Ist Merkel allen Kerlen über und auf dem Weg in die schwarzgrüne Republik?

Angela Merkel Foto: CDU/Foto: Andreas Herzau by Katinka Krieger Repräsentanz

Ich glaube ja, und wünsche mir das nicht. Dies vorausschickend frage ich mich, warum die Kerle diese Frau nicht verstehen. Warum verstehen die Journalisten sie nicht? Warum bleiben ihre potenziellen Rivalen als Opfer am Wegesrand zurück?
Kann sich noch jemand an den Andenpakt erinnern?

Das waren die Jungs, die Merkel die Hausfrauenarbeit nach Kohls Parteispendenaffäre und Wahlniederlage machen lassen wollten, um dann, wenn die Zeit reif sei, den Laden zu übernehmen. Den Laden CDU. Die Kerle, wie hiessen sie noch? Dieser aus dem Südwesten, der jetzt mit dem schlechten Englisch zur EU gegangen ist, weggebissen von den Haien im eigenen Laden. Dann dieser grinsende Schwiegersohn aus Hannover, der in den Machtkämpfen bei VW quasi aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist. Und dieser pickelige Krawallbruder aus Hessen, der zuletzt dem Ansehen seiner Partei bei einem Machtkampf im ZDF so nachhaltig geschadet hat, dass er für kein öffentliches Amt mehr infrage kommen wird. Und zuguterletzt, der Mofa-Rowdy aus dem Sauerland, der jetzt lieber richtiges Geld verdient, als als schlechtbezahlter Parlamentarier in Berlin zu vergreisen.

Interessant aber auch, mit wem sich Merkel umgibt, und was aus diesen Leuten wird. Respektvoll aber auch denunzierend war lange von ihrem Girlscamp die Rede. Ihre Büroleiterin Beate Baumann, ihre Medienberaterin Eva Christiansen, ihre zeitweilige Staatsministerin Hildegard Müller, die mittlerweile auf einen besserdotierten Lobbyistinnenjob umgestiegen ist. Ihr Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, den sie aus Stoibers Mannschaft übernommen hat, auf den der kundigste Hauptstadtbeobachter Günter Bannas Lobeshymnen veröffentlicht, und der nun mit den Stimmen der SPD Intendant des Bayrischen Staatsrundfunks werden soll. Und da ist der bisherige Kanzleramtschef Thomas de Maiziere, der jetzt als Innenminister mit ganz neuen Seiten reüssiert, z.B. dass er sich für Netzpolitik nicht nur unter polizeilichen Gesichtspunkten interessiert (und der übrigens bemerkenswert ungeschoren von der ganzen „Sachsensumpf“- und Landesbanksaffären-Debatte blieb, in der seine sächsischen CDU-Adlaten nach Kräften eine schlechte Figur abzugeben versuchten; nur er blieb fleckenfrei, sauber und rein). Diesen Figuren ist gemeinsam, dass sie extrem loyal für die Kanzlerin arbeiteten. Es gehörte zu ihren Leistungen, nicht selbst in den Medien aufzutauchen, sondern für das Bild ihrer Chefin zu arbeiten. Eine Leistung, zu der auch Roland Pofalla als Parteigeneralsekretär beitrug, er allerdings in einer anderen Rolle, nämlich der des Punchingball für Journalisten und Kabarettisten. Solche Leute werden von Merkel belohnt. Pofalla ist jetzt Kanzleramtschef.

Viele Kerle unter den Journalisten verstehen sie nicht. So behauptete Stefan Braun in der Süddeutschen, unter Merkel sei die CDU „ein Lernverein ohne enge und gefühlte Bindung.“ Die CDU ächze bei jeder Veränderung, „weil diese Veränderung nicht durch eine leidenschaftliche Debatte und eine klare Entscheidung endgültig verinnerlicht worden ist. So gewinnt die CDU nicht an neuem Zusammenhalt und verliert zugleich ihre alte Grundierung.“ So hätten Journalisten gerne den öffentlichen Diskurs: „leidenschaftlich“ und dann „mit klaren Entscheidungen“. Politik ist aber kein Pokalfinale, sehr wohl aber ein Mannschaftsspiel, und, so kurzlebig sie auch oft agiert, mit einem längeren Prozesshorizont, als nur eine Ligasaison. Wer langfristig oben stehen will, muss Prozesse verstehen, im richtigen Moment richtig steuern, aber auch mal laufen lassen können. Das hat zumindest Zeit-Redakteur Bernd Ulrich, mit dem ich nur wenige Meinungen teile, richtig verstanden (hier). Er missversteht jedoch, Merkel würde ihr Personal danach aussuchen, bestimmte Sachprobleme zu lösen. Besonders witzig die angebliche Aufgabe Frau von der Leyens, uns zeugungs- und gebärfreudiger zu machen – so blöd wie Ulrich ist Merkel nicht.

