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Kulturförderung in Bochum: Man muss auch streiten können

Bahnhof Langendreer Foto: Stahlkocher Lizenz: GNU/CC

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Lohnt es sich, über Kultur zu streiten? Macht es Sinn, über die Finanzierung von freier Kultur zu sprechen, wenn die Städte pleite sind? Kann bei einem Gespräch mehr heraus kommen, als die Tatsache, dass die Situation prekär ist? Oder muss es nicht letztlich in Umverteilungskämpfen zwischen On- und Off-Kultur enden? Alles eine Frage des Ansatzes, glaubt man in den Rottstr5Kunsthallen. Und tatsächlich ist bei der Diskussion Streit/Kultur am 22.10., 19 Uhr, zumindest die Podiumsbesetzung schon einmal interessant. Unter der Moderation durch die Journalistin Regina Völz sprechen Frauke Burgdorff, Vorstand der Montag Stiftung Urbane Räume, Olaf Kröck vom Schauspielhaus und Detroit-Projekt und Georg Mallitz von den Rottstr5Kunsthallen miteinander. Verantwortlich für die Veranstaltungsreihe ist die Intitative Streitkultur, die aus dem Kulturstammtisch, in dem sich in wechselnder Besetzung wichtige Vertreter der freien Szene Bochums treffen, hervorgegangen ist. Spannend wird es, weil auch die Politik involviert ist, denn die Initialzündung zur Gründung der Initiative kam letztlich vom kulturpolitischen Sprecher der Bochumer SPD Hans Hanke sowie Barbara Jessel von den Grünen. Es sitzen hier also einmal alle Beteiligten an einem Tisch: On- und Off-Kultur sowie Kulturpolitik und Stadtplanung.

Unter der Überschrift „Von Bojen und Leuchttürmen“ könnte es dabei endlich einmal um mehr gehen als nur die Forderung nach mehr Geld für die freie Kultur, die angesichts der dramatischen Haushaltslage Bochums ohnehin hinfällig ist. Es muss vielmehr heute darum gehen, wie mit dem wenigen Geld, das da ist, Kultur überhaupt noch geschafft werden kann. Und welche Kultur das dann sein soll. Das geht auch an die freie Szene, die ihre Forderung nach Förderung auch inhaltlich begründen muss. Was ist es eigentlich, was sie für die Stadt leistet und leisten will. Ist sie ein Instrument der Stadtentwicklung, Vorbote einer Gentrifizierung, oder liegt ihre Bedeutung in sozialintegrativer Arbeit? Ist sie vielleicht ein Mittel des Stadtmarketings? Und ist sie dann noch frei? Vielleicht ist ja aber auch das vorhandene Geld völlig ausreichend und wird nur völlig falsch verteilt? Weil die Politik einfach keine Ahnung von den Mechanismen der freien Szene hat. Möglicherweise muss die Politik sich viel mehr mit spezifischen Arbeitsweisen der einzelnen Kulturaktivisten auseinandersetzen, um zu entscheiden ob Projektförderung oder Strukturförderung das geeignete Unterstützungsmittel ist.

Bochum könnte hier zu einem Modellfall werden, da die Stadt grundsätzlich in vielen Bereichen der On- und Off-Kultur noch recht gut aufgestellt ist, sich selbst immer mehr als Bildungs- und Kulturstandort geriert und trotzdem überschaubar genug ist, um völlig neue Modelle der Kulturförderung zu erproben. Dass das nicht populistische Modelle wie die „basisdemokratische“ Vergabe von Geldern durch die Stadtwerke sein können, dürfte jedem klar sein. Um eine neue Form der Kulturförderung zu entwickeln, braucht die Politik Strukturkriterien, die sie nur von den Akteuren der Kulturszene und mit ihnen zusammen entwickeln kann. Und die freie Szene muss sich darüber klar werden, was „frei“ für sie eigentlich bedeutet und welche Funktion sie in der Stadt erfüllen will oder kann.

22.10., 19 Uhr, Bochum, Rottstr5 Kunsthallen, www.rottstr5.de

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