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Großer Corona-Frust im Kreis Recklinghausen: Das Gesundheitsamt erscheint völlig überfordert

Großer Corona-Ärger an der ‘Galenschule’ in Waltrop. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Wer als interessierter Beobachter in den vergangenen Monaten die Situation an unseren Schulen in NRW in Sachen Corona verfolgt hat, der konnte rasch den Eindruck gewinnen, dass die rund 18 Monate seit Pandemie-Beginn erfolgreich dazu genutzt wurden um entsprechende Schutzkonzepte für Schüler und Lehrer erarbeitet wurde, die einen annähernd regulären Schulbetrieb mit Beginn des Schuljahres 2021/22 möglich machen sollten.

Unmittelbar nach Schulstart mehrten sich dann jedoch sehr schnell die Berichte, wonach dies womöglich doch nicht so wie erhofft der Fall sein könnte. Seit dieser Woche bin ich persönlich mir sehr sicher, dass zahlreiche der Darstellungen, dass die vielen ins Land gezogenen Monate von den Verantwortlichen erfolgreich genutzt werden konnten um unsere Schulen sicherer zu machen, den Betrieb mit klaren Regeln zu ermöglichen, arg geschönt waren.

Was ist geschehen?

In der unmittelbaren Nähe meiner Wohnung befinden sich zwei Schulen. Eine davon ist meine ehemalige Grundschule, die Kardinal von Galen-Schule in Waltrop. Diese war schon recht früh im Pandemie-Verlauf von einer in der Stadt Waltrop vielbeachteten Quarantäne-Maßnahme betroffen. Im Vorjahr ruhte hier der komplette Schulbetrieb für zwei Wochen, weil es Covid-19-Infektionen auch innerhalb der Lehrerschaft gab.

Jetzt, über ein Jahr später, ist der Ärger dort wieder sehr groß. Trotz der diversen Corona-Konzepte, der Impfungen und der Erfahrungen, die mit dem Virus inzwischen gemacht werden konnten.

Es kommt selten vor, dass mit verärgerte Mitmenschen ansprechen, dass ich doch einmal etwas über von ihnen vorgefundene Missstände in diesem Blog schreiben möge. In dieser Woche war es im Zusammenhang mit der Pandemie einmal wieder der Fall. Die mir geschilderten Abläufe und Zustände erschienen mir dann in der Tat so bemerkenswert, und auch für eine überregionale Leserschaft durchaus interessant, dass ich an dieser Stelle kurz über den konkreten Fall berichten möchte.

Eine mir persönlich bekannte alleinerziehende Mutter, die mit Rücksicht auf eine mögliche zukünftige Benachteiligung ihres Kindes hier in diesem Beitrag nicht namentlich genannt werden möchte, schilderte pandemiebedingte Abläufe, die durchaus stark verbesserungswürdig erscheinen und deshalb hier einmal kurz dokumentiert werden und zur Diskussion gestellt werden sollen. Denn es steht wohl zu befürchten, dass die von ihr beklagten Geschehnisse an der Schule vor meiner Haustür so längst kein Einzelfall sind.

Man hört und liest ja immer wieder von den Unsicherheiten in Bezug auf die Corona-Quarantäneregelungen an unseren Schulen in NRW. Du hast da in dieser Woche einiges erlebt. Was ist dir und deinem Kind konkret widerfahren?

