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Krav Maga: Zu Besuch bei einem Schnupperkurs in Oer-Erkenschwick

Das israelische Selbstverteidungssystem Krav Maga wird auch in Deutschland immer beliebter; Foto: Sina Soberg

Das israelische Selbstverteidungssystem Krav Maga wird auch in Deutschland immer beliebter; Foto: Sina Soberg

Karate für Kinder, Jugendliche und Erwachsene: Mit dieser Kampfkunst überzeugt das Karatezentrum Oer-Erkenschwick seit Jahren Kampfkunstineressierte im Raum Recklinghausen.

Am Sonntag fand dort der erste Schnupperkurs für Krav Maga, dem Selbstverteidigungssystem der israelischen Armee, statt: Ein Selbstverteidigungssystem, dass auch in Deutschland immer beliebter wird.

Krav Maga ist, im Gegensatz zur Kampfkunst mit sportlichen Hintergrund, (Wie z.B. Karate, Taekwondo oder Judo!) ein reines Verteidigungssystem. Techniken bei Krav Maga sind schnell zu lernen, auch für z.B. nichtportliche Charaktere geeignet und dafür gedacht um bei einer, immer unkalkulierbaren, physischen Auseinandersetzung die eigenen Überlebenschancen zu erhöhen.

Etwas Geschichte: Krav Maga kommt aus dem Hebräischen und bedeutet Kontaktkampf. Entwickelt wurde das System in den 1930er Jahren von Imrich Lichtenfeld, der als Ringer aktiv war und von seinem Vater, einem Polizisten, auch Jiu-Jitsu-Techniken gelernt hat.

Hintergrund bei der Entwicklung dieses, schnell zu lernenden, realistischen Nahkampfsystems: Die zunehmenden Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung in der Slowakei in den 1930er Jahren. Später, im Jahre 1942, emigrierte Lichtenfeld ins britische Schutzgebiet „Palästina“ und unterrichtete, anfänglich mit britischer Unterstützung, die Hagana. Nach der Gründung des Staates Israel wurde Imrich Lichtenfeld Nahkampfausbilder der israelischen Verteidigungskräfte (IDF). Zugleich modifizierte er das System für Privatpersonen und Polizei.

Gemischte Gruppe: Krav Maga ist für alle Altersklassen interessant; Foto: Sina Soberg

Gemischte Gruppe: Krav Maga ist für alle Altersklassen interessant; Foto: Sina Soberg

Zurück nach Oer-Erkenschwick: Am Sonntag fand dort ein kompakter, dreistündiger, Schnupperkurs statt. Seit November 2019 bietet das Dojo (Übungshalle für japanische Kampfkünste) einen Kurs in Krav Maga an.

Schlag- und Abwehrübungen an der Pratze; Foto: Sina Soberg

Schlag- und Abwehrübungen an der Pratze; Foto: Sina Soberg

Der Kurs war, mit 30 Teilnehmern, ausgebucht: Die Gruppe war altersmäßig gemischt. Der Vorteil des Systems, ist die „leichte“ Erlernbarkeit von Grundtechniken, Jung und Alt kann sich schnell bei dieser Selbstverteidigungsart zurechtfinden. Das Verhältnis Frauen zu Männer, 50-50, war ausgeglichen. Kenntnisstand in Sachen Karate, in einer Karate-Schule ungewöhnlich: Null. Die Stimmung war gut. Die drei Stunden gingen (zu) schnell rum – es wurden aber praktisch die (minimalsten) Grundlagen gestreift: Combatives (Nahkampftechniken), Schrittarbeit und sicherer Stand, Schläge blocken und sich schützen, Griffbefreiungen, Verhaltensübungen.

Bei den Teilnehmern kam dieser „Teaser“ prima an:

98% der Teilnehmer haben sich nach den drei Schnupperstunden im wöchentlich stattfindenden Krav-Maga Kurs im Karatezentrum Oer-Erkenschwick angemeldet.

Krav Maga: Effektive, schörkellose, Selbstverteidigung; Foto: Sina Soberg

Krav Maga: Effektive, schörkellose, Selbstverteidigung; Foto: Sina Soberg

Die Ruhrbarone hatten noch ein paar Fragen an Jörg Uretschläger, Krav-Maga-Ausbilder und Leiter des Karatezentrums Oer-Erkenschwick!

Ruhrbarone: Jörg, Dein Dojo bietet bisher vornehmlich Karate an. Eine sportliche Betätigung. Krav Maga, das Nahkampfsystem der israelischen Armee, ist ein reines Verteidigungssystem. Wieso diese Ergänzung?

Jörg Uretschläger: Krav Maga wurde aus dem Karate oder genauer: Aus dem Jiu-Jitsu,  entwickelt. Wir sehen Krav Maga als Ergänzung zum Verständnis für das Karate an.

Ruhrbarone: Als Leiter einer Kampfkunstschule, wie siehst Du das? Hat sich der „Bedarf“ nach persönlicher Sicherheit in den letzten Jahren verändert?

Jörg Uretschläger: Verändert auf jeden Fall! Das Thema Sicherheit geht täglich durch die sozialen Medien. Die Menschen fühlen sich zunehmend unsicherer in alltäglichen Situationen, neben Überbelastung im Arbeitsalltag. Fitnessstudios sind langweilig und bieten keine gruppendynamische oder persönliche Betreuung. Was die Nachfrage bei professionellen Kampfsportschulen erhöht.

Jörg Uretschläger: Lehrer für Karate und Krav Maga; Foto: Sina Soberg

Jörg Uretschläger: Lehrer für Karate und Krav Maga; Foto: Sina Soberg

Ruhrbarone: Ihr hattet jetzt, nach drei Schnupperstunden, viele Neuanmeldungen für den festen Krav-Maga-Kurs: Kann so ein Nachmittagskurs überhaupt mehr bieten als einen groben Einblick, bzw. ist nicht die Gefahr da, dass die Teilnehmer nach so einem Schnellkurs ein „falsches“ Gefühl von Sicherheit bekommen?

Jörg Uretschläger: Jeden Kampf, den ich nicht kämpfe, ist ein guter Kampf denn ich komme heil nach Hause. Darum geht es ja. Gefahrenerkennung, Konflikte entschärfen, und Problemen aus dem Weg gehen. Gar nicht erst in die Opfer Rolle fallen, denn Täter suchen Opfer und keine Gegner. In Krav Maga sucht man immer den Schutz und versucht einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Nur wenn ich nicht flüchten kann, gehe ich in die Verteidigung: Und zwar so lange bis ich wieder flüchten kann. Durch das körperliche Training,  steigere ich das positive Körpergefühl, was sich letztendlich auch auf die Körpersprache im Alltag, mehr als nur positiv, niederschlägt.

Ruhrbarone: Vielen Dank für die Informationen und viel Erfolg für das Kursangebot!

Jörg Uretschläger: Euch auch weiterhin viel Erfolg – und Masel tov.

Weitere Informationen zu Krav Maga:

Krav Maga im Karatezentrum Oer-Erkenschwick-Erkenschwick

RuhrBarone-Logo

2 Kommentare zu “Krav Maga: Zu Besuch bei einem Schnupperkurs in Oer-Erkenschwick

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