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Homöopathie: Quacksalberei als Religionsersatz

Homöopathische Globuli und Dilutionen Foto: Wikidudeman Lizenz: Gemeinfrei


Unsere Gastautorin Anastasia Iosseliani hat sich Gedanken über Homöopathie gemacht.

Geehrte Leser!

Nachdem die oberste Gesundheitsbehörde Frankreichs festgestellt hat, dass Homöopathie Quacksalberei sei, möchte ich meinen Senf dazu zum Besten geben. Man möge mir verzeihen, dass ich hier viel Anekdotisches erzähle, aber ich bin keine Wissenschaftlerin.

Dennoch sind mir zwei, drei Dinge aufgefallen, die im Zusammenhang mit Wissenschaftsfeindlichkeit und Quacksalberei stehen: Für viele Menschen ist Quacksalberei in unseren Breitengraden ein säkularer Religionsersatz. Im Zeitalter der leeren Kirchen glauben Menschen zwar nicht an Religion im klassischen Sinn, aber an anderen, teilweise gefährlichen Schwachsinn wie «Detox» und Homöopathie. Daran würde auch eine mögliche Verstaatlichung oder Ähnliches von Pharmakonzernen nichts ändern.

Ich erinnere mich zum Beispiel an meine Handarbeitslehrerin, die ich von der vierten bis sechsten Klasse hatte. Diese Frau war das wandelnde Klischee eines alternativen Hippies, die immer irgendwas Gefilztes trug und naja, ein Hygieneproblem hatte. Sie roch immer wie ein nasser Hund. Im Nachhinein frage ich mich, wieso diese Frau überhaupt auf Kinder in der Mittelstufe losgelassen wurde. Allerdings muss man bedenken, dass ich anno dazumal in Zürich-Aussersihl zur Schule ging und dort war man froh, wenn überhaupt irgendwelche Lehrer uns unterrichten wollten. Aber zurück zur Hippielehrerin, die aufgrund ihres Aussehens, ihrer fehlenden Hygiene, ihrer sonnengegerbten Haut und der Tatsache, dass sie regelmässig Halsketten mit Rosenquarzanhängern trug, von vielen meiner damaligen Klassenkameraden mitWurzeln in Osteuropa und in der MENA-Region, schlicht für eine Hexe gehalten wurde.

Diese Handarbeitslehrerin liess es sich nicht nehmen in ihrem Handarbeitsunterricht konstant Agitation für Urin-Therapie und andere Quacksalberei zu machen. Das heisst sie berichtete lang und breit, wie sie Fastenwanderungen in den Schulferien machte, bei denen sie nichts anderes konsumierte als Säfte, Tees und natürlichen ihren eigenen Urin. Das mit dem Eigenurin war ein konstantes Thema bei ihr. Denn wie sie sagte, trank sie auch im Alltag JEDEN Morgen, ein Glas ihres Urins auf leeren Magen um ihren Kreislauf in Schwung zu bringen. Sie behauptete auch, dass sie aufgrund der Tatsache, dass sie Unmengen ihrer eigenen Pisse trank, nie krank gewesen und schon jahrelang nicht mehr beim Arzt gewesen sei. Da ich, wie gesagt, anno dazumal in Zürich-Aussersihl, zur Schule gegangen bin, wo ich meine Karriere als Drogen-Dealerin daran scheiterte, dass kein Junkie aus der Bäckeranlage mir das Specksteinpulver abkaufen wollte, das ich aus dem Handarbeitsunterricht mitgenommen hatte, nahm ich wie die Klassenkameraden auch diese Widerlichkeit meiner damaligen Handarbeitslehrerin, als naturgegeben hin.

Diese Geschichte kam mir vor einiger Zeit hoch, als ich mich einige Male mit einer lesbischen Frau getroffen habe, die einen alternativen Lebensstil pflegt. Meine lesbische Bekanntschaft ernährt sich roh und vegan, ist nicht durchgeimpft, glaubt nicht an Sonnenschutz und stattdessen daran, dass Kokosöl ein Allheilmittel sei, während Schokolade und Kaffee Gift seien und Krebs auslösen würden, weil Schokolade und Kaffee für Hund und Katze giftig sind. Notabene ist Madame keine Chemikerin oder Wissenschaftlerin, sondern sie arbeitet als Einkäuferin für irgendein Unternehmen. Diskussionen mit ihr sind vollkommen umsonst und führen nur zu Streit. Deshalb habe ich aufgegeben mich mit ihr Auseinanderzusetzen, da in dieser Situation eindeutig Hopfen und Malz verloren wären.