Die Aufgabe der CDU-MinisterInnenriege ist nicht eine bestimmte Politikkonzeption durchzusetzen, sondern das Bild des CDU-Personals in der Öffentlichkeit wirksam zu korrigieren. Ohne jede Feminismusstrategie wird der Frauenanteil vergrößert. Statt des hässlichen Wadenbeissers Koch werden gutaussehende Kerle und Mädels befördert, die neben der Loyalität zur Chefin Interesse an neuen gesellschaftlichen Fragen haben, statt nur alte Schlachten, die das Publikum seit Jahren anwidern, zu schlagen. Die, ähnlich wie in den 80ern Heiner Geißler, das Schrödersche „Gedöns“ für soziale Zukunftsfragen halten, und der SPD so weitere Themenkompetenzen wegnehmen, so unauffällig, dass die – blöd genug – es erst bemerkt, wenn es schon geschehen ist. Röttgen ist so ein Fall und de Maiziere auch.

In urbanen Zentren ist die CDU nur noch bei den über 60-jährigen stärkste Partei. Da das aber viele sind und die jungen nur wenige, reicht das für – relative – Wahlsiege. Darum werden auch weitere reaktionäre Gespenster durch die Arena getrieben, seien es Vertriebene oder Zensursula. Sie mobilisieren diese pflichtbewußte Generation zu den Wahlurnen. Gleichzeitig werden die Konkurrenzparteien zielgerichtet demobilisiert. Das entscheidende weibliche Wählerinnenquentchen erringt Merkel allein dadurch, dass sie nicht nur eine Frau ist, sondern ständig von männlichen Wölfen umkreist wird, die sie erfolgreich immer wieder abwehrt – ein klassisch-modernes weibliches Rollenmodell, zeitgerechter geht es kaum. Weder SPD noch Linkspartei machen sich bisher auch nur den geringsten analytischen Begriff davon und führen intern ihre alten Männerkämpfe. Die Grünen dagegen werden davon magisch angezogen. Sie können bei der traditionellen Linken keine moderne Strategie erkennen, mit der was zu gewinnen ist. Da sie selbst eine Gewinnerstraße gefunden haben, demografisch begünstigt, gesellschaftlich verankert als moderne Manager in prosperierenden urbanen Zentren wie Freiburg, Tübingen, Hamburg, werden sie zueinander finden. Eine Partei mit „Zusammenhalt und alter Grundierung“ (Braun/SZ) brauchen nur noch aus der Zeit gefallene TraditionalistInnen – auch das wird sich demografisch erledigen.
Ich bin übrigens selbst einer.

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7 Kommentare

  1. #1 | Richard Gleim sagt am 25. April 2010 um 10:09 Uhr

    Wenn man Erfolg auf das Überleben oder Macht Erhalten einer Frau reduziert, ist der Artikel stimmig. Darum geht es aber nicht. Und doch ist an dem Artikel etwas richtig. Der Frau geht es ausschließlich um ihren persönlichen Erfolg, was Politik eigentlich soll, interessiert diese Frau nicht. Frau Merkel ist nicht dumm aber umso gefährlicher. Sie geht auch über Deine Leiche.

  2. #2 | David Schraven sagt am 25. April 2010 um 10:26 Uhr

    Wir werden in NRW sehen. Ob was geht und wenn ja, wie.

  3. #3 | Arnold Voß sagt am 25. April 2010 um 11:32 Uhr

    Ich glaube, dass man die Stärke von Frau Merkel weniger durch sie selbst als durch die Schwäche ihrer Gegner erklären kann. Dass sie zu den Grünen eher als zur FDP neigt liegt schlicht an ihrer Sozialisation und ihrer Lebensweise. Aus diesem Grunde mag sie auch die Traditionalisten in der CDU und vor allem in der CSU nicht (besonders).

