Humanisten ohne Holocaustsyndrom?

Andreas Altmann Foto: Nathalie Bauer Lizenz: Copyright
Andreas Altmann Foto: Nathalie Bauer Lizenz: Copyright

Am 03. April 2014 erschien im Humanistischen Pressedienst (hpd)  ein Interview des Redakteurs Frank Nicolai mit dem Schriftsteller Andreas Altmann unter dem Titel: „Palästina ist ein schönes Land„. Von unserem Gastautor Frank Heinze

Altmann wird durch geschickte Gesprächsführung die Möglichkeit eröffnet, seinem Israelhass und seiner Wut auf die Juden ob ihres Willens, einen nochmaligen Vernichtungsversuch von Seiten der arabischen Verbündeten des ehemaligen dritten Reiches zu verhindern, freien Lauf zu lassen.

Nicolai baut zuerst eine persönliche Ebene auf, indem er das private „Du“ verwendet. Dann gibt er als Steilvorlage das „Tabuthema Israelkritik“, wobei Altmann sofort auf den Köder anbeißt und die Theorie des “Holocaust-Syndrom”, („ein Deutscher darf Israel nicht kritisieren“) in den Raum stellt. Der logische Bruch zum vorherigen Statement des Interviewers „Dein neues Buch verkauft sich scheinbar wie “geschnitten Brot” wird damit gleich offenbar.

Altmanns Aussage: „Andrerseits habe ich von zwei Kollegen gehört, dass in ihren Redaktionen die Parole ausgegeben wurde: Totschweigen!“ klingt dabei wie die Weheklage Sarrazins und seiner Apologeten. Größere hauptberufliche Israelkritiker wie der Spiegel-Eigner Augstein und der Literaturpapst Grass leiden bekanntlich unter der gleichen Knute des die Medien beherrschenden Judentums.

Später im Text geht es um die „Gesinnungsnutten“(Journalisten, die nicht seine Ansichten in den Medien verbreiten), wobei sich Nicolai offenbar nun glücklich schätzen darf, nicht zu dieser Spezies zu gehören. Die Aussage Altmanns „Zufällig sind die Machthaber Juden und zufällig sind die Machtlosen Araber.“ Wird der ehemalige israelische Staatspräsident Mosche Katzav, der 2011 vom Obersten Gericht Israels unter Vorsitz des arabischen Richter Karra wegen Vergewaltigung zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, hingegen eher mit Skepsis zur Kenntnis nehmen.

Die Abschlussbemerkung Nicolais „Ich halte das Palästina-Buch für deine bisher beste Reportage.“ hat aber einen ganz ungewöhnlichen Moment der Klarheit zur Folge. Altmann antwortet: „Dass Dir das Buch so nah ist, hat wohl mit Deiner Biografie zu tun, deinen Lieben und Vorlieben.“

Hier offenbaren sich letztendlich doch nur zwei Geister, deren „Es“ sich gefunden hat. Die Demaskierung findet nach beiden Seiten hin statt, Nicolai erscheint als Sockenpuppe Altmanns. Nachzufragen wäre lediglich, wann es endlich dem West-Papua-Konflikt oder den Nagaland-Auseinandersetzungen gelingt, prominent mit Tabubrechern besetzt zu werden. Im Gegensatz zu Israelkritik ist der Markt hier noch nicht vollkommen übersättigt.

Protest auch in Erlangen

In der mittelfränkischen Stadt Erlangen gab es ebenfalls Protest. Zu einer Mahnwache vor der Buchhandlung Thalia hatten des „BgA – Bündnis gegen Antisemitismus Erlangen“ und die Deutsch-Israelische Gesellschaft Nürnberg-Mittelfranken aufgerufen.

Altmann bezeichnete in einem Interview bei den „Nürnberger Nachrichten“  Israel als „Apartheidstaat“. Das sei einerseits Antisemitismus gegenüber den jüdischen Israelis wie auch Rassismus und Paternalismus gegenüber der arabischen Israelis, so die aufrufenden Gruppen. Der unlängst von der Hamas ermordete Israeli, Saleh Abu Latif, war beispielsweise ein arabischstämmiger Grenzschützer.

Etwa 25 Demonstrant/innen folgten dem Aufruf, an der Lesung waren etwa 50 Besucher interessiert. Bei der gegen 19.30 Uhr beginnenden Mahnwache wurde Infomaterial verteilt und es fanden anregende Gespräche statt, unter anderem mit einem aufmerksam werdenden Passanten, einem arabisch-israelischen Wissenschaftler, der in Haifa studiert hatte.

Der junge Araber sieht sich als Palästinenser, der in Israel geboren ist. Er hat in Israel studiert und promoviert und alles was er erreicht hat, habe er Israel zu verdanken. Er habe sowohl jüdische als auch arabische Freunde, hier und in Israel. Er sagte, Israel sei kein Apartheidstaat und er fühlte sich dort wohl. Das einzige was ihn störte war, dass er öfter von Militär zu Kontrolle angehalten wurde.

Er sagte, „diese Leute“ wären noch nie dagewesen und hätten keine Ahnung von der Situation.

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4 Kommentare

  1. #1 | Guy Fawkes sagt am 9. April 2014 um 15:21 Uhr

    Ja der antiklerikale HPD wirklich gut. Ein deutscher Antisemit wird im Interview aufgefressen…

    Weiter so!

  2. #2 | Thomas weigle sagt am 10. April 2014 um 08:32 Uhr

    „…im Gegensatz zur Israelkritik……noch nicht übersättigt.“ Der „Gastautor hat es einfach, so wie viele andere böswillige Palästinenserfeinde, nicht verstanden, dass der Umgang der Israelis mit den Palästinensern die Wurzel allen Übels auf der Welt ist. Können die Israelis zur Raison gebracht werden, wird alles gut. Deshalb reicht es, wenn sich alle Menschen guten Willens ausschließlich auf Israel fokussieren. Ist der Jude…ääähhhh, der Israeli weg, bricht der tausendjährige Frieden aus.

  3. #3 | Nazienkel sagt am 10. April 2014 um 17:02 Uhr

    Und für den tausenjährigen Frieden sorgt die neue deutsche Friedensbewegung^^ um Elsässer und Jebsen…

  4. #4 | SteLu sagt am 10. April 2014 um 17:31 Uhr

    Genau Herr Altmann, so schön einfach kann man sich einen hochkomplexen Konflikt machen: „Zufällig sind die Machthaber Juden und zufällig sind die Machtlosen Araber.“ Und genauso strunzdumm und komplett an der Realität vorbei, die folgende Aussage: „Ein Deutscher darf Israel nicht kritisieren.“ Wo lebt der Mann eigentlich? Ich höre und lese ständig irgendwelche „Deutschen“, die unbedingt ihren geistigen Dünnschiss zum Thema Israel loswerden müssen. WÜRG! Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

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