Neulich habe ich meine im Vorfeld negativ auf Corona getestete Tochter zur Schule gefahren, damit sie auf eine kurze Klassenfahrt gehen konnte. Nach drei Tagen holte ich sie von dort wieder ab, ohne zu wissen, dass es in einer anderen Klasse wohl schon im Vorfeld der Fahrt einen positiven Corona-Fall gab. Im Laufe des darauffolgenden Wochenendes beklagte meine Tochter plötzlich starkes Unwohlsein und blieb am Montag vorsichtshalber daheim. Am Nachmittag erhielt ich urplötzlich eine E-Mail, in der ich erstmalig über den Corona-Fall in der anderen Klasse informiert wurde. Für weitere Infos wurde ich an das Gesundheitsamt in Recklinghausen verwiesen. Ein Anruf bei der dortigen Hotline stiftete dann bei uns jedoch nur weitere Verwirrung, weil mir dort gar keine konkreten Informationen gegeben werden konnten. Ich solle mich statt an das Gesundheitsamt des Kreises an die Schulleitung vor Ort wenden. Am nächsten Morgen kam ich bei der Schule meiner Tochter telefonisch schon gar nicht mehr durch. Erst war immer besetzt. Dann habe ich eine E-Mail geschickt um weitere Infos zu bekommen. Wir waren in dieser Zeit natürlich alle sehr verunsichert. Dann erhielt ich eine konkrete Telefonnummer des Gesundheitsamtes, die ich jedoch über mehrere Tage hinweg nicht erreichen konnte. Die dortige Mailbox war ständig voll, man konnte niemanden persönlich sprechen, ein Rückrufwunsch konnte man nicht hinterlassen. Ich wandte mich dann irgendwann frustriert an das örtliche Ordnungsamt, wo ich zumindest jemanden erreichen konnte. Das Gesundheitsamt in Recklinghausen war mir jedenfalls gar keine Hilfe, obwohl die doch zuständig gewesen sein sollen. Es war über Tage hinweg ein völliges Durcheinander.

Wurde die lange Zeit der Sommerferien aus deiner Sicht ausreichend denn gar nicht genutzt, um besser Vorbereitet in das neue Schuljahr zu gehen?

Keine Ahnung, was die da in den Sommerferien gemacht haben. Zum Glück konnten wir für die unerwarteten Tage in Quarantäne wieder auf digitalen Unterricht umsteigen. Darin haben wir ja inzwischen ausreichend Übung. Aber das Chaos war insgesamt schon groß. Keiner wusste was jetzt konkret zu tun ist. Die Probleme schienen mir aber auch nicht in erster Linie vor Ort zu liegen, sondern größtenteils auf der übergeordneten Ebene. Und die Informationsweitergabe ist einfach nach wie vor sehr schlecht.

Wie geht es jetzt für euch beiden konkret weiter?

Aktuell sitzen wir zuhause fest und warten auf Infos, wie es weitergehen kann und soll. Vielleicht meldet sich ja noch jemand, aber am Wochenende rechne ich eigentlich nicht damit. Noch wissen wir leider nicht, was nächste Woche möglich ist, ob der Präsenzunterricht wieder starten kann und wird. Für mich als Berufstätige ist das natürlich kein akzeptabler Zustand. Auch für meine Tochter ist unklar, ob die angesetzten Klassenarbeiten in der kommenden Woche geschrieben werden können und sollen. Meine Tochter ist daher völlig verunsichert und nervlich angegriffen. Ich spüre das als Mutter natürlich sehr deutlich. Die Verunsicherung ist bei uns beiden groß und sitzt inzwischen tief.

Was wünscht du dir konkret von den Beteiligten, damit es demnächst an den Schulen in Pandemiezeiten besser läuft?

Es muss für die Schulen endlich konkret geregelt werden, wer sich wann und wie aus der Quarantäne freitesten kann. Es kann nicht sein, dass tagelang niemand weiß wie es weitergehen kann. Es dauerte hier auch viel zu lang, bis feststand, welches Kind aus dem betroffenen Pool positiv getestet wurde. Das ist doch so keine vernünftige Regelung. Auch das muss besser laufen in Zukunft. Grundsätzlich finde ich diese Pool-Tests unpraktisch. Dadurch ist uns unnötig viel Zeit verlorengegangen. Die Schule soll möglichst lang im Präsenzunterricht stattfinden. Dazu müssen die Abläufe insgesamt aber endlich deutlich effektiver organisiert werden!