Und das waren nur die Anekdoten aus meinem näheren Umfeld!

Vor einiger Zeit kam ein umstrittener Dokumentarfilm in die Kinos, der «Am Anfang war das Licht» heisst. In diesem Film geht um es um sogenannte «Lichtnahrung» und Kritiker bemängeln, meiner Meinung nach, vollkommen zu Recht, dass dieser Film de facto nur Propaganda für «Lichtnahrung» sei. In der Schweiz und auf der Karibikinsel Dominica verhungerten Menschen, die vom Konzept der «Lichtnahrung» fasziniert waren und dementsprechend leben wollten. D.h. physisch gesunde, wenn auch naive Menschen starben einen unnötigen und elenden Tod, weil sie Quacksalbern auf den Leim gegangen sind und deshalb geglaubt haben, dass sie von Prana oder «Lichtnahrung» leben zu können. Das ist eine der scheusslichen Folgen, wenn man Quacksalber gewähren lässt

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7 Kommentare zu “Homöopathie: Quacksalberei als Religionsersatz

  • #1
    EinLipper

    Die Globuli soll zu sich nehmen wer will, ein Unding ist aber, wenn Krankenkassen sowas erstatten während andere erwiesen wirksame Sachen wie Brillen etc einfach gestrichen worden sind.

    Und mit Verlaub, die Lichtnahrungsopfer sind allenfalls Anwärter auf den Darwin-Award.

  • #2
    Klara

    Zuckerkugeln und Zahnpasta:

    Schlimm dass Globulis in den Apotheken verkauft werden und nicht im Supermarkt bei den Gesundheitstees. Kürzlich in die "Apotheken Rundschau" geschaut, dort wird inzwischen auch für Homöopathie und Achtsamkeitsmeditation geworben, selbst beim Zahnarzt musste ich feststellen, dass Elmex und Aronal neben den einschlägigen Weledaprodukten homöopathieverträglich sind!

  • #3
    paule t.

    Ja, Anekdoten halt.
    Was haben die jetzt mit Religion oder Religionsersatz zu tun?

  • #4
    Nina

    @Klara: Im Gegensatz zu Homöopathie ist Stressabbau als Wirkung von Achtsamkeitsmeditation nachweislich erwiesen.

  • #5
    Klara

    @Nina Sehe beides durchaus als ergänzend gesehen: d. H die Leute die zur Homöopathie greifen haben, imo, sicher eine Neigung zum meditieren aber diejenigen die meditieren müssen nicht zwangsläufig Globulis verwenden, fällt mir spontan Sam Harris ein. Also dieser direkte Vergleich hinkt durchaus.

  • #6
    Nina

    @Klara: Wir dürfen Quacksalbern nicht das Feld überlassen sondern müssen ganz klar unterscheiden zwischen Nachweisbarkeit und Unsinn. Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung als auch Achtsamkeitstraining sind sehr gut erforscht, teilweise seit Jahrzehnten. Ihre Wirksamkeit ist belegt. Sie können ebenfalls eine sinnvolle Begleitung und Ergänzung bei vielen Erkrankungen sein. Ein Fehler wäre es, zu sagen, diese Verfahren seien bereits "Behandlung" oder eine "Alternative". Das ist falsch. Leider sagen das aber manche Verfechter von wirkungslosem Unfug wie Homöopathie. Damit vergesellschaftet gehen auch oftmals diffuse Annahmen, Krankheiten wie Krebs seien psychosomatisch oder durch Stress bedingt.

  • #7
    Klara

    Well said, Stimm dir völlig zu und wie gesagt, mein Vergleich zwischen Homöopathie und Achtsamkeit hinkt und du hast sehr schön die Gefahren und Grenzen von "Begleitung" und "Behandlungsalternativen" aufgezeigt und ich habe was dazugelernt. 🙂

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