Kraftwerke Datteln und Lünen liefern weiterhin Schlagzeilen, die jedoch kaum beachtet werden

Blick aus Waltrop in Richtung Datteln. Foto: Robin Patzwaldt

Es ist schon kurios. Seit Jahren beschäftigen uns, auch hier im Blog, die beiden neuen Kohlekraftwerke im nördlichen Revier, Uniper/E.On Datteln 4 und Trianel Lünen. Unzählige Beiträge wurden eingestellt und etliche Debatten haben auch wir hier dazu geführt. Letztendlich hat sich ein gewisser Überdruss eingestellt. Selbst bei den direkt betroffenen Anwohnern vor Ort.

Kaum noch jemand diskutiert aktuell über die Vorgänge dort. Dabei tut sich gerade in diesen Tagen in beiden Fällen einmal wieder wirklich diskussionswürdiges. Nach einigen Monaten Abstand zum letzten Beitrag, werde ich hier und heute daher noch einmal kurz versuchen ein entsprechendes Update zu liefern.

‚Datteln 4‘ ging im Herbst von einem Tag auf den anderen in den Probebetrieb. Eine deutlich sichtbare Rauch- und Dampffahne hing plötzlich über dem Meiler an der Stadtgrenze zwischen Datteln und Waltrop. Genauso urplötzlich war jedoch rasch auch wieder Schicht im Schacht, wie man so schön sagt. Erst auf Nachfrage der Lokalzeitung räumte der Bauherr Uniper (Nachfolger von E.On) dann in der Öffentlichkeit ein, dass es größere Probleme mit der Anlage gebe.

Inzwischen ist klar, dass rund 35.000 Schweißnähte an der Kesselanlage überprüft werden müssen, was nach offiziell in dieser Woche bestätigten Angaben wohl auch länger als die zunächst angegebene Zeitspanne bis Ende 2018 andauern wird.

Neben all dem immer noch ungeklärten juristischen Ungemach jetzt also auch noch technische Schwierigkeiten in der über 1 Milliarde Euro teuren Anlage, die einen Start ungewisser denn je erscheinen lassen.

Interessieren tut dies aber selbst in der Region selber derzeit offenkundig kaum noch jemanden. Während man hier früher auf der Straße nahezu täglich auf die Vorgänge rund um Datteln 4 angesprochen wurde, ist das in diesen Tagen nicht mehr der Fall. Keine Jubelchöre bei den Kritikern, und auch keine vernehmbare Verärgerung bei den Befürwortern und Förderern. Es scheint fast egal zu sein, ob oder wann Datteln 4 denn nun wirklich in Betrieb geht.

Selbst die Grünen und die engagierten Umweltschützer, die vor Jahren noch stets in der ersten Reihe der Kraftwerkskritiker standen sind aktuell in dieser Angelegenheit in der Öffentlichkeit nicht mehr wahrzunehmen, wenn es um das Thema geht, welches seit 2006 über Jahre hinweg der große Zankapfel der Region war.

Das Trianel Kraftwerk in Lünen. Foto: Robin Patzwaldt

Mindestens genauso kurios ist die Lage weniger Kilometer weiter, am Kraftwerk von Trianel in Lünen. Mehrere wochen- und monatelange Ausfälle prägten seit der Inbetriebnahme im Dezember 2013 das Bild des Meilers am Lüner Stummhafen in der Öffentlichkeit.

Immer wieder waren auch die verheerenden Geschäftsergebnisse des Kraftwerks in den Schlagzeilen. Auch hier ist das juristische Tauziehen noch immer nicht beendet. Doch auch hier interessiert sich für die Vorgänge in der Bevölkerung inzwischen fast niemand mehr.

Dabei berichteten die örtlichen Ruhr Nachrichten auch in diesem Falle zuletzt über wahrlich ungeheuerlich anmutende Vorgänge hinter den Kulissen in Lünen. So hat man sich dort offenbar inzwischen vom Technischen Leiter und einem weiteren Verantwortlichen getrennt. Finanzielle Unregelmäßigkeiten in Form von falschen Abrechnungen mit persönlicher Vorteilsnahme sollen dazu geführt haben, berichtet die Lokalzeitung vor Ort. Die Beteiligten sollen Aufträge zum finanziellen Nachteil von Trianel überteuert an die ‚ICS Industrial Cleaning Systems GmbH‘ aus Kamen vergeben haben. Diese hat inzwischen einen Insolvenzantrag gestellt.

Betriebsintern müssten die Vorgänge jetzt erst einmal bei Trianel in Aachen aufgeklärt werden. Aktuell sind auch von dort jedoch noch keine offiziellen Stellungnahmen zu vernehmen gewesen.

