Jens Spahn ist der verlässlichste Politiker Deutschlands

Jens Spahn, CDU (Foto: Roland W. Waniek)

Jens Spahn ist also der verlässlichste Politiker Deutschlands – zumindest, wenn es darum geht, verlässlich ganz unten zu stehen. Platz 20 von 20 im INSA-Ranking, Betonfundament, keine Auf- oder Abstiegssorgen.

Andere rackern sich ab, um wenigstens eine Tendenz nach oben zu zeigen, Spahn hingegen liefert Konstanz. In Zeiten politischer Volatilität ist das ja auch eine Qualität. Leider nur eine, die man ungern auf Wahlplakate druckt.

Keine Herzen, aber alle Telefonnummern

Dabei ist Spahn kein Faulpelz, im Gegenteil. Er ist der Musterschüler der Machtmechanik: fleißig, ehrgeizig, perfekt vernetzt. Herzen hat er nie gesammelt, dafür Visitenkarten. Und so steht er nun mit 45 Jahren dort, wo andere CDUler erst mit grauen Schläfen ankommen: an der Spitze der Unionsfraktion. Mächtig, prestigeträchtig – und offenbar wacklig wie ein IKEA-Regal ohne Anleitung.

Fraktionschef auf Bewährung

Denn kaum ist Spahn im Amt, stellt sich nicht die Frage, was er politisch vorhat, sondern wie lange das noch gutgeht. Gerüchte über seinen Abgang gehören inzwischen so sehr zur Berliner Folklore wie Hauptstadtjournalisten mit Rollkoffer.

Merz dementiert, Spahn dementiert, alle dementieren – und trotzdem kommen die Geschichten immer wieder. Das allein ist schon ein politisches Zeugnis. Wer überzeugt, muss nicht dauernd verteidigt werden.

Inhaltlich wirkt Spahn wie ein Mann, der immer schon einen Schritt weiter ist als seine Partei – nur leider oft in eine Richtung, in die viele nicht mitwollen. Als Fraktionschef ist Spahn vor allem eines: Manager mit Nachholbedarf. Verpasste Mehrheiten, aufgeschreckte Abgeordnete, kurzfristig verhinderte Abstimmungsblamagen – Dinge, die eigentlich nicht passieren sollen, wenn jemand den Laden zusammenhält.

Merz’ demonstrative Gelassenheit

Merz steht demonstrativ hinter ihm, vielleicht etwas zu demonstrativ. Dieses öffentliche „Ich vertraue Jens Spahn voll und ganz“ klingt weniger nach Liebeserklärung als nach dem Satz, den man kurz vor einer Trennung sagt, um die Nachbarn zu beruhigen.

Spahn weiß: Er ist unter Beobachtung. Und Merz weiß: Sollte er ihn fallen lassen, fällt ein Stück seiner Glaubwürdigkeit gleich mit.

Machtmensch ohne Magnetismus

Am Ende bleibt Jens Spahn das, was er schon lange ist: ein Machtpolitiker ohne Massencharme, ein Reizthema im eigenen Laden, ein Mann, der immer so wirkt, als habe er schon den nächsten Karriereschritt im Kopf – auch wenn der aktuelle noch nicht richtig sitzt.

Platz 20 im Beliebtheitsranking ist da fast schon ehrlich. Das Volk spürt eben, wenn jemand mehr führen will als verbinden.

Und das ist keine Umfrage. Das ist ein Gefühl.

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