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Kanzlerkandidatur bei der Union: Markus Söder bringt sich in Stellung

Markus Söder (CSU) beim ersten virtuellen Parteitag der CSU

Markus Söder (CSU) beim ersten virtuellen Parteitag der CSU; Screenshot YouTube

Das weit entfernte Bayern ist nicht gerade das Stammgebiet der Ruhrbarone. Dies betrifft sowohl die Themen, als auch unsere Leserschaft.

Vor zwei Monaten haben wir mit Paul Gruber (CSU), der für Kreistag in Freyung-Grafenau kandidierte, über den bayerischen Kommunalwahlkampf gesprochen: Dessen Schlussphase fand statt, als Corona in Deutschland richtig losging. Eine neue Situation bei Wahlen.

Am letzten Freitag fand der Parteitag der CSU statt: Komplett virtuell. Dieser Parteitag war, in mehrfacher Hinsicht, interessant: Besonders mit Blick auf die noch offene Frage der Kanzlerkandidatur in den C-Parteien.

Parteitag der CSU 2020: #CSUVPT20

Interessant, weil nicht nur das Format ungewöhnlich war: Anstatt vor hunderten von Delegierten in der Münchner Olympiahalle, sprach der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) diesmal digital zu den Delegierten – und Interessierten – die den Parteitag auf dem heimischen PC, Tablet oder Smartphone verfolgen konnten.

Moderiert wurde durch den CSU-Generalsekretär Markus Blume und Dorothee Bär (Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung) im Studio, das im Franz-Josef-Strauß-Haus untergebracht war.

Für etwas Parteitagsfeeling in der Zentrale der CSU sorgte der „rote Knopf“ – der in diesem Fall keine Atomraketen startete, sondern für Applaus im Studio sorgte. Musikalisch wurde der erste virtuelle Parteitag der CSU wie jeder andere Parteitag abgeschlossen: Mit der deutschen Nationalhymne und – klar – der Bayernhymne. Ohne je auf einem CSU-Parteitag dabei gewesen zu sein: Die Bierzeltstimmung, die man früher sogar vor dem TV gespürt hat, die fehlte irgendwie.

Was – neben der Kaffeetasse mit Star-Trek-Motiv auf dem Schreibtisch von Markus Söder – am meisten auffiel: Die ruhigen Töne des christsozialen Ministerpräsidenten. Nicht uninteressant, in Anbetracht der immer noch offenen Frage in Sachen Kanzlerkandidatur bei CDU und CSU.

Markus Söder, der während der Diskussion um die Kanzlerkandidatur immer betont hatte, dass sein Platz in Bayern sei: Seine Rede wirkte eher wie eine Rede zur Lage der Nation oder einer Neujahrsansprache der Kanzlerin. Harmonisch statt kämpferisch. Oder genauer: Staatstragend.

Das für mich interessanteste Detail dieses Parteitages.

Auf den politischen Gegner wurde nicht eingeschlagen, wie man es von anderen Parteitagen bisher kannte: Im Vordergrund stand die aktuelle Corona-Krise – und hier wurde die Zusammenarbeit mit der Opposition gelobt und die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass dieses Miteinander auch nach nach der Krise beibehalten wird.

Ausdrücklich ausgenommen bei dieser Charme-Offensive von Marcus Söder: Die rechtsradikalen Populisten der AfD.

Umsicht, Vorsicht und Besonnenheit: Unsere entscheidenden Ratgeber

Thema Nr. 1 war die Corona-Krise. Seine dringende Bitte: „Das (Corona-Virus) nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.“ Klare Rückendeckung für Virologen, die sich wegen Strategieänderungen bei der Bekämpfung der Pandemie viel Kritik anhören müssen.

„Abstand halten“ ist bei mancher Demo auch geistig nötig.

„Soviel Freiheit wie möglich, soviel Sicherheit wie nötig!“ – Auf die aktuellen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ging der bayerische Ministerpräsident ebenfalls ein und betonte, dass man sich von Verschwörungstheoretikern nicht einfangen lassen darf: Noch kein einziger angeblicher Verfassungsverstoß wurde bisher durch die Verfassungsgerichte bestätigt. Weitere Lockerungen stellt der bayerische Ministerpräsident in Aussicht: Natürlich immer angepasst an die Gefahrensituation.

Das Thema Digitalisierung in der Schule wird verstärkt gefördert werden – eine Lehre aus der aktuellen Krise. Auch eine Aussage: Der Staat  darf mit neuen Schulden nicht ruiniert werden, es wird aber keine explizite Obergrenze für neue Kredite genannt.

Und ja: Es kommen schwere Zeiten auf uns zu! Auch das wurde betont. Trotzdem: Hoffnung, dass die Wirtschaft wieder durchstartet – und die anderen Länder in Europa mitzieht – ist da.

Interessant: Besonders mit Blick auf die kommende Frage der Kanzlerkandidatur

Der Perspektivwechsel zu Delegierten ins heimische Wohnzimmer: Er ist gewöhnungsbedürftig. Richtiges „Parteitagsklima“ kam so, während der zweieinhalb stundenlangen Veranstaltung, nicht auf. Aber: Es ist eine Notlösung in einer besonderen Situation. Und die Technik funktionierte.

