB und Bosz. Für Bosz ist es eine große Chance, den nächsten Schritt als Trainer zu gehen und sich bei einem europäischen Topklub zu beweisen. EInfach wird es nicht für ihn und der Erfolgsdruck wird gleich in seiner ersten Saison unverändert da sein. Auf jeden Fall hat er eine ehrliche und faire Chance verdient. Die Bosse, vor allem Watzke, stehen sogar unter einem noch größeren Druck. In wenigen Monaten wissen wir mehr, können wir alles noch viel besser einschätzen. Es bleibt auf jeden Fall spannend beim BVB.

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 7. Juni 2017 um 10:47 Uhr

    @Lukas: Schöne Zusammenfassung der letzten Wochen. Stimme auch voll und ganz zu. Was ich bei Bosz vermisse ist bisher die Fannähe. Das ist ja das was viele an Tuchel vermisst haben. Dürfte nun nicht anders werden, so wie ich ihn bisher einschätze. Auch Bosz wirkt eher etwas distanziert und eben irgendwie 'lehrerhaft'. Als Trainer muss das ja kein Nachteil sein. Aber ein Typ Klopp scheint eben auch er nicht zu sein. Und genau das wünschen sich ja viele Südtribünenbesucher wohl immer noch vom BVB-Coach. Aber vielleicht überrascht er uns alle ja diesbezüglich im Herbst.

  4. #4 | Regenschirme sagt am 7. Juni 2017 um 11:45 Uhr

    lesenswerter Beitrag, nur zwei, drei kurze Gedanken dazu: Klopp war einmalig, so einen wird der BVB nie wieder erleben dürfen. Der leergefegte Trainermarkt gibt momentan nichts anderes her. Bosz kommt immerhin menschlicher rüber als Favre, dessen geplante Verpflichtung wirklich schrecklich gewesen wäre.

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 7. Juni 2017 um 11:58 Uhr

    Kam gerade als Pressemeldung aus Dortmund rein. Ich will jetzt dafür aber keinen zweiten BVB-Beitrag einstellen, daher packe ich das einfach mal hierhin:

    "Borussia Dortmund nimmt Maximilian Philipp unter Vertrag

    Als vierter Neuzugang nach Ömer Toprak (Bayer Leverkusen), Mahmoud Dahoud (Bor. Mönchengladbach) und Dan-Axel Zagadou (Paris St. Germain) wechselt Maximilian Philipp zur kommenden Saison vom Sport-Club Freiburg zu Borussia Dortmund.

    Der 23 Jahre alte Offensivspieler erhält beim deutschen Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer einen Fünf-Jahres-Vertrag bis 30. Juni 2022. „Wir freuen uns, in Maximilian Philipp einen im In- und Ausland umworbenen Spieler für uns gewonnen zu haben. Er ist im offensiven Mittelfeld vielseitig einsetzbar, abschlussstark und hat eine glänzende Perspektive“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc.

    Maximilian Philipp, der sich aktuell mit der deutschen U21-Nationalmannschaft auf die EM-Endrunde vom 16. bis 30. Juni in Polen vorbereitet und etwa drei Wochen nach dem letzten Turnierspiel seinen Dienst beim BVB antreten wird, erklärte: „Der BVB ist einer der größten Vereine weltweit. Es ist für mich eine Ehre, hier spielen zu dürfen. Ich denke, mit 23 Jahren reif und alt genug zu sein, diesen Schritt wagen zu können. Ich will mich in Dortmund weiterentwickeln.“ Große Vorfreude verspürt er auf die Gelbe Wand: „Für Gegner ist sie angsteinflößend. Ich freue mich darauf, dass ich nun für sie spielen darf und von ihr nach vorne gepeitscht werde.“

    Der 1,84 Meter gebürtige Berliner war seit Januar 2013 für den Sport-Club Freiburg aktiv. Sein Bundesliga-Debüt absolvierte er im April 2014. Insgesamt bestritt er 81 Erst- und Zweitligaspiele für Freiburg, in denen er 18 Tore erzielte und 17 weitere Treffer direkt vorbereitete. In der abgelaufenen Spielzeit kam er 24 Mal in der Bundesliga zum Einsatz (9 Tore, 3 Vorlagen)."