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4 Kommentare zu “Großer Corona-Frust im Kreis Recklinghausen: Das Gesundheitsamt erscheint völlig überfordert

  • #1
    Ke

    Einen Grossteil des Chaos ist durch die NRW Regierung verursacht, die durch massive Lockerungen seit Juli zu einer sehr hohen Inzidenz führten. Mit diesen Massen insbesondere unter den Schülern sind die Systeme überforderte. Die ständigen Änderungen der Verordnung teileweise mwäehrfach pro Woche helfen auch nicht, die Situation zu verbessern.

    Interessant sind hier bspw die Corona Update MDR Podcasts mit Pro Kekule , der nun wirklich kein Hardliner ist, aber NRW mehrfach WG der Aufgabe der Quarantäne bei Schülern in der letzten Woche kritisierte.

    W

  • #2
    Bochumer

    Schon spannend, wie Luschet und seine unfähige Schulministerin von der FDP rumstümpern… Danke für den Artikel.

    Leider ist die Corona-Politik so übel, dass sich viele deswegen nicht impfen lassen wollen. Verständlich, aber falsch.

  • #3
    Walter Stach

    Die sog. Schulpolitik in NRW ist seit Jahren -seit Jahrzehnten- weder auf strategische Bildungsziele ausgerichtet noch willens (oder fähig ?) konkret anstehenden Probleme effektiv und effizient zu lösen.

    Das Totalversagen bezüglich eines schülergerechten Umganges in Sachen Corona-Pandemie paßt in dieses Bild und kann insofern nicht überraschen.

    Schulministerin Gebauer( (FDP) und "ihr" Staatssekretär Richter (FD)verkörpern dieses Versagens besonders krass. Denkbar, daß sich die FDP bei ihrer diesbezüglichen Personalentscheidungen nicht , nicht hinreichend orientiert hat an der politisch-fachlichen Kompetenz für diese "Ämter"? Jedenfalls noch weniger als "ansonsten" parteiübergreifend üblich?
    Mich erstaunt jedenfalls aktuell, wie relaltiv gleichgültig "die Parteien" in NRW -auch innerhalb der FDP!), mit diesem "Pesonalversagen" umgegangen wird..

    Dass "unseren wahlkämpfender Armin" weder die Schul-/Bildungspoltik in NRW im allgemeinen sonderlich zu interessieren scheint, geschweige denn, daß er breit sein könnte, sich des Themas einer erneut wachsenden Gefährdung des gesamten "regulären" Schulbetriebes in NRW aufgrund der sog. Corona-Pandemie anzunehmen, verwundert nicht.

    "Wir" in NRW mußten wider alle Bekundungen des Ministerpräsidenten, der Schulministerin, ihres Staatssekretärs bereits Anfang September registrieren, daß 4o.059 Schüler in Quaratäne waren, davon 9.33o mit bestätigter Infektionen -tagtäglich steigende Zahlen!!

    Zudem hat sich nach meinen Kenntnissen bezüglich des bis dato qualitativ und quantitativ völlig unzureichenden sog. Digitalunterrichtes an den Schulen in NRW nichts, gar nichts in den letzten Monaten in NRW zum Positiven verändert.

    Versuche, diesen Zustand zu relativieren mit dem Hinweis darauf, daß es in anderen Bundesländern nicht besser ist -jedenfalls nicht signifikant- , nehme ich als mißglückt zur Kenntnis.

    Die Wahrscheinlichkeit, daß sich an diesem Zustand an und in unseren Schulen im allgemeinen, in der Digitalisierung im besonderen substantiell nichts ändern wird, ist für mich frustrierend -der jungen Menschen und damit der Zukunft "unserer" Gesellschaft wegen.

    Die Gleichgültigkeit bzw. die Oberflächlichkeit der Schulministerin in NRW bezüglich der Pandemie und ihrer Folgen für alle Schülerinnen/Schüler an den Schulen in NRW, erschreckt mich.

  • #4
    Ke

    Das eigentliche Wunder ist doch, dass die Eltern der Kita und Schulkids so ruhig sind.
    Ist das die vollkommene Resignation nach Löhrmann und Gebauer?

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