Spannend dürfte hier ja vor allem auch die Auswirkung auf die 58 beteiligten Stadtwerke sein, denen Trianel ja gehört. Was sagen die dort Verantwortlichen zu dieser Fortsetzung der Negativschlagzeilen?

Doch auch hier schlagen die erneuten, massiven Negativschlagzeilen bisher noch kaum erkennbare Wellen. Ob sich das in den nächsten Tagen und Wochen ändern wird, wenn das Thema weiter durchsickern dürfte. Man darf gespannt sein. Wir bleiben jedenfalls an beiden Kraftwerken thematisch dran, auch wenn es kaum noch jemanden zu interessieren scheint. 😉

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11 Kommentare

  1. #1 | ke sagt am 10. März 2018 um 12:23 Uhr

    Irgenwie muss ich jetzt an Kalkar bzw. an Hamm Uentrop denken.

  2. #2 | Bernd Schäfer sagt am 10. März 2018 um 17:46 Uhr

    Schrottimmobilie

    Ich denke, das Teil ist Schrott und man sollte sich den Aufwand für die Überprüfung der 35.000 Schweißnähte sparen, was monetär eine gute sechsstellige Summe sein dürfte, wenn nicht gar mehr.

    Der im Bereich des Dampfkessels eingesetzte 7CrMoVTiB10-10 – ASTM-Bezeichnung T24 – neigt bei nicht sach- und fachgerechter schweißtechnischer Verarbeitung, und die Toleranzen sind hier sehr eng, zur Aufhärtung, konkret zu einem höherem Martensitanteil in der Wärmeeinflusszone als auch im Schweißgut. Dies führt dann im Lastfall zur Spannungsrisskorrosion.

    Da dieser Schaden nicht nur an ein, zwei, drei Stellen aufgetreten ist sondern offensichtlich im gesamten Bereich des Dampfkessels spricht dafür, dass der Fehler systematisch eingebaut wurde. Sichtbar wird dieser Fehler aber nur beim Betrieb der Anlage, wenn die Schweißnähte beansprucht werden.

    Aktuell kann man deshalb nur feststellen, was in der kurzen Zeit des Betriebs schon gerissen ist. Wenn man diese Schweißnähte austauschen will, muss man wieder zusätzliche Wärme einbringen, was zu einer weiteren Aufhärtung führt. Man kann aber auch nach der einhundertprozentigen Überprüfung nicht sicher sein, dass nicht weitere Schweißnähte reißen, da dies vorwiegend passiert wenn die Anlage läuft.

    Steag hatte in Duisburg-Walsum im Steinkohlekraftwerksblock 10 entsprechende Schwierigkeiten und den T24 dann durch den 13CrMo4-5 ersetzt. Mir ist nicht bekannt wie sich das dort auf die Betriebserlaubnis ausgewirkt hat. Der T24 wird jedoch eingesetzt um höhere Temperaturen fahren zu können, mit denen dann ein höherer Wirkungsgrad und ein niedriger [!] CO2 – Ausstoß realisiert wird. Setzt man nun stattdessen den 13CrMo4-5 ein, reduziert man zwangsläufig den Wirkungsgrad und der CO2-Ausstoß wird erhöht.

    Das hat m. E. zur Folge, dass die Betriebserlaubnis hinfällig wird, da man die mit ihr verbundenen Gutachten neu anfertigen müsste um zu überprüfen, ob die Immissionen der Anlage noch im gesetzlichen Bereich liegen. Ein neues Verfahren würde aber mit Sicherheit mit einer Menge von juristischen Einwänden begleitet. Was dann zweierlei bedeutet, dass sich die Inbetriebnahme weiter verzögert und dass sich das Kraftwerk immer weniger rechnet.

  3. #3 | Walter Stach sagt am 10. März 2018 um 17:55 Uhr

    Robin,
    wenn man jahrelang "von morgens bis abends" zugetextes wurde mit Berichten und Kommentaren zu Trianel Lünen und EON-Datteln IV, dann kann ich verstehen, wenn die Menschen in der Region sich durch Neuigkeiten -vorgeblichen oder tatsächlichen- nicht mehr zu öffentlichen Meinungsbekundungen veranlaßt sehen. Das gilt auch für mich.

    EON-Datteln ….Inbetriebnahme jetzt nicht mehr in 2o18 , sondern…….2020 (?) oder gar nicht mehr?
    -abwarten-
    ….Ausgang mehrer anstehender verwaltungsgerichtlicher Verfahren?
    -abwarten-
    Trianel…………Korruptionsverdacht gegen…..?
    . Nichts Besonderes in der Industrie und deswegen für die Menschen in der Region
    keiner Aufregung wert.