    Ich finde die kolportierte Ablöse von angeblich knapp 20 Mio. Euro allerdings persönlich für viel zu hoch. Die Hälfte wäre wohl angemessener gewesen. Ist aber nur meine persönliche Meinung dazu. 😉

  6. #6 | Lukas N. sagt am 7. Juni 2017 um 12:04 Uhr

    @Robin zu #3
    Es freut mich, dass wir da in der Gesamtsicht der Dinge übereinstimmen. Was die Fannähe betrifft, müssen wir mal abwarten. Das lässt sich schwer einschätzen. Bosz wird ja von Weggefährten als durchaus nahbar beschrieben und die meisten seine Ex-Spieler haben eine hohe Meinung von ihm, sagen auch, dass es Spaß gemacht habe, unter ihm zu trainieren und dass man viel gelernt habe.
    Amüsant ist auf jeden Fall, dass es durchaus auch Parallelen zu Tuchel gibt. Das gilt u. a. zumindest für Grundzüge des Spielstils. Bosz liebt attraktiven Offensivfußball, will die Zuschauer unterhalten. Er gilt aber auch als totaler Fußballfreak und als Perfektionist. Einer seiner Ex-Spieler meinte, er lasse im Training alles bis zur Perfektion üben, harte Bälle in den Fuß, sauberes Passspiel, Zutrauen, Spaß auf dem Platz haben.
    Ich bin mal gespannt, wie es unter Bosz dann mit der Defensive so aussieht 🙂
    Bosz gilt auch als jemand, der seine Vorstellungen konsequent durchzieht, der seinen eigenen Kopf hat und auch mal unbequem sein kann. Die Bosse des BVB müssen aber beweisen, dass das mit Tuchel ein Ausnahmefall war, dass man auf jeden Fall mit Trainern, die konsequent ihre Vorstellungen verfolgen, klarkommt. Auch Klopp war ja für die Bosse kein einfacher Partner und sehr selbstbewusst, aber da stimmte offensichtlich die Chemie, kam man im zwischenmenschlichen Bereich bestens klar. Und so betonte jetzt auch Watzke, der unter besonderem Druck steht, dass sich das gleich gut angelassen habe in den Gesprächen mit Bosz, man das Gefühl habe, hier könne etwas zusammenwachsen. Man darf gespannt sein.
    Grundsätzlich denke ich, dass es bei einem Trainer am wichtigsten ist, dass er fachlich top ist, mit den Spielern gut umgehen kann, natürlich auch mit den Bossen klarkommt und einfach gute Arbeit abliefert, attraktiv und erfolgreich spielen lässt. Wenn den Fans im Westfalenstadion attraktiver und erfolgreicher Offensivfußball geboten wird, ist das das wichtigste.
    Klopp war natürlich ein Glücksfall für den BVB zur rechten Zeit. Er wird für immer in den Herzen der Fans bleiben. Dem Typ Klopp sollte man aber meine ich nicht nachtrauern. Und neue Trainer müssen auch nicht genau so sein wie Klopp. Klopp verbindet Fachkompetenz, sportlichen Erfolg mit Entertainment und großen rhetorischen Fähigkeiten, mit Witz und Humor. Das ist doch eine seltene Kombination, die man bei kaum einem anderen Trainer so findet. Über Jahre gesehen kann einem Klopp damit aber schon mal auf den Senkel gehen. Und sein Spielstil ist sehr kräftezehrend, laugt ein Team über Jahre auch etwas aus.
    In dieser Hinsicht, spielerisch gesehen, auch im Hinblick auf Ballbesitz usw., hat es beim BVB nach Klopp ja durchaus eine Weiterentwicklung gegeben. Und der Anteil der Fans, die sich unbedingt einen zweiten Klopp wünschen, den es aber gar nicht gibt (Nagelsmann kommt dem vielleicht noch am nächsten, aber er muss sich erstmal mit einer Dreifachbelastung beweisen), ist meiner Beobachtung nach kleiner geworden.
    Bosz wirkt auf jeden Fall nahbarer als es z. B. Favre gewesen wäre. Favre, der auch wenig emotional ist, hätte auch vom Typ her viel weniger gepasst als Bosz. Und sollte die Mannschaft unter ihm dann attraktiven und erfolgreichen Offensivfußball spielen und sollten die sportlichen Ziele erreicht werden, sollte gleichzeitig auch Ruhe einkehren und es intern harmonieren, sind die Fans auch zufrieden. Und vielleicht überrascht er ja auch noch mit mehr Fannähe als erwartet.
    Wir sind uns einig, dass Bosz eine ehrliche und faire Chance verdient hat. In einigen Wochen und vor allem einigen Monaten wissen wir mehr. Und die Bosse werden ja auch die gesamte nächste Saison über unter besonderer Beobachtung stehen. Langweilig wird es rund um den BVB jedenfalls nicht und der Diskussionsstoff wird nie ausgehen.