    Ohne den Sturz Helmut Kohls, d.h. ohne dessen unbändigem und am Schluss allen auf die Nerven gehendem Beharrungsvermögen, wäre sie allerdings bis heute das, was sie immer war: eine politisch eher blasse taktisch aber äußerst kluge Überlebenskünstlerin in der zweiten Reihe.

    Verändert hat sich eigentlich nur die Reihe. Allerdings ist sie offensichtllich fest entschlossen in der ersten Reihe zu bleiben und mangels adäquater Konkurrenten wird sie das auch.

  4. #4 | Detlef Obens sagt am 25. April 2010 um 12:40 Uhr

    Der Artikel zeigt, mit welchem Kaliber wir es hier zu tun haben.

    Aus einem völlig unterschätzten, unauffälligen „Mädel aus dem Osten“ wurde eine Machtpolitikerin ersten Ranges. Auch Heute noch unterschätzen diese Frau noch viele–die es dann aber früher oder später, zu bereuen haben.

    Und ich will mir auch nichts vor machen: diese Frau kommt, scheinbar weit über CDU-Kreise hinaus, an. Irgendwas muss sie ja richtig machen. Grundsätzlich freut es mich, das wir eine Bundeskanzlerin haben. Klar, nicht gerade von dieser Partei! Aber ist sie wirklich die Verkörperung der neoliberalen-konservatien Klientel? Wohl kaum. Und das macht Merkel so gefährlich für die politischen Gegner. Und sie ist wohl derzeit in der Union weit und breit ohne Konkurrenz.

    Ihre PR- und Imageberater haben gute Arbeit geleistet. Denn mittlerweile ist die Schar der „Fans“ von Frau Dr. Merkel stetig gewachsen. Und das sind sicher nicht alles CDU-Anhänger.

    Aber nicht vergessen werden darf auch: sie ist eine kühl kalkulierende, vorausplanende und äusserst machtbewusste Person. Dabei mag für manche eine Rolle spielen, das sie eine Frau (und aus dem Osten!) ist, und eigentlich solch männliche Attribute gar nicht führen dürfte. Und diese, die so denken, hat sie zuhauf in ihrer eigenen Partei. Klar ist auch: ohne Merkel wäre die CDU eine Partei, die an Sogkraft verlieren würde.

    Das sie sinnbildlich „über Leichen“ geht, mag richtig sein. Aber die Frage sei erlaubt: welche(r) SpitzenpolitikerIn hat seinen/ihren Weg an die so geliebte und ersehnte Macht, nicht mit „Leichen“ gepflastert? Das ist wohl so. Bedauerlich, aber immer noch Realität. Selbst die Linkspartei, die mal antrat, alles anders zu machen, reiht sich in diese Mentalität nahtlos ein-und das in kürzester Zeit. Denn „ihr Merkel“, der Oskar sozusagen, hat sicher mehr Feinde als Freunde, blickt er mal zurück!

  5. #5 | Werner Jurga sagt am 25. April 2010 um 18:17 Uhr

    Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb, Schwarz-Grün, … – egal. Nicht auszuschließen, dass Merkel länger dran bleibt als Kohl.

  6. #6 | Arnold Voß sagt am 25. April 2010 um 21:57 Uhr

    Sympathisch macht Frau Merkel auch bei ihren Fans außerhalb der CDU vor allem ihre in jeder Weise authentisch wirkende Uneitelkeit. Schaut man sich dagegen die Männer an, die sie bislang aus ihrem Weg (nach oben) „geräumt“ hat, zeichnen diese sich wesentlich durch das Gegenteil aus. Sie waren jenseits ihr sonstigen Kenntnisse und Fähigkeiten in der Mehrzahl ziemlich eitle von sich selbst total überzeugte „Fatzkes“.

    Wie sagte doch der große Konfuzius einmal so weise: Der größte Feind des Feldherrn ist seine eigene Siegesgewissheit.

  7. #7 | emden09 sagt am 26. April 2010 um 11:13 Uhr

    Iiiiiih, wer hat denn da gephotoshopt ? Eine 60 Jährige Kanzlerin mit Photoshop auf 25 getrimmt, da wird einem ja speiübel! mAcht ihr doch noch n paar Pamela Anderson Titten, dann könnt ihr sie als Germanys Next Topnaddel verkaufen.

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