Kreativwirtschaft auf’m Platz

Heute um 20.30 Uhr beginnt die Rückrunde der Fußball-Bundesliga, die ARD zeigt das womöglich wegweisende Auswärtsspiel von Borussia Dortmund in Leverkusen. So weit, so nüchtern festgestellt.

Die Fieberkurve steigt jedoch. Als Dortmunder und BVB-Anhänger kann einem zugleich mulmig werden, sofern man nicht völlig benebelt ist. Trotz des famosen Zehn-Punkte-Vorsprungs hat Trainer Jürgen Klopp verdammt recht, wenn er das M-Wort nicht benutzen will. Ein paar Verletzungen, eine kleine krisenhafte Serie – und schon… Aaaaargh!

Derart euphorische Vorschusslorbeeren wie für den jetzigen Tabellenführer hat es für einen Verein außerhalb Bayerns wohl noch nie gegeben. Der erste Wettanbieter hat bereits jetzt Gewinne an jene ausgezahlt, die auf den BVB als Meister gesetzt haben. Verrückt. Daher schneller Themenschwenk.

Man kennt das: Im Umfeld von WM- oder EM-Turnieren werden stets weit ins (Multi)-Kulturelle und Gesellschaftliche ausgreifende Hypothesen gestemmt, warum die Kicker dieser Nation obenauf sind, andere aber darnieder liegen.

Welchen Maßstab aber will man im Vergleich der deutschen Städte anlegen? Hat sich die viel beschworene Dortmunder Kreativwirtschaft schon rundum ausgewirkt? Hat gar das Gewese der Kulturhauptstadt rings ums Dortmunder „U“ auch der Fußballmannschaft Flügel verliehen? Unsinn. Entscheidend is‘ auf’m Platz. Die mitreißende Leidenschaft kommt aus dem Spiel und mitten aus dem Team heraus, sie wäre eher gruppenpsychologisch zu verstehen. Ob sie etwas anderes repräsentiert, darf bezweifelt werden. Behaupte ich jetzt mal.
In der Süddeutschen Zeitung von heute steht ein ausführliches Interview, das (der Dortmunder) Freddie Röckenhaus mit dem BVB-Vorstandschef Hans-Joachim Watzke geführt hat, welcher (mit Seitenblick auf die Grünen) die „wertkonservative“ Haltung seiner gut dotierten Angestellten lobt. Die schwarzgelben Profis, so Watzke, dächten beim Spiel nicht so sehr an Arbeit und Geld, sondern an die „Chance zur Selbstverwirklichung“. Same old story: Elf Freunde sollt ihr sein. Man fühlt sich fast wieder wie bei Sepp Herberger selig. Ach, ist das heimelig!
Apropos Süddeutsche, FAZ & Co. Falls dem BVB das Meisterstück gelingen sollte, werden in den überregionalen Zeitungen wieder jene etwas gönnerhaften Artikel erscheinen, in denen steht, wie bitter nötig eine gebeutelte Stadt wie Dortmund eine solchen Schub doch habe. Es wäre schön, wenn ich mich irrte.

P. S.: Frage niemand nach dem Bild, ich verrate es sowieso. Die Pinguine in den Trikots von Brasilien und England gab’s zur WM 2002.

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4 Kommentare

  1. #1 | Frank (Frontmotor) sagt am 14. Januar 2011 um 18:32 Uhr

    Na klar, Dortmund wird Meister! Weil die als einzige wirklich Fussball SPIELEN.

    Was in der Wirtschaft Ausdruck von Managerphantasielosigkeit ist und sich in der Aufgabe der eigenen Forschung und nur noch Übernahmen anderer Unternehmen ausdrückt, das ist im Fussball die Unkultur des Einkaufens teurer fertiger Stars.

    Und so wie in der Wirtschaft jede Fusion scheitert, so scheitert auch immer Häufiger das Zusammenspiel der zusammengekauften Starensembles.

    Der BvB ist dagegen das Startup der Hungrigen, derjenigen die was können und was reißen wollen. Mit dem, worum es im Fussball geht.

    Dass die Schreiber von Süddeutscher, FAZ und BILD das Phänomen Dortmund nicht in würdige Worte fassen können, hängt mit deren jahrelanger Konzentration auf den Geld-muss-Tore-schiessen FC Bayern zusammen. Sollen sie tun. Uns kümmerts nicht.

    Heja BvB!

    Grüße aus Berlin

  2. #2 | Bernd Berke sagt am 14. Januar 2011 um 20:29 Uhr

    @Frank: Ich widerspreche nicht. 🙂

  3. #3 | Frank (Frontmotor) sagt am 14. Januar 2011 um 22:05 Uhr

    PS: Die Überschrift passt übrigens sehr gut 🙂 Läuft doch gut heute abend 🙂

  4. #4 | Bibo sagt am 14. Januar 2011 um 23:04 Uhr

    Jau! 🙂 Kloppo sei Dank! Läuft doch! 🙂
    Jetzt kann ich auch beruhigt das Wochenende angehen!

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