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Inklusion im Sport – Die Leichtathletik in der Bredouille

Weitsprung. Quelle: Wikipedia, Foto: Pablo Pérez, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Weitsprung. Quelle: Wikipedia, Foto: Pablo Pérez, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Damit hatte bei den Verantwortlichen zuvor offenbar niemand ernsthaft gerechnet. Der Sieg von Markus Rehm im Weitsprung bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm stand offenbar nicht ernsthaft auf der Liste der Wahrscheinlichkeiten. Das zeigt die aktuelle Hilflosigkeit mit der der Deutsche Leichtathletik Verband (DLF) auf den Titelgewinn des Leverkuseners reagiert, ihn nun, trotz sportlicher Qualifikation, nicht für den anstehenden Europameisterschaften in Zürich nominiert hat, und die Tatsache, dass selbst der nationale Titel des 25-jährigen Rehm plötzlich wieder in Gefahr zu sein scheint.

Was war geschehen? Rehm war als erster Deutscher mit einer Karbonprothese deutscher Weitsprungmeister geworden. Erstmals übersprang er die 8-Meter-Marke und siegte mit starken 8,24 m.

Anschließend setzte dann rasch eine intensive Debatte über die Vergleichbarkeit der erzielten Leistung mit Karbon-Prothese und einem eventuell vorhandenen Vorteil durch die damit vorhandene Federung ein. Eine Diskussion die man nicht nur bereits deutlich eher hätte führen sollen und wohl auch müssen, sondern die auch den sportlichen Sieger eines Wettkampfes, zu dem der Sportler zuvor offiziell zugelassen wurde, im Nachhinein abzuwerten droht.

Dabei fiel das Thema ja nun nicht gerade sprichwörtlich vom Himmel. Spätestens beim Erscheinen des Läufers Oscar Pistorius in der Weltspitze der Leichtathletikwelt, welcher mit Fußprothesen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff sprintet, und welcher sich schlussendlich erfolgreich zu seinem Olympiastart in London 2012 klagte, hätte man sich ernsthaft mit dieser Thematik beschäftigen müssen..

Doch reichte es für den Südafrikaner damals eben noch nicht für einen der ganz vorderen Plätze, oder gar für eine Medaille in London. Das Thema verschwand somit auch wieder relativ rasch von der Bildfläche. Nun ist es wieder da. Mit viel Vehemenz! Zumindest hierzulande.

Und die Unsicherheit scheint gigantisch zu sein. Fehlende Gutachten? Drohende Gerichtsauseinandersetzungen? Totale Unsicherheit!

Hat der Athlet bei Verwendung einer solchen Prothese einen Vorteil? Niemand weiß es wohl aktuell so ganz genau. Der DLV hat es versäumt die Sache rechtzeitig zu durchdenken. Und nun hat man eben den Salat!

Eine Angelegenheit die aktuell nur Verlierer zu haben scheint!

Markus Rehm, der inzwischen bekannt gab nicht gegen seine Nichtnominierung für die Europameisterschaft klagen zu wollen, muss inzwischen offenbar auch wieder um seinen Titel bei der Meisterschaft bangen. Der DLV offenbart aktuell seine totale Planlosigkeit für den eingetretenen Fall. Und auch der Sport generell hat durch diese unnötige Diskussionen zweifelsohne erst einmal deutlich an Glaubwürdigkeit verloren.

Man kann sich somit wohl nur wünschen, dass die Situation der behinderten Athleten und die Möglichkeit etwaiger Teilnahmen an den Meisterschaften der Nichtbehinderten nun in den nächsten Wochen und Monaten gründlicher und deutlich intensiver diskutiert und dann auch verlässlich entschieden wird. Zumindest deutlich gründlicher und durchdachter als das in den letzten Jahren ganz offenkundig der Fall war.

Käme das jetzt so, hätte der ‚Fall Rehm‘ am Ende vielleicht zumindest dann doch noch etwas ‚Gutes‘ gehabt. Auch wenn das den begeisterten Sportler wohl nur bedingt trösten würde…

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2 Kommentare zu “Inklusion im Sport – Die Leichtathletik in der Bredouille

  • #1
    Thorsten Stumm

    Vielleicht sollten die nichtbehinderten Sportfunktionäre mal bei den Bindertensportfachmenschen mit der Inklusion anfangen. Bei den Paralympics ist man sich schon lange der Frage der Vergleichbarkeit von Leistungen mit unterschiedlichen Einschränkungen bewusst. deshalb gibt es dort ein sehr ausgefeiltes System die sportliche Fairness zu gewährleisten und die sportliche Leistung anzuerkennen….man hätte da nur fragen müssen….

  • #2
    keineEigenverantwortung

    Es gibt Doping-Regeln, in denen viele Kleinigkeiten zur Disqualifikation führen. Diese Regeln müssen erweitert werden.

    Mit dem weiteren Fortschritt der Technik werden auch immer mehr Körperteile und Körper-Funktionen durch Technik ersetzt werden können.

    Das ist im Breitensport unerheblich, doch im Spitzensport werden hier engste Grenzen erforderlich sein. Denn die Technik wird den Menschen verbessern.

    Wie sieht es bspw. mit Wettbewerben in der Alterklasse ab 80 aus? Was darf dann als erneuert worden sein?

    Der “Adlerblick” durch eine Optimierung der Augen soll ja auch schon Sportlern geholfen haben.

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