Für mich ist dieser CSU-Parteitag, der – mit Blick auf die  Bundespolitik- interessanteste der letzten Jahre.

Noch harmonischer und staatstragender kann ein Ministerpräsident der CSU kaum auftreten.

Markus Söder würde das Rennen um die Kandidatur in der Union auf jeden Fall interessanter und spannender machen.

Der Demokratie täte seine Kandidatur gut.

Und trotz der Dementis aus München, ich rechne fest damit:

Der nächste Kanzlerkandidat der CDU/CSU wird wahrscheinlich ein Franke sein und Markus Söder heißen.

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9 Kommentare zu “Kanzlerkandidatur bei der Union: Markus Söder bringt sich in Stellung

  • #1
    thomas weigle

    Ja, die Unterscheidung im letzten Satz ist wichtig. Franke und Bayer ist fast wie BVB und Schalke.

  • #2
    MARTIN MAHADEVAN

    Wenn man sich nur ein bisserl mit der unverfrorenen Gschaftlhuberei und dreisten Spezlwirtschaft der CSU beschäftigt hat, weiss man, dass die den Genossen-Versorgungsnetzwerken in nichts nachstehen.
    Da gibt es endlos viele Beispiele. Unvergessen u.a.
    der Allgäuer CSU-Abgeordnete, der seine 12- und
    13-jährigen Jungen für 5.000 Euro im Monat in seinem Wahlkreisbüro beschäftigte. Ja geht’s noch dummdreister ? Was passierte ? Der Typ wurde
    direkt wiedergewählt, wahrscheinlich hat der
    Dorfpfarrer für ihn gebürgt.
    Und dieses ewige grosskotzige "Mia san mia"
    Gerülpse ist einfach unerträglich. Klar, die
    CSU hat die Alpen erfunden und Malle gleich
    dazu. Söder ? Nein, danke ! Da ist mir selbst Mutti
    lieber.

  • #3
    Jürgen

    Wie will man einen Kanzlerkandidaten für die gesamte CDU/CSU verkaufen, der schon bei so simplen Fragen wie einer Änderung der Ferientermine konsequent Nein sagt?
    Wie will man einen Kanzlerkandidaten für die gesamte CDU/CSU verkaufen, deren regionale Splittergruppe so tolle Dinge wie die Pkw-Maut zu verantworten hat?

    Ich habe einfach mal zwei simple Beispiele herausgegriffen, die gegen Herrn Söder als Vertreter der CSU für eine Kanzlerkandidatur sprechen. Allerdings wären die Wahlkampfstrategen der SPD wahrscheinlich so blöd, daraus Kapital für den eigenen Wahlkampf schlagen zu können.

  • #4
    ergosum

    Einen CSU-Kanzler hat es noch in der Geschichte der Bundesrepublik gegeben. Einen CSU-Kanzler direkt nach einer CDU-Kanzlerschaft erst recht. Aber warum soll ich mich nach dem Jahr 2015 an dem richten, was ein gewöhnlich denkender Mensch für möglich hält.

    Ich kaufe manchmal Nackensteak. Ich kaufe aber auch Matjes mit Zwiebeln oder Holzfällersteak.

    Die SPD und wer auch immer da mitgemischt, waren ganz genial. Zuerst wird in den 2000ern die Verpflichtung eingeführt, jeden minderwertigen Job anzunehmen, der gerade im PC steht. Erst anderthalb Jahrzehnte später kommt man auf die Idee, die BA möge auch berufsqualifizierende Abschlusses finanzieren. Das ist eigentlich der zweite Schritt vor dem ersten.

    Angie soll mal zitternd auf auf einem dem Stuhl haben. Das Zittern hätte ich lieber Peter Hartz und der Unternehmensberatung McKinsey & Company gegönnt. Gruß an Sebstian Kahrs. Er hat den Lebenspartner, den ich nicht habe.

  • #5
  • #6
    Jürgen

    Letztlich wird auch in diesem Fall Frau Merkel gemütlich am Ufer der Ucker/Uecker sitzen und die Leiche von Herrn Söder an sich vorbeischwimmen sehen.

  • #7
  • #8
    Peter Ansmann Beitragsautor

    https://www.schwaebische.de/ueberregional/politik_artikel,-nur-angela-merkel-ist-beliebter-wird-markus-söder-der-nächste-kanzler-_arid,11228961.html
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    Söder hatte mehrfach betont, dass sein Platz in Bayern sei. Seine Umfragewerte sind in der Corona-Krise aber stark gestiegen, er liegt zum Teil weit vor anderen potenziellen Kanzlerkandidaten. Im jüngsten ZDF-Politbarometer ist er der zweitbeliebteste Politiker nach Merkel. Gesundheitsminister Jens Spahn liegt im Mittelfeld, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet deutlich dahinter. Söder schnitt unter den Unionsanwärtern auf die Kanzlerkandidatur im ARD-Deutschlandtrend vor drei Wochen am besten ab, sowohl bei allen Befragten als auch bei den Unionsanhängern.
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