    Robin,
    wenn Du "an dem Thema dran bleiben willst", dann geh doch bitte bezogen auf EON-Datteln IV auch auf die "Quecksilber-Problematik " ein. Lt. Medienberichten darf EON-Datteln IV bei Inbetriebnahme mehr Quecksilber ausstoßen als bisher genehmigt, weil m.W. die neue Landesregierung eine diesen Ausstoß minimierende Verfügung des vormaligen Umweltministers -Remmel von den Grünen- aufgehoben hat. Aber auch das, obwohl für die in der Region lebenden Menschen nicht unwichtig, scheint kaum jemanden zu interessieren. Ich habe dazu lediglich einen Leserbrief in der Waltroper-Zeitung gelesen und bin bisher von keinem Bürger dazu angesprochen worden -auch die Parteien in der Region auch der BUND haben dazu nach meiner Kenntnis öffentlich nichts gesagt.

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 10. März 2018 um 18:55 Uhr

    Walter, ich fürchte nur, dass die sich stetig ausbreitende Gleichgültigkeit (die ich übrigens auch bei mir selber feststelle) am Ende nur denen zu Gute kommt, denen von Anfang an genau daran gelegen war und wohl auch noch immer ist.

  5. #5 | B.S sagt am 10. März 2018 um 20:20 Uhr

    Insbesomdere die Sachkommentare von Herrn Stach finde ich zweifelhaft, da sie lediglich seine Meinung wiederspiegeln, die er jedoch jeden Leser als allein Richtige verkaufen möchte.

    Selbstverständlich hat Uniper keine Zeit die Angelegenheit mit dem T24 Stahl so weit und so lange nach hinten zu schieben, wie sie es für erforderlich halten- Ich möchte an dieser Stelle auf den Durchführungsvertrag zwischen der Stadt Datteln und E.on vom 25.04.2014, § A-2, Abs. 3 hinweisen, in dem es heißt: (Zitat) Der Vorhabenträger verpflichtet sich das Kraftwerk Datteln IV spätestens 30 Monate nach Erteilung der letzten für den Betrieb erforderlichen Zulassungsentscheidung entsprechend der V o r h a b e n b e s c h r e i b u n g fertigzustellen und in Betrieb zu nehmen. (Ziat Ende) Der Vorhabenbeschreibung entspricht das Kraftwerk bei Änderungen an den Kesselkomponeten sicherlich nicht mehr. Die 30-Monats-Frist aus dem städtebaulichen Vertrag vom 25.04.2014 läuft bereits seit dem 19.01.2017
    Auch gibt es keinerlei Grund, für die Stadt Datteln, diese Frist im Einvernehemen mit Uniper zu verlängern, da Eon/ Uniper das Problem mit dem extrem gefährlich Stahl ja bereits seit mind. 2011 kennt und es neun weitere baugliche Kraftwerke gibt, bei denen sogar die kompletten Kesselkomponenten ausgebaut wurden. Also hätte EON/Uniper dieses Problem bereits vor 6 Jahren angehen können. Das sie es nicht getant haben ist eindeutig ein Verstoss gegen diesen geschlossen Vertrag! Wenn Sie hier meinen den Lesern wäre das Thema gleichgültig, dann irren sie erneut! Auch das ist wieder nur Ihre Meinung dazu, die wiederum falsch ist.

    Desweiteren ist im Durchführungsvertrag festgehalten, dass nach der 30-Monatsfrist der Bebauungsplan aufzuheben ist!

    Also, wenn man sich ein wenig auskennt, muss man sich hier nicht ständig rechtfertigen, sondern man wendet sich mit diesem Thema direkt an den Stadtrat, der auf Einhaltung der städtischen Interessen zu achten hat und an den Uniper-Vorstand, der eben nicht wie angekündigt möglicherweise erst 2020 oder später in Betrieb gehen möchte. Denn bist dahon gibt es den Bebauungsplan 105 a nicht mehr.

    So dass sollten zum Thema reichen und jetzt lesen Sie sich bitte erstmal die o.g. Untrelagen durch und dann erkkennen Sie, dass das Thema weiterhin sehr spannend ist und Sie und der Redakteur sich scheinbar nicht informiert haben 🙂
    Scheinbar hat Herr Stach keine Neuigkeiten, die er hier verkünden könnte…….
    Ich jedenfalls kann das nicht mehr hören und lesen.