  7. #7 | Lukas N. sagt am 7. Juni 2017 um 17:54 Uhr

    @Robin zu #5
    Maximilian Philipp ist eine typische BVB-Verpflichtung. Er ist jung und entwicklungsfähig, deutscher U 21-Nationalspieler, hat sein großes Potenzial in der letzten Saison mehr als andeuten können, kann dem BVB sofort weiterhelfen. Vor allem ist er in der Offensive flexibel einsetzbar, sowohl als hängende Spitze als auch auf dem Flügel als auch durchaus mal als Mittelstürmer. Er ist Torschütze und Vorlagengeber. Mir gefällt bei ihm gut, dass er die Bälle technisch gut verarbeiten kann und dass er sehr stark in Eins-gegen-Eins-Duellen ist. In seinem Defensivverhalten muss er aber noch zulegen.
    Die Ablösesumme ist schon etwas hoch, da gebe ich Dir Recht. Aber es ist wohl so, dass es einen Sockelbetrag gibt und unter bestimmten Voraussetzungen noch Erfolgszahlungen fällig werden, so dass man dann auf diese hohe Summe kommen kann. Allerdings wissen wir alle auch um den Transfersummenwahnsinn, der mittlerweile herrscht und sobald ein Spieler über den reinen Jungtalentstatus hinaus ist, wird er sehr teuer. Leipzig wollte Philipp ja auch unbedingt verpflichten, was den Preis in die Höhe getrieben hat und auch aus England gab es Interesse. Wenn man von Philipp beim BVB absolut überzeugt ist und davon ausgeht, dass er beim BVB ein noch höheres Niveau erreichen wird, dann geht es von der Ablösehöhe wohl auch nicht anders und ist das zu rechtfertigen.
    Marco Reus wird ja für die Offensive mal wieder und leider monatelang ausfallen, wie schon in der Hinrunde der letzten Saison. Sollte Aubameyang tatsächlich wechseln, wonach es immer noch aussieht, auch wenn Auba offenbar noch nicht auf den BVB zugekommen ist, dann würden mit Beginn der neuen Saison gleich zwei Schwergewichte in der Offensive fehlen.
    Fit und in Form ist Reus ein Weltklassespieler, der den Unterscheid ausmacht, der für den BVB außerordentlich wichtig ist, auch als einer der Führungsspieler. Aber man muss sich mittlerweile wohl damit abfinden, dass seine Anfälligkeit für Verletzungen nicht aufhören wird, dass man nie weiß, ob der zu Saisonbeginn fit ist, ob er wähgrend der Saison fit bleibt und wieviele Spiele er während der Saison überhaupt machen kann. Das ist schade, aber leider die Realität, mit der der BVB leben muss. Also braucht man einen Top-Offensivspieler mehr als es der Fall wäre, wenn Reus ein für Verletzungen nicht anfälliger Spieler wäre.
    Die spannendste Personalie bleibt natürlich Aubameyang. Geht er und lässt ihn der BVB gegen sehr hohe Ablöse aus seinem ja noch bis 2020 laufenden Vertrag, dürfte er kaum auf Anhieb gleichwertig ersetzbar sein. Der BVB hat da sicherlich längst einen Nachfolger im Blick, vermutlich wieder ein Spieler, der noch kein Topstar ist (wäre auch nicht bezahlbar), der aber großes Potenzial hat.
    Insgesamt hat der BVB mittlerweile aber zuviele Spieler an Bord, so dass sich auch die Frage stellt, wer evtl. noch geht.

  8. #8 | Robin Patzwaldt sagt am 8. Juni 2017 um 06:37 Uhr

    @Lukas: Der BVB hatte eh schon zu viele Spieler. Und jetzt gibt es ja auch schon vier Neue, und auch Neven Subotic ist ja wieder zurück. Werden wohl so einige noch gehen müssen in den nächsten Wochen.

  9. #9 | Alle Achtung vor Ihrer Leistung, Peter Bosz! | Ruhrbarone sagt am 21. September 2017 um 14:26 Uhr

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