  6. #6 | Walter Stach sagt am 10. März 2018 um 20:20 Uhr

    Ja, Robin, diese Gleichgültigkeit verdient, bedacht zu werden. Mir scheint, sie könnte ein weiteres Anzeichen dafür sein, we in Gänze auf gesellschaftspolitische Themen in Waltrop zunehmend mit Gleichgültigkeit reagiert wird. Geht es um ganz konkrete Einzelinteressen, wird daraus oftmals ein öffentliches Spektakel.

    Ich war davon ausgegangen, daß aus der SPD-Fraktion und/oder der Fraktion DIE GRÜNEN oder vom Waltroper-Aufbruch oder von….zumindest mittels einer Anfrage an die BM um Auskunft in Sachen "erhöhter Quecksilber-Ausstoß" d. EON-Datteln IV gestellt worden wäre. Dass dieses bis heute nicht geschehen ist, belegt eine für mich unbegreifliche Gleichgültigkeit "in der Politik" hier in Waltrop. "Unbegreiflich"? Ich korrigiere mich; denn angesichts der Gleichgültigkeit in der Bürgerschaft wäre es wohl richtiger , Gleichgültigkeit in der Politik für folgerichtig zu erklären.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 10. März 2018 um 20:29 Uhr

    @bs: Ich habe auch nicht gesagt, dass das Thema nicht mehr 'spannend' ist. Im Gegenteil. Deshalb schreibe ich ja auch hier noch immer darüber, obwohl das nur noch sehr wenige Leser interessiert. 😉

  8. #8 | ottonormal sagt am 12. März 2018 um 08:44 Uhr

    Guten Tag die Herren,
    der ständige Schlagabtausch "Patzwaldt/Stach" zum Thema nervt weil er überwiegend falsch ist. Das Thema interessiert die Nachbarn natürlich noch immer. Die Luft ist auch noch lange nicht raus. Bereits heute könnte bei der Klage RWE-EON/UNIPER vor Gericht eine Wende eintreten. (Altverträge gültig ja/nein) Das Kraftwerk Datteln wird wirtschaftlich, juristisch und technisch scheitern! 2018 wird dies zeigen. In der Ruhe liegt die Kraft. Das Beste kommt zum Schluss! Wir sollten bereits heute über ein Folgenutzung nachdenken. Anbieten würde sich ein Kletterparadies und Technik-Museum. Entsprechende Touristen würden die Stadt beleben.

  9. #9 | Stefan Laurin sagt am 12. März 2018 um 09:50 Uhr

    @ottonormal: Nach den Protesten gegen Datteln und den damit verursachten wirtschaftlichen Schäden sollte in diese Projekte kein Dent öffentliches Geld fließen. Aber sicher ist der BUND bereit, in die Zukunft zu investieren. Auch ein schönes, grünes Wutbürgerzentrum könnte Besucher anziehen.

  10. #10 | B.T. sagt am 12. März 2018 um 12:01 Uhr

    @Stefan Laurin
    möglicherweise sind Sie schon so verblendet, dass Sie gar nicht mehr mit bekommen, was sie so von sich geben. Lesen Sie eigentlich auch das, was Sie in Ihren Kommentaren absondern? Durch Proteste verursachte wirtschaftliche Schäden? Selten so einen Blödsinn gelesen! Erklären Sie das bitte einmal Ihren Lesern.

    Die Proteste in Datteln haben sicherlich nicht zu wirtschaftlichen Schäden geführt. Das haben die E.on-Vorstände und Aufsichträte, die auf eigenes Risiko gebaut haben, dann auch selbst zu verantworten! Den gesamten Sachverhalt sollten Sie zwischenzeitlich kennen. Leider kann man das an Ihren Kommentaren nicht ablesen. Ihre Diffamierung der Anwohner und betroffener Bürger als Wutbürger ist schon widerwärtig.

  11. #11 | Hajo Bellmann sagt am 4. August 2018 um 12:02 Uhr

    Mich würde interessieren warum das Trianel Kraftwerk von Mai bis Juli wieder zwei Monate still gestanden hat? Waren es technische m Mängel, eine normale Revision oder Kohle Transportprobleme, die durch den Kanal bzw. durch die Schleusen verursacht wurden. Hierüber war in der Lokalpresse Lünens nichts zu lesen. Das Interesse ist nach wie vor vorhanden, nur solange keine abschließenden Urteile zu den Kraftwerken vorhanden sind, kann man ja nur abwarten und den BUND unterstützen, so wie es die Wählergemeinschaft GFL in Lünen gemacht